Die Anfänge der modernen Volkswirtschaftslehre


Seminararbeit, 2008

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beginn der klassischen Nationalökonomie
2.1 Zur Person Adam Smith
2.2 Smith’ Ansatz der unsichtbaren Hand
2.2.1 Arbeitsteilung und Eigennutz
2.2.2 Preis- und Werttheorie
2.2.3 Rolle des Staats

3. Erweiterungen der Lehre Smith’ durch David Ricardo
3.1 Neue Aspekte in der Preis- und Werttheorie
3.2 Vorteile der internationalen Arbeitsteilung

4. Neoklassische Revolution durch Herman Heinrich Gossen
4.1 Grundzüge der modernen Konsumtheorie
4.1.1 Erstes gossensches Gesetz
4.1.2 Zweites gossensches Gesetz
4.2 Vergleich der Konsumtheorie mit der Preis- und Werttheorie der Klassik

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es besteht eine weitgehende Einigkeit darüber, dass das Prinzip des Wirtschaftens schon immer zur Natur des Menschen gehörte. Das Bedürfnis, durch Tausch seine materielle Versorgung beziehungsweise Not zu verbessern, kann als Urtrieb des Menschen angesehen werden (vgl. Aristoteles 1973, S.23ff). So beschäftigten sich schon die antiken Philosophen mit dem Phänomen des Wirtschaftens. Aristoteles und Platon untersuchten bereits zu ihrer Zeit die Rolle des Staats im wirtschaftlichen Geschehen und welche Indikatoren Preise beeinflussen (vgl. Stavenhagen 1969, S. 16). Im Zeitablauf hatten sich unterschiedliche Konstruktionen der politischen Ökonomie herausgebildet, welche in den einzelnen Nationen unterschiedliche Gestalten annahm. Die Überlegungen, wie ökonomische Fragestellungen bearbeitet werden könnten, erfolgten jedoch zuerst im Merkantilismus[1] und Physiokratismus[2] (vgl. Stavenhagen 1969, S. 18 ff.). Doch erst 1776 mit Adam Smith erfuhr die politische Ökonomie eine theoretische und akademische Basis, die als Grundsatz der modernen Volkswirtschaft angesehen werden konnte (vgl. Nielen 2000, S. 1 ff.).

Diese Seminararbeit setzt an diesem Entwicklungsschritt zur modernen Volkswirtschaft an und versucht im Folgenden zu analysieren, wie und in welchen Stufen sich die moderne Volkswirtschaft entwickelte. Diese Entwicklungsgeschichte wird größtenteils anhand der Entwicklung der Preis- und Werttheorie beschrieben.

Im ersten Teil der Seminararbeit wird kurz auf die Biografie von Adam Smith eingegangen, um die Umstände seiner Studien und den geschichtlichen Hintergrund zu ergründen, aus dem die Ursprünge der modernen Volkswirtschaft hervorgingen. Des Weiteren wird die Lehre Adam Smiths fokussiert. Aufgrund der Limitation in der Seminararbeit kann nur auf die theoretische Fundierung der unsichtbaren Hand eingegangen werden. Dies wird im Vergleich zu den folgenden Kapiteln umfangreicher sein. Der Grund hierfür liegt in der theoretischen Basis von Smith’ Lehre, auf der größtenteils alle zukünftigen Lehren aufbauten (vgl. Nielen 2000, S. 3). Im zweiten Teil der Seminararbeit wird die Erweiterung von Smith’ Lehre durch David Ricardo vorgestellt. Neben den neuen Aspekten in der Preis- und Werttheorie wird im Besonderen auf dessen Außenhandelstheorie eingegangen. Anschließend wird im nächsten Kapitel die Neoklassik vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen dort Hermann Heinrich Gossen als Begründer der Grenznutzenschule und dessen Grundzüge der modernen Konsumtheorie, wobei zusätzlich ein Vergleich zwischen Klassik und Neoklassik anhand der Preis- und Werttheorie vorgenommen wird. Die Seminararbeit schließt im vierten Teil mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse.

2. Beginn der klassischen Nationalökonomie

Die klassische Nationalökonomie nahm ihren Anfang im März 1776 mit der Veröffentlichung von Adam Smith’ Hauptwerk „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nation“ (Wohlstand der Nationen). Dieses Werk machte Adam Smith zum Gründungsvater der modernen Volkswirtschaft und schuf die Voraussetzung für die Etablierung der Ökonomie als eigenständige Wissenschaftsdisziplin (vgl. Nielen 2000, S. 15).

2.1 Zur Person Adam Smith

Der schottische Moralphilosoph Adam Smith wurde 1723 in Kirkcaldy geboren, einer schottischen Kleinstadt in der Nähe von Edinburgh. Das genaue Geburtsdatum ist ungewiss, Bekannt ist nur, dass er am 5. Juni getauft wurde (Vgl. Ross 1995, S. 1). Sein Vater, der als Notar und Zollbeamter in Kirkcaldy tätig war, starb noch vor seiner Geburt. Adam Smith war Einzelkind und hatte zeit seines Lebens eine enge Bindung zu seiner Mutter.

Bis zum vierzehnten Lebensjahr besuchte Adam Smith die Burgh-Schule in Kirkcaldy. Seine Leistungen dort waren so beeindruckend, dass er 1737 an die Universität nach Glasgow wechselte, wo er gleich das erste Studienjahr übersprang (vgl. Ballestrem 2001, S.33). Die Vorlesungen, die er im Studienjahr 1737/38 bei Professor Hutcheson[3] besuchte, sollten ihn am stärksten prägen (vgl. Kurz 1998, S. 59).

Im Juni 1740 machte Adam Smith seinen Abschluss und verließ Glasgow, um im Herbst sein Studium an der Universität in Oxford fortzusetzen. Hierfür erhielt er das Snell-Stipendium der Universität Glasgow, welches für verdiente Studenten vergeben wurde (vgl. Ballestrem 2001, S. 34). Smith studierte sechs Jahre in Oxford und beklagte die Rückständigkeit der Wissenschaft dort (vgl. Recktenwald 1774, S.XX).

Im Januar 1751 kehrte Adam Smith an die Universität Glasgow zurück, wo er die Professur für Logik annahm. Ein Jahr später übernahm er noch zusätzlich den Lehrstuhl für Moralphilosophie von Hutcheson. Bis zum Jahre 1763 war er an der Universität Glasgow als Professor tätig (vgl. Ballestrem 2001, S. 36). Während dieser Zeit veröffentlichte er im Jahr 1759 sein erstes Hauptwerk „The Theory of Moral Sentiments“. Dieses Werk verschaffte ihm großes Ansehen als Moralphilosoph nicht nur in Großbritannien, sondern in ganz Europa.

In den Jahren 1764 bis 1767 begleitete Adam Smith den jungen Herzog von Buccleuch auf dessen Grand tour[4] als Privatlehrer. Im Frühjahr 1767 kehrte er in seine schottische Heimat zurück. Von diesem Zeitpunkt an widmete sich Smith ausschließlich seinem Magnum opus „Wohlstand der Nationen“. Nach zwölfjähriger Bearbeitungszeit erschien es am 9. März 1776 in London (vgl. Kurz 1998, S. 60). In diesem Meisterwerk beschreibt er unter anderem die freie Allokation der Märkte durch die vielzitierte unsichtbare Hand (siehe 2.2). Nebenbei übt er in „Wohlstand der Nationen“ Kritik an dem Merkantilismus, der damals noch in Europa herrschte. Sein Werk wurde zu einem überwältigenden Erfolg.

Nachdem er 1778 nochmalig eine Stelle als Zollkommissar in Schottland annahm, starb Smith am 17. Juli 1790 in Edinburgh. Kurz vor seinem Tod ließ er alle seine unvollständigen Manuskripte verbrennen (vgl. Kurz 1998, S. 60).

2.2 Smith’ Ansatz der unsichtbaren Hand

Adam Smith benutzt den Begriff der unsichtbaren Hand[5] in „Wohlstand der Nationen“ nur bei der Erklärung der Gewinnerwartung im Binnen- und Außenhandel:

„Wenn daher jeder einzelne soviel wie nur möglich danach trachtet, sein Kapital zur Unterstützung der einheimischen Erwerbstätigkeit einzusetzen und dadurch diese so lenkt, daß ihr Ertrag den höchsten Wertzuwachs erwarten lässt, dann bemüht sich auch jeder einzelne ganz zwangsläufig, daß das Volkseinkommen im Jahr so groß wie möglich werden wird. Tatsächlich fördert er in der Regel nicht bewusst das Allgemeinwohl, noch weiß es, wie hoch der eigne Beitrag ist. Wenn er es vorzieht, die nationale Wirtschaft anstatt die ausländische zu unterstützen, denkt er eigentlich nur an die eigne Sicherheit, und wenn er dadurch die Erwerbstätigkeit so fördert, daß ihr Ertrag den höchsten Wert erzielen kann, strebt er lediglich nach eignem Gewinn. Und wird in diesem wie auch in vielen anderen Fällen von einer unsichtbaren Hand geleitet, um einen Zweck zu fördern, den zu erfüllen er in keiner Weise beabsichtigt hat.“ (Smith 1776, S.370 f.).

