Seit einiger Zeit ist die Diskussion über die neue deutsche Unterschicht ein verstärkt politisches Thema. Laut der Studie „Gesellschaft im Reformprozess“ der Friedrich-Ebert-Stiftung sind acht Prozent der Deutschen der sozialen Unterschicht zuzurechnen, das sind circa 6,3 Millionen Menschen. Angehörige der Unterschicht haben zumeist eine niedrige bis mittlere Bildung, üben oft eine einfache und somit unterbezahlte Tätigkeit aus oder sind in den meisten Fällen arbeitslos. Die Angst ist groß, sozial weiter abzusteigen und den, wenn vorhandenen, Job wieder zu verlieren. Es gibt zu viele, die keinerlei Hoffnung mehr haben, den Aufstieg zu schaffen; sie finden sich mit ihrer Situation ab und arrangieren sich materiell und sozial. Dabei stellt sich die Frage, ob sich eine Unterschicht von dauerhaft prekär oder nicht Beschäftigten in Deutschland herausbildet. Diese Frage soll in der vorliegenden Hausarbeit erläutert und analysiert werden. Grundlage dessen sind Definitionsansätze über die Prekarisierung, den Begriff der Armut und der Arbeitslosigkeit. Anhand der Darstellung verschiedener Grundsicherungsmodelle soll erläutert werden, welche positiven und negativen Aspekte diesen Modellen zugrunde liegen und wie sie miteinander verglichen werden können. Ausgehend davon soll analysiert werden, inwieweit die Theorien über Unterschicht und Arbeitslosigkeit miteinander in Zusammenhang stehen und sich gegenseitig beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was versteht man unter Prekarisierung ?
3. Erklärungsansätze über Arbeitslosigkeit vs. Armutsforschung
4. Grundsicherungsmodelle
5. Fazit
6. Bibliographie
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle gesellschaftliche Diskussion um eine sich herausbildende Unterschicht in Deutschland, die durch dauerhafte Prekarität oder Erwerbslosigkeit gekennzeichnet ist. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Prekarisierung, Arbeitslosigkeit und Armutsrisiken zu analysieren sowie verschiedene Grundsicherungsmodelle hinsichtlich ihrer Effektivität und ihrer Anreizstrukturen für den Arbeitsmarkt kritisch zu vergleichen.
- Analyse des Begriffs der Prekarisierung und der Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse
- Darstellung ökonomischer Erklärungsmodelle für Arbeitslosigkeit (neoklassisch, keynesianisch)
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Arbeitslosigkeit und Armutsrisiken in Deutschland
- Vergleich verschiedener Ansätze zur Grundsicherung (Grundeinkommen, Kombilohn, bedarfsorientierte Grundsicherung)
Auszug aus dem Buch
2. Was versteht man unter Prekarisierung?
Im ersten Teil der vorliegenden Hausarbeit soll geklärt werden, ob sich eine Unterschicht von dauerhaft prekär oder nicht Beschäftigten in Deutschland herausbildet. Zunächst möchte ich den Begriff der Prekarisierung näher erläutern. Es bezeichnet die stetige Zunahme von Arbeitsplätzen mit geringer Arbeitsplatzsicherheit, niedrigem Lohn, Teilzeitbeschäftigung, befristeten Verträgen und mangelnden Kündigungsschutz in der Gesellschaft. Allerdings ist nicht jede atypische Beschäftigung wie Teilzeitarbeit auch gleichzeitig prekär: „Prekär ist Erwerbsarbeit in der Regel dann, wenn der Lohn deutlich unter dem Durchschnittseinkommen liegt, keine zuverlässige Zukunftsplanung für den einzelnen möglich ist und Arbeitnehmerschutzrechte reduziert sind.“2 Die Ursachen für die Zunahme prekärer Beschäftigungsformen und das Zurückdrängen des Normalarbeitsverhältnisses sind mannigfaltig.
