Es besteht eine weitgehende Einigkeit darüber, dass das Prinzip des Wirtschaftens schon immer zur Natur des Menschen gehörte. Das Bedürfnis, durch Tausch seine materielle Versorgung beziehungsweise Not zu verbessern, kann als Urtrieb des Menschen angesehen werden. So beschäftigten sich schon die antiken Philosophen mit dem Phänomen des Wirtschaftens. Aristoteles und Platon untersuchten bereits zu ihrer Zeit die Rolle des Staats im wirtschaftlichen Geschehen und welche Indikatoren Preise beeinflussen. Im Zeitablauf hatten sich unterschiedliche Konstruktionen der politischen Ökonomie herausgebildet, welche in den einzelnen Nationen unterschiedliche Gestalten annahm. Die Überlegungen, wie ökonomische Fragestellungen bearbeitet werden könnten, erfolgten jedoch zuerst im Merkantilismus und Physiokratismus. Doch erst 1776 mit Adam Smith erfuhr die politische Ökonomie eine theoretische und akademische Basis, die als Grundsatz der modernen Volkswirtschaft angesehen werden konnte.
Diese Seminararbeit setzt an diesem Entwicklungsschritt zur modernen Volkswirtschaft an und versucht im Folgenden zu analysieren, wie und in welchen Stufen sich die moderne Volkswirtschaft entwickelte. Diese Entwicklungsgeschichte wird größtenteils anhand der Entwicklung der Preis- und Werttheorie beschrieben.
Im ersten Teil der Seminararbeit wird kurz auf die Biografie von Adam Smith eingegangen, um die Umstände seiner Studien und den geschichtlichen Hintergrund zu ergründen, aus dem die Ursprünge der modernen Volkswirtschaft hervorgingen. Des Weiteren wird die Lehre Adam Smiths fokussiert. Aufgrund der Limitation in der Seminararbeit kann nur auf die theoretische Fundierung der unsichtbaren Hand eingegangen werden. Dies wird im Vergleich zu den folgenden Kapiteln umfangreicher sein. Der Grund hierfür liegt in der theoretischen Basis von Smith’ Lehre, auf der größtenteils alle zukünftigen Lehren aufbauten. Im zweiten Teil der Seminararbeit wird die Erweiterung von Smith’ Lehre durch David Ricardo vorgestellt. Neben den neuen Aspekten in der Preis- und Werttheorie wird im Besonderen auf dessen Außenhandelstheorie eingegangen. Anschließend wird im nächsten Kapitel die Neoklassik vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen dort Hermann Heinrich Gossen als Begründer der Grenznutzenschule und dessen Grundzüge der modernen Konsumtheorie, wobei zusätzlich ein Vergleich zwischen Klassik und Neoklassik anhand der Preis- und Werttheorie vorgenommen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beginn der klassischen Nationalökonomie
2.1 Zur Person Adam Smith
2.2 Smith’ Ansatz der unsichtbaren Hand
2.2.1 Arbeitsteilung und Eigennutz
2.2.2 Preis- und Werttheorie
2.2.3 Rolle des Staats
3. Erweiterungen der Lehre Smith’ durch David Ricardo
3.1 Neue Aspekte in der Preis- und Werttheorie
3.2 Vorteile der internationalen Arbeitsteilung
4. Neoklassische Revolution durch Herman Heinrich Gossen
4.1 Grundzüge der modernen Konsumtheorie
4.1.1 Erstes gossensches Gesetz
4.1.2 Zweites gossensches Gesetz
4.2 Vergleich der Konsumtheorie mit der Preis- und Werttheorie der Klassik
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die historische Entwicklung der modernen Volkswirtschaftslehre in drei zentralen Stufen, ausgehend von der klassischen Nationalökonomie bis hin zur neoklassischen Revolution, wobei die Entwicklung der Preis- und Werttheorie als roter Faden dient.
- Die theoretische Fundierung der "unsichtbaren Hand" nach Adam Smith.
- Die Erweiterung der klassischen Lehre durch David Ricardos Außenhandelstheorie.
- Die Einführung der Grenznutzenlehre und der modernen Konsumtheorie durch Hermann Heinrich Gossen.
- Ein systematischer Vergleich zwischen angebotsorientierter klassischer Wertlehre und nachfrageorientierter subjektiver Wertlehre.
- Die Bedeutung staatlicher Rahmenbedingungen und ordnungspolitischer Aufgaben innerhalb der verschiedenen ökonomischen Strömungen.
