Strukturwandel in der Metropolregion Nürnberg


Projektarbeit, 2007
30 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

- Inhaltsverzeichnis -

1. Einleitung

2. Entwicklung des nominalen Bruttoinlandproduktes und der sektoralen Brutto wertschöpfung zu Marktpreisen
2.1 Entwicklung des BIPn
2.2 Entwicklung der sektoralen BWSn
2.2.1 Erlangen
2.2.2 Fürth
2.2.3 Nürnberg

3. Entwicklung der Erwerbstätigenstruktur nach Sektoren
3.1 Erlangen
3.1.1 Sekundärer Sektor
3.1.2 Tertiärer Sektor
3.1.3 Konjunktur und Strukturwandel
3.2 Fürth
3.3 Nürnberg
3.4 Vergleich der drei Städte mit München

4. Produktivität
4.1 Erlangen
4.2 Fürth
4.3 Nürnberg

5. Intrasektoraler Strukturwandel

6. Schlussgedanke

7. Zusammenfassung

8. Literatur- und Quellenverzeichnis

- Anlagenverzeichnis -

Anlage l: Anlage 2:

Anlage 3:

Anlage 4: BIPn und BWSn in Erlangen BIPn und BWSn in Fürth BIPn und BWSn in Nürnberg Erwerbstätige in Erlangen (Tabelle)

Anlage 5: Erwerbstätige in Erlangen (Grafik)

Anlage 6: relative Änderungen der BWSn und der Beschäftigung zum Vorjahr in Erlangen im Industriesektor

Anlage 7: relative Änderungen der BWSn und der Beschäftigung zum Vorjahr in Erlangen im Dienstleistungssektor

Anlage 8: Erwerbstätige in Fürth (Tabelle)

Anlage 9: Erwerbstätige in Fürth (Grafik)

Anlage 10: relative Änderungen der BWSn und der Beschäftigung zum Vorjahr in Fürth im Industriesektor

Anlage 11: relative Änderungen der BWSn und der Beschäftigung zum Vorjahr in Fürth im Dienstleistungssektor

Anlage 12: Erwerbstätige in Nürnberg (Tabelle)

Anlage 13: Erwerbstätige in Nürnberg (Grafik)

Anlage 14: relative Änderungen der BWSn und der Beschäftigung zum Vorjahr in Nürnberg im Industriesektor

Anlage 15: relative Änderungen der BWSn und der Beschäftigung zum Vorjahr in Nürnberg im Dienstleistungssektor

Anlage 16: Erwerbstätige in München

Anlage 17: Produktivität in Erlangen

Anlage 18: Produktivität in Fürth

Anlage 19: Produktivität in Nürnberg

Anlage 20: sozialversicherungspflichtige Beschäftigte nach Berufsordnung

- Abkürzungsverzeichnis -

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Metropolregion Nürnberg – besehend aus 21 Landkreisen und zwölf kreisfreien Städ- ten – verfügt über rund 1,7 Mio. Erwerbstätige und erwirtschaftete 2004 ein BIPn von ca. 100 Mrd. €.1 Ca. eine halbe Million der Erwerbstätigen ist in den Kernstädten Erlangen, Fürth und Nürnberg beschäftigt und hat 2004 ein BIPn von 31,6 Mrd. € erwirtschaftet2. Weil diese drei Städte für die Metropolregion so elementar und bedeutend sind, befasst sich die Arbeit lediglich mit diesen.

Strukturwandel – wobei unter Struktur der Aufbau eines Ganzen verstanden wird, dessen Teile in einem Zusammenhang stehen3 - wird häufig als etwas Bedrohliches verstanden; oft aber auch als DIE große Chance für den Arbeitsmarkt. Ziel der Arbeit soll es daher sein, eine empirische Auswertung des Strukturwandels zu erstellen.

Ein Hauptziel des EUREK ist gerade eine vielfältige, leistungsfähige Wirtschaftsstruktur in den Kernstädten zur Erhaltung der europäischen Vielfalt auf lokaler Ebene und zur Ver- besserung der lokalen Zukunftsaussichten4. Daher muss natürlich der Strukturwandel auch unter diesen Gesichtspunkten berücksichtigt werden.

Da die drei Kernstädte über einen minimalen landwirtschaftlichen Sektor verfügen, wird dieser hier außen vor gelassen. Auch eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Struk- turwandel erfolgt wegen des Umfangs dieser Arbeit nicht.

