Antonio Buero Vallejo zählt zu den bedeutendsten literarischen Figuren der Nachkriegszeit in Spanien. Er kämpfte auf Seiten der Republikaner im Bürgerkrieg und wurde an dessen Ende zum Tode verurteilt. 1946 erfolgte die Begnadigung, viel später 1971 ist er gar zum Mitglied der Real Academia Española ernannt worden. Buero Vallejo ist als eine herausragende Einzelfigur seiner Zeit in Erscheinung getreten, sein großer Erfolg Historia de una escalera steht heute als ein Symbol für die Wiederbelebung und Erneuerung des spanischen Theaters. Der von ihm dargestellte, ins Tragische reichende Realismus setzte sich stark ab von der gerade vorherrschenden Frivolität, dem Klamauk und der Kritiklosigkeit des Theaters in Spanien.
Wie sich Bueros Sozialkritik mit der Zensur des diktatorischen Franco-Regimes vereinen ließ, und wie sich der Autor geschickt an die repressiven Gegebenheiten anpasste, das sind Fragen die im Verlauf dieser Arbeit geklärt werden sollen. Es wird gezeigt, dass er durch günstige Entwicklungen in eine besondere Rolle hineinfand, die ihm den Umgang mit der Zensur um manches erleichterte.
Für ein ausreichendes Hintergrundverständnis wird jedoch zunächst etwas näher auf die Situation der Literatur unter dem Franquismus, sowie auf einige wichtige Zensurpraktiken eingegangen. Dabei müssen die Auswirkungen der politischen Öffnung des Regimes auf die Zensur, und die damit zusammenhängende Liberalisierung in den 60er Jahren, in die Überlegungen miteinbezogen werden. Das Theater steht dabei besonders im Fokus.
Der hintere Teil der Arbeit befasst sich dann konkret mit dem Theater Antonio Buero Vallejos unter der Zensur. Es wird erläutert, wie...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Literatur und Franco-Diktatur
3. Zensur unter Franco
3.1 Die Theaterzensur
3.2 Buero Vallejo und die Zensur
4. Die Zensur im Werk Buero Vallejos
4.1 Zensurbehandlung einzelner Stücke
4.2 Historia de una escalera und El tragaluz – Zwei Einzelwerkanalysen
4.2.1 Historia de una escalera
4.2.2 El tragaluz
5. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Zensur im franquistischen Spanien auf das dramatische Werk von Antonio Buero Vallejo. Dabei wird analysiert, wie der Autor durch raffinierte dramaturgische Techniken und eine realistische Anpassungsstrategie in der Lage war, trotz repressiver staatlicher Kontrollmechanismen seine gesellschaftskritischen Inhalte zu verbreiten.
- Der historische und literarische Kontext des Franco-Regimes.
- Die Funktionsweise der staatlichen Theaterzensur und ihre Auswirkungen.
- Die spezifische Anpassungsstrategie des "posibilismo" bei Buero Vallejo.
- Detaillierte Analyse der Werke "Historia de una escalera" und "El tragaluz".
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Theaterzensur
Das Theater neben dem Film eine besondere Rolle zukam, ist allein an der Tatsache ersichtlich, dass für beide Gattungen die consulta previa, zwar umgewandelt in eine nur scheinbare consulta voluntaria, bis 1978 beibehalten wurde. So liegt zwischen der Einrichtung der Theaterzensur per Gesetz am 15.7.1939 und ihrer endgültigen Aufhebung am 27.1. 1978, eine unglaublich lange Zeitspanne von beinahe 40 Jahren.
Der Theaterkritiker Martin Esslin erklärt, dass “in theatre a human community directly experiences its own identity and reaffirms it. This makes theatre an extremely political, because preeminently social, form of art“15. Dieses politische und revolutionäre Potenzial, schöpft die Gattung nach Härtinger aus ihrer szenischen Aufführung, die ja unmittelbar an ein Publikum gerichtet ist. Die Distanzlosigkeit der Zuschauer stellte eine Gefahr dar, weshalb jegliche Einbeziehung derselben vom Regime untersagt wurde.16
Insgesamt waren die Urteile der Zensurbehörde in fünf Kategorien unterteilt: Von apropada, über aprobada con tachaduras, zu aprobada a reserva del ensayo general, hin zu aprobada por número limitado de representaciones, para ciertas capitales, o para las funciones de noche, bis prohibido. Die Einschränkung auf eine bestimmte Anzahl an Aufführungen, oder ein Mindestalter und die Anbindung an einen festen Ort, zielen darauf ab, dem Theater seine Breitenwirkung zu entziehen. Angelehnt an die Filmzensur traten 1964 offizielle Zensurnormen für das Theaterwesen in Kraft, innerhalb derer Artikel 17 die schon genannten drei zentralen Kriterien subsumiert:
1. La iglesia católica, su dogma, su moral y su culto.
2. Los principios fundamentales del Estado, la dignidad nacional y la seguridad interior o exterior del país.
3. La persona del jefe del Estado.17
Als einzig mögliches Resultat unter den zensurbedingten Konventionen für das spanische Theater, entstand zunächst ein kommerzielles und unkritisches Theater, das bis zum Ende der 40er Jahre andauerte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung legt den Fokus auf die literarische Bedeutung von Antonio Buero Vallejo im Kontext der spanischen Nachkriegszeit und umreißt die Fragestellung bezüglich seines Umgangs mit der Zensur.
2. Literatur und Franco-Diktatur: Dieses Kapitel skizziert die schwierigen Bedingungen für Literaten unter dem Franco-Regime, geprägt von Repression, Flucht und einer propagandistisch gesteuerten Kulturpolitik.
3. Zensur unter Franco: Hier werden die administrativen Strukturen, die Mechanismen der Zensurbehörden und die allmähliche Entwicklung der Kontrollpraktiken erläutert.
4. Die Zensur im Werk Buero Vallejos: Der Hauptteil untersucht anhand konkreter Beispiele die Strategien des Autors, durch geschickte Anpassungen und Symbole der Zensur zu entgehen.
5. Schlussbetrachtungen: Die Arbeit fasst zusammen, dass Buero Vallejos Erfolg auf einer bewussten, intelligenten Strategie basierte, die es ihm ermöglichte, sein Werk trotz Zensur zu verbreiten.
Schlüsselwörter
Antonio Buero Vallejo, spanische Literatur, Franco-Diktatur, Zensur, Theaterzensur, Posibilismo, Historia de una escalera, El tragaluz, Repression, Dramatik, politisches Theater, Nachkriegszeit, Literaturpolitik, künstlerische Freiheit, Spanien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Zensur im Spanien unter Francisco Franco auf das dramatische Schaffen von Antonio Buero Vallejo.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen der historische Kontext der Franco-Diktatur, die Arbeitsweise der Zensurbehörden und die künstlerischen Strategien von Buero Vallejo zur Umgehung dieser Restriktionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es soll aufgezeigt werden, wie Buero Vallejo trotz massiver zensurbedingter Einschränkungen erfolgreich kritische Inhalte in seinen Theaterstücken platzieren konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, ergänzt durch historische Kontexte und die Untersuchung spezifischer Einzelwerke (Werkanalyse).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Zensurpraxis gegenüber Buero Vallejos Stücken, inklusive einer detaillierten Analyse von "Historia de una escalera" und "El tragaluz".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Zensur, Buero Vallejo, Franco-Diktatur, Posibilismo, Theaterzensur und künstlerische Anpassungsstrategien.
Was versteht man im Kontext der Arbeit unter "Posibilismo"?
Es handelt sich um die vom Autor gewählte Strategie der bewussten Anpassung an die Zensurvorgaben, um gesellschaftskritische Aussagen innerhalb des Möglichen (des "Posiblen") überhaupt zur Aufführung zu bringen.
Wie unterschied sich die Zensurbehandlung bei den beiden analysierten Werken?
Während "Historia de una escalera" (1949) das Thema des Bürgerkriegs ausspart, setzt sich "El tragaluz" (1967) deutlich expliziter und in einer liberaleren Phase des Regimes mit dieser Thematik auseinander.
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- Alexander vom Dorp (Author), 2008, Die Zensur im Werk Antonio Buero Vallejos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125270