Die Arbeit befasst sich mit dem Umgang mit Veganismus im Kindergarten.
Ziel der Autorin ist es, Anreize zu schaffen und Interesse zu wecken, die vegane Lebensweise inklusiv und selbstverständlich in die alltägliche pädagogische Arbeit in Kindergärten einzubinden. Es werden grundlegende Kenntnisse zum Veganismus, sowie der Zusammenhang zu Nachhaltigkeit aufgezeigt. Gleichfalls setzt sich die Autorin mit den dem Veganismus zugrundeliegenden Wertevorstellungen und der Frage der Vollwertigkeit veganer Ernährung von Kindern auseinander.
Impulse zur praktischen Umsetzung veganer Ernährung im Kindergarten werden aufgezeigt.
Die Arbeit dienst als Einstieg und Arbeitsgrundlage zum pädagogischen Umgang mit Veganismus in Kindergärten. Die Facharbeit wurde öffentlich innerhalb eines Vortrags verteidigt und mit 1,0 bewertet. Innerhalb des Vortrags wurden weitere praktische Umsetzungsmöglichkeiten dargelegt und vertieft.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
1.1 Persönliche Motivation
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Übersicht über den Aufbau der Facharbeit
2 Grundlagenwissen zum Veganismus
2.1 Begriffserklärungen
2.2 Weitere Dimensionen des Veganismus
3 Veganismus innerhalb von pädagogischer Arbeit in Kindergärten
3.1 Beispielhafte Darstellung der gegenwärtigen Situation in Kindergärten mithilfe empirischer Methoden
3.1.1 Interview mit Anita Berfeld, staatlich anerkannte Erzieherin im Kindergarten
3.2 Veganismus und die erzieherische Querschnittsaufgabe "Bildung nachhaltiger Entwicklung"
3.3 Veganismus und Wertevermittlung
3.4 Wohlfühlen als vegan lebendes Kind im Kindergarten
4 Vegane Vollwerternährung für Kinder
4.1 Allgemeine ernährungsphysiologische Bewertung
4.2 Qualitätsstandard für Kita-Verpflegung
4.3 Die VeChi-Studien
4.4 Vegane Kita-Ernährung trotz fehlender Empfehlung
5 Inklusion der veganen Weltanschauung im Kindergarten
5.1 Umsetzung der veganen Ernährungsweise im Speiseplan
5.1.1 Die Rolle des verpflegenden Personals
5.1.2 All inclusive - Mahlzeiten für alle am Beispiel der "Bowl"
5.2 Nahebringen von unbekannten Ernährungsgewohnheiten
5.2.1 Ziehen von Sprossen und Microgreens
5.2.2 Vegan kochen und backen - ein Mitmach-Rezept als Einstieg
5.3 Speziesismus für Kinder: Dialogisches Lesen von "Carli und der Lebenshof"
5.4 Dialog zwischen Team und Eltern
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Facharbeit untersucht, wie Kindertageseinrichtungen mit vegan lebenden Kindern und deren Bedürfnissen umgehen können. Ziel ist es, pädagogische Fachkräfte für das Thema zu sensibilisieren, Defizite im Wissen rund um den Veganismus aufzuzeigen und praktische Wege für eine inklusive Integration in den pädagogischen Alltag anzubieten.
- Grundlagen des Veganismus und ethische Wertedimensionen
- Empirische Bestandsaufnahme zur Situation in Kitas
- Ernährungsphysiologische Aspekte einer veganen Vollwerternährung (VeChi-Studien)
- Strategien zur Inklusion: Bowl-Konzepte, pädagogische Projekte und Erziehungspartnerschaft
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Interview mit Anita Berfeld, staatlich anerkannte Erzieherin im Kindergarten
Frau Berfeld ist seit 1998 als staatlich anerkannte Erzieherin tätig und betreut im Moment 12 Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren. In der Vergangenheit kam sie innerhalb ihrer beruflichen Tätigkeit mehrfach mit vegetarisch lebenden Kindern in Kontakt. Vor kurzer Zeit, so berichtet sie, fühlte sie sich pädagogisch herausgefordert, da ein Kind während der Mahlzeiten in der Einrichtung kein Fleisch und weitere tierische Produkte mehr essen wollte und dies, darin bestand die Herausforderung, in dieser Situation so äußerte ("hat es so dargestellt, dass Fleisch nicht gut ist, nicht gesund ist", "Milch ist für Kälbchen", "will nicht, dass Tiere getötet werden"), dass auch weitere Kinder das Verhalten nachahmten und ebenfalls das angebotene Fleisch nicht essen wollten. Als das Kind in der Einrichtung und nach Angaben der Eltern auch zuhause fast gar nichts mehr essen wollte, wurde in erziehungspartnerschaftlicher Absprache zwischen Eltern und Frau Berfeld beschlossen, dass das Kind alles Vegetarische kostet, um eine Essstörung zu vermeiden, woraufhin sich das Essverhalten "wieder in ein normales [...] Essverhalten entwickelt[e]". Frau Berfeld sagte: "Dieses Kind macht sich wirklich sehr viele Gedanken darüber [...], es hat sich wirklich vorgestellt, dass das Fleisch ein Schwein war. Andere Kinder essen es, weil es schmeckt und wissen nicht, dass das wirklich mal ein Schwein war." Nach Absprachen mit der zuliefernden Küche wird nun täglich ein vegetarisches Wahlmenü für alle Kinder angeboten. Sie berichtet weiterhin, dass es seitens der zuliefernden Küche vermutlich die Möglichkeit gegeben hätte, ein veganes Menü zu liefern. Veganismus generell ist innerhalb der pädagogischen Einrichtung noch nicht thematisiert worden, da es bisher keine Anreize dazu gab, sich diesbezüglich weiterzubilden und es in der Einrichtung auch kein vegan lebendes Kind gibt. Mehr Bedarf wird in größeren Städten mit unterschiedlichen Lebensstilen vermutet. Tierethik wird im Kontext des konzeptionell verankerten Nahebringens von Wertschätzung gegenüber Gottes Schöpfung aufgegriffen. Frau Berfeld fügt hinzu, dass Tierhaltung innerhalb der Gesellschaft nicht richtig gehandhabt wird (Massentierhaltung), "aber Tiere dürfen auch gegessen werden, das kann man selber entscheiden, ob man das möchte." Bezüglich veganer Ernährung äußert sie Bedenken, ob die Ernährung gut sei und interessiert sich dafür, wie man diese gestalten kann, damit keine Mangelernährung auftritt. Die Erfahrung mit dem Kind bezeichnet Frau Berfeld als "prägend".
