Thomas Hobbes Leviathan

Die Denkansätze des Leviathan in den Internationalen Beziehungen


Hausarbeit, 2008
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Die Bedeutung Thomas Hobbes‘ und seines Hauptwerkes „Leviathan“

2 Thomas Hobbes‘ Leviathan und die Internationalen Beziehungen:
2.1 Thomas Hobbes: Leviathan und die Denkansätze
2.1.1 Die Hintergründe zu Leviathan
2.1.2 Hobbes‘ Menschenbild
2.1.3 Hobbes’ Vorstellungen des Naturzustands
2.1.4 Die Naturgesetze
2.1.5 Der Vertrag und der Staat
2.2 Thomas Hobbes in den Internationalen Beziehungen
2.2.1 Internationale Beziehungen im Leviathan
2.2.2 Hobbes‘ Grenzen der Macht und ihre Auswirkungen auf die Internationalen Beziehungen
2.2.3 Anarchie in den Internationalen Beziehungen
2.2.4 Hobbes‘ Annahmen in den Theorien der Klassiker der Internationalen Beziehungen

3 Durch den Leviathan zum Klassiker

4 Literaturverzeichnis:

Fragestellung

Wie hat Thomas Hobbes durch seine politisch- philosophischen Denkansätze im Leviathan die Internationalen Beziehungen beeinflusst?

1 Die Bedeutung Thomas Hobbes‘ und seines Hauptwerkes „Leviathan“

Thomas Hobbes wird in der Literatur unbestritten als einer der wichtigsten Autoren der politischen Philosophie der Neuzeit und der politischen Moderne bezeichnet.[1] Neben Machiavelli gilt er als Begründer der neuzeitlichen Politischen Wissenschaft. Sein revolutionäres und an der Natur orientiertes Denken über den Menschen, das Recht und die Politik und die daraus resultierende politische Wissenschaft waren im 17. Jahrhundert etwas Neues und Unbekanntes, was zur Folge hatte, dass seine Denkweise nicht überall anerkannt und akzeptiert wurde.

Aber obwohl schon im Jahre 1651 erschienen, hat sein Leviathan und die Aussagen die er darin tätigt, auch heute noch große Bedeutung und Aktualität. Fragen der Herrschaftslegitimation, des Naturrechts und des politischen Individuums müssen immer wieder neu gestellt und beantwortet werden. Zitate aus seinen Werken wie der „[...]Krieg eines jeden gegen jeden“(Fetscher: Thomas Hobbes Leviathan,S.96) und „Der Mensch ist ein Wolf für den Menschen“(Geismann: Hobbes über die Freiheit,S.41) sind fast jedem bekannt. Obwohl diese Sätze nicht unbedingt direkt aus Thomas Hobbes‘ Feder stammen, werden sie doch immer wieder mit ihm verbunden und in seinem Zusammenhang gebraucht.[2]

In dieser Arbeit soll neben den politischen und anthropologischen Denkansätzen Hobbes‘ Einfluss auf die Internationalen Beziehungen betrachtet werden. Thomas Hobbes wurde durch seinen Leviathan nicht nur zu einem der wichtigsten Autoren der politischen Philosophie der Neuzeit, sondern auch zu einem der wichtigsten Autoren für die Internationalen Beziehungen und die großen Theorien dieser Disziplin.

Obwohl die eigenständige Disziplin der Internationale Beziehungen noch vergleichsweise jung ist, wurde über Internationalen Beziehungen schon in der Antike geschrieben. So gehört Thukydides‘ Geschichte des Peloponnesischen Krieges ebenso zu den wichtigen Werken der Internationalen Beziehungen wie Hans Morgenthaus Politics Among Nations: The Struggle for Power and Peace oder Kenneth Waltz‘ Theory of International Politics und noch einige weitere große Werke und Theorien auf die im Laufe dieser Arbeit noch eingegangen wird.

