Falstaff als 'collective figure' in William Shakespeares 'Henry IV, Parts One & Two'


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

20 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Vorstellung der Figur des Sir John Falstaff

2. Falstaff als Lord of Misrule

3. Krankheit und Korruption

4. The Rejection of Falstaff

5. Fazit

6. Bibliografie

Einleitung

In William Shakespeares Historiendramen King Henry IV, Part One (1H4) und King Henry IV, Part Two (2H4) begegnen Zuschauer und Leser einer Figur, die sich nur schwer einordnen lässt: Sir John Falstaff. Dieser fette, alternde Ritter ist einer der beliebtesten Charaktere in Shakespeares Dramen, taucht mit am häufigsten auf und begeisterte Königin Elizabeth I. gar so sehr, dass sie sich ein weiteres Stück mit Falstaff wünschte, in welchem er sich verlieben sollte. Shakespeare kam diesem Wunsch nach, indem er The Merry Wives of Windsor schrieb.

Zahlreiche Kritiker haben sich mit der Falstaff-Figur beschäftigt und ihre Erkenntnisse veröffentlicht. Einer davon ist Graham Holderness, der in seinem Buch Shakespeare Recycled: The Making of Historical Drama Falstaff als ein collective being charakterisiert. Seiner Meinung nach ist Falstaff kein „coherent individual subject“, sondern „a polyphonic clamour of discourses, a fluid counterfeiter of dramatic impersonations“ (Holderness 2003: 129). Außerdem sieht Holderness Falstaff als Repräsentanten einer Art Gegenwelt, als eine “internal opposition to the ethical conventions, political priorities and structures of authority and power embodied in the sovereign hegemony of king, prince and court” (Holderness 2003: 129).

Mit genau dieser Funktion Falstaffs beschäftigt sich diese Arbeit. Es soll gezeigt werden, wie diese innere Opposition Falstaffs zum Ausdruck kommt und welche Konsequenzen dies sowohl für ihn selbst, als auch für seinen Freund und Schützling Prinz Harry hat.

Zunächst soll versucht werden, Falstaffs Charakter kurz vorzustellen und zusammenzufassen. Danach wird Falstaffs Position als Lord of Misrule, sein Verständnis von „Ehre“ und sein daraus resultierendes Verhalten im Vorfeld der Rebellion untersucht. In den letzten Teilen der Arbeit sollen Falstaffs Verfall und seine endgültige Zurückweisung durch den zum König aufgestiegenen Prinz Harry aufgezeigt und erläutert werden.

1. Vorstellung der Figur des Sir John Falstaff

Die Figur des Sir John Falstaff wird als alternder, fetter Ritter dargestellt, der sich lieber in Tavernen und Bordellen aufhält, als den Pflichten seines Standes nachzukommen. Seinen Lebensunterhalt verdient er zum Teil durch Straßenräuberei.

Prinz Harry zieht mit ihm und seinen Kumpanen Bardolph, Poins, Peto und Gadshill „um die Häuser“ und Falstaff hat zu ihm ein freundschaftlich lockeres Verhältnis. Obwohl Harry der Prince of Wales ist, schert sich Falstaff nicht um Förmlichkeiten und Anstand, sondern redet mit Harry genauso frei von der Seele weg wie mit allen anderen.

Dieses Verhalten ist typisch für Falstaff: Er zeigt keinerlei Ehrfurcht vor all Jenem, was mit dem Staat und der Monarchie zu tun hat. Für ihn sind Dinge wie Gesetze, Regeln und Konventionen nicht von Bedeutung; er lebt in seiner eigenen Welt und legt sich alles so zurecht, wie er es gerade braucht und wie es ihm nützt. Graham Holderness schreibt dazu:

He constitutes a constant focus of opposition to the official and serious tone of authority and power [...]. His attitude to authority is always parodic and satirical: he mocks authority, flouts power, responds to the pressures of social duty and civic obligation by retreating into Bacchanalian revelry. (Holderness 2003: 134)

In Falstaffs Welt geht es vorrangig um Spaß und Freiheit: Spaß am Leben, Spaß am Essen und Trinken, Spaß mit den Frauen, und die Freiheit, alles zu tun, wonach es ihn gerade beliebt und sich nicht um Verantwortung oder gar moralische Bedenken zu scheren.

Aufgrund des Umstands, dass Prinz Harry zu ihrer „Truppe“ gehört und auch an den kriminellen Machenschaften teilnimmt, glauben sich Falstaff und seine Kumpanen im Genuss der Narrenfreiheit: Wer wird schon ein Verbrechen bestrafen, das mit Wissen und unter Beihilfe des Thronfolgers verübt wurde (vgl. 1H4, II, 1, 59-71)?

