"Christi Advent umgreift Präsens und Futur, und die Erwartung seiner verheißenen Zukunft lässt sich von Erinnerung ebenso wenig trennen wie diese von hoffnungsvoller Erwartung." Dass diese Aussage für die Johannesoffenbarung (=Offb) in besonderem Maße zutrifft, beweist die Auseinandersetzung mit deren Eschatologie. Keine andere Schrift des Neuen Testaments hat in ihren eschatologischen Bildern eine stärkere Wirkungsgeschichte nach sich gezogen wie die Offb. Insbesondere die sakrale Kunst hat sich von ihr inspirieren lassen. Doch die Eschatologie der Offenbarung besitzt weit mehr als apokalyptisches Chaos. Sie stellt ein verdichtetes Zeugnis dafür dar, dass Gott der Herr der Geschichte ist. Für die bedrängten Christen am Ende der Regierungszeit des Domitian resultieren daraus heilsgeschichtliche Erinnerung, Heilsgewissheit und hoffnungsvolle Erwartung.
Diese Studie stellt einen Beitrag zur Untersuchung der Eschatologie der Offb dar. Bevor eine konkrete Zielsetzung artikuliert werden kann, wird der aktuelle Forschungsstand zur Eschatologie der Offb zusammengefasst. Dieser wird nicht chronologisch, sondern problemorientiert aufgebaut.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Forschungsstand
1.2 Zielsetzung und Methodik
2 Präsentische und futurische Eschatologie
2.1 Futurische Eschatologie anhand von Einzeluntersuchungen
2.2 Präsentische Eschatologie anhand von Einzeluntersuchungen
3 Gericht in der Offb
3.1 Die sieben Siegel
3.2 Die sieben Posaunen
3.3 Die sieben Schalen
4 Bücher in der Offb
4.1 Die Tatenbücher
4.2 Das Buch des Lebens
4.3 Das Buch mit den sieben Siegeln
5 Tod und Auferstehung
6 Das himmlische Jerusalem
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die eschatologischen Konzepte der Johannesoffenbarung, um deren Einordnung in den Kontext der neutestamentlichen Eschatologie zu bestimmen und gleichzeitig die einzigartige apokalyptische Verarbeitung dieser Grundbausteine herauszuarbeiten. Die Forschungsfrage fokussiert sich dabei auf das Zusammenspiel von präsentischen und futurischen Elementen sowie die spezifische Rolle der Gerichtsthematik.
- Analyse des eschatologischen Modells der Offenbarung
- Wechselwirkung zwischen präsentischer und futurischer Eschatologie
- Die Funktion der Gerichtsthematik als Motivation zur Umkehr
- Bedeutung eschatologischer "Bücher" als Ausdruck göttlicher Vorsehung
- Die Vision des himmlischen Jerusalem als Gegenbild zu Babylon
Auszug aus dem Buch
Die sieben Siegel
Die Siegelvision, welche von 6,12-7,17 verläuft, wird durch die Schilderung einer kosmischen Katastrophe eingeleitet. Durch die Verarbeitung alttestamentlicher Motive v.a. aus Jesaja wird die „Ausweglosigkeit der Gott feindlichen Menschen angesichts der für sie unvermeidlichen Konfrontation mit dem richtenden Gott“ herausgestellt. Die in 6,17 gestellte rhetorische Frage τίς δύναται σταθῆναι; ist ein Signal, das den Leser/Hörer an die Gerichtstexte aus Joel 2,11; Nah 1,6 und Mal 3,2 erinnert, sodass kein Zweifel darin besteht, dass die Siegelvision als Gerichtsvollzug Gottes bewertet werden kann. Dafür sprechen u.a. die verwendeten Bildfelder, welche VÖGTLE zurecht als Gerichtsmetaphern bezeichnet. Durch die Passage 7,1-17 wird der entscheidende Aspekt vermittelt, dass Gericht und Heil untrennbar miteinander verbunden sind. Eschatologisches Heil hat analog zum Gericht auch eine immanente Bedeutung: Die Versiegelung (7,4ff.) stellt bereits ein positives Gerichtsurteil dar, durch das die lebenden Christen zur „Heilsgemeinde“ geworden sind und welches am Tag des Endgerichts offenbar werden wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die eschatologische Relevanz der Johannesoffenbarung ein und umreißt den aktuellen Forschungsstand sowie die methodische Zielsetzung der Arbeit.