Smith beschreibt, dass jeder Mensch automatisch am Wirtschaftsleben teilnimmt und dass durch sein Eigennutzstreben das Allgemeinwohl (Wohlstand) erhöht wird, ohne dass er es selbst beabsichtigt hätte. Dieser Ansatz der unsichtbaren Hand wurde als Konzeption für die freie Marktwirtschaft verwendet, welche die Selbstorganisation des Marktes beschreibt. Der Glaube von Smith war, dass jedes Wirtschaftssubjekt durch die unsichtbare Hand am Markt geführt wird, sodass die Ressourcen einer Volkswirtschaft optimal verteilt oder eingesetzt werden (vgl. Niehans 1990, S. 63). Mit anderen Worten: Die unsichtbare Hand lenkt als Eigenschaft der Wirtschaft den Wirtschaftsteilnehmer in die richtige, gewünschte Richtung (vgl. Nielen 2000, S.45).

Diese auf Eigennutz basierende Allokation am Markt ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Smith’ Ansatz beruht auf der Arbeitsteilung (siehe 2.2.1) in einer Volkswirtschaft, dies „ist der Dreh- und Angelpunkt seiner Theorie ökonomischer und sozialer Dynamik“ (Kurz 1998, S. 66). Smith beweist, dass durch Arbeitsteilung die Produktivität einer Volkswirtschaft erhöht werden kann, da jeder das tut was er kann bzw. will. Durch diese erhöhte Produktivität entstehen Produkte und Dienstleistungen, die dann am Markt gehandelt werden können (vgl. Stavenhagen 1969, S. 54). Diese Transaktionen am Markt werden später von Smith separat in seiner Preis- und Werttheorie weiter erläutert (siehe 2.2.2). Dort erklärt er, welche Mengen zu welchen Preisen gehandelt werden. Ein weiterer wichtiger Faktor für das Funktionieren des freien Marktes ist die Rolle des Staates (siehe 2.2.3). Smith geht von seiner Kritik am Merkantilismus aus und gibt vor, dass der Staat im wirtschaftlichen Geschehen nur ordnungspolitische Rahmenbedingungen setzen darf.

2.2.1 Arbeitsteilung und Eigennutz

In „Wohlstand der Nationen“ argumentiert Smith, dass ohne Arbeitsteilung[6] die Produktivität und somit auch der Wohlstand einer Volkswirtschaft nicht wesentlich gesteigert werden könnten. In seinem berühmten Beispiel über die Produktion von Stecknadeln[7] macht er die Vorteile der Arbeitsteilung und der Spezialisierung deutlich. Smith zeigt, dass durch Arbeitsteilung und Spezialisierung die Produktionsmenge in einer Volkswirtschaft erhöht werden kann (vgl. Smith 1776, S. 10). Der einzelne Arbeiter stellt mehr Produkte her, als er für sich selbst benötigt; diese kann er dann für Tausch- und Handelsgeschäften nutzen. „Wie das Streben nach wirtschaftlichem und sozialem Aufstieg, so entspringt auch die Arbeitsteilung der Natur des Menschen, in diesem Fall seiner angeborenen Neigung, zu handeln und zu tauschen.“ (Recktenwald 1974, S. LI f.) Meines Erachtens sieht Smith die Arbeitsteilung als eigentlichen Motor für die Entstehung von Märkten, die durch die Verfolgung von Eigeninteressen in Form von Tausch und Handel gesteuert werden.

[...]


[1] Merkantilismus ist die Wirtschaftspolitik des Absolutismus (16.-18. Jahrhundert), welcher durch massive Staatseingriffe in die Wirtschaft gekennzeichnet ist (vgl. Stavenhagen 1969, S. 18).

[2] Der Physiokratismus ist eine in sich geschlossene Volkswirtschaft, die auf den Naturrechten basierte (vgl. Söllner 1999, S. 18).

[3] Francis Hutcheson (1694-1746) war einer der führenden Köpfe der schottischen Aufklärung.

[4] Die Grand tour war eine Bildungsreise durch Europa für adlige britische Nachkommen.

[5] Smith nutzt den Begriff der unsichtbaren Hand auch in seinem vorher erschienenen Werk „The Theory of Moral Sentiments“. Dort beschreibt er, dass der Wohlstand dadurch steigt, dass die Ausgaben der Reichen für Luxus gleich dem Lohn und der Beschäftigung der Armen zur Herstellung dieser Güter sind (vgl. Nielen 2000, S. 45).

[6] „Die Arbeitsteilung dürfte die produktiven Kräfte der Arbeit […] fördern und verbessern.“ (Smith, 1776, S. 9)

[7] Siehe Adam Smith, Wohlstand der Nationen S. 9.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Anfänge der modernen Volkswirtschaftslehre
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V125369
ISBN (eBook)
9783640382330
ISBN (Buch)
9783640382651
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anfänge, Volkswirtschaftslehre
Arbeit zitieren
Chris Mudrack (Autor:in), 2008, Die Anfänge der modernen Volkswirtschaftslehre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125369

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