Auszug aus dem Buch
2.2 Smith’ Ansatz der unsichtbaren Hand
Adam Smith benutzt den Begriff der unsichtbaren Hand in „Wohlstand der Nationen“ nur bei der Erklärung der Gewinnerwartung im Binnen- und Außenhandel:
„Wenn daher jeder einzelne soviel wie nur möglich danach trachtet, sein Kapital zur Unterstützung der einheimischen Erwerbstätigkeit einzusetzen und dadurch diese so lenkt, daß ihr Ertrag den höchsten Wertzuwachs erwarten lässt, dann bemüht sich auch jeder einzelne ganz zwangsläufig, daß das Volkseinkommen im Jahr so groß wie möglich werden wird. Tatsächlich fördert er in der Regel nicht bewusst das Allgemeinwohl, noch weiß es, wie hoch der eigne Beitrag ist. Wenn er es vorzieht, die nationale Wirtschaft anstatt die ausländische zu unterstützen, denkt er eigentlich nur an die eigne Sicherheit, und wenn er dadurch die Erwerbstätigkeit so fördert, daß ihr Ertrag den höchsten Wert erzielen kann, strebt er lediglich nach eignem Gewinn. Und wird in diesem wie auch in vielen anderen Fällen von einer unsichtbaren Hand geleitet, um einen Zweck zu fördern, den zu erfüllen er in keiner Weise beabsichtigt hat.“ (Smith 1776, S.370 f.).
Smith beschreibt, dass jeder Mensch automatisch am Wirtschaftsleben teilnimmt und dass durch sein Eigennutzstreben das Allgemeinwohl (Wohlstand) erhöht wird, ohne dass er es selbst beabsichtigt hätte. Dieser Ansatz der unsichtbaren Hand wurde als Konzeption für die freie Marktwirtschaft verwendet, welche die Selbstorganisation des Marktes beschreibt. Der Glaube von Smith war, dass jedes Wirtschaftssubjekt durch die unsichtbare Hand am Markt geführt wird, sodass die Ressourcen einer Volkswirtschaft optimal verteilt oder eingesetzt werden (vgl. Niehans 1990, S. 63). Mit anderen Worten: Die unsichtbare Hand lenkt als Eigenschaft der Wirtschaft den Wirtschaftsteilnehmer in die richtige, gewünschte Richtung (vgl. Nielen 2000, S.45).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Ursprung ökonomischen Denkens von der Antike bis zum Durchbruch der modernen politischen Ökonomie durch Adam Smith im Jahr 1776.
2. Beginn der klassischen Nationalökonomie: Dieses Kapitel widmet sich der Biografie von Adam Smith und erläutert sein zentrales Konzept der unsichtbaren Hand sowie seine Theorien zu Arbeitsteilung, Preisbildung und Staatsaufgaben.
3. Erweiterungen der Lehre Smith’ durch David Ricardo: David Ricardo systematisiert die klassische Lehre und erweitert sie insbesondere durch die Außenhandelstheorie, die auf komparativen Kostenvorteilen basiert.
4. Neoklassische Revolution durch Herman Heinrich Gossen: Das Kapitel beschreibt den Übergang zur Neoklassik, die durch die Grenznutzenlehre von Gossen die Konsumtheorie ins Zentrum stellt und einen Wandel zur subjektiven Wertlehre vollzieht.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit würdigt die Bedeutung der behandelten Ökonomen als Pioniere, deren Theorien – trotz kritischer Distanz zur heutigen Realität – als Fundament der modernen Volkswirtschaft gelten.
Schlüsselwörter
Volkswirtschaftslehre, Adam Smith, David Ricardo, Herman Heinrich Gossen, unsichtbare Hand, Arbeitsteilung, Preis- und Werttheorie, Grenznutzen, Neoklassik, klassische Nationalökonomie, Konsumtheorie, Außenhandelstheorie, Eigennutz, komparative Kostenvorteile, Allokation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der modernen Volkswirtschaftslehre von ihren Anfängen in der klassischen Schule bis hin zur neoklassischen Revolution.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Preis- und Werttheorie, die Bedeutung der Arbeitsteilung, die Grundlagen der Außenhandelstheorie sowie die Einführung der Grenznutzenlehre.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu analysieren, in welchen Stufen sich die moderne Volkswirtschaft entwickelte und wie sich die ökonomischen Lehrmeinungen über die Zeit hinweg veränderten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, indem er die Primärwerke der Ökonomen Smith, Ricardo und Gossen vergleichend betrachtet und deren Theorien in den zeitgenössischen Kontext einordnet.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Stufen: Die Lehre von Adam Smith, die Weiterentwicklung durch David Ricardo und die Neoklassik durch Hermann Heinrich Gossen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie unsichtbare Hand, Grenznutzen, klassische Nationalökonomie, Arbeitsteilung und die subjektive Wertlehre.
Wie unterscheidet sich die klassische Wertlehre von der neoklassischen nach Gossen?
Die klassische Schule war angebotsorientiert und fokussierte auf Produktionskosten (Arbeitswertlehre), während die Neoklassik nachfrageorientiert ist und den Nutzen des Konsumenten (subjektive Wertlehre) ins Zentrum stellt.
Warum ist das "Wasser-Diamanten-Paradoxon" für die Neoklassik relevant?
Die Neoklassik kann diesen Widerspruch erklären, indem sie argumentiert, dass nicht der Gesamtnutzen, sondern der Grenznutzen entscheidend für die Preisbildung ist, welcher mit zunehmender Verfügbarkeit sinkt.
- Citation du texte
- Chris Mudrack (Auteur), 2008, Die Anfänge der modernen Volkswirtschaftslehre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125369