Pädagogische (Reform-)Konzepte und ihre Bedeutung für das allgemeine Schulwesen


Seminararbeit, 2003

22 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Entwicklung der Freien Alternativschulen
2.2. Didaktik der Freien Alternativschulen
2.3. Pädagogik der Freien Alternativschulen
2.4 Elternarbeit an Freien Alternativschulen
2.5 Stärken und Schwächen im Schulprogramm von Freien Alternativschulen

3. Schluss/ Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In unserer Ausarbeitung will ich mich mit den Unterschieden der Elternarbeit an Freien Alternativschulen und staatlichen Schulen beschäftigen.

Bevor ichr jedoch näher auf dieses Thema eingehen werden, wird zunächst die Entwicklung der Freien Alternativschulen dargestellt. Es ist für das weitere Verständnis wichtig, die Entwicklungsgeschichte zu kennen, da sie sich auf das gesamte Schulprogramm von Freien Alternativschulen bezieht.

Anschließend wird auf die Didaktik und Pädagogik von Freien Alternativschulen eingegangen. „Die Schule sollte für das Kind da sein. In den Reformpädagogiken gilt, jedes einzelne Kind so gut wie möglich zu fördern, zu unterstützen und zu fordern“.[1]

Im Anschluss daran wird die Elternarbeit erörtert. Hierzu soll ein Vergleich zu staatlichen Schulen gezogen werden, um die Unterschiede zur Elternarbeit an Freien Alternativschulen hervorzuheben und deren Besonderheiten heraus zu arbeiten. Einleitend hierzu lässt sich sagen, dass in den Freien Alternativschulen eine freiwillige Gemeinschaft von Kindern, Lehrern und Eltern gewünscht wird, denn nur wenn alle Beteiligten gemeinsam Verantwortung für die Entwicklungsprozesse übernehmen, können für alle Aufgabenfelder der Freien Alternativschulen Lösungen gefunden werden.

Abschließend sollen die Stärken und Schwächen im Programm der Freien Alternativschulen ausgearbeitet werden, bevor die Arbeit mir einem Schlusswort beendet wird.

2. Hauptteil

2.1. Entwicklung der Freien Alternativschulen

Um das Konzept der Freien Alternativschulen verstehen und nachvollziehen zu können, ist es wichtig sich vorher mit ihrer Entstehungsgeschichte auseinander zu setzen.

„Freie alternativ Schulen im definitorisch engen Sinne entstanden im Abschwung der außerparlamentarischen Opposition zwischen Kinderläden und Wohnkommunen in den Jahren 1965 bis 1968 und entfalteten sich in den folgenden Jahre“.[2]

Für die Freien Alternativschulen war es wichtig, dass nicht Politik, sondern Pädagogik Schule machen soll.

Die Entwicklung der Freien Alternativschulen hat ihren Ursprung in der Mitte der 60er Jahre. Die Gesellschaft wollte sich nicht länger an den konservativen Moralvorstellungen und den daraus resultierenden Denkweisen von 1950 orientieren.

1965 wird es besonders deutlich, dass eine dringende Reformation in den Bereichen der Schul- und Hochschulausbildung von Nöten ist, was sich in den Studentenunruhen und Protestbewegungen 1968 ausdrückt.

Als Vorbild für eine „neue Pädagogik“ orientierte sich die Protestbewegung von 1968 an der antiautoritären Erziehung von A.S. Neill (Summerhill), sowie die »Free schools« in Amerika und England geben Antworten auf der Suche nach einer antiautoritären Erziehung. Besonders Neills Betonung der Sexualität für die freie Entwicklung der Menschen geht mit dem Schlagwort Befreiung von der Bewegung 1968 konform.

Die Entwicklung der Freien Alternativschulen läßt sich nach Michael Göhlich in vier Generationen gliedern, da sie sich durch unterschiedliche Intensionen und Veränderungen der Parolen voneinander abgrenzen lassen.

Die erste Generation beginnt um 1970 mit dem Rödelheimer Projekt, welches seine Anfänge in den Kinderläden von 1967 hat. Renate Stubenrauch, eine Lehrerin, erklärte sich bereit, den antiautoritären Erziehungsstil, welcher das Prinzip der Selbstregulierung und das Lernen als lebendige Auseinandersetzung mit den Dingen beinhaltet, in der Schule fortzusetzen. Dieser Versuch stößt auf großes Interesse in

der Bevölkerung und obwohl sich die Schulleitung, Lehrer und Eltern für einen zweiten Versuch einsetzen, wird dieser nicht bewilligt.

Daraufhin gründen einige Mitglieder dieses Projekts 1972 die Glocksee- Schule in Hannover, welche auch kurze Zeit später die offizielle Genehmigung des Kultusministeriums erhält. 2 Jahre später 1974 wird in Frankfurt die zweite Freie Alternativschule in Deutschland gegründet, allerdings ohne Genehmigung seitens des Kultusministeriums. „ Was [...] 1967 mit der Konzeption des antiautoritären Kinderladens »Kinderschule« begann, fand 1974 in der Konzeption der Freien Schule Frankfurt und 1975 in der ersten systematischen Selbstdarstellung der Glocksee- Schule einen ersten Abschluss“.[3]

Schon in der zweiten Generation, die von Göhlich zwischen 1979 bis 1981 angesetzt wird, verändert sich der Leitspruch der Freien Alternativschul- Bewegung. Der Begriff »frei« steht „nun nicht mehr vorrangig für Befreiung (aus starrten Normen) als vielmehr für Freiheit (in der wachsenden Pluralität der Normen). In der pädagogischen Praxis geht es nicht mehr um Befreiung von der Last der verdrängten Geschichte, wie einst im therapeutischen Milieu der Freien Schule Frankfurt, sondern um den Umgang mit vorhandener Freiheit“.[4] Diese Generation zielt nicht mehr auf eine ganze Veränderung der Gesellschaft, sondern möchte Arbeit leisten, die die Kinder zu gesellschaftlicher Mündigkeit führt. Weiterhin zeichnet sich diese Entwicklungszyklus durch rasche Gründungen und dem nicht genehmigten Unterrichten von Alternativprojekten aus. Diese Generation der Freien Alternativschulen möchte die staatliche Anerkennung nun nicht mehr, um das System Schule umfassend zu verändern, sondern vielmehr aus juristischen und finanziellen Gründen. Schon hier zeigt sich eine deutliche Unterscheidung zu der ersten Generation, die, wie schon erwähnt, ein Umdenken in der Gesellschaft bezwecken wollte. Da die Freien Alternativschulen in privater Trägerschaft fungieren, treten sie vermehrt mit anderen Privatschulen (z.B. katholischen und evangelischen Schulen) in Kontakt, was wiederum ideologisch nicht mit der ersten Generation übereinstimmt.[5]

Während die erste Generation ihren Schwerpunkt auf die psychoanalytische Rechtfertigung des Begriffs Freiheit legt, stützt sich die zweite Generation auf die

Entwicklungs- und Lernpsychologie.

In der folgende Generation (1985- 1988) beginnt die Zeit der Etablierung von Freien Alternativschulen. Viele Schulen, die ohne Genehmigungen angefangen haben, erhalten nun die staatliche Anerkennung. Weiterhin werden viele neue Freie Alternativschulen gegründet. „ Zwar hat zu dem Zeitpunkt das Interesse der Öffentlichkeit an antiautoritärer Erziehung längst nachgelassen, aber durch die Aufnahme der Ökologiefrage und durch ihre Nähe zur Basisdemokratie- Vorstellung der Grünen erhalten die Freien Schulen neue Impulse und können sich im politischen Diskurs der Gesellschaft neu positionieren“.[6]

Gerade in dieser Generation bildet sich ein starkes Gemeinschaftsgefühl heraus. Weiterhin wird 1988 der Bundesverband der Freien Alternativschulen gegründet, welcher in Zukunft nicht nur für die finanzielle und juristische Unterstützung neuer Gründungsinitiativen, sondern auch für die Öffentlichkeitsarbeit Sorge tragen wird.

Die vierte Generation der Freien Alternativschulen kann gleichzeitig als eine neue Erste angesehen werden. Sie beginnt mit dem Mauerfall und der Wiedervereinigung Deutschlands. Als erste neue Generation kann man diese Bewegung, die sich ausschließlich auf Gründungen von Freien Alternativschulen in den neuen Bundesländern bezieht, bezeichnen. Aufgrund der eigenen Geschichte von Bürgerinitiativen zu DDR Zeiten, wird sie nicht nur als vierte, sondern auch als erste gesehen. „Statt sexueller, normativer, politischer, durchaus kollektiv gedachter Befreiung (wie um 1970) oder Freiheit in der Pluralität der Lebensformen, -kulturen und –normen (wie nach 1980) wird in den, in der ehemaligen DDR gegründeten Freien Schulen (um 1990) die Freiwilligkeit, der freie Wille des Individuums gegenüber gezwungener Einbindungen ins Kollektiv, die »subjektive Komponente« zu einem wichtigen Begriff“.[7]

Momentan existieren in Deutschland 58 Freie Alternativschulen, die meisten davon arbeiten in freier Trägerschaft. Weiterhin bestehen 15 Initiativen zur Gründung von Freien Alternativschulen. Zum Schuljahr 2002/03 wurden wieder 7 neue Schulen gegründet. Von den 58 Freien Alternativschulen haben 15 zu der Primarstufe noch eine Sekundarstufe, während die anderen 43 nur eine Primarstufe führen. Zur Zeit besuchen 2900 Schüler in Deutschland eine Freie Alternativschule.

[...]


[1] http://www.tibs.at/tibs_unterricht/_winkler_reform.html

[2] Text Alternativschule Seite 38

[3] Michael Göhlich: Alternativschulpädagogik Seite 132

[4] Michael Göhlich: Alternativschulpädagogik Seite 133

[5] vgl. Michael Göhlich: Alternativschulpädagogik Seite 133

[6] Michael Göhlich: Alternativschulpädagogik Seite 134

[7] Michael Göhlich: Alternativschulpädagogik Seite 135/136

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Pädagogische (Reform-)Konzepte und ihre Bedeutung für das allgemeine Schulwesen
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
22
Katalognummer
V125187
ISBN (eBook)
9783640308552
ISBN (Buch)
9783640306664
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogische, Bedeutung, Schulwesen
Arbeit zitieren
Anne Kaufmann (Autor), 2003, Pädagogische (Reform-)Konzepte und ihre Bedeutung für das allgemeine Schulwesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125187

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