Im Vergleich zu München hat eine verstärkte De-Industrialisierung deutlich später begonnen. Auch sind die drei Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen noch stärker vom Industriesektor geprägt als München. Erlangen ist bei sektoraler Betrachtung mit Abstand die noch am stärksten vom produzierenden Gewerbe geprägte Stadt. Bei funktionaler Abgrenzung dürfte sich aber ein etwas anderes Bild ergeben. In Fürth ist der Strukturwandel am deutlichsten verlaufen und hat zu den größten Verwerfungen geführt.
Obwohl im Zeitraum 1991 bis 2005 das BIPn um 42,7 % gestiegen ist, ist die Zahl der Erwerbstätigen um 1,1 % leicht gesunken. Die Region hat daher leicht an ihrer Attraktivität verloren. Lediglich Erlangen hat hinsichtlich der Zahl der Erwerbstätigen vom Strukturwandel profitiert. Die Finanzierungs-, Vermietungs- und Unternehmensdienstleistungsbranchen haben insgesamt die größten Zuwächse zu verzeichnen. Gerade diese Branchen zeigen, dass ein starker Anstieg der Produktivität nicht zwangsläufig zu einem Rückgang der Beschäftigung führen muss. Im Übrigen sind das BIPn und die BWSn ungenaue Größen zur Abbildung eines Strukturwandels.
Wie sich gezeigt hat, verfügt der Kernbereich der Metropolregion Nürnberg weder über eine homogene Wirtschaftsstruktur, noch über eine gleiche Entwicklung. Trotz des bestehenden räumlichen Zusammenhangs ist die Region von vielzähligen Disparitäten geprägt. Diese Vielfältigkeit ist aber auch wünschenswert, da branchenbedingte konjunkturelle Einbrüche besser ausgeglichen werden können. Auch wird ein branchenbedingter Strukturwandel deutlich abgeschwächt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklung des nominalen Bruttoinlandproduktes und der sektoralen Bruttowertschöpfung zu Marktpreisen
2.1 Entwicklung des BIPn
2.2 Entwicklung der sektoralen BWSn
2.2.1 Erlangen
2.2.2 Fürth
2.2.3 Nürnberg
3. Entwicklung der Erwerbstätigenstruktur nach Sektoren
3.1 Erlangen
3.1.1 Sekundärer Sektor
3.1.2 Tertiärer Sektor
3.1.3 Konjunktur und Strukturwandel
3.2 Fürth
3.3 Nürnberg
3.4 Vergleich der drei Städte mit München
4. Produktivität
4.1 Erlangen
4.2 Fürth
4.3 Nürnberg
5. intrasektoraler Strukturwandel
6. Schlussgedanke
7. Zusammenfassung
8. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Projektarbeit untersucht den Strukturwandel in der Metropolregion Nürnberg mit Fokus auf die drei Kernstädte Erlangen, Fürth und Nürnberg, um die Entwicklung der Wirtschaftsstruktur und Erwerbstätigkeit seit den 1980er/1990er Jahren empirisch aufzuarbeiten.
- Analyse der sektoralen Entwicklung von Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Bruttowertschöpfung (BWS).
- Untersuchung der Erwerbstätigenstruktur in den primären, sekundären und tertiären Sektoren.
- Vergleich der städtischen Wirtschaftsstrukturen untereinander und mit München.
- Betrachtung der Arbeitsproduktivität in verschiedenen Dienstleistungsbranchen.
- Analyse des intrasektoralen Wandels anhand sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Sekundärer Sektor
Im Industriesektor ist die Erwerbstätigkeit im Zeitraum 1987 bis 1992 von ca. 37.600 auf 39.500 (Zuwachs von 5,0 %) angestiegen. Von diesem Höchstwert ist die Zahl der Erwerbstätigen dann bis 1999 auf ca. 30.600 (Rückgang von 22,5 %) gefallen.
Wurde unter 2.2.1 festgestellt, dass 1993 die BWSn im verarbeitenden Gewerbe um 8,3 % zurückgegangen ist und daher die BWSn im gesamten Industriesektor ebenfalls um 7,8 %, beläuft sich der Rückgang im zweiten Sektor 1993 lediglich auf 4,3 %. Jedoch ist die Zahl der Erwerbstätigen 1994 um weitere 7,6 % zurückgegangen, bei gleichzeitigem Anstieg der BWSn um 2,1 %. Der Rückgang der Erwerbstätigkeit erfolgte also zeitlich verzögert und in einem größeren Ausmaß als der Rückgang der BWSn.
