Diese Chronik ist die vielseitige und wechselvolle Geschichte einer ungewöhnlichen Familie von der Mitte des 17.Jh. bis in unsere Zeit. Von den umstrittenen, aus Italien stammenden Wein- und Gewürzhändlern in der strengen Reichstadt Frankfurt am Main zur Zeit des jungen Goethe und der Bettina Brentano; vom Gouverneur von Verona im österreichischen Königreich Lombardei-Venezien unter Feldmarschall Radetzky; von den illegitimen Geschwisterkindern im Hause Sachsen-Coburg und Gotha zur Zeit der Queen Viktoria und des Prinzen Albert; vom Künstlerdasein in Wien und vom Garnisonsleben in der k.u.k. Armee in Ungarn; vom schwierigen Überleben auf den Gütern einer Junkerfamilie in Hinterpommern; bis zum Grauen der Weltkriege und den wechselvollen Schicksalen der Nachkriegszeiten.
In jedem Abschnitt ist das eigentliche Familiengeschehen in den Ablauf der „großen“ Geschichte eingebettet, um die Zeit lebendig werden zu lassen, in der die jeweiligen Generationen gelebt haben. Dennoch ist es kein historisches Werk im eigentlichen Sinne und soll es auch nicht sein, sondern ein interessanter, reichhaltiger und aufschlussreicher, aber dennoch sehr persönlicher Ablauf der Jahrhunderte, durch den sich das ereignisreiche tägliche Leben der Generationen wie ein roter Faden hindurchzieht.
Es deutet diese Abfolge aber auch den Kreislauf an, den Mitteleuropa durchlaufen hat - vom offenen, übernationalen Heiligen Römischen Reich in den Jahrhunderten vor den Napoleonischen Kriegen, hin zu den engen Nationalstaaten im 19. und 20. Jahrhundert, und nach zwei Katastrophen wieder zurück zu den supranationalen Bestrebungen der Europäischen Union.
Inhaltsverzeichnis
Das Buch der Abwesenden
Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation – Die Jordis und Brentanos
Absolutismus
Die Reichs- und Handelsstadt Frankfurt am Main
Kriegswirren, Verfolgungen und Flüchtlinge
Die „Pomeranzenkrämer“
Die Brentanos
Clemens und Bettina Brentano
Aufklärung
Das „gotische“ Frankfurt
Die Goethes
Goethe und Bettina Brentano
Hochkultur „in tempore belli“
Kriegswirren
Das Kaiserreich Österreich – In Armee und Staatsdienst
Das Entstehen eines Vielvölkerreiches
Das Regiment von Jordis
Friede
Anton Edler von Jordis und sein Sohn Johann
Revolutionen und Gegenrevolutionen
Das Königreich Lombardei-Venetien – Der Delegat von Verona
Das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha – Die Geschwisterkinder
Coburg und die Geschwisterkinder
Niedergang und Aufstieg des Hauses Sachsen-Coburg
Der „Familien-Verein“ Coburg
Das trojanische Pferd und der Sankt Petersburger Schutz
Schwarzes Schaf oder Opferlamm
Der versteckte Sohn
Unabhängigkeit
Eduards Kindheit
Das Märchen vom Waisenmädchen, von der bösen Stiefmutter und vom schönen Prinzen
Seitensprünge
Die versteckte Tochter
Hochzeit der Geschwisterkinder
Weichenstellung
Der Kammerherr des Erbprinzen
Häuslicher Segen
Das spanische Wirtshaus im Spessart
Ausschweifendes Junggesellenleben
Trotzalter und viktorianische Erziehung
Biedermeierszenen
Feste im Hause Löwenfels und anderswo
Besuche in Coburg
Thronfolge
Der Besuch der Queen Victoria
La petite Grandmaman
Revolutionen und Gegenrevolutionen
Herzog Ernst II. und Deutschlands Einigungsversuche
Große Politik – Paris
Osborne House
Wien
Der Tod der Großfürstin
Die Meyern-Hohenbergs in Coburg
Tod und Beerdigung mit königlichen Ehren
Die Österreich-Ungarische Monarchie
Emma und Amélie von Meyern-Hohenberg und August Frhr. Jordis von Lohausen
Ein Land und eine Zeit für Genies
Ein Vielvölkerreich
Kaiser Franz Josef I.
