Diese Arbeit hat gezeigt, dass der ETF als Werkzeug zu einer guten Diversifikation ein probates Mittel ist. Dies lässt sich zum einem an der kostengünstigen Beteiligung an einem Index begründen. Im Kostenvergleich der Deutschen Börse anhand des DJ Euro Stoxx 50, zwischen ETF’s, Zertifikaten, aktiv verwaltetem Fonds sowohl klassisch über die KAG als auch über die Börse erworben, schnitt der ETF am besten ab. So schaffte es der ETF unter Berücksichtigung aller Kosten und nach einer fiktiven Laufzeit von 10 Jahren sowie einer Rendite von 8 % p.a. und einer Dividendenrendite von 2,5 % p.a. auf ein Mehrwert gegenüber dem Zertifikat von 19 %, gegenüber dem Fonds (KAG) von 16 % und gegenüber dem Fonds (Börse) von 15 %. Ohne den Einbezug der Dividendenrendite des Preisindizes hat das Zertifikat leichte Vorteile.
Des Weiteren macht ihn seine Transparenz gerade auch für Privatanleger interessant. Dieser kann jederzeit über den iNav die Fairness der aktuellen Börsenkurse nachvollziehen und zudem die genauen Bestandteile des ETF ermitteln. Was bei börsengehandelten klassischen Indexfonds nicht der Fall ist. Vom Alternativerwerb über die KAG ganz zu schweigen. Zudem führt der Creation-/Redemption-Prozess indirekt dazu, dass der Börsenkurs sich stetig dem iNav nähert. Die rechtliche Stellung des ETF’s als Sondervermögen ist in den Zeiten der Finanzkrise der wesentliche Vorteil gegenüber den Zertifikaten. Denn keiner kann vorhersagen, inwieweit es die zertifikatsemittierende Bank in fünf Jahren noch geben wird.
Ergänzend ist noch die hohe Flexibilität einer ETF-Anlage zu nennen. So können vor allem auch Privatanleger mit verhältnismäßig wenig Kapital sich im Rahmen einer ETF-Anlage über mehrere Indizes ein Portfolio aufbauen. Regelmäßige Sparpläne sind ebenso möglