Königserhebungen im 10., 11. und 12. Jahrhundert

Die Bewerbung der Konrade um die Nachfolge der Ottonen 1024


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

17 Seiten, Note: 2+


Leseprobe

Gliederung

A. Einleitung

B. Hauptteil
I. Analyse von Wipos Gesta Chuonradi II. Imperatoris
II. Der Tod Heinrichs II. und die Lage im Reich 1024
III. Die Vorstellung der beiden Konrade
IV. Die Königserhebung Konrads des Älteren
a) Die Königswahl in Kamba
1. Die Ausgangssituation Vorort
2. Die Rede Konrads des Älteren an Konrad den Jüngeren
3. Ablauf und Ende der „Königswahl“ in Kamba
b) Die Königsweihe in Mainz
V. Der Königsumritt Konrads II
V. Vergleich mit Widukinds „Idealdarstellung“ der Königserhebung von Otto I

C. Schluss

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

A. Einleitung

In seiner Gesta Chuonradi II. Imperatoris beschreibt Wipo, Angehöriger der Hofkapelle Heinrichs II. und später Kaplan unter Konrad II., dessen Königserhebung im Jahre 1024 n. Chr.. Er beginnt mit dem Tod Heinrichs II., der kinderlos gestorben war und dessen Reich in Unordnung und Unfrieden unterzugehen drohte, da einige Große mit Gewalt seinen Platz einnehmen wollten. Jedoch verwahrte die Witwe des Kaisers, Kunigunde, die Herrscherinsignien und konnte so, zusammen mit geistlichen und weltlichen Großen, das Reich zusammenhalten.

Wipo berichtet, dass aus einer Auswahl von Vielen, nur zwei Kandidaten, als mögliche Nachfolger Heinrichs II. in Frage kamen. Diese hießen Konrad der Ältere und Konrad der Jüngere, die beide aus der Herrscherfamilie der Salier stammten, welche kurz darauf die Herrschaft der Ottonen ablösen sollte. Nach einer Unterhaltung beider Konkurrenten und der anschließenden Einigung wird Konrad der Ältere schließlich zum König erhoben.

In dieser Arbeit soll untersucht werden, inwiefern Wipos Weltbild die von ihm geschilderten Geschehnisse prägte und ob die „Königswahl“ in Kamba wirklich ein völlig neuartiges Ereignis war, wie der Hofkaplan des Königs uns glauben lassen möchte. Nach einer Analyse der Gesta Chuonradi II. Imperatoris folgt eine ausführliche Beschreibung der Ereignisse vom Tod Heinrichs II. über die „Königswahl“ in Kamba und die Weihe Konrads II. in Mainz bis zum Umritt des neuen Königs. Hierbei soll Wipos Absicht, die tatsächlichen Geschehnisse größtenteils vor dem Hintergrund seiner moralischen und pädagogischen Ziele zu erzählen, verdeutlicht werden und auf sein Streben, die Königserhebung vor Gott zu rechtfertigen, Bezug genommen werden. Abschließend wird ein Vergleich mit Widukinds „Idealdarstellung“ der Königserhebung Ottos I. im Jahre 936 Aufschluss darüber geben, was letztendlich diese „Wahl“ Konrads II. 1024 so anders und neuartig machte, indem analysiert werden soll, welche fünf Instanzen an beiden Erhebungen beteiligt waren und die Königswürde des jeweiligen Herrschers legitimierten.

B. Hauptteil

I. Analyse von Wipos Gesta Chuonradi II. Imperatoris

Die Königserhebung Konrads II., welche der namentlich bekannte Autor Wipo, damals Hofkaplan des Königs, in seiner Gesta Chuonradi II. Imperatoris darstellt, sollte zur damaligen Zeit ein einschneidendes Ereignis innerhalb des damaligen Herrschaftsgefüges werden. Wenn man diese Quelle genauer betrachtet erkennt man deutlich, dass es sich hierbei nicht um eine Vita, also eine Lebensbeschreibung Konrads II. handelt sondern, wie der Name schon sagt, um eine Gesta, einen Tatenbericht des Herrschers[1].

Da Wipo selbst wohl nie die Absicht hatte Historiker zu sein und historisch korrekt zu schreiben, muss sein Werk mit einem gewissen Abstand analysiert werden[2]. Die genauen Abläufe der weltlichen Ereignisse besitzen bei ihm nicht den Stellenwert der symbolischen Handlungen und Charakterzüge der beschriebenen Personen. Bevor man deshalb die Gesta Chuonradi II. Imperatoris bearbeitet, muss man sich im Klaren sein, dass Wipos moralische und pädagogische Ziele über der historischen und politischen Wahrheit stehen.