Thomas Hobbes muss mit seinem Leviathan ebenso zu den oben genannten „Klassikern der Internationalen Beziehungen“ dazu gezählt werden. Der Einfluss des Leviathan auf die Internationalen Beziehungen wird nicht nur am politischen Realismus deutlich. Einzelne Denkmodelle der Hobbes‘schen Philosophie tauchen immer wieder in unterschiedlicher Form in den einzelnen Theorien der unterschiedlichsten Autoren auf. Welche Aspekte des Leviathan in den Internationalen Beziehungen eine Rolle spielen und wie sie die Internationalen Beziehungen beeinflusst haben, wird im Folgenden dieser Arbeit betrachtet. Dazu ist es notwendig Hobbes‘ Leben und seine Denkansätze zuerst genauer zu betrachten. Deshalb beginnt diese Arbeit mit den Hintergründen und den Grundzügen seiner Philosophie und im Anschluss daran wird auf die Internationalen Beziehungen eingegangen.

2 Thomas Hobbes‘ Leviathan und die Internationalen Beziehungen

2.1 Thomas Hobbes: Leviathan und die Denkansätze

2.1.1 Die Hintergründe zu Leviathan

Um Thomas Hobbes‘ Leviathan verstehen zu können, muss man auch die Hintergründe der Entstehung dieses Werkes kennen. Das Werk Leviathan entsteht zu einer Zeit des Umbruchs in England. Das 17. Jahrhundert in England ist bestimmt vom Konflikt zwischen König und dem Parlament, ebenso wie vom Streit zwischen den Konfessionen. So herrscht zwischen 1642 und 1649 ein konfessioneller Bürgerkrieg. Im Anschluss daran, nach dem Sturz des Königs, herrscht das Parlament in den Jahren von 1649 bis 1660.

Der Leviathan erscheint zu einer Zeit als der herrschende König schon geköpft war und England von Oliver Cromwell und der Armee beherrscht wurde. Hobbes begibt sich in jener Zeit ins Exil, weil die Unsicherheit in England für ihn zu groß geworden war. Er hatte sich für die Monarchie als bessere Herrschaftsform- gegenüber der Demokratie- ausgesprochen, womit er sich viele und mächtige Feinde gemacht hatte.

Schon allein diese wenigen Punkte aus den historischen Gegebenheiten seiner Zeit und aus seinem Lebenslauf machen deutlich, dass Hobbes nicht verstanden werden kann, wenn seine Biographie außer Acht gelassen wird. Die Entwicklung seines Menschenbildes, auf das im folgenden Abschnitt eingegangen wird, und die Favorisierung der Monarchie muss immer in diesem Kontext gesehen werden.[3]

2.1.2 Hobbes‘ Menschenbild

Nach Hobbes zeichnen sich die Menschen zuerst dadurch aus, dass sie sich sehr gleichen. Die Natur hat die Menschen so geschaffen, dass sie in körperlicher und geistiger Weise sehr ähnlich sind. Auch wenn der Eine oder Andere etwas stärker oder klüger ist, sind sie doch so ähnlich, dass nicht einer Etwas beanspruchen könnte was der Andere nicht auch beanspruchen kann. Der Stärkere kann durch List oder durch ein Bündnis von Schwächeren immer durch diese bezwungen werden. Klugheit ist nach Hobbes lediglich Erfahrung, die jeder Mensch, wenn er sich lange genug mit Etwas beschäftigt, auch erlangen kann.

