Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt vorwiegend der Frage zugrunde, wie Mädchen für die Sportart Fußball nachhaltig begeistert werden können. Folglich liegt der Fokus vermehrt bei der Mädchenarbeit. Eine zusätzliche Miteinbeziehung der Jungenarbeit würde den vorgegebenen Rahmen der Arbeit übertreffen.
Zu Beginn werden in der vorliegenden Arbeit wichtige Termini erläutert und voneinander abgegrenzt, um missverständliche Interpretationen zu vermeiden. Dabei wird die Kategorie Geschlecht im Schulsport näher beleuchtet und in Zusammenhang mit der noch immer männer-dominierten Sportart Fußball gesetzt. Anschließend folgt die inhaltliche Einbettung der Koedukation im Sportunterricht, bei der Ziele, Vor- und Nachteile, sowie allgemeine Konzepte für das erfolgreiche Führen geschlechterheterogener Gruppen vorgestellt werden. Im darauf-folgenden Kapitel werden methodisch-didaktische Überlegungen dargestellt, was Koedukation konkret für die Sportart Fußball in der Schule bedeutet. In Kapitel fünf der qualitativ empirischen Untersuchung erfolgt die Erläuterung der Forschungsmethode und die Darstellung der Ergebnisse aus den ausgewerteten Leitfadeninterviews.
Inhaltsverzeichnis
1. THEMENAUFRISS UND ZIELSTELLUNGEN
2. BEGRIFFSBESTIMMUNGEN UND DIE BEDEUTUNG DES GESCHLECHTS
2.1 Begriffsbestimmungen
2.1.1 Koedukation im Sportunterricht
2.1.2 Koinstruktion vs. Koedukation
2.1.3 Sex and Gender
2.1.4 Doing gender
2.2 Geschlechtsbezogene Partizipation im Sport
2.2.1 System der Zweigeschlechtlichkeit
2.2.2 Männerdomäne Fußball
2.3 Resümee
3. KOEDUKATION IM SPORTUNTERRICHT
3.1 Ziele im koedukativen Sportunterricht
3.2 Vor- und Nachteile koedukativen Sportunterrichts
3.2.1 Pro Koedukation
3.2.2 Kontra Koedukation
3.3 Verankerung der Koedukation im österreichischen Lehrplan der Volksschule und der Rechtsvorschrift des Schulorganisationsgesetzes
3.4 Rolle der Lehrperson
3.4.1 Chancen Reflexiver Koedukation in der Grundschule
3.4.2 Mädchenarbeit
3.5 Resümee
4. FUSSBALL IN DER GRUNDSCHULE – METHODISCH-DIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN
4.1 Streitthema Fußball
4.2 Frühzeitige Erfahrungen mit dem Ball am Fuß
4.3 Koedukation durch Fußball
4.4 Handicaps taktisch einsetzen
4.5 Resümee
5. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG
5.1 Methode der Forschung
5.1.1 Leitfadeninterview
5.1.2 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
5.1.3 Stichprobe
5.2 Durchführung und Transkription des Interviews
5.3 Leitfadenzentrierte Interviewauswertung
5.4 Darstellung der Ergebnisse
5.4.1 Koedukationsverständnis der Lehrperson
5.4.2 Beobachtbare geschlechterbezogene Unterschiede
5.4.3 Eingehen auf Konflikte/Probleme
5.4.4 Einführung und Vermittlung des Sportspiels Fußball
5.4.5 Umgang mit Vereinsspieler*innen und unerfahrenen Kindern
5.4.6 Rolle der Lehrperson im koedukativen Sportunterricht
5.5 Resümee
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit befasst sich mit der Frage, wie Sportunterricht in der Primarstufe koedukativ so gestaltet werden kann, dass ein echtes Miteinander zwischen Mädchen und Jungen beim Fußballspiel ermöglicht wird. Ziel ist es, Methoden und Konzepte aufzuzeigen, mit denen Lehrpersonen die genderspezifischen Herausforderungen in dieser Männerdomäne bewältigen und ein zufriedenes Miteinander schaffen können.
