Mehr Erwerbsarbeit durch McDonaldisierung?


Hausarbeit, 2007

23 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Vorläufer der McDonaldisierung
2.1. Frederick Winslow Taylor: wissenschaftliche Betriebsführung
2.2. Max Weber
2.3. George Ritzer: McDonaldisierung
2.5 Vergleich Taylor, Weber, Ritzer

3. McDonaldisierung auf unterschiedlichen Qualifikationsniveaus
3.1. Niedriges Qualifikationsniveau
3.2. Mittleres Qualifikationsniveau
3.3. Hohes Qualifikationsniveau
3.3.1. Zeitarbeit
3.3.2. Juniorprofessuren

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

Der Begriff der McDonaldisierung wurde vom amerikanischen Soziologen George Ritzer bereits in den 80er Jahren entwickelt. Der Name geht auf die Fast-Food-Kette McDonalds zurück. In ihr sieht Ritzer den Prototyp seiner vier Prämissen Effizienz, Berechenbarkeit, Vorhersagbarkeit und Kontrolle bzw. Steuerung[1]. Diese Prämissen gehen u.a. auf Taylor und Weber zurück. Weber, der sich mit der Rationalität der bürokratischen Organisation beschäftigte und Taylor, der die wissenschaftliche Betriebsführung begründet hat, sollen hierfür als theoretisches Fundament dienen.

Auf den ersten Blick hat es den Anschein, dass die von Taylor und Weber entwickelte Rationalisierung und Optimierung der Betriebsführung im Widerspruch zu unserer Prämisse steht, nach der es eine Zukunft der Erwerbsarbeit geben wird. Es bestehen jedoch deutliche Anzeichen, dass genau diese Auffassung von Unternehmensführung und entsprechender Arbeitsorganisation in wachsenden Märkten anzutreffen ist.

Wir möchten erörtern, wie sich diese Entwicklung auf arbeitende Menschen mit unterschiedlichen Qualifikationsniveaus auswirkt. Hierfür betrachten wir Personen mit niedrigem, mittlerem und hohem Qualifikationsniveau. Diese Einteilung erfolgte auf Basis der Qualifikationsstruktur der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Bundesrepublik Deutschland. Unter ‚niedrigem Qualifikationsniveau’ werden Personen ohne Ausbildung verstanden, wohingegen Personen mit ‚mittlerem Qualifikationsniveau’ über eine nichtakademische Ausbildung verfügen. Personen mit‚ hohem Qualifikationsniveau’ weisen dagegen einen Hochschulabschluss auf.

Für den Bereich des niedrigen Qualifikationsniveaus werden wir den Bereich der Systemgastronomie beleuchten und im Besonderen die Luxus-Self-Service-Kette‚ Vapiano’, ein äußerst erfolgreiches deutsches Systemgastronomiekonzept, welches seit Gründung im Jahre 2003 stark expandiert und dies auch für die Zukunft, sogar weltweit plant.

Für den Bereich des mittleren Qualifikationsniveaus betrachten wir den Bereich der Altenpflege, der aufgrund des demographischen Wandels zusehends an Bedeutung gewinnt, da die Bevölkerungszahl in Deutschland schrumpft, es gleichzeitig aber immer mehr ältere Menschen gibt, die ab einem bestimmten Zeitpunkt betreut bzw. versorgt werden müssen.

Für den Bereich des hohen Qualifikationsniveaus beschäftigen wir uns mit Zeitarbeitsfirmen, bei denen die Nachfrage nach Akademikern immer weiter steigt, da es Unternehmen als sinnvoll erscheint, Mitarbeiter nur über einen gewissen Zeitraum bzw. projektbezogen zu beschäftigen.

Auf dem Gebiet des hohen Qualifikationsniveaus führen wird des Weiteren die in Deutschland im Jahre 2002 eingeführte Juniorprofessur auf, welche es jungen Wissenschaftlern ermöglicht, ohne Habilitationsschrift, schnell und praxisbezogen zu habilitieren.

Abschließend werden wir aufzeigen, was die McDonaldisierung konkret für die Arbeitenden bedeutet, unabhängig davon, auf welchem Qualifikationsniveau sie zu verorten sind.