Aus dieser Gleichheit der Fähigkeiten leitet Hobbes nun eine Gleichheit der Hoffnungen, unsere Absichten und Wünsche erreichen zu können, ab. Wenn aber nun zwei Menschen nach dem selben knappen Gut streben und es keine Möglichkeit gibt, dieses Gut gemeinsam zu genießen, so werden aus diesen zwei Konkurrenten Feinde, die beide das grundsätzliche Ziel der Selbsterhaltung, also dem eigenen Überleben, haben. Und um dieses Ziel, zu erreichen muss der Andere entweder unterworfen oder vernichtet werden. So entsteht ein gegenseitiges Misstrauen, weil sich keiner seines Lebens sicher sein kann. Aus dieser Unsicherheit folgt nun, dass sich jeder Mensch selbst sichern muss, indem er durch Gewalt oder List jeden Menschen unterwirft, der für ihn durch die potenzielle Macht, die er besitzt, gefährlich werden könnte. Dieses Verhalten ist der Selbsterhaltung geschuldet und nach Hobbes völlig legitim und logisch.

Dass der Mensch unter diesen Voraussetzungen kein Vergnügen am Zusammenleben mit anderen hat, liegt aber auch daran, dass der Mensch seinen Nachbarn so beurteilt, wie er sich selbst einschätzt. Dadurch verachtet jeder den Anderen und alle wollen sich gegenseitig schädigen, um durch die Schädigung eine höhere Wertschätzung und Akzeptanz des Anderen zu erlangen.

So liegen also in der Natur des Menschen drei hauptsächliche Konfliktursachen. Erstens Konkurrenz, zweitens Misstrauen und drittens Ruhmsucht. Diese drei Aspekte haben nun spezifische Folgen. Durch die Konkurrenz wenden Menschen Gewalt an um persönliche Gewinne zu erzielen. Durch das Misstrauen wenden Menschen Gewalt an, um die erreichten Gewinne zu verteidigen und durch die Ruhmsucht kommt es zur Gewaltanwendung, wenn von einem Anderen nicht der gewünschte Respekt entgegengebracht wird.[4]

Ein anderer Aspekt des Hobbes‘schen Menschenbildes ist das dezidiert anti- aristotelische Bild vom Menschen. Für ihn gibt es keine politische Natur, die im Wesen des Menschen verankert ist. Nach Hobbes, und hier kommt seine Orientierung an der Naturwissenschaft zum Vorschein, ist der Mensch Bestandteil seiner physikalischen Umgebung und unterliegt auch den physikalischen Gesetzen. Der Mensch wird also als ein Stück Natur betrachtet, das gewissen Zwängen von Außen unterliegt. Trotz dieser Vorgaben von außen, mit denen sich der Mensch auseinandersetzen muss, darf man aber nicht davon ausgehen, dass der Mensch keine eigenen Entscheidungen treffen kann oder sich wie ein Tier verhält, dass nur auf äußere Gegebenheiten reagieren kann.

Hobbes‘ Mensch ist ein vernünftiges Wesen. Eng verbunden mit der Vernünftigkeit ist die Sprache. Sie unterscheidet uns nicht nur vom Tier, sondern ist für ein gemeinschaftliches Leben essentiell. Durch die Sprache können sich die Menschen nicht nur miteinander verständigen und die Welt durch Wissenschaft erfahren, sie ermöglicht vor allem den Befehl und das Verstehen von Befehlen. Durch den Befehl, und dem später noch zu erläuternden Vertrag, hat der Mensch die Vergesellschaftungsinstrumente, die notwendig sind um friedlich miteinander Leben zu können.[5]

Der Mensch ist ein Teil der Natur und unterliegt gewissen äußeren Restriktionen. Er ist nicht frei hinsichtlich einiger grundsätzlichen „Triebe“. Selbsterhaltung ist das allerhöchste Ziel des Menschen. Zusätzlich hat der Mensch aber auch das Verlangen nach einem glücklichen und angenehmen Leben. Hobbes unterstellt dem Menschen jetzt durch die schon angesprochenen Vernunft die Möglichkeit des rationalen Handelns. Die Menschen haben unterschiedliche und unterschiedlich starke Leidenschaften, die befriedigt werden wollen. Diese können kontrolliert, gezielt und überlegt befriedigt werden. Daraus folgt, dass der Mensch die Fähigkeit hat, klug zu handeln. Das bedeutet, dass er zukunftsorientiert, zweck- mittelorientiert und konstruktiv ist und zwischen verschiedenen Alternativen auswählen kann, um seine Ziele zu erreichen. Der Mensch, kann somit, losgelöst von den Neigungen, die überhaupt Auslöser der Handlung sind, langfristige