2. Entwicklung des nominalen Bruttoinlandproduktes und der sektoralen Brutto- wertschöpfung zu Marktpreisen

Da bei der Betrachtung des BIP und der BWS nur nominale Werte vorliegen, wird sich im folgenden Verlauf der Arbeit nicht primär auf die Entwicklung des BIPn und der BWSn konzentriert, sondern auf die Änderung der Verhältnisse der Sektoren zueinander im Zeit- verlauf.

2.1 Entwicklung des BIPn

Jedoch möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass Erlangen in der Entwicklung des BIPn eine gewisse Sonderstellung einnimmt.5 Ist das BIPn im Zeitverlauf 1990 bis 2005 in den Städten Fürth und Nürnberg um ca. 50 %6 angestiegen, hat es sich in Erlangen fast verdoppelt. Dies wird im Zeitraum 1980 bis 2005 noch deutlicher: Fürth legt um 89 % zu, Nürnberg um 153 %, Erlangen hingegen um 254 %. Für den Zeitraum 1990 bis 2005 ist hierfür ein unterschiedlich starkes Wachstum der BWSn im Dienstleistungssektor ver- antwortlich. Wächst dieser in Fürth durchschnittlich mit 3,83 % im Jahr, in Nürnberg mit 3,37 %, liegt dagegen das Wachstum in Erlangen bei 7,73 %.7

2.2 Entwicklung der sektoralen BWSn

2.2.1 Erlangen

Wurde in Erlangen 1980 62,5 % der BWSn im zweiten Sektor erwirtschaftet, waren es 2005 lediglich 34,9 %.8 Entsprechend gegensätzlich verlief die Entwicklung im tertiären Sektor: von 37,l % (1980) auf 64,9 % (2005). 1998 wurde dann der sekundäre vom tertiä- ren Sektor überholt. Der hier beschriebene Strukturwandel beruht aber auf keinem nomi- nalen Rückgang des zweiten Sektors9, sondern auf dem enormen nominalen Wachstum des Dienstleistungssektors (siehe 2.1).

Der Finanzierungs-, Vermietungs- und Unternehmensdienstleistungssektor hat 1996 ledig- lich 37,2 % am tertiären Sektor betragen. 2005 ist er jedoch auf 60,0 % angestiegen. Auch ist diese Anteilsverschiebung nicht mit einem Rückgang beim Handel, Gastgewerbe und Verkehr, bzw. bei den sonstigen öffentlichen und privaten Dienstleistungen zu erklären, sondern vielmehr mit einem starken nominalen Wachstum von durchschnittlich 13,61 %, wo hingegen die anderen beiden Teilsektoren nur minimal gewachsen sind.10

Da im Vergleich zu den anderen beiden Städten der Industriesektor eine enorme Bedeu- tung hatte und auch noch hat (vgl. 2.2.2 und 2.2.3), haben starke Schwankungen in diesem Sektor eine starken Einfluss auf die Entwicklung des BIPn. Besonders deutlich wurde dies 1993 und 2001. 1993 war im Vergleich zum Vorjahr bei der BWSn im verarbeitenden Gewerbe ein Rückgang von 8,33 % zu verzeichnen, was zu einem Rückgang des BIPn von 2,93 % führte. 2001 brach die BWSn im verarbeitenden Gewerbe sogar um 31,94 % ein. Das BIPn ist daher in diesem Jahr um 11,58 % gesunken, trotz einem Anstieg der BWSn um 5,94 % im dritten Sektor.

Auch in Fürth und Nürnberg kam es in diesen beiden Jahren zu deutlichen Einbrüchen beim produzierenden Gewerbe – zwar waren diese bei weitem nicht so enorm wie in Er- langen11 - aber zu einem Rückgang des BIPn kam es dort nicht.

2.2.2 Fürth

Zu den Veränderungen in Erlangen erweist sich Fürth als Garant von Kontinuität – viel- leicht gerade wegen einer vollkommen unterschiedlichen Ausgangslage:12 1980 wurde in Fürth nur 27,0 % der BWSn im Industriesektor und 72,8 % im dritten Sektor erwirtschaf- tet. 2005 sind die Anteile ziemlich ähnlich, denn 22,l % der BWSn verteilen sich auf die Industrie und 77,7 % auf Dienstleistungen.