2. Die Vorläufer der McDonaldisierung

Ritzers Begriff der McDonaldisierung baut unter anderem auf den Erkenntnissen von Frederick Winslow Taylor, der vor allem durch seine Wissenschaftliche Betriebsführung bekannt wurde und Max Weber, dem Mitbegründer der deutschen Soziologie auf. Diese beiden Vertreter gelten in der Literatur als Basis für den von Ritzer einführten Begriff der McDonaldisierung.

2.1 Frederick Winslow Taylor: wissenschaftliche Betriebsführung

Arbeitsteilung und Kooperation existierten bereits seit dem Bau der Pyramiden, jedoch fanden die Grundregeln der Wissenschaftlichen Betriebsführung erst durch die 1. Industrielle Revolution Beachtung, da hier zum ersten Mal die von Taylor aufgestellten Prinzipien grundlegend angewandt wurden.

Taylor (1856-1915) war leitender Angestellter bei den Midvale- und später bei den Bethlehem Steel Stahlwerken und verlangte in dieser Position mehr Produktivität von seinen Arbeitern. Ausgehend vom dem daraus resultierenden Streit, dachte er über Auswege aus der Unproduktivität nach. „Was Taylor suchte, war nicht »die beste Methode«, eine Arbeit »im allgemeinen« zu tun, […], sondern eine Antwort auf das spezifische Problem, wie entfremdete Arbeit- d.h. Arbeitskraft, die gekauft und verkauft wird – am besten kontrolliert werden kann“ (Braverman 1977: 76). Taylor war der Ansicht, dass es für das Management unerlässlich sei, den Arbeitern genau vorzuschreiben, auf welche Weise sie eine Arbeit auszuführen sollten, denn solange die Arbeiter selbst ihren Arbeitsprozess kontrollierten, würden sie alle Bemühungen, das volle Potential ihrer Arbeitskraft umzusetzen, zunichte machen.

Taylor stellte drei Grundsätze auf, nach denen sich das Management aufzubauen hatte:

- Loslösung des Arbeitsprozesses von den Fertigkeiten des Arbeiters
- „Der Arbeitsprozeß muss von jeglichem Handwerk, jeder Tradition und aller Kenntnis des Arbeiters unabhängig gemacht werden.“ (ebd. 93) Der Arbeitsprozess darf somit nicht mehr von den Fähigkeiten des Arbeiters, sondern soll von den Methoden des Managements abhängig sein. (Hierbei lässt sich bereits die beliebige Austauschbarkeit der Arbeitskräfte erkennen.)
- Trennung von Hand- und Kopfarbeit
- Bei der Trennung von Hand- und Kopfarbeit geht es darum, das Wissen der Arbeiter, welches sie sich über die Jahre hinweg angeeignet haben, systematisch zu sammeln (vgl. Kieser 1999: 77). Des Weiteren schreibt Taylor, dass die Arbeitsstätten von jeglicher geistigen Arbeit befreit werden sollen. Alle Aufgaben, die nicht direkt zur Produktion zählen, sollen somit in einem Arbeitsbüro verrichtet werden.
- Pensumidee
- Bei der Pensumidee wird die von jedem Arbeiter zu leistende Arbeit im Voraus genau festgelegt. Dieses Pensum schreibt dabei nicht nur vor, was zu tun ist, sondern auch, auf welche Weise und in welcher Zeit dies geschehen soll. Wenn ein Arbeiter mehr als die erwartete Leistung erbringt, erhält er mehr Lohn. Erarbeitet er weniger, als das geforderte Pensum, kommt es zu Strafen (Lohnentzug, Geldstrafen, …).
- Besonders relevant ist hier, die „… systematische Vorausplanung und Vorausberechnung aller Elemente des Arbeitsprozesses, der als Gesamtprozeß nicht mehr in der Vorstellung des Arbeitgebers, sondern nur noch in der Vorstellung eines spezifischen Managementstabes besteht“ (Braverman 1977: 98).

Beim ersten Prinzip geht es also um das Zusammentragen und Ausarbeiten der Kenntnisse über den Arbeitsprozess. Im zweiten Prinzip wird das erhaltene Wissen durch das Management systematisch zusammengefasst, woraufhin die Verwendung dieses Wissens im dritten Prinzip erfolgt. Dabei wird jeder Arbeitsschritt sowie seine Ausführung genau vom Management vorgegeben und kontrolliert.