Absichten formulieren und Handlungspläne erstellen, die dem angenehmen, glücklichen und vor allem sicheren Leben, als Letztzweck dienen.[6]

2.1.3 Hobbes’ Vorstellungen des Naturzustands

Aus diesem Menschenbild konstruiert Hobbes nun gedanklich einen Zustand, in dem Krieg zwischen den Menschen herrscht. Ein Krieg eines jeden gegen jeden. Krieg ist für ihn allerdings nicht nur die tatsächliche Schlacht oder eine Kampfhandlung, sondern ein Zeitraum, in dem der Wille zum Krieg bekannt ist. Deshalb nennt er auch eine Zeit Krieg, in der es den Menschen nur möglich ist sich sicher zu fühlen, indem sie ihre Sicherheit auf die eigenen Stärken und eigenen Machtmittel begründen. Die Folge dieses Zustandes ist es, neben den schon erwähnten Konfliktursachen, dass es keine Produktivität der Menschen gibt. Denn man kann sich seiner erreichten Gewinne niemals sicher sein und die Gefahr, dass einem sein erwirtschafteter Reichtum von einem anderen weggenommen wird, ist allgegenwärtig.

Hobbes ist sich bewusst, dass sich die Menschheit wohl nie in einem so „extremen“ Naturzustand befunden hat. Er benutzt ihn aber als Ausgangspunkt für seine Überlegungen.[7]

Wie schaffen es die Menschen aber nun aus diesem unsicheren Zustand heraus bzw. wie kann man in diesem Zustand besser leben?

Dazu stellt Hobbes einige grundsätzliche Regeln und Gesetze auf, die im nächsten Abschnitt erläutert werden.

[...]


[1] Vgl. Kersting, Wolfgang(Hg): Thomas Hobbes, Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines bürgerlichen und kirchlichen Staates; Berlin, Akad.Verl., 1996, (Klassiker Auslegen; Bd.5), S.1.

[2] Vgl. Ottmann, Henning: Von Machiavelli bis zu den großen Revolutionen (Teilband 1) in: Geschichte des politischen Denkens(Band 3),Stuttgart/Weimar, Verlag J.B.Metzler, 2006, S.265.

[3] Vgl. Ottmann, Henning: Von Machiavelli bis zu den großen Revolutionen, S. 266- 268.

[4] Vgl. Fetscher, Iring: Thomas Hobbes Leviathan. Oder Stoff, Form und

Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates, (1976), S. 94- 98.

[5] Vgl. Kersting, Wolfgang(Hg): Thomas Hobbes, Leviathan..., 1996, S.83-89.

[6] Vgl. Kersting, Wolfgang(Hg): Thomas Hobbes, Leviathan..., 1996, S.97-100.

[7] Vgl. Fetscher, Iring: Thomas Hobbes Leviathan,S. 96- 98.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Thomas Hobbes Leviathan
Untertitel
Die Denkansätze des Leviathan in den Internationalen Beziehungen
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg  (Institut für Politikwissenschaften/Internationale Politik)
Veranstaltung
Klassiker der Internationalen Beziehungen
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V124780
ISBN (eBook)
9783640298792
ISBN (Buch)
9783640303861
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Darlegung der politischen Philosophie von Thomas Hobbes Kurze Schlussfolgerungen für die Internationalen Beziehungen
Schlagworte
Thomas, Hobbes, Leviathan, Klassiker, Internationalen, Beziehungen
Arbeit zitieren
Florian Semler (Autor), 2008, Thomas Hobbes Leviathan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124780

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