Steinbeck entwickelte in Cannery Row eine Melange aus Realität und Fiktion indem er reale Orte und Personen als Formen benutzte, die er mit Ideen, Vorstellungen und Bildern füllte. Als besonders passend kann die Bezeichnung der „comedy turned sour“ bezeichnet werden – wurde Cannery Row anfangs auch als unterhaltsame Geschichte gewertet, eine Bewertung zu der Steinbeck vielleicht selbst den Anstoß gab, enthält sie doch wesentlich mehr. Zentrale Elemente sind die Übel der Zivilisation wie materielle Habgier und Einsamkeit. Weitere Elemente sind das Leben des Menschen im Einklang mit der Natur und dem entgegengesetzt die Ausbeutung der Natur. Steinbeck verarbeitete im Roman aber auch persönlichere Erlebnisse wie das Gefühl der Sehnsucht nach der Küste Montereys und die Enttäuschung über gescheiterte Beziehungen, die sich in den Frauenrollen der Cannery Row wiederspiegelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Freundschaft zwischen Steinbeck und Ricketts
2.1 Steinbeck vor Ricketts
2.2 Ricketts vor Steinbeck
2.3 Gemeinsame Jahre
3. Die Cannery Row: Philosophie, Personen, Orte und Ereignisse - Realität und Fiktion
3.1 Die Philosophie in Cannery Row
3.2 Die Handlungsorte in der Realität
3.3 Die Protagonisten in Cannery Row: Realität und Fiktion
4. Resumée
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die fiktionale Struktur in John Steinbecks Roman "Cannery Row" und analysiert, wie reale biographische Hintergründe sowie die Freundschaft zwischen Steinbeck und dem Biologen Ed Ricketts in die Gestaltung von Charakteren und Handlungsorten einfließen.
- Einfluss der Freundschaft zwischen Steinbeck und Ed Ricketts auf das Werk
- Philosophische Strömungen (Taoismus, Phalanx-Theorie, nicht-teleologisches Denken)
- Die Vermischung von Realität und Fiktion in Handlungsorten und Figuren
- Kritische Analyse der zivilisatorischen Auswirkungen auf die Lebenswelt von Cannery Row
Auszug aus dem Buch
Die Protagonisten in Cannery Row: Realität und Fiktion
Die Widmung zu Cannery Row lautet: „Für Ed Ricketts; er weiß warum, vielleicht auch nicht.“ Neben der Hommage an Monterey ist der Roman sicherlich auch eine Hommage an Steinbecks Freundschaft zu Ed Ricketts. Die Person Docs im Roman ist eng an das Vorbild Ricketts angelehnt, Doc betreibt ein Laboratorium in dem er Tiere zu Forschungszwecken bereithält, seine „Waren“ sammelt er auf Erkundungstouren an der Küste Montereys. Weitere gemeinsame Eigenschaften sind die Liebe zur Philosophie, Kunst und Musik. In About Ed Ricketts schrieb Steinbeck: „His mind had no horizons. He was interested in everything. And there were very few things he did not like.“ In der Charakterisierung Docs in Kapitel 5 des Romans finden wir folgende Beschreibungen:
„Doc is rather small, deceptively small, for he is wiry and very strong and when passionate anger comes on him he can be very fierce. He wears a beard and his face is half Christ and half satyr and his face tells the truth. It is said that he has helped many a girl out of one trouble into another. Doc has the hands of a brain surgeon, and a cool warm mind. Doc tips his hat to dogs as he drives by and the dogs look up and smile at him. He can kill anything for need, but he could not even hurt a feeling for pleasure. [...] In the laboratory the girls from Dora’s heard the Plain Songs and Gregorian music for the first time. Lee Chong listened while Li Po was read to him in English. [...] Doc would listen to any kind of nonsense and change it for you to a kind of wisdom. His mind had no horizon-and his sympathy had no warp.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Entstehung von Cannery Row nach Steinbecks Kriegserfahrungen und stellt die Forschungsfrage nach dem Einfluss der persönlichen Umgebung und Freundschaft zu Ed Ricketts auf die Romanstruktur.
2. Die Freundschaft zwischen Steinbeck und Ricketts: Dieses Kapitel untersucht die biographischen Wege von John Steinbeck und Ed Ricketts, ihre prägenden Einflüsse und die gemeinsamen Jahre, die eine Grundlage für ihre spätere literarische und philosophische Zusammenarbeit bildeten.
3. Die Cannery Row: Philosophie, Personen, Orte und Ereignisse - Realität und Fiktion: Dieses Kapitel analysiert tiefgehend die philosophischen Konzepte hinter dem Roman, die realen Vorbilder für Schauplätze wie das Labor und den Laden sowie die Entwicklung der fiktionalen Charaktere aus realen Personen.
4. Resumée: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, wie Steinbeck durch die Verschmelzung von Realität und Fiktion eine "comedy turned sour" erschuf, die Themen wie die Übel der Zivilisation und das Leben im Einklang mit der Natur thematisiert.
Schlüsselwörter
John Steinbeck, Ed Ricketts, Cannery Row, Literaturkritik, Fiktion, Realität, Taoismus, nicht-teleologisches Denken, Monterey, Phalanx-Theorie, Charakteranalyse, Naturverbundenheit, Zivilisation, philosophische Struktur, wissenschaftliche Beobachtung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die fiktionale Struktur des Romans Cannery Row von John Steinbeck unter Berücksichtigung von biografischen Einflüssen und der realen Welt, die als Vorlage diente.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Philosophie hinter dem Roman (u.a. Taoismus), die Bedeutung der Freundschaft zu Ed Ricketts und das Spannungsfeld zwischen Zivilisation und Natur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Steinbeck reale Orte und Menschen als "Formen" für seine literarischen Ideen nutzt und wie diese Mischung die Struktur des Romans prägt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die biographische Daten, Briefe, Interviews und den Vergleich zwischen fiktionalen Darstellungen und realen historischen Vorbildern kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit dem Einfluss von Ed Ricketts, der organismischen Weltsicht, der "Phalanx-Theorie", dem nicht-teleologischen Denken und dem Vergleich der Romanfiguren/Orte mit ihren historischen Pendants.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Steinbeck, Ricketts, Cannery Row, Realität, Fiktion, Taoismus, nicht-teleologisches Denken und Monterey.
Welche Rolle spielt die "Phalanx-Theorie" in Cannery Row?
Die Phalanx-Theorie beschreibt ein Verhalten, das über die Individuen hinausgeht, und zeigt sich in der Dynamik von Gruppen innerhalb des Romans, etwa bei den Partys der Flophouse-Crew.
Warum wird Cannery Row als "comedy turned sour" bezeichnet?
Der Begriff beschreibt den komödienhaften, aber bitteren Charakter des Romans, der hinter einer vordergründig unterhaltsamen Handlung tiefgreifende Kritik an zivilisatorischen Werten und Einsamkeit verbirgt.
Was bedeutet das "nicht-teleologische Denken" für Steinbeck?
Es bezeichnet eine Sichtweise, die auf das Ziehen kausaler Schlüsse verzichtet und stattdessen die Akzeptanz der Realität und der Beobachtung in den Vordergrund stellt.
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- MA Guido Maiwald (Autor), 2000, Fiktionale Struktur in Steinbecks Cannery Row , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125062