Dominikaner und Franziskaner waren zwei der wenigen Orden, die ein Leben in Armut mit einer Nähe zur Römischen Kurie zu verbinden suchten. Beide Bettelorden bewahrten den Protest gegen den Klerus und Fehlverhalten von Kirche vor dem totalen Bruch mit der Orthodoxie und entwickelten sich in christlichen Ländern und Missionsgebieten zu zentralistisch geleiteten, disziplinierten Hilfsorganen des Papstes. In beiden Orden wurde ein Schwerpunkte auf theologische Ausbildung und Studium gesetzt. Die Parallelen, die zwischen den beiden Orden bestehen, werfen die Frage auf, wie die Beziehungen zwischen Franziskanern und Dominikanern charakterisiert waren.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Beziehungen der Orden in ihren gemeinsamen Wirkungsfeldern. Es soll untersucht werden, ob eine praktische Zusammenarbeit im Kampf gegen die Häresie und bei der Missionstätigkeit stattfanden. Auf die Ausbreitungs- und Armutskonzepte der Orden, sowie auf die theologische Forschung soll ebenfalls eingegangen werden. Hieraus ergibt sich die Frage, ob die Relationen der Orden durch weitergehende Zusammenarbeit oder durch Konkurrenzdenken gekennzeichnet waren. Den Schwerpunkt wird auf die Beziehungen zwischen päpstlich interpretiertem Franziskanertum und Dominikanertum gesetzt, da hier weitestgehende Übereinstimmungen in Verfassung und Mentalität vorzufinden waren.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Historische Entwicklung der Bettelorden bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts
1. Franziskaner
2. Dominikaner
III Beziehungen zwischen Dominikanern und Franziskanern in ihren gemeinsamen Wirkungsfeldern
1. Theologische Forschung/ Studium
2. Inquisition
3. Ausbreitung/ Missionierung
4. Armutskonzepte
5. Franziskaner, Dominikaner - Zusammenarbeit oder Konkurrenz
IV Ergebisse
V Anhang
1. Quellenverzeichnis
2. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Beziehungen zwischen den Dominikanern und Franziskanern im Zeitraum vom 13. Jahrhundert bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts, wobei der Fokus auf ihren gemeinsamen Wirkungsfeldern liegt. Ziel ist es, herauszufinden, ob die Interaktion dieser Bettelorden primär durch eine praktische Zusammenarbeit oder durch Konkurrenzdenken geprägt war.
- Untersuchung der Zusammenarbeit im Kampf gegen Häresien (Inquisition).
- Analyse der Ansätze in der theologischen Forschung und im Studium.
- Vergleich der Ausbreitungskonzepte und Missionstätigkeiten.
- Gegenüberstellung der unterschiedlichen Armutskonzepte der beiden Orden.
- Evaluierung der Rivalität in städtischen Zentren und an Universitäten.
Auszug aus dem Buch
2. Inquisition
Franziskaner- und Dominikanerorden waren beide in die päpstliche Inquisition (Aufspürung und Aburteilung von Ketzern) involviert. Die Dominikaner wurden ab 1232 mit der Ketzerbekämpfung beauftragt (Beauftragung des Magisters Konrad von Marburg durch Papst Gregor IX. am 11. Oktober 1231, die den Anfang einer ganzen Reihe von nahezu gleichlautenden Ketzerbekämpfungsaufträgen für Dominikaner bildete). Die Zuständigkeitsbereiche der vom Papst beauftragten Inquisitoren waren meist provinzgebunden. So leiteten die Dominikaner die Ketzerbekämpfung in Norditalien, Deutschland, Frankreich und im Languedoc.
Die Franziskaner waren ab 1236 ebenfalls an der Inquisition beteiligt, doch nie in einem den Dominikanern vergleichbaren Ausmaß. Sie wirkten hauptsächlich in der Provence und in Süditalien.
Die Ketzergebiete wurden also systematisch unter den beiden Bettelorden verteilt. Anlass für diese päpstliche Aufteilung der Zuständigkeitsbereiche war vermutlich der Zustand, dass die Präsenz der Dominikaner in den von den Franziskanern übernommenen Gebieten zum Zeitpunkt der Beauftragung zu gering war. Die Tatsache, dass die Franziskaner den Dominikanern in ihrem „Kampf gegen die Häresie zur Seite [traten]“, zeugt dabei von Unterstützung.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Einführung in die Thematik der Bettelorden und Darstellung der Fragestellung zur Beziehung zwischen Dominikanern und Franziskanern.
II Historische Entwicklung der Bettelorden bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts: Historischer Abriss zur Entstehung und Entwicklung der Franziskaner sowie der Dominikaner.
III Beziehungen zwischen Dominikanern und Franziskanern in ihren gemeinsamen Wirkungsfeldern: Detaillierte Untersuchung der Interaktionsbereiche wie Theologie, Inquisition, Mission und Armutsideale.
IV Ergebisse: Zusammenfassende Darstellung der Erkenntnisse über das Spannungsfeld zwischen Konkurrenz und punktueller Zusammenarbeit.
V Anhang: Bereitstellung der für die Arbeit relevanten Quellenbelege sowie des Literaturverzeichnisses.
Schlüsselwörter
Dominikaner, Franziskaner, Bettelorden, Inquisition, Armutsstreit, Theologie, Missionierung, Konkurrenz, Mittelalter, Papsttum, Kirchengeschichte, Ordenswesen, Studium, Ketzerbekämpfung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die wechselseitigen Beziehungen zwischen dem Dominikanerorden und dem Franziskanerorden in ihren gemeinsamen Wirkungsbereichen vom 13. bis zum 16. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die theologische Forschung, die Inquisition, die Missionstätigkeit sowie die unterschiedlichen Armutskonzepte der beiden Orden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel besteht darin zu klären, ob die Relationen zwischen den beiden Orden primär durch eine praktische Zusammenarbeit im kirchlichen Auftrag oder durch Konkurrenzdenken geprägt waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historische Untersuchung und literaturbasierte Analyse, um die institutionelle und mentale Entwicklung der Orden sowie deren gegenseitige Interaktionen zu durchleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einleitung zu den Orden und eine tiefgehende Untersuchung der gemeinsamen Wirkungsfelder, einschließlich der Konkurrenzsituation in Städten und an Universitäten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Bettelorden, Inquisition, Armutskonzepte, Konkurrenz und kirchliche Zusammenarbeit.
Welche Rolle spielte Thomas von Aquin in diesem Kontext?
Thomas von Aquin wird als bedeutender dominikanischer Theologe hervorgehoben, der das franziskanische Armutsideal ablehnte, aber dennoch im Pariser Universitätsstreit zur Verteidigung der Mendikantenorden beitrug.
Wie wirkte sich die päpstliche Politik auf das Verhältnis aus?
Das Papsttum steuerte die Aktivitäten der Orden, etwa durch die Gebietsaufteilung bei der Inquisition oder bei der Missionierung, was teils zu Kooperationen, aber auch zu Spannungen führte.
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- Matthias Storm (Author), 2002, Die Beziehungen zwischen Dominikanern und Franziskanern ih ihren gemeinsamen Wirkungsfeldern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12528