Die Internationalisierung der Märkte und Globalisierungsprozesse erzeugen einen hohen Konkurrenzdruck für Wirtschaft und Betriebe. Sie sind gezwungen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, wobei die Lohnkosten eine enorm große Rolle spielen. Oft werden von der Arbeitgeberseite prekäre Beschäftigungsverhältnisse auch als Brücke zu gesicherten Arbeitsplätzen verstanden. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse führen nicht nur zu Unsicherheitsgefühlen bei den unmittelbar Betroffenen, sondern reflektieren dieses Gefühl auch auf die Beschäftigten in gesicherten Normalverhältnissen. Zukunftsangst und Gefühle der Unsicherheit breiten sich in weiten Teilen der Bevölkerung aus. Ebenfalls schränkt die Ausübung einer prekären Beschäftigung die Chancen einen rationalen, längerfristigen Lebensplan zu entwickeln, ein. Die Erwerbstätigen spalten sich zunehmend in zwei Gruppen auf, in jene, die fest angestellt sind, um es zu bleiben und in solche, die zu vielem bereit sind, um der Unsicherheit zu entfliehen. Aber was sind die Ursachen der fortschreitenden Prekarisierung?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die politische Diskussion um die deutsche Unterschicht ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Prekarisierung und ihre Folgen zu analysieren.
2. Was versteht man unter Prekarisierung ?: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Prekarisierung und beleuchtet die Ursachen sowie die sozioökonomischen Folgen zunehmend unsicherer Beschäftigungsverhältnisse.
3. Erklärungsansätze über Arbeitslosigkeit vs. Armutsforschung: Hier werden neoklassische und keynesianische Erklärungsmodelle für Arbeitslosigkeit diskutiert und der Zusammenhang zur individuellen Armutsgefährdung und sozialen Ausgrenzung hergestellt.
4. Grundsicherungsmodelle: Das Kapitel vergleicht verschiedene Ansätze zur sozialen Absicherung, darunter das bedingungslose Grundeinkommen, Kombilohn-Modelle und die bedarfsorientierte Grundsicherung hinsichtlich ihrer ökonomischen Auswirkungen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Herausbildung einer prekären Unterschicht, wobei der Fokus stark auf die Bedeutung der Bildung als Ausweg aus dieser Situation gelegt wird.
6. Bibliographie: Das Verzeichnis listet die verwendete Literatur, Internetquellen und Zeitschriftenartikel auf, die der Analyse zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Prekarisierung, Arbeitslosigkeit, Armut, Unterschicht, Grundeinkommen, Kombilohn, Grundsicherung, Arbeitsmarkt, Sozialstaat, Bildungsbenachteiligung, atypische Beschäftigung, Arbeitsanreize, Beschäftigungsrisiko, Sozialversicherung, Hartz IV
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob sich in Deutschland eine Unterschicht von dauerhaft prekär oder nicht beschäftigten Menschen herausbildet und welche sozialen sowie wirtschaftlichen Mechanismen diesen Prozess fördern.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Definition von Prekarität, der Analyse von Arbeitsmarkttheorien, der Untersuchung von Armutsrisiken für verschiedene Bevölkerungsgruppen sowie dem Vergleich moderner Grundsicherungskonzepte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die primäre Forschungsfrage lautet: „Bildet sich eine Unterschicht von dauerhaft prekär oder nicht Beschäftigten in Deutschland heraus?“ Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen Prekarisierung und gesellschaftlicher Teilhabe zu ergründen.
Welche wissenschaftlichen Modelle werden zur Erklärung verwendet?
Es werden vor allem das neoklassische Modell, das keynesianische Modell der Nachfragesteuerung sowie die Hysteresis-Theorie zur Erklärung der Persistenz von Arbeitslosigkeit herangezogen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Prekarisierung, die Analyse von Arbeitslosigkeitsursachen und die Bewertung von Reformvorschlägen des Sozialstaats wie dem Grundeinkommen oder Kombilohn-Modellen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Prekarisierung, Arbeitsmarktflexibilisierung, Armutsrisiko, soziale Ungleichheit, Grundsicherung und Bildungsabhängigkeit charakterisieren.
Wie bewertet der Autor den Einfluss von Bildung auf den sozialen Status?
Der Autor betont, dass Bildung ein entscheidender Faktor ist, um aus prekären Lebensverhältnissen auszubrechen; er kritisiert jedoch, dass Bildungschancen in Deutschland stark von der sozialen Herkunft abhängig sind.
Wie unterscheidet sich die Sozialversicherung vom Grundeinkommen laut dem Text?
Die Sozialversicherung ist auf die Arbeitsgesellschaft ausgerichtet und finanziert sich aus Beiträgen zur Absicherung gegen spezifische Risiken, während das Grundeinkommen als staatliche Transferleistung unabhängig von der Erwerbsbiografie konzipiert ist.
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- Anika Geldner (Author), 2008, Arbeitslosigkeit - Bildet sich eine Unterschicht von dauerhaft prekär oder nicht Beschäftigten in Deutschland heraus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124849