Falstaff, der ja eigentlich ein Ritter des Königs ist, zeichnet sich nicht gerade durch einen Ausbund an Mut aus. Im Verlauf der beiden Dramen zeigt sich immer wieder seine Tendenz zur Feigheit im Angesicht des Kampfes, bzw. seine Angewohnheit, erst dann zur Schlacht zu erscheinen, wenn die Kampfhandlungen so gut wie vorüber sind. Hinterher neigt er dann dazu, große Reden über seinen Mut und seine Unerschrockenheit zu schwingen, aber seine Lügen sind derart „palpable“ (1H4, II, 4, 190), dass offensichtlich ist, dass er nicht erwartet, ernst genommen zu werden, sondern einfach aus Spaß an der Übertreibung diese Aufschneiderei betreibt. Daher ist er auch nie peinlich berührt, wenn seine Lügen aufgedeckt werden, sondern lässt sich gar noch amüsante Ausreden einfallen, um den Spaß perfekt zu machen.

Falstaff ist ein Paradoxon: Sein Körperumfang macht ihn schwerfällig und langsam, doch sein Geist ist wach, und er ist immer schlagfertig mit irgendeinem Wortwitz zur Stelle. Fast alles, was er sagt, ist zweideutig und so wird nie ganz offensichtlich, was er wirklich meint. Er hat keine Hemmungen, andere Menschen auszunutzen, wenn es ihm zum Vorteil gereicht, und der Begriff „Ehre“ bedeutet ihm nichts. Und doch wird er von so gut wie allen, mit denen er in Berührung kommt, gemocht, und es wird deutlich, dass auch er sie mag. Er ist ein relativ alter Mann, weigert sich jedoch, das einzugestehen und bezeichnet sich selbst an einigen Stellen als jugendlich. Er ist ein Ritter des Königs, und doch fühlt er sich am meisten in der Welt der Eastcheap-Tavernen zu Hause, und er sieht nicht ein, sich seinem Rang entsprechend respektabel und loyal zu benehmen, sondern hat keinerlei Skrupel, sich über den Staat und dessen Vertreter lustig zu machen. Er ist ein ausgesprochen selbstsüchtiger Mensch, und doch bringt er in einigen anderen deren beste Qualitäten zum Vorschein.

Men of all sorts take a pride to gird at me: the brain of this / foolish compounded clay-man is not able to invent anything that / intends to laughter more than I invent, or is invented on me; I am not / only witty in myself, but the cause that wit is in other men. (2H4, I, 2, 4-7)

Falstaffs bereits erwähnte Freiheit ist jedoch aus zweierlei Gründen nicht unbegrenzt (vgl. Bradley 1970: 74): Zunächst vermag er es nicht, sich völlig von seinem Stand zu distanzieren. Sein Verhalten lässt auf einen gewissen Stolz auf seinen Rang schließen, wenn er sich zum Beispiel gegenüber den drawers hochnäsig verhält und sie ihn daraufhin einen „proud Jack“ (1H4, II, 4, 9) nennen. Auch ist es ihm nicht völlig egal, wie sein Ruf bei anderen ist.

Als Hostess Quickly ihn beim Chief Justice anschwärzt, kann er nicht recht glauben, dass sie dies aus eigenem Antrieb, also, weil ihre Meinung von ihm so schlecht ist, tut, sondern vermutet, dass sie „wast set on to / this“ (2H4, II, 1, 119-20). Weiterhin ist es ihm auch nicht möglich, seine Zuneigung zu seinen Kumpanen und zu Prinz Harry zu leugnen, denn dies ist etwas, das er auch durch all seine Witzchen nicht herunterspielen kann und das ihn in gewisser Weise an die Menschen, die es betrifft, bindet.

Der zweite Grund ist sein Dasein als „Mitglied des Systems“. Er kann sich noch so lang und breit über alles lustig machen und in seiner eigenen Welt leben, er ist dennoch ein volljähriges Mitglied der Gesellschaft und somit verantwortlich für sein Handeln und dessen Konsequenzen. Er ist genauso Mensch wie jeder andere auch, muss sich irgendwie versorgen und ist daher nicht gefeit vor den Auswirkungen seiner ewigen Geldnot. Dass ihm dies schmerzlich bewusst ist, zeigt seine Bemerkung in Gegenwart des Chief Justice, der ihn darauf anspricht, dass seine Finanzen recht begrenzt sind, während sein Körperumfang sehr ausladend ist: „I would it were otherwise, I would my means were greater and / my waist slender“ (2H4, I, 2, 112-13).

Dies alles macht Falstaff zu einer komplexen Figur, die in sich selbst ebenso widersprüchlich ist, wie die eigene Welt, die sie für sich erschafft.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Falstaff als 'collective figure' in William Shakespeares 'Henry IV, Parts One & Two'
Hochschule
Universität Mannheim  (Anglistisches Seminar)
Veranstaltung
Shakespeare’s Histories: The Lancaster Tetralogy
Note
3,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V124933
ISBN (eBook)
9783640307845
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
William Shakespeare, Henry IV, Falstaff, Holderness, collective figure
Arbeit zitieren
B.A. Julia Korthus (Autor), 2009, Falstaff als 'collective figure' in William Shakespeares 'Henry IV, Parts One & Two', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124933

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