August Jordis von Lohausen und Amélie von Meyern-Hohenberg
Der frühe Tod Leopolds von Meyern-Hohenberg
Lebenskünstler und Künstlerleben
Fifi
Einsamkeit und Geselligkeit
Katastrophen in Wien
Große Welt
Lili
Winter in Coburg
Improvisierte Ferien am Land
Brüheim, Gotha, Coburg, Wien
Die junge Generation wird erwachsen
Am Attersee
Die k. u. k. Armee
Das Regiment
Leutnant Gustl – Brautzeit
Ein letztes Mal Coburg
Zusammenhörigkeitsgefühl
Pola und Seebach
Garnisonskindheit
Die „wilhelminische“ Zeit
Hubert Frhr. von Wangenheim und Krysia von Pogrell
„Herrliche Zeiten“
Jahrhundertwende
Die Freiherrn von Wangenheim
Die Junker
Das Berlin der Jahrhundertwende
Europas dreißigjähriger Selbstvernichtungskrieg 1914-45
Spannung vor dem Ausbruch
Viribus Unitis
Der Kampf als inneres Erleben
Niederlage
Der letzte Kaiser
Ein Frieden als Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln
Deutsch-Österreich
Heinrich und seine Schwestern
Schiffbrüchige
Die Salzburger Festspiele
Heinrich Jordis-Lohausen
Die Weimarer Republik
Krysia und ihre Brüder
Heinrich Jordis-Lohausen und Krysia von Wangenheim
Das Buch der Anwesenden
Rückblick
Die erste noch lebende Generation
Staatsbesuche, Weltausstellung, Filme
Anschluss
Die Ausrottung der europäischen Juden und ihrer tausendjährigen Kultur in Mittel- und Osteuropa
Bei Charkow eingekesselt
Ein Bruder mitten im ersten Bombenterror über Berlin
Kindertrost
Senka
Vergeltung
Kinderleiden, Kinderfreuden
Freunde, Ausflüge, Einladungen
Gelbsucht
Prekäre Existenzen in unruhigen Zeiten
Abschied vom Norden
Meine Großmutter
Wieder Graz
Zum ersten Mal Familienleben
Hunger
Schicksale
Ferien in Pörtschach
Das Akademische Gymnasium
Kulturträchtige Jahre
Theater
Opern und Konzerte
Ein russischer Märchenfilm
Sport und Sommerferien
Salzburg
Wien
Reisen
Jahrhundertmitte - Gärung, Sichtung und Kalter Krieg, erste Initiativen zur Einigung Europas
Epilog - Europa – Einigung oder Untergang
Zielsetzung & Themen
Diese Familienchronik zeichnet den Lebensweg der Familie Jordis-Lohausen sowie eng damit verflochtener Familienlinien über drei Jahrhunderte nach. Ziel ist es, persönliche Schicksale vor dem Hintergrund der europäischen Geschichte von 1658 bis 2008 zu dokumentieren und die "verlorenen und vergessenen" Geschichten der Ahnen als Zeugnis vergangener Epochen zu bewahren.
- Familiengeschichte der Jordis und Brentanos in Frankfurt und Österreich
- Die dynastischen Verbindungen des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha
- Der Übergang vom Habsburger Vielvölkerreich zur Moderne
- Einfluss der Weltkriege und Fluchtgeschichte auf die betroffenen Generationen
- Kulturelle Identität und die Suche nach Heimat im 20. Jahrhundert
Auszug aus dem Buch
Die Reichs- und Handelsstadt Frankfurt am Main
Zu einer Zeit, in der es der Stadt Frankfurt nach jahrzehntelanger mühsamer Arbeit gelungen ist, sich aus den Trümmern des Kriegs wieder ein, wenn auch ganz anderes Profil zu schaffen und als „Mainhattan“ zum ersten Finanzplatz und Wolkenkratzer City Deutschlands zu werden, kann man sich kaum mehr vorstellen, wie diese Handelsmetropole am Main Ende des 17. Jahrhunderts ausgesehen haben mag. So will ich versuchen, ein notwendigerweise unvollkommenes Bild der alten Kaiserstadt in all seiner Pracht, seiner Handelstüchtigkeit, seinem malerischen Charme und, damals schon, in seiner oft turbulenten völkischen Vielfalt zu skizzieren.
Als freie Reichsstadt unterstand Frankfurt direkt den Kaisern des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Dieses vor- und übernationale Reich erstreckte sich im 17. Jahrhunderts im Westen von Nizza am Mittelmeer bis Dünkirchen am Ärmelkanal, im Osten vom Pommern an der Ostsee über Schlesien, Mähren, Österreich bis Kroatien am Mittelmeer und es umfaßte ganz Norditalien, mit Ausnahme von Venetien, aber einschließlich der Toskana und Savoyens. Frankfurt am Main war ein selbstständiges Staatswesen innerhalb dieses Reiches. Es wurde vom „Rath“, einer bürgerlichen Oligarchie von Patrizierfamilien regiert. Besonderes Ansehen genoss Frankfurt unter den deutschen Städten überdies seit 1356 als Stadt der Königswahl und seit 1562 auch als Stätte der Kaiserkrönung.