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Der Autor erläutert seinen persönlichen Anlass für die Facharbeit sowie die Zielsetzung, Pädagogen für das Thema Veganismus im frühkindlichen Bereich zu öffnen.
2 Grundlagenwissen zum Veganismus: Es werden grundlegende Fachbegriffe definiert und die verschiedenen ethischen und ökologischen Dimensionen des Veganismus skizziert.
3 Veganismus innerhalb von pädagogischer Arbeit in Kindergärten: Dieser Teil beleuchtet die aktuelle Praxis durch Interviews und Befragungen sowie die Verknüpfung mit Nachhaltigkeit und Werten.
4 Vegane Vollwerternährung für Kinder: Hier werden ernährungsphysiologische Aspekte, offizielle Standards und die wissenschaftliche Datenlage zu kritischen Nährstoffen analysiert.
5 Inklusion der veganen Weltanschauung im Kindergarten: Das Kapitel bietet konkrete praktische Impulse, wie eine vegane Verpflegung und Wertevermittlung in den Kita-Alltag integriert werden können.
6 Fazit: Die Erkenntnisse werden synthetisiert, wobei ein Appell für mehr Offenheit und die Begleiterrolle der pädagogischen Fachkräfte im Vordergrund steht.
Schlüsselwörter
Veganismus, Kindergarten, frühkindliche Bildung, Kita-Verpflegung, Ernährungsphysiologie, Inklusion, Speziesismus, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Wertebildung, Tierethik, Anti-Bias-Ansatz, Nährstoffbedarf, Erziehungspartnerschaft, Vollwerternährung, Dialogisches Lesen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Anliegen dieser Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich darauf, wie pädagogische Fachkräfte professionell und offen mit vegan lebenden Kindern in Kindertageseinrichtungen interagieren können.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?
Die Arbeit verbindet Aspekte der Ernährungsphysiologie, der Ethik, der kindlichen Werteentwicklung und der praktischen Alltagsgestaltung in Kitas.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Sensibilisierung für den Bedarf nach veganen Optionen und die Bereitstellung von fundiertem Wissen, um pädagogische Institutionen auf vielfältige Ernährungsweisen vorzubereiten.
Welche wissenschaftlichen Ansätze finden Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf empirische Erhebungen (Interviews und Online-Befragungen), ernährungswissenschaftliche Studien sowie pädagogische Konzepte wie den Anti-Bias-Ansatz.
Wie ist der Hauptteil der Facharbeit gegliedert?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zum Veganismus, eine Zustandsbeschreibung der Praxis, eine ernährungsphysiologische Bewertung und konkrete Umsetzungshilfen für den pädagogischen Alltag.
Warum ist das Thema für pädagogische Fachkräfte relevant?
Es dient dazu, Unsicherheiten abzubauen, Vorurteile zu reflektieren und sicherzustellen, dass sich auch Kinder aus veganen Familien in der Einrichtung wohl und akzeptiert fühlen.
Welche Bedeutung kommt der "Bowl" im Konzept der Facharbeit zu?
Die Bowl dient als praktisches Beispiel für ein Baukasten-Essen, das Inklusion ermöglicht, Unverträglichkeiten berücksichtigt und partizipative Lernchancen bietet.
Warum wird das "Dialogische Lesen" als Methode empfohlen?
Es ermöglicht eine kindgerechte Auseinandersetzung mit ethischen Themen wie dem Speziesismus, indem Kinder aktiv in den literarischen Dialog einbezogen werden und ihr eigenes Weltbild reflektieren können.
Was ist das zentrale Fazit der Autorin zum Thema Veganismus in der Kita?
Die Autorin betont, dass Offenheit und eine grundlegende Information der Fachkräfte wichtiger sind als vorgefertigte starre Konzepte; das Kind sollte als Konstrukteur seiner Welt gehört werden.
- Arbeit zitieren
- Dominique Riedel (Autor:in), 2022, Vegan lebende Kinder im Kindergarten. Sensibilisierung für den Bedarf und Möglichkeiten zur Umsetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1254946