Abstract
In der IFRS-Rechnungslegung wird zur Abbildung von Sachverhalten in der externen Finanzberichterstattung
zunehmend auf Informationen zurück gegriffen, die originär im internen
Rechnungswesen zum Zwecke der Unternehmenssteuerung erstellt und verwendet wurden.
Dies wird als Management Approach bezeichnet.
Die vorliegende Arbeit stellt drei Anwendungsfälle des Management Approach vor und bewertet
diese kritisch. Konkret werden IAS 11 Fertigungsaufträge, IAS 14 / IFRS 8 Segmentberichterstattung
und IAS 36 Wertminderungen von Vermögenswerten betrachtet.
In IAS 11 kommt der Management Approach in der Form zur Anwendung, dass Fertigungsaufträge
nach der percentage-of-completion-Methode bewertet werden, also eine Ertrags- und
Aufwandserfassung in Anlehnung an den Leistungsfortschritt erfolgt.
In der Segmentberichterstattung nach IFRS 8, der IAS 14 ab dem 1.1.2009 ersetzt, sind Segmente
bei der Finanzberichterstattung entsprechend der internen Strukturen zu bilden und
nicht nach allgemein definierten Kriterien.
In IAS 36 kommt der Management Approach mehrfach zum Einsatz. So sind Anhaltspunkte
für eine Wertminderung und Nutzungswerte beispielsweise aus internen Planungen, Kontrollrechnungen
und weiteren Controllinginformationen abzuleiten.
Management-Approach-Informationen gelten aus Investorsicht als relevante Informationen,
da sie das Unternehmen aus der Perspektive des Managements darstellen. Allerdings ist hiermit
auch das Risiko verbunden, dass Manager oder andere Unternehmensbeteiligte Informationen
verzerrt darstellen oder manipulieren, sodass ein Adressat keine Informationen erhält,
die für wirtschaftliche Entscheidungen nützlich sind. Auch können Informationen, die für
einen externen Adressaten wichtig sind, nicht im internen Finanz- und Berichtswesen berichtet
werden und in Folge dessen stehen sie einem Adressaten nicht zur Verfügung. Wesentlicher
Kritikpunkt am Management Approach ist allerdings die fehlende Vergleichbarkeit, die
durch die unterschiedliche Ausgestaltung des internen Berichtswesens bzw. Controllings in
unterschiedlichen Segmenten, unterschiedlichen Unternehmen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten
verursacht wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Ursprung und heutiges Verständnis des Management Approach
1.3. Grundlagen und Annahmen des Management Approach
2. Anwendungsfälle
2.1. Überblick relevanter Standards
2.2. IAS 11 – Fertigungsaufträge
2.3. IAS 14 / IFRS 8 – Segmentberichterstattung
2.4. IAS 36 – Wertminderung von Vermögenswerten
3. Kritische Würdigung des Management Approach
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den sogenannten Management Approach in der IFRS-Rechnungslegung, bei dem intern für Steuerungszwecke generierte Informationen direkt in die externe Finanzberichterstattung einfließen. Ziel ist es, verschiedene Anwendungsfälle innerhalb ausgewählter IAS/IFRS-Standards zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, inwieweit dieser Ansatz die Entscheidungsnützlichkeit der Berichterstattung erhöht oder die Vergleichbarkeit der Abschlüsse gefährdet.
- Methodische Grundlagen und historische Entwicklung des Management Approach.
- Analyse der Anwendung in IAS 11 (Fertigungsaufträge), IAS 14/IFRS 8 (Segmentberichterstattung) und IAS 36 (Wertminderung).
- Bewertung der Risiken durch Informationsmanipulation und Zirkularitätseffekte.
- Untersuchung der Auswirkungen auf die Prüfungsintensität und Prüfbarkeit.
- Kritische Diskussion zur Vergleichbarkeit von Unternehmensabschlüssen.