Handwerk und Handel schafften den Reichtum der Stadt und vermehrten ihre Bedeutung. „Mit der Gründung des Doms hängt der Beginn einer Einrichtung zusammen, die eine irdisch nährende Quelle der Größe Frankfurts bedeutet, nämlich die Messe. Die neue Weihe der Kirche zu Ehren des heiligen Bartholomäus gab Anlass zu der Kirchweih, aus der die Messe sich entwickelte, anfangs eine Herbstmesse, zu der etwa hundert Jahre später eine Ostermesse hinzukam. Von den Kaisern begünstigt, erlangte sie bald großen Ruf und legte den Grund zu Frankfurts Blüte als Handelsstadt.“ Wie auch heute noch waren diese „Messen“ die wichtigsten und größten Handelsveranstaltungen. Sie boten den Kaufleuten eines durch Zoll und Gewerbeschranken zersplitterten Deutschlands, die Möglichkeit uneingeschränkt Waren zu kaufen und zu verkaufen. Von überall her kamen sie angereist.
Zusammenfassung der Kapitel
Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation – Die Jordis und Brentanos: Dieses Kapitel beleuchtet die Wurzeln der Familie Jordis in Savoyen und deren Ansiedlung als Weinhändler in Frankfurt im 18. Jahrhundert sowie die einflussreiche Rolle der Familie Brentano.
Das Kaiserreich Österreich – In Armee und Staatsdienst: Es wird der Aufstieg des Habsburger Vielvölkerreichs beschrieben und die militärische Laufbahn der Jordis-Brüder in kaiserlichen Diensten dokumentiert.
Das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha – Die Geschwisterkinder: Die abenteuerliche Herkunft der Familie Löwenfels und ihre enge Verbindung zum Coburger Fürstenhaus werden hier detailliert dargelegt.
Die Österreich-Ungarische Monarchie: Dieser Abschnitt widmet sich der Blüte und dem schrittweisen Zerfall der Monarchie, eingebettet in die Lebensgeschichten von August von Jordis-Lohausen und Amélie von Meyern-Hohenberg.
Die „wilhelminische“ Zeit: Die politisch wie kulturell prägende Ära des deutschen Kaiserreichs wird anhand des Lebensweges von Hubert von Wangenheim verdeutlicht.
Europas dreißigjähriger Selbstvernichtungskrieg 1914-45: Hier wird die Zäsur der beiden Weltkriege, die Fluchtgeschichte aus Pommern und das Ringen um das Überleben in den Nachkriegsjahren geschildert.
Schlüsselwörter
Jordis-Lohausen, Familiengeschichte, Frankfurt am Main, Österreich-Ungarische Monarchie, Sachsen-Coburg und Gotha, Brentano, Exil, Flucht, Zweiter Weltkrieg, Habsburger, Adel, Biedermeier, Diplomatie, Erinnerungskultur, Ahnenforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit ist eine umfassende Familienchronik, die über 350 Jahre hinweg die Geschichte der Familie Jordis-Lohausen und verwandter Zweige mit der europäischen Historie verknüpft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Handelsgeschichte, militärische Laufbahnen im kaiserlichen Dienst, dynastische Beziehungen europäischer Adelshäuser und die schmerzhaften Umbrüche durch Kriege und Vertreibung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Bewahrung familiärer Erinnerungen, die durch politische Umwälzungen verloren zu gehen drohten, und die Einordnung dieser persönlichen Schicksale in den Kontext der europäischen Geschichte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus archivalischen Dokumenten, privaten Aufzeichnungen (wie Tagebüchern und Briefen) sowie historischer Sekundärliteratur, um ein chronologisches und biographisches Mosaik zu erstellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von der Ansiedlung der Familie in Frankfurt, über den Dienst im österreichischen Kaiserreich und die engen Verflechtungen mit dem Hause Sachsen-Coburg, bis hin zu den traumatischen Erlebnissen während der beiden Weltkriege.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Ahnenforschung, dynastische Geschichte, Flucht und Vertreibung, das Habsburgerreich sowie die Transformation der europäischen Identität.
Wie war das Verhältnis der Familie zum Hause Sachsen-Coburg?
Das Verhältnis war von tiefer Loyalität geprägt. Die Familie Löwenfels stand in Diensten des Coburger Hofes, wobei die familiären Verflechtungen durch Patenschaften und enge freundschaftliche Kontakte über Generationen hinweg bestanden.
Wie wird das Leben als Flüchtling in der Nachkriegszeit geschildert?
Die Schilderungen sind ungeschönt und persönlich. Sie beschreiben den Verlust der Heimat, das nackte Überleben in den Trümmern und die schwierige Suche nach einer neuen Existenzgrundlage in einem zerstörten Europa.
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- Alexander Jordis-Lohausen (Author), 2008, Mitteleuropa 1658-2008. Die Chronik einer Familie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124873