Ebenfalls im Dienstleistungssektor ist die Aufteilung und Entwicklung eine ganz andere als in Erlangen. 1996 betrug die BWSn in Handel, Gastgewerbe und Verkehr (III.1) 47,6 % und die BWSn bei Finanzierungen, Vermietungen und Unternehmensdienstleistungen (III.2) 33,0 % an den gesamten Dienstleistungen. Daran hat sich bis 2005 nicht allzu viel geändert: III.12005 42,0 % und III.22005 36,31 %.

2.2.3 Nürnberg

Bei der Entwicklung der sektoralen BWSn-Anteile kann man grob sagen, dass Nürnberg zwischen Fürth und Erlangen liegt.13 1980 hat sich die anteilige BWSn der Industrie auf 28,5 % belaufen, die BWSn der Dienstleister lag bei 61,2 %. Dieser Anteil ist bis 2005 auf 72,7 % angestiegen; folglich ist der Anteil des sekundären Sektors auf 27,l % zurückge- gangen.

Die Bedeutung von Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleistungen hat anteilmäßig minimal zugenommen (1996: 44,2 %; 2005: 47,5 %14). Hingegen hat der Teilsektor Handel, Gastgewerbe und Verkehr an Bedeutung leicht abgenommen (1996: 31,4 %, 2005: 26,0 %15).

3. Entwicklung der Erwerbstätigenstruktur nach Sektoren

Problematisch war bei 2., dass Zahlen zur Bruttowertschöpfung wie auch zum Bruttoin- landsprodukt nur nominal vorlagen und daher reale Veränderungen auf Grund der Preis- änderungen nur grob abgebildet werden konnten. Ein Rückschluss auf die tatsächliche Bedeutung der Sektoren in der Volkswirtschaft lässt sich so nicht ermitteln. Weil den sta- tistischen Ämtern für einzelne Städte keine realen Werte des BIP - bzw. der BWS - vorlie- gen, wird nun die tatsächliche Bedeutung und Entwicklung der Sektoren modellhaft am Beispiel der Erwerbstätigenentwicklung untersucht.

Eine Umrechnung der BWSn mittels entsprechender Berücksichtigung der Inflationsraten der Bundesländer ist nicht Erfolg versprechend. Gerade in Ballungsräumen findet sich oft eine Häufung bestimmter Gewerbezweige, die die Region prägen. Wenn es in diesen Branchen zu konjunkturellen Kapazitätsengpässen kommt, oder auch wenn die Nachfrage in diesen Schlüsselbranchen einbricht, versuchen diese Unternehmen durch die Preise sich an den Märkten anzupassen. Der Marktwert des Outputs ändert sich deutlich. Die Preis- änderung der Schlüsselbranche hat dann auf die Preisstabilität der Region einen markanten Einfluss. Hingegen hat diese regionale Preisänderung auf das Bundesland nur einen mar- ginalen Einfluss.16 Des Weiteren wäre bei einer Umrechnung problematisch, dass die In- flationsrate bei Dienstleistungen anders ermittelt wird als bei Sachgütern.

Ich weiße darauf hin, dass durch den „Umweg“ über die Erwerbstätigenzahlen nicht auf die Höhe des Outputs geschlossen werden kann. Durch den technischen Fortschritt – unter der Annahme einer konstanten Arbeitszeit – kann mit weniger Beschäftigten derselbe Output produziert werden17. Diese Problematik ist aber für mich hier nachrangig, da - un- ter der Berücksichtigung der Ziele des EUREK18 - die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Städte und Peripherie einen bedeutenden Faktor ihrer Attraktivität darstellt.

3.1 Erlangen

3.1.1 Sekundärer Sektor

Im Industriesektor ist die Erwerbstätigkeit im Zeitraum 1987 bis 1992 von ca. 37.600 auf 39.500 (Zuwachs von 5,0 %) angestiegen. Von diesem Höchstwert ist die Zahl der Er- werbstätigen dann bis 1999 auf ca. 30.600 (Rückgang von 22,5 %) gefallen.19

Wurde unter 2.2.1 festgestellt, dass 1993 die BWSn im verarbeitenden Gewerbe um 8,3 % zurückgegangen ist und daher die BWSn im gesamten Industriesektor ebenfalls um 7,8 %, beläuft sich der Rückgang im zweiten Sektor 1993 lediglich auf 4,3 %. Jedoch ist die Zahl der Erwerbstätigen 1994 um weitere 7,6 % zurückgegangen, bei gleichzeitigem Anstieg der BWSn um 2,l %. Der Rückgang der Erwerbstätigkeit erfolgte also zeitlich verzögert und in einem größeren Ausmaß als der Rückgang der BWSn.20