Nach dem Tode Heinrichs II. beschreibt er die Zustände im Reich als sehr unsicher und dass es Unfrieden gegeben hätte, wenn nicht besonders erlauchte Männer und die Kaiserin Kunigunde selbst für die Ordnung eingetreten wären[3]. Sicherlich herrschte Sorge im Reich, da der Kaiser kinderlos gestorben war, doch stellt Wipo diese Situation sicherlich übertrieben dar, um die Leistungen der beteiligten Personen hervorzuheben[4]. Denn es war nicht das erste Mal, dass ein Herrscher ohne einen Erben starb. Auch der Tod Ottos III. versetzte die Großen des Reiches in eine ähnliche Lage wie das Ableben Heinrichs II, welcher damals die Nachfolge Ottos III. angetreten hatte. Jedoch konnte dieser wenigstens einen sekundären Erbanspruch geltend machen, was bei Konrad II. nicht der Fall war[5]. Das ist auch sicherlich der Grund, warum Wipo die „Königswahl“ mit einer solchen Ausführlichkeit behandelt.

Er möchte darauf hinweisen, dass nicht die Erbfolge, sondern lediglich die Tüchtigkeit und die Rechtschaffenheit Konrads II. seine Königserhebung legitimieren.

Bevor Wipo jedoch über die Ereignisse in Kamba berichtet, stellt er ausführlich diejenigen geistlichen und weltlichen Großen vor, welche sich besonders für die friedliche Ordnung im Reich eingesetzt hatten[6]. Auch hier lässt sich eindeutig seine Absicht erkennen, Konrad II. einen großen Rückhalt der genannten Personen zuzusprechen.

Anschließend wurde ein „Reichstag“ in Kamba, zwischen Mainz und Worms, einberufen, wo über den Nachfolger Heinrichs II. beraten werden sollte.

Besonders wichtig ist aber zu erwähnen, dass die Übersetzung von conventus mit „Reichstag“ nicht sehr glücklich gewählt ist, da es sich eher um eine Versammlung bzw. Zusammenkunft gehandelt hat[7].

Wipo berichtet ausführlich über die Geschehnisse, beschreibt die Auswahl der beiden Konrade, deren Einigung und schließlich die „Wahl“ und die Weihe Konrads des Älteren.

Hierauf wird jedoch im Folgenden genauer eingegangen werden, wobei man schon im Voraus feststellen kann, dass Wipos Werk auch hier nicht von historischer Wahrheit, sondern von den besonders positiven Charaktereigenschaften des Königs geprägt ist, welche seine Erhebung rechtfertigen sollen. Allerdings muss erwähnt werden, dass Wipo sicher als Augenzeuge in Kamba beigewohnt hat und auch über die Vorgeschichte gut unterrichtet war. Dennoch ändert dies nichts an der Tatsache, dass es sich bei seiner Schilderung um ein Idealbild, um ein Musterbeispiel für eine Königswahl handelt[8]. Dies soll nun für die weitere Analyse der Geschehnisse nach dem Tod Heinrichs II. am 13. Juli 1024 berücksichtigt werden.

II. Der Tod Heinrichs II. und die Lage im Reich 1024

Mit dem Tode Heinrichs II. stand das Reich, laut Wipo, vor einer großen Krise und drohte unter der Machtgier einiger weltlicher Großen in Unfrieden zu geraten[9]. Genau wie Otto III. zuvor war Heinrich II. kinderlos gestorben und konnte somit keinen Nachfolger designieren. Jedoch konnte Kunigunde, die Witwe des verstorbenen Kaisers, mit einem intelligenten Schachzug die bevorstehende Unruhe verhindern. Wie Thietmar von Merseburg berichtet, wurde sie von Erzbischof Williges in Paderborn zur Königin und später in Rom zur Kaiserin geweiht[10]. Somit war es ihr möglich, sofort nach Heinrichs II. Tod, die Herrscherinsignien an sich zu nehmen und diese sicher zu verwahren[11].

Zusammen mit ihren Brüdern, Bischof Dietrich von Metz und Herzog Heinrich von Bayern, bemühte sie sich, die Ordnung im Reich aufrechtzuhalten und solange abzuwarten, bis sich ein geeigneter Kandidat ergeben würde[12]. Dies diente der Friedenssicherung innerhalb des Reiches.

Wie schon zuvor bei Wipo erwähnt, erhielt sie ebenfalls Unterstützung von geistlichen und weltlichen Großen und konnte so das Ziel einer schnellen Beendigung der Thronvakanz erfüllen.