An der Entwicklung in Erlangen ist ebenfalls auffällig, dass in den Jahren 1995 bis 1997 bei ungefähr konstanter BWSn die Zahl der Erwerbstätigen durchschnittlich um 3,4 % abnimmt. Dies weißt auf die Produktivitätshypothese als eine Ursache des Strukturwandels hin. Bei gleichem Output und ansteigender Produktivität sinkt demnach die Zahl der Erwerbstätigen im Industriesektor. Diese These wird aus betriebswirtschaftlicher Sicht noch um eine eher pessimistische, mittelfristige Zukunftseinstellung ergänzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Bedeutung von Nürnberg, Erlangen und Fürth als Motoren der Metropolregion Nürnberg und begründet die Untersuchung des Strukturwandels.
2. Entwicklung des nominalen Bruttoinlandproduktes und der sektoralen Bruttowertschöpfung zu Marktpreisen: Dieses Kapitel analysiert die BIP- und BWS-Entwicklung der drei Städte, wobei insbesondere die unterschiedlichen Wachstumsraten und Sektorenverschiebungen betrachtet werden.
3. Entwicklung der Erwerbstätigenstruktur nach Sektoren: Hier wird der Wandel der Beschäftigung in den verschiedenen Wirtschaftssektoren detailliert untersucht und ein Vergleich mit München gezogen.
4. Produktivität: Dieser Teil betrachtet die Arbeitsproduktivität, indem er das Verhältnis zwischen Bruttowertschöpfung und Anzahl der Erwerbstätigen in den jeweiligen Branchen analysiert.
5. intrasektoraler Strukturwandel: Das Kapitel befasst sich mit der Verschiebung innerhalb der Branchen unter Verwendung von Daten zu sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
6. Schlussgedanke: Der Autor reflektiert über die Grenzen der 3-Sektoren-Hypothese und diskutiert die Herausforderungen einer modernen Informationsgesellschaft.
7. Zusammenfassung: Die Ergebnisse zeigen, dass der Strukturwandel in den Städten unterschiedlich verläuft, jedoch überall eine fortschreitende De-Industrialisierung bei gleichzeitigem Produktivitätsanstieg zu beobachten ist.
8. Literatur- und Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten statistischen Quellen und wissenschaftlichen Publikationen.
Schlüsselwörter
Strukturwandel, Metropolregion Nürnberg, Erlangen, Fürth, Bruttowertschöpfung, Erwerbstätigkeit, Industriesektor, Dienstleistungssektor, Produktivität, De-Industrialisierung, Arbeitsmarkt, BIP, Wirtschaftswachstum, Informationsgesellschaft, Beschäftigungsstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der empirischen Untersuchung des Strukturwandels in der Metropolregion Nürnberg, wobei ein besonderer Fokus auf den drei Kernstädten Erlangen, Fürth und Nürnberg liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die sektoralen Veränderungen der Wirtschaftsleistung, die Entwicklung der Beschäftigungszahlen sowie die Analyse der Arbeitsproduktivität und der intra-sektoralen Verschiebungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Strukturwandel in der Region nachzuzeichnen, die Auswirkungen auf den lokalen Arbeitsmarkt aufzuzeigen und zu verstehen, wie sich der Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft in diesen spezifischen Städten vollzieht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine empirische Analyse auf Basis von Daten des Statistischen Landesamtes und der Bundesagentur für Arbeit, ergänzt durch Berechnungen zur Arbeitsproduktivität und zur Intensität des Strukturwandels mittels euklidischer Norm.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von BIP/BWS-Entwicklungen, detaillierte Analysen der Erwerbstätigenstruktur pro Sektor, eine Produktivitätsanalyse sowie eine Untersuchung der intrasektoralen Beschäftigungsverschiebungen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Strukturwandel, De-Industrialisierung, Metropolregion Nürnberg, Arbeitsproduktivität, Beschäftigungsstruktur und tertiärer Sektor.
Wie unterscheidet sich der Wandel in Erlangen von dem in den anderen Städten?
Erlangen zeigt eine besondere Dynamik, insbesondere im tertiären Sektor, wobei die Produktivitätsunterschiede zwischen den Branchen sowie das starke Wachstum in wissensintensiven Dienstleistungen besonders hervorstechen.
Welche Rolle spielt die Produktivitäts-Hypothese in der Argumentation?
Die Hypothese dient zur Erklärung, warum bei konstanter oder leicht sinkender Wirtschaftskraft dennoch ein Rückgang der Beschäftigtenzahlen im Industriesektor stattfindet – nämlich durch einen Anstieg der Produktivität pro Erwerbstätigem.
- Citation du texte
- Diplom-Verwaltungswirt (FH) Matthias Will (Auteur), 2007, Strukturwandel in der Metropolregion Nürnberg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124748