An der Entwicklung in Erlangen ist ebenfalls auffällig, dass in den Jahren 1995 bis 1997 bei ungefähr konstanter BWSn die Zahl der Erwerbstätigen durchschnittlich um 3,4 % abnimmt. Dies weißt auf die Produktivitätshypothese als eine Ursache des Strukturwan- dels hin. Bei gleich bleibendem Output und ansteigender Produktivität21 sinkt demnach die Zahl der Erwerbstätigen im Industriesektor.22 Diese These wird aus betriebswirtschaftli- cher Sicht noch um eine eher pessimistische, mittelfristige Zukunftseinstellung ergänzt.23

Einer ähnliche Entwicklung wie oben beschrieben, jedoch unter anderen Vorzeichen, lässt sich auch in den Jahren 1999 bis 2001 feststellen: Stieg die BWSn 1999 um 11,5 % und 2000 um 6,2 % im sekundären Sektor an, folgte ein Erwerbstätigenanstieg erst in den Jah- ren 2000 und 2001 mit jeweils ca. 3,4 %. Die Erwerbstätigkeit ist also nicht in gleichem Maße wie die BWSn angestiegen. Ich verweiße auf die oben genannte Zukunftserwartung unter Berücksichtigung des deutschen Kündigungsrechtes, dass wegen seines hohen Kün- digungsschutzes im Aufschwung eher einstellungshemmend wirkt.24

2002 bis 2004 ist die Erwerbstätigkeit im jährlichen Durchschnitt im Industriesektor um 1,7 % zurückgegangen, obwohl Wachstumsraten der BWSn von durchschnittlich 9,6 % vorlagen.

3.1.2 Tertiärer Sektor

37.500 Personen waren 1987 im Dienstleistungssektor erwerbstätig. 2005 hingegen waren es in diesem Sektor 54.800 Erwerbstätige. Abgesehen vom Jahr 1994 fand ein Anstieg der hier Erwerbstätigen statt. In diesem Beobachtungszeitraum fand ein durchschnittlicher Anstieg von 2,13 % statt.

Betrachtet man nun die relative Änderung der Erwerbstätigkeit zum Vorjahr mit der relati- ven Änderung der BWSn als konjunkturellen Indikator25, stellt man fest, dass teilweise enorme Unterschiede zwischen dem Anstieg der Erwerbstätigen und dem Anstieg der BWSn vorliegen. Gerade in den Jahren 1991, 1992, 1995, 1996 und 2003 bis 2005 liegt eine Abweichung von durchschnittlich 9,0 %26 vor (vgl. hierzu 4.1).

Es ist festzuhalten, dass obwohl in der Industrie im Zeitraum 1992 bis 2005 über 9.100 Personen (- 23,l %) freigesetzt wurden, im Dienstleistungssektor im gleichen Zeitraum fast 9.500 Menschen (+ 20,9 %) eine neue Erwerbsgrundlage gefunden haben.

3.1.3 Konjunktur und Strukturwandel

Obwohl sich diese Arbeit mit dem Strukturwandel beschäftigt, habe ich mich unter 3.1.1 teilweise ausführlich mit Konjunktur und Erwerbstätigkeit befasst. Im Industriesektor liegt die Zahl der Beschäftigten 2005 im Vergleich zu 1997 bei gerade einmal 76,9 %. Beson- ders in Zeiten des Stillstandes und des Rückgangs der BWSn wurde mehr Erwerbstätigkeit abgebaut, als bei einem deutlichen Anstieg neu geschaffen wurde. Es kann also davon ausgegangen werden, dass gerade bei wachstumsschwachen Branchen sich der Struktur- wandel in Zeiten der Rezession in zyklischen Schüben auswirkt und in Zeiten des Auf- schwungs nicht unmittelbar neue Erwerbstätigkeit geschaffen werden muss.27 Für die Dienstleistungsbranche lässt sich kein Zusammenhang erkennen (vgl. 3.1.2).