Hier lassen sich zwei deutliche Unterschiede zwischen 1002 und 1024 erkennen. Zwar hatte Otto III. einen männlichen Nachkommen des Herrscherhauses, doch war er nicht verheiratet und konnte so die Insignien seiner Herrschaft nicht direkt an seine Gemahlin übergeben, was einen großen Konflikt bezüglich des rechtmäßigen Erben zur Folge hatte. Nach dem Tode Heinrichs II. lag eine völlig andere Konstellation vor. Er hatte keinen direkten Nachkommen seines Herrscherhauses und so musste das Herrschergeschlecht der Ottonen am 13. Juli 1024 zwangsläufig „aussterben“. Aber da seine Frau zur Kaiserin erhoben worden war und die Reichsverwesung übernehmen konnte, war es ihr immerhin möglich die Herrscherinsignien an sich zu nehmen und über den Nachfolger ihres Mannes entscheiden zu können[13]. Weil die Kaiserin und ihre Verbündeten allerdings keine andere Möglichkeit sahen, das Reich vor der Gefahr des Zerfalls zu schützen, beschlossen sie schnellst möglich einen Nachfolger zu bestimmen.

Laut Wipo wurde schließlich ein publicus conventus, also eine öffentliche Versammlung einberufen, auf welcher sich alle Beteiligten friedlich auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen sollten[14]. Ausführlich erfährt man nun, dass sich die genannten Großen zwischen Mainz und Worms trafen, sorgfältig die Lage erörterten und lange stritten, wer Heinrich II. als König nachfolgen sollte. Entweder waren die vorgeschlagenen Kandidaten zu jung oder zu alt oder sie waren nicht genug erprobt oder hatten einen zu großen Ehrgeiz.

So kam es schließlich, dass aus den Vielen Wenige in Betracht gezogen und aus den Wenigen nur zwei vorgeschlagen wurden[15]. Dies waren zwei Männer namens Konrad, wobei der eine wegen seines höheren Alters Konrad der Ältere und der andere Konrad der Jüngere genannt wurde. Wer nun diese beiden Kandidaten waren und warum man ausgerechnet sie ausgewählt hatte, soll nun in Folgenden erläutert werden.

[...]


[1] Vgl. Erkens, Franz-Reiner: Konrad II., S. 10.

[2] Vgl. Trillmich, Werner: Einleitung, in: Wiponis Gesta, S. 509.

[3] Vgl. Wiponis Gesta Chuonradi II., cap. 1, S. 530, Z. 21-31.

[4] Vgl. Wiponis Gesta Chuonradi II., cap. 1, S. 530, Z. 26f.

[5] Vgl. Reinhardt, Uta: Untersuchungen zur Stellung der Geistlichkeit, S. 204f.

[6] Vgl. Wiponis Gesta Chuonradi II., cap. 1, S. 533f.

[7] Vgl. Wiponis Gesta Chuonradi II., cap. 1, S. 536, Z. 14.

[8] Vgl. Reuling, Ulrich: Die Kur in Deutschland und Frankreich, S. 14.

[9] Vgl. Wiponis Gesta Chuonradi II., cap. 1, S. 530, Z. 21-29.

[10] Vgl. Thietmari Chronicon, Liber V, cap. 19, S. 212, Z. 27ff.

[11] Vgl. Busch, Jörg W.: Thronvakanzen, S. 16.

[12] Vgl. Wiponis Gesta Chuonradi II., cap. 1, S. 532, Z. 2f.

[13] Vgl. Busch, Jörg W.: Thronvakanzen, S. 16.

[14] Vgl. Wiponis Gesta Chuonradi II., cap. 1, S. 536, Z. 14f.

[15] Vgl. Wiponis Gesta Chuonradi II., cap. 2, S. 538, Z. 7ff.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Königserhebungen im 10., 11. und 12. Jahrhundert
Untertitel
Die Bewerbung der Konrade um die Nachfolge der Ottonen 1024
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2+
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V124966
ISBN (eBook)
9783640299706
ISBN (Buch)
9783640304592
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ausführliche Seminararbeit über den Herrschaftsantritt der Salier im Jahre 1042 n. Chr. Wie wird dieses Ereignis in den Quellen dargestellt? Wie hat sich das Herrschaftsgefüge verändert? War es wirklich die erste richtige Königswahl? Alles diese Fragen sollen hier geklärt werden.
Schlagworte
Königserhebungen, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Christian Lübke (Autor), 2009, Königserhebungen im 10., 11. und 12. Jahrhundert , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124966

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