2 Präsentische und futurische Eschatologie: Das Kapitel untersucht das Zusammenspiel von präsentischen und futurischen Elementen, wobei der Schwerpunkt auf der apokalyptischen Erwartung Gottes nahegelegt wird.
3 Gericht in der Offb: Hier wird die Gerichtsthematik als zentrales Element der Offenbarung analysiert, die durch Visionen wie die Siegel, Posaunen und Schalen konkretisiert wird.
4 Bücher in der Offb: Dieses Kapitel betrachtet die verschiedenen eschatologischen Buchmotive – Tatenbücher, Buch des Lebens und das Buch mit den sieben Siegeln – als Metaphern für das Urteilen und die göttliche Vorsehung.
5 Tod und Auferstehung: Die Untersuchung befasst sich mit der Auferstehung als Chiffre für ein positives Gerichtsurteil und differenziert zwischen dem vorübergehenden ersten und dem endgültigen zweiten Tod.
6 Das himmlische Jerusalem: Dieses Kapitel interpretiert das himmlische Jerusalem als Gegenmodell zu der zerstörten Chiffre Babylon und als endgültigen Ort der durchgesetzten Herrschaft Gottes.
7 Fazit und Ausblick: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Offenbarung einerseits in der neutestamentlichen Tradition steht, jedoch durch ihre spezifische apokalyptische Intensivierung ein eigenständiges Profil gewinnt.
Schlüsselwörter
Johannesoffenbarung, Eschatologie, Apokalyptik, Gericht, Parusie, Heilsgewissheit, himmlisches Jerusalem, Präsentische Eschatologie, Futurische Eschatologie, Buch des Lebens, Sieben Siegel, Auferstehung, Lamm, Weltgeschichte, Theologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die eschatologischen Vorstellungen in der Johannesoffenbarung und prüft, wie diese sich in den Gesamtzusammenhang des Neuen Testaments einfügen lassen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Kernbereichen gehören das Spannungsfeld zwischen präsentischer und futurischer Eschatologie, die Gerichtsthematik, eschatologische Buchmotive sowie das himmlische Jerusalem.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, die spezifische apokalyptische Verarbeitung eschatologischer Grundbausteine in der Johannesoffenbarung aufzuzeigen und ihre Bedeutung für die bedrängten Gemeinden zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer problemorientierten Analyse des aktuellen Forschungsstandes sowie der philologischen und theologischen Exegese einschlägiger Textstellen der Offenbarung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Untersuchungen zu den präsentischen und futurischen Aspekten, den Gerichtszyklen (Siegel, Posaunen, Schalen), den Buchmotiven, den Begriffen Tod und Auferstehung sowie dem endgültigen Siegesbild des himmlischen Jerusalem.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Eschatologie, Apokalyptik, Johannesoffenbarung, Gerichtsthematik, Parusieerwartung und Heilsgewissheit.
Welche Rolle spielt das Motiv des "Buches mit den sieben Siegeln" innerhalb der Arbeit?
Das Buch wird als zentrale Metapher für die göttliche Vorsehung und die Übertragung der Gerichtsfunktion an das Lamm analysiert, wodurch Gott als der eigentliche Herr der Geschichte ausgewiesen wird.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Arten von "Büchern"?
Die Arbeit differenziert zwischen den "Tatenbüchern" als objektive Grundlage des Gerichts und dem "Buch des Lebens" als erstrebenswerte Eintrittsgarantie in das himmlische Jerusalem.
- Citation du texte
- Margarete Strauss (Auteur), 2018, Ende der alten und Anfang einer neuen Welt. Eschatologie in der Johannesoffenbarung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1254356