- Koedukativer Sportunterricht in der österreichischen Volksschule
- Sozialisation und geschlechtsbezogene Unterschiede
- Förderung der Mädchenarbeit im Fußball
- Einsatz taktischer Handicaps zur Spielsteuerung
- Reflexive Koedukation als didaktisches Konzept
Auszug aus dem Buch
4.1 Streitthema Fußball
Zu Beginn der Sportstunde laufen die Jungen euphorisch in die Turnhalle und skandieren: „Fußball, Fußball, wir wollen Fußball spielen!“ Aus der Umkleidekabine wird eine leere Plastikflasche mitgenommen und schnell wird diese zum Ball umfunktioniert. Während die Jungen enthusiastisch nach der Flasche treten, beginnen die Mädchen sich zu beschweren und rufen: „Wir spielen gar kein Fußball, das hat unsere Frau Lehrerin gesagt! Ätsch!“ Die Jungen spielen liebend gern Fußball und fühlen sich nicht wertgeschätzt beziehungsweise ernstgenommen. So baut sich unter den Jungen Unmut darüber auf, dass „nie“ Fußball gespielt wird, weil die Mädchen das nicht wollen. Mädchen hingegen sehen sich leid, „immer“ mitspielen zu müssen, weil die Jungen Fußball spielen wollen (vgl. Baur-Fettah & Fettah, 2004, S. 10).
„Unterschiedliches Leistungsvermögen der Geschlechter und geschlechtsspezifische Interessen, oft auch in Verbindung mit der Abwertung dessen, was das andere Geschlecht bevorzugt, scheinen für den gemeinsamen Unterricht eine problemhafte Basis zu sein, die Unterrichten erschwert.“ (Wurzel, 2004, S. 197)
Zusammenfassung der Kapitel
1. THEMENAUFRISS UND ZIELSTELLUNGEN: Einführung in die Thematik des koedukativen Sportunterrichts und Definition der Forschungsfrage.
2. BEGRIFFSBESTIMMUNGEN UND DIE BEDEUTUNG DES GESCHLECHTS: Theoretische Klärung zentraler Begriffe wie Koedukation, Sex und Gender sowie Analyse der Männerdomäne Fußball.
3. KOEDUKATION IM SPORTUNTERRICHT: Diskussion der Zielsetzungen sowie der Vor- und Nachteile von Koedukation im Schulsport sowie die Rolle der Lehrperson.
4. FUSSBALL IN DER GRUNDSCHULE – METHODISCH-DIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN: Darstellung praktischer Ansätze und didaktischer Möglichkeiten, wie Fußball in heterogenen Klassen koedukativ vermittelt werden kann.
5. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG: Vorstellung der qualitativen Forschungsmethode, der Leitfadeninterviews und Auswertung der Ergebnisse hinsichtlich koedukativer Praxis.
6. FAZIT: Zusammenfassende Betrachtung der Arbeit mit dem Kernergebnis, dass Fußball koedukativ ein Gewinn für alle Kinder sein kann, sofern die Lehrperson reflektiert eingreift.
Schlüsselwörter
Koedukation, Sportunterricht, Fußball, Primarstufe, Geschlechterrolle, Mädchenarbeit, Koinstruktion, Leitfadeninterview, Reflexive Koedukation, Geschlechtersensibilität, Sportdidaktik, Vereinsspieler, Heterogenität, Sozialverhalten
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Herausforderungen und Chancen eines koedukativen Sportunterrichts für Grundschulkinder am Beispiel der Sportart Fußball.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten zählen geschlechtsspezifische Sozialisationsprozesse, die didaktische Aufbereitung von Sportspielen in heterogenen Gruppen und die Rolle der Lehrperson dabei.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Es geht darum, Strategien zu finden, wie Lehrpersonen im Fußballunterricht Mädchen und Jungen gleichermaßen motivieren und ein echtes Miteinander fördern können.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, basierend auf leitfadenzentrierten Interviews mit drei Lehrpersonen, die inhaltsanalytisch nach Mayring ausgewertet wurden.
Was sind die Kerninhalte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begriffsdefinitionen, eine didaktische Einordnung von Fußball in der Grundschule sowie die konkrete empirische Untersuchung und Auswertung.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Koedukation, Fußball, Primarstufe, Mädchenförderung, geschlechtersensibler Unterricht und qualitative Inhaltsanalyse.
Warum wird Fußball als Fallbeispiel gewählt?
Weil Fußball gesellschaftlich stark als Männerdomäne wahrgenommen wird und im Sportunterricht häufig zu Konflikten und Ausschlusstendenzen führt.
Was schlägt der Autor als Lösung für Konflikte vor?
Neben einer bewussten Gruppenführung und der Förderung des Sozialverhaltens wird der Einsatz taktischer Handicaps empfohlen, um Spielstärkeunterschiede auszugleichen.
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- Michael Fuchs (Autor), 2022, Koedukativer Unterricht am Beispiel des Sportspiels Fußball, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1255200