3.2 Fürth

Im Industriesektor trifft das bereits in 3.1.1 für Erlangen beschriebene auch grob auf Fürth zu, wobei der Erwerbstätigenrückgang drastischer ist als in Erlangen.28 Im Zeitraum 198729 bis 1990 ist die Zahl der Erwerbstätigen von ca. 23.300 auf 24.800 leicht angestie- gen. Seit dem erfolgt ein stetiger Rückgang auf 13.500 (2005) Erwerbstätige. Dieser Rückgang von 45,4 % entspricht einem geometrischen Mittel von jährlich – 4,0 %. Ebenso die unter 3.1.3 gemachte Behauptung scheint auch für Fürth zu gelten, wobei der zyklische Strukturwandel noch deutlicher wird.30

Abgesehen von den Jahren 1993 und 2003 ist die Zahl der Erwerbstätigen im tertiären Sektor im Zeitraum 1987 bis 2005 stetig gewachsen. Für diesen Zeitraum beträgt das durchschnittliche Wachstum 2,3 %. Ab 1997 geht das Wachstum im dritten Sektor ebenso wie in Erlangen vor allem auf die Finanzierungs-, Vermietungs- und Unternehmensdienst- leistungsbrachen (geometrisches Mittel von + 3,8 %). Jedoch ist dieser Wert vor allem auf einen enormen Anstieg im Jahre 1998 zurückzuführen (+ 15 % zu Vorjahr). 2003 und 2004 sind diese Branchen sogar leicht gesunken31. Auch spielten hier beim Anstieg der Beschäftigtenzahlen ab 1997 die sonstigen öffentlichen und privaten Dienstleistungen eine größere Rolle als in Erlangen.

Ein Rückgang der Erwerbstätigen im Industriesektor im Zeitraum 1990 bis 2005 von 11.200 Personen (- 45,4 %) konnte im Gegensatz zu Erlangen durch den Anstieg im Dienstleistungssektor nicht vollständig aufgefangen werden, da hier lediglich 10.800 neue Stellen (+ 33,7 %) geschaffen wurden.

3.3 Nürnberg

In Nürnberg32 stieg die Zahl der im produzierenden Gewerbe Erwerbstätigen von 1987 bis 1991 von ca. l12.600 auf l18.100 an33. Seitdem ist die Zahl der hier Erwerbstätigen auf 73.100 Personen (2005) gesunken. Dies entspricht einem durchschnittlichen Rückgang von -3,4 %. Wie bereits bei Erlangen und Fürth beschrieben, verläuft der Rückgang in ähnlichen zyklischen Schüben.34

Von 1987 bis 2005 ist die Erwerbstätigenzahl im Dienstleistungssektor von 1987 bis 2005 von 208.800 auf 282.300 Personen stetig angestiegen. Dies entspricht einem durchschnitt- lichen Wachstum von 1,7 %. Im Vergleich zu den beiden anderen Städten ist die Zahl der Erwerbstätigen in Handel, Gastgewerbe und Verkehr im Zeitraum 1996 bis 2005 um 9.900 Personen auf 94.600 gesunken. Hingegen hat Nürnberg im Vergleich zu den beiden anderen Städten ein deutliches Wachstum bei sonstigen öffentlichen und privaten Dienst- leistungen von durchschnittlich 3,4 % in diesem Zeitraum35. Das Wachstum in der Finanzierungs-, Vermietungs- und Unternehmensdienstleistungsbranche ist mit durchschnittlich 2,8 % geringer.

Seit 1991 bis 2005 wurden im Industriesektor insgesamt 45.000 Personen (- 38,l %) frei- gesetzt. Denen stehen 41.400 neue Stellen (+ 17,2 %) im Dienstleistungssektor gegenüber, was zu einer Abnahme von insgesamt 3.600 Erwerbstätigen führt.

3.4 Vergleich der drei Städte mit München

Beim Vergleich der drei Städte mit München wird als Ausgangsjahr das Jahr 1991 festge- legt, da bei den drei mittelfränkischen Städten sich um das Jahr 1991 die höchste Beschäf- tigung im sekundären Sektor finden lässt. Nürnberg wie München hatten zwar 1980 eine höhere Beschäftigung als 1991 in diesem Sektor, aber auf Grund der unvollständigen Zeit- reihe 1980 bis 1987, wird 1991 als Basis herangezogen. An dieser Stelle soll kurz darauf hingewiesen werden, dass ein Vergleich mit München schwierig ist, da sich eine dauerhaf- te Freisetzung im produzierenden Gewerbe schon ab 1987 erkennen lässt und nicht wie bei den anderen drei Städten erst ab ca. 1991.