Max Weber

Weber sah in der Bürokratisierung das Musterbeispiel für die Rationalisierung. Die Bürokratie unterscheidet sich von älteren Organisationsformen hauptsächlich dadurch, dass ihre formale Struktur eine höhere Effizienz ermöglicht. Hierbei wird eine Aufgabe in verschiedene Komponenten zerlegt, welche dann wiederum in den Verantwortungsbereich von einzelnen Personen gelegt werden, wobei sich diese jedoch an vorgegebene Regeln und Vorschriften halten müssen.

Weber bettete seine Auffassung über die Bürokratisierung in eine Theorie der Rationalisierung ein, in welcher er beschrieb, „… wie es der modernen westlichen Welt gelang, immer rationaler zu werden – das heißt, wie Effizienz, Vorhersagbarkeit, Berechenbarkeit und die Kontrolle der Menschen durch nichtmenschliche Technologie ihre beherrschende Rolle erlangten“ (Ritzer 2006: 48f).

Die Bürokratie ist nach Weber die effizienteste Methode zur Handhabung einer großen Zahl von Aufgaben, die, wie bei Bürokratien üblich, viel Papierkrieg erfordern. Ebenso neigen Bürokratien dazu, viele Dinge quantitativ zu erfassen. Mit den entsprechenden Regeln und Vorschriften wurden diese Dinge vorhersagbar und letztlich übt die Bürokratie Kontrolle über die Menschen aus, da sie mit Hilfe von Regeln, Vorschriften und Strukturen das Handeln der Menschen bestimmt (vgl. Ritzer 2006: 50f).

Weber führte einen Idealtypus der Rationalität ein, welchen er als ‚formale Rationalität’ bezeichnete. Darunter ist nach Weber zu verstehen, dass „… die Suche der Menschen nach dem optimalen Mittel zum Erreichen eines Zweckes durch Regeln, Vorschriften und größere gesellschaftliche Strukturen geprägt wird“ (ebd. 49). War der Mensch bei der Suche nach den besten Mechanismen zur Rationalisierung seiner Arbeit noch auf sich allein gestellt, konnten durch die formale Rationalität hingegen Entscheidungen mit Hilfe von institutionalisierten Regeln getroffen werden. Dabei wird dem Einzelnen jedoch bei der Wahl der Mittel nur wenig Spielraum zugestanden. Man wird quasi zur richtigen Entscheidung gedrängt.

Trotz aller genannten Vorteile, leidet die Bürokratie an der ‚Irrationalität des Rationalen’.

- Es handelt sich bei der Bürokratie um eine entmenschlichte Einrichtung, in der sich Menschen nicht immer wie Menschen verhalten.
- Da quantitative Aspekte stärker betont werden, sinkt die Qualität der Arbeit.
- Da die Mitarbeiter immer seltener wissen, was von ihnen erwartet wird, werden Bürokratien immer unberechenbarer. Dies wird durch die Kunden, welche nicht die Dienstleistung erhalten, die sie erwarten, noch verstärkt.

Es lässt sich sagen, dass Bürokratien mehr und mehr die Kontrolle über die in ihnen arbeitenden Menschen sowie den Personen, welchen sie ihre Dienste anbieten, verlieren (vgl. ebd. 51f).

Weber selbst machte sich am meisten Sorgen um den ‚eisernen Käfig der Rationalität’, welcher den Menschen aufgrund der fortschreitenden Rationalisierung umgeben wird. Hierzu schrieb er: „Dann allerdings könnte für die »letzten Menschen« dieser Kulturentwicklung das Wort zur Wahrheit werden: »Fachmenschen ohne Geist, Genussmenschen ohne Herz: dies Nichts bildet sich ein, eine nie vorher erreichte Stufe des Menschentums erstiegen zu haben«“ (Weber 1904: 204).

Des Weiteren führte er auf: „Einer der konstitutiven Bestandteile des modernen kapitalistischen Geistes, und nicht nur dieses, sondern der modernen Kultur: die rationale Lebensführung auf Grundlage der Berufsidee, ist – das sollten diese Darlegungen erweisen – geboren aus dem Geist der christlichen Askese“ (ebd. 202).

Hiermit beschreibt er, die nur im Okzident, der heutigen westlichen Hemisphäre, anzutreffende Rationalität im Hinblick auf den privaten, wie auch den beruflichen Bereich. Da mittlerweile selbst die Freizeit rationalisiert wurde, leben dieser Definition nach zu urteilen, viele Menschen im eisernen Käfig der Rationalität (vgl. Brüsemeister 2000: 275).

