Am Abend des 25. Dezember 1991 wehte die rote Hammer-und-Sichel-Flagge der Sowjetunion nach 69 Jahren zum letzten Mal über dem Kreml. Die Selbstauflösung der UdSSR markierte den Ausgangspunkt für einen weitreichenden Wandel in der Struktur des internationalen Systems. Die Bipolarität, welche seit Ende des Zweiten Weltkrieges die weltpolitische Bühne mit den beiden Großmächten – den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion – dominierte, wich der Unipolarität mit den USA als einzig verbleibende Hegemonialmacht.
Der Zusammenbruch der Sowjetunion bot somit die einmalige Gelegenheit, das internationale System neu zu strukturieren, um somit eine neue, friedliche Weltordnung zu schaffen. Die Umsetzung des Konzepts der „new world order“, so der damalige US-Präsident George Bush, sollte mittels Kooperation in Form von internationalen und regionalen Organisationen erreicht werden und auf den gemeinsamen Normen Demokratie, Marktwirtschaft, Menschenrechte sowie Freiheit basieren.
Die Hoffnung zahlreicher Experten und Politiker, dass kriegerische Auseinandersetzungen künftig nicht mehr stattfinden und sich die Erwartung auf dauerhaften Frieden erfüllen würden, hat sich jedoch nicht erfüllt. Zwar ging die Epoche der klassischen zwischenstaatlichen Kriege zu Ende, doch an deren Stelle traten nationale, inner¬staatliche Auseinandersetzungen. Auslöser dieser sogenannten „neuen Kriege“ war das Auf¬brechen von alten Konfliktpotenzialen, die während des Kalten Krieges von den beiden Supermächten unterdrückt wurden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. Hinführung zum Thema
2. Problemstellung
3. Fragestellung und Untersuchungszeitraum
4. Forschungsstand und Quellenlage
5. Forschungsdesign und methodisches Vorgehen
6. Definitionen
6. 1 Der Begriff der humanitären Intervention
6. 2 Der Begriff der ‚nationalen Interessen’ der USA
6. 3 Der Policy Cycle
6. 4 Die Theorie des neoklassischen Realismus’
6. 4. 1 Der Waltz`sche Neorealismus als theoretische Grundlage zur Analyse von außenpolitischem Verhalten
6. 4. 2 Der Einfluss von innerstaatlichen Determinanten als „intervening variables“
6. 4. 3 Perzeption als intervenierende Variable
II. Eine „neue Weltordnung“ – Die humanitäre Intervention als Instrument der US-Außen- und Sicherheitspolitik
1. Die humanitäre Intervention in Somalia 1993
1. 1 Hintergrund
1. 2 Die Hungersnot in Somalia auf der politischen Agenda der USA
1. 3 Der innenpolitische Entscheidungsprozess innerhalb der Bush-Regierung im November 1992
2. Die humanitäre Intervention in Haiti 1994
2. 1 Hintergrund
2. 2 Die innere Entwicklung Haitis auf der politischen Agenda der USA
2. 3 Der innenpolitische Prozess zur Interventionsentscheidung
3. Die humanitäre Intervention im Kosovo 1999
3. 1 Hintergrund
3. 2 Der Kosovo-Konflikt auf der politischen Agenda der USA
3. 3 Die innenpolitische Entscheidung zur humanitären Intervention im Kosovo
III. Humanitäre Katastrophen jenseits der US-amerikanischen Interventionspolitik
1. Der Völkermord in Ruanda 1994
1. 1 Hintergrund
1. 2 Der Völkermord in Ruanda auf der politischen Agenda der USA
1. 3 Das Debakel in Somalia im Oktober 1993 und dessen Auswirkung auf den Entscheidungsprozess zur Nicht-Intervention in Ruanda im Jahre 1994
2. Die humanitäre Katastrophe in der Demokratischen Republik Kongo
2. 1 Hintergrund
2. 2 Die DR Kongo auf der politischen Agenda der USA
2. 3 Militärische Unterstützung für Uganda und Ruanda – Die neue Strategie der USA für den Schwarzen Kontinent
3. Die humanitäre Katastrophe in Burma
3. 1 Hintergrund
3. 2 Burma auf der politischen Tagesordnung der USA
3. 3 Der ‚große Bruder’ China
IV. Kriterien für US-amerikanische Interventionen in humanitäre Katastrophen
1. Innenpolitischer Druck ausgelöst durch die Präsenz der humanitären Katastrophe in der Öffentlichkeit
2. Bedrohung nationaler Interessen des intervenierenden Staates
3. Bewahrung der eigenen Glaubwürdigkeit
V. Ergebnisse und Ausblick – Eine amerikanische Intervention im Sudan?
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die Arbeit untersucht, warum die USA nach dem Ende des Kalten Krieges nur in ausgewählten Fällen militärisch intervenierten, um humanitäre Katastrophen zu beenden, während sie in anderen, teils schwerwiegenderen Krisen unbeteiligt blieben. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Kriterien, die den Entscheidungsprozess der US-Regierung beeinflussen.
- Analyse des Einflusses innenpolitischer Faktoren auf außenpolitische Interventionsentscheidungen.
- Untersuchung der Rolle von nationalen Interessen und Glaubwürdigkeit bei Militäreinsätzen.
- Vergleich von Interventionsfällen (Somalia, Haiti, Kosovo) mit Nicht-Interventionsfällen (Ruanda, DR Kongo, Burma).
- Anwendung des neoklassischen Realismus als theoretischer Erklärungsrahmen.
- Entwicklung eines Kriterienkatalogs für US-amerikanische Interventionen bei humanitären Krisen.
Auszug aus dem Buch
1. Hinführung zum Thema
Am Abend des 25. Dezember 1991 wehte die rote Hammer-und-Sichel-Flagge der Sowjetunion nach 69 Jahren zum letzten Mal über dem Kreml. Die Selbstauflösung der UdSSR markierte den Ausgangspunkt für einen weitreichenden Wandel in der Struktur des internationalen Systems. Die Bipolarität, welche seit Ende des Zweiten Weltkrieges die weltpolitische Bühne mit den beiden Großmächten – den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion – dominierte, wich der Unipolarität mit den USA als einzig verbleibende Hegemonialmacht.
Der Zusammenbruch der Sowjetunion bot somit die einmalige Gelegenheit, das internationale System neu zu strukturieren, um somit eine neue, friedliche Weltordnung zu schaffen. Die Umsetzung des Konzepts der „new world order“, so der damalige US-Präsident George Bush, sollte mittels Kooperation in Form von internationalen und regionalen Organisationen erreicht werden und auf den gemeinsamen Normen Demokratie, Marktwirtschaft, Menschenrechte sowie Freiheit basieren.1
Die Hoffnung zahlreicher Experten und Politiker, dass kriegerische Auseinandersetzungen künftig nicht mehr stattfinden und sich die Erwartung auf dauerhaften Frieden erfüllen würden, hat sich jedoch nicht erfüllt. Zwar ging die Epoche der klassischen zwischenstaatlichen Kriege zu Ende, doch an deren Stelle traten nationale, innerstaatliche Auseinandersetzungen. Auslöser dieser sogenannten „neuen Kriege“2 war das Aufbrechen von alten Konfliktpotenzialen, die während des Kalten Krieges von den beiden Supermächten unterdrückt wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel des internationalen Systems nach dem Ende des Kalten Krieges und führt in die Problematik ein, warum die USA in einigen humanitären Krisen intervenieren und in anderen nicht.
II. Eine „neue Weltordnung“ – Die humanitäre Intervention als Instrument der US-Außen- und Sicherheitspolitik: Dieses Kapitel analysiert die konkreten Interventionsentscheidungen der USA in Somalia, Haiti und im Kosovo unter Berücksichtigung politischer Entscheidungsprozesse.
III. Humanitäre Katastrophen jenseits der US-amerikanischen Interventionspolitik: Der Hauptteil untersucht die Gründe für die ausbleibenden Interventionen der USA in Ruanda, der Demokratischen Republik Kongo und Burma.
IV. Kriterien für US-amerikanische Interventionen in humanitäre Katastrophen: Hier werden die zentralen Motive und Kriterien – wie öffentlicher Druck, nationale Interessen und Glaubwürdigkeit – theoretisch und empirisch hergeleitet.
V. Ergebnisse und Ausblick – Eine amerikanische Intervention im Sudan?: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die Möglichkeiten einer Intervention im Sudan.
Schlüsselwörter
Humanitäre Intervention, USA, Außenpolitik, Neoklassischer Realismus, Somalia, Haiti, Kosovo, Ruanda, Demokratische Republik Kongo, Burma, nationale Interessen, Policy Cycle, innenpolitischer Druck, Glaubwürdigkeit, Peacekeeping.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Magisterarbeit?
Die Arbeit analysiert die US-amerikanische Interventionspolitik nach 1990 und untersucht, welche Faktoren und Motive dazu führen, dass die USA in bestimmten humanitären Krisen militärisch eingreifen und in anderen nicht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit thematisiert die Außen- und Sicherheitspolitik der USA, die Rolle internationaler Organisationen, das Konzept der humanitären Intervention sowie die innenpolitischen Prozesse, die zu solchen Entscheidungen führen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Fallbeispielen herauszuarbeiten, um daraus einen allgemeinen Kriterienkatalog für US-amerikanische Interventionen bei humanitären Katastrophen zu erstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt den neoklassischen Realismus als theoretische Basis und kombiniert diesen mit dem Modell des Policy Cycles nach Anderson und Jones, um die internen Entscheidungsprozesse innerhalb der US-Administration zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung ausgeführter Interventionen (Somalia, Haiti, Kosovo) und nicht-ausgeführter Interventionen (Ruanda, DR Kongo, Burma) sowie die anschließende Herleitung der zentralen Kriterien für US-Interventionen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind neben der humanitären Intervention und den nationalen Interessen der USA auch Begriffe wie "Assertive Multilateralism", "Neoklassischer Realismus" und der "CNN-Effekt".
Warum griffen die USA in Somalia ein, in Ruanda jedoch nicht?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die Interventionsentscheidung in Somalia stark durch medialen und innenpolitischen Druck geprägt war, während das Debakel in Somalia 1993 als Abschreckung wirkte, die eine Intervention in Ruanda 1994 verhinderte.
Welche Rolle spielt China bei der Beurteilung der Lage in Burma?
China fungiert als mächtigster Unterstützer der burmanischen Militärjunta und verhindert als Vetomacht im UN-Sicherheitsrat regelmäßig Resolutionen oder Sanktionen, was den Spielraum für internationale humanitäre Maßnahmen massiv einschränkt.
- Citation du texte
- Veronika Seitz (Auteur), 2008, Humanitäre Interventionen der USA seit 1990, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125291