1991 waren in München 25,9 % in der Industrie und 73,8 % im Dienstleistungsgewerbe tätig. 2005 hingegen waren noch 18,7 % im zweiten Sektor erwerbstätig, im tertiären hin- gegen 81,0 %. Über diesen Beobachtungszeitraum kam es insgesamt zu einem Rückgang von 1,4 % der Erwerbstätigen, wobei in der Industrie 28,8 % weniger Personen erwerbstä- tig sind und im tertiären Sektor 8,3 % mehr.36

Im Vergleich zu München waren die drei mittelfränkischen Städte nicht nur industrialisier- ter, sondern sind es auch noch. Nürnberg liegt 2005 mit 20,5 % der Erwerbstätigen (1991: 32,7 %) nur leicht über den Münchner Werten, Fürth ist etwas stärker industrialisiert (2005: 23,8 %; 1991: 40,6 %) und Erlangen sticht mit 35,5 % der Erwerbstätigen im pro- duzierenden Gewerbe (2005; zum Vergleich 1991: 47,0 %) deutlich hervor.

[...]


1 Homepage der Metropolregion Nürnberg

2 Anlagen 1 bis 4, 8 und 12

3 Pelka; S. 168

4 EUREK, S. 7, 21 ff., 27, 69

5 Anlage 1 bis 3

6 Fürth 55 % und Nürnberg 47 %

7 ermittelt nach dem geometrischen Mittel; ist bei sonstigen Mittelwerten – die sich auf ein durch- schnittliches jährliches Wachstum beziehen – nichts anderes vermerkt, erfolgt ebenfalls eine Berech- nung nach dem geometrischen Mittel

8 Anlage 1

9 hier fand nominal sogar fast eine Verdopplung statt

10 Ich weiße darauf hin, dass zehn Jahre für eine langfristige Beobachtung der strukturellen Änderung fast ein wenig knapp sind. Jedoch liegen den statistischen Ämtern keine älteren Zahlen vor. Im weite- ren Verlauf der Arbeit wird daher auf diese Problematik nicht weiter eingegangen.

11 in Fürth: ∆ BWSn 1993 – 11,61 %, ∆ BWSn 2001 – 10,01 %; in Nürnberg: ∆ BWSn 1993 – 5,67 %, ∆ BWSn 2001 – 6,77 % (jeweils zu Vorjahr)

12 Anlage 2

13 Anlage 3

14 Anteil an allen Dienstleistungen

15 Anteil an allen Dienstleistungen

16 Meißner/ Fassing; S. 21 f, S. 50

17 hier möchte ich auf Pelka (S. 171 f) verweisen, die unterschiedliche Entwicklungen der Produktivi- tät in verschiedenen Branchen als eine Ursache der sektoralen Strukturwandels beschreibt.

18 EUREK; S. 7

19 Anlage 4 und 5

20 Anlage 6

21 Anlage 16

22 Pelka; S. 171 f.

23 Meißner/ Fassing; S. 50 ff.

24 IAB-Kurzbericht Nr. 24 / 08.10.2002, S. 3 ff.

25 Anlage 7

26 arithmetisches Mittel

27 Meißner/ Fassing; S. 20 f., 50 ff und Anlage 6

28 Anlage 8 und 9

29 1980 war die Zahl der Beschäftigten größer, jedoch liegen nur unvollständige Zahlenreihen vor

30 Anlage 10

31 jeweils zu Vorjahr; 2003: - 2,4 %, 2004: - 2,0 %

32 Anlage 12 und 13

33 1980 waren 122.500 Personen in der Industrie erwerbstätig. Bis 1987 lieben aber nur unvollständig Zahlen vor.

34 Anlage 14

35 zum Vergleich: Erlangen: + 1,2; Fürth: 2,1 %

36 Anlage 16

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Strukturwandel in der Metropolregion Nürnberg
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Bayern in München  (Allgemeine innere Verwaltung)
Veranstaltung
Volkswirtschaftslehre
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
30
Katalognummer
V124748
ISBN (eBook)
9783640298624
ISBN (Buch)
9783640303786
Dateigröße
728 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Strukturwandel, Metropolregion, Nürnberg, Volkswirtschaftslehre
Arbeit zitieren
Diplom-Verwaltungswirt (FH) Matthias Will (Autor), 2007, Strukturwandel in der Metropolregion Nürnberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124748

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