Weber machte sich ebenso Gedanken, was der entscheidende Grund für das Vordringen bürokratischer Organisationen ist. Er kam zu dem Schluss, dass diese aufgrund ihrer technischen Überlegenheit jede andere Form übertrafen. „Ein voll entwickelter bürokratischer Mechanismus verhält sich zu diesem genau wie ein Maschine zu den nicht mechanischen Arten der Gütererzeugung, Präzision, Schnelligkeit, Eindeutigkeit, Aktenkundigkeit, Kontinuierlichkeit, Diskretion, Einheitlichkeit, Straffe Unterordnung, Ersparnisse an Reibungen, sachlichen und persönlichen Kosten sind bei streng bürokratischer, speziell: monokratischer Verwaltung durch geschulte Einzelbeamte gegenüber allen kollegialen oder ehren- und nebenamtlichen Formen auf das Optimum gesteigert“ (Weber 1985: 561f). Die Bürokratie stellt für Weber dabei das Modell für Effizienz und Rationalität dar, sozusagen einen Idealtypus. Dabei entwickelte sie sich umso besser, je mehr menschliche Komponenten wie, Hass, Liebe, … ausgeschaltet wurden.

George Ritzer: McDonaldisierung

Ritzer konzentriert sich bei seiner Beschreibung der McDonaldisierung auf vier Prämissen, die seiner Meinung nach das Herzstück des Prozesses der McDonaldisierung darstellen. Hierbei handelt es sich um Effizienz, Berechenbarkeit, Vorhersagbarkeit und Kontrolle durch nichtmenschliche Technologien. Die Effizienz steht dabei besonders im Mittelpunkt, weil sich an ihr zwangsläufig alle anderen drei Prämissen orientieren müssen.

- Ritzer versteht unter Effizienz die optimale Methode zur Erreichung eines Ziels. Hierfür bietet McDonalds den bestmöglichsten und schnellsten Weg, um von einem hungrigen in einen satten Zustand zu gelangen. Sei es, aufgrund andauernder Mobilität und Zeitmangel, oder weil es bequemer ist, ohne langes Warten, ohne Abwasch, etc. zu speisen.
- Diese Effizienz bezieht sich dabei auch auf die Mitarbeiter, die Schritt für Schritt nach festgelegten Regeln ihre Aufgaben ausführen und dabei von Managern überwacht werden, die für die Einhaltung der Regeln Sorge tragen.
- Die Berechenbarkeit betrifft die quantitativen Aspekte der Produkte und der angebotenen Dienstleistungen. Beispielsweise können überall im gleichen Zeitrahmen gleichviel Big Macs produziert werden, egal ob in Hamburg oder München. Diese quantitativen Aspekte werden wiederum mit der Qualität gleichgesetzt, da aufgrund der gelieferten und einheitlichen Quantität gleichzeitig Qualität unterstellt wird. Entsprechend werben mcdonaldisierte Institutionen mit der Zeit- und Geldersparnis, welche sie ermöglichen.


[1] Zur letzten Prämisse sei folgendes angemerkt: Tasseit, der sich in einem Artikel mit McDonaldisierungs-Tendenzen in der Suchtkrankenhilfe beschäftigt, weist auf eine nicht ganz präzise Übersetzung hin. So bedeutet das englische ‚to control’ nicht nur ‚Kontrolle’, sondern auch vornehmlich ‚Steuerung von Prozessen’ (vgl. Tasseit 2003: 8).

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Mehr Erwerbsarbeit durch McDonaldisierung?
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Sozialwissenschaften, Abteilung für Technik- und Umweltsoziologie (SOWI V))
Veranstaltung
A&O III: Zukunft der Arbeit
Note
2
Autoren
Jahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V125478
ISBN (eBook)
9783640311200
ISBN (Buch)
9783640325764
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gemeinschaftsarbeit von Jörg Hilpert und Markus Knapp.
Schlagworte
Mehr, Erwerbsarbeit, McDonaldisierung, Zukunft, Arbeit
Arbeit zitieren
Jörg Hilpert (Autor:in)Markus Knapp (Autor:in), 2007, Mehr Erwerbsarbeit durch McDonaldisierung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125478

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