Auszug aus dem Buch
2.3. IAS 14 / IFRS 8 – Segmentberichterstattung
Eine durch Unternehmen zu erstellende Segmentberichterstattung, mit zusätzlichen Informationen zu einzelnen Teilbereichen, trägt dazu bei, dass Jahresabschlussadressaten die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens besser beurteilen und eine künftige Entwicklung besser prognostizieren können. Der im November 2006 vom IASB veröffentlichte und im November 2007 in europäisches Recht übernommene Standard IFRS 8 behandelt die Erstellung einer Segmentberichterstattung. Dieser Standard, der die Bestrebungen um eine Konvergenz der IFRS mit den US GAAP widerspiegelt, ersetzt damit den Standard IAS 14 und ist verpflichtend für Berichtsperioden anzuwenden, die am 1.1.2009 oder später beginnen. Mit dem Übergang von IAS 14 zu IFRS 8 ist auch eine grundlegende Änderung in der Konzeption und Ausgestaltung der Segmentberichterstattung verbunden. Die entscheidende Neuerung des IFRS 8 ist die konsequentere Implementierung des Management Approach. Die Segmentberichterstattung soll ausschließlich auf Grundlage interner Organisations- und Berichtsstrukturen sowie interner Steuerungsgrößen erfolgen. Interne Informationen sollen unmittelbar in die externe Berichterstattung übernommen werden. Im Folgenden wird der IFRS 8 unter dem Aspekt des Management Approach sowie der Änderungen zum bis Ende 2009 gültigen IAS 14 in wesentlichen Zügen dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung der zunehmenden Harmonisierung von internem und externem Rechnungswesen ein und erläutert Ursprung sowie Grundlagen des Management Approach.
2. Anwendungsfälle: Hier werden relevante IFRS-Standards wie IAS 11, IAS 14/IFRS 8 und IAS 36 detailliert hinsichtlich ihrer praktischen Umsetzung des Management Approach untersucht.
3. Kritische Würdigung des Management Approach: Dieses Kapitel analysiert potenzielle Probleme wie begrenzte Reliabilität, Zirkularitätseffekte, Informationsmanipulation und die mangelnde Vergleichbarkeit von Unternehmensdaten.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Management Approach zwar entscheidungsrelevante Informationen liefert, jedoch die Anforderungen an Adressaten und Prüfer deutlich verschärft.
Schlüsselwörter
Management Approach, IFRS, Segmentberichterstattung, IAS 11, IAS 36, IFRS 8, Fertigungsaufträge, Wertminderung, Finanzberichterstattung, Controlling, Unternehmenssteuerung, Vergleichbarkeit, Informationsreliabilität, Shareholder Value, Rechnungslegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Nutzung interner Managementinformationen für die externe IFRS-Finanzberichterstattung, dem sogenannten Management Approach.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen die Konzeption des Management Approach, dessen konkrete Anwendung in ausgewählten IAS-Standards sowie eine kritische Würdigung hinsichtlich Transparenz und Vergleichbarkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Mehrwert entscheidungsnützlicher Informationen gegen die Risiken eingeschränkter Vergleichbarkeit und potenzieller Manipulation durch das Management abzuwägen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer kritischen Auseinandersetzung mit aktuellen Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS) unter Einbeziehung ökonomischer Anreizstrukturen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die praktische Umsetzung in den Bereichen langfristige Fertigungsaufträge (IAS 11), Segmentberichterstattung (IFRS 8) und Impairment-Tests (IAS 36).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Management Approach, IFRS, Segmentberichterstattung, Controlling, Entscheidungsnützlichkeit, Vergleichbarkeit und Rechnungslegung.
Inwiefern verändert IFRS 8 die Segmentberichterstattung im Vergleich zu IAS 14?
IFRS 8 implementiert den Management Approach konsequenter, indem Segmente nun ausschließlich auf Basis interner Organisationsstrukturen und Steuerungsgrößen gebildet werden müssen, anstatt starrer externer Vorgaben.
Welche Risiken birgt der Management Approach laut Autor?
Der Autor warnt vor einer eingeschränkten Vergleichbarkeit der Abschlüsse, Zirkularitätseffekten bei der Bilanzpolitik sowie der Gefahr, dass durch subjektive Sichtweisen des Managements das Bild des Unternehmens verzerrt werden kann.
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- Peter Lammers (Author), 2008, Der Management Approach in der IFRS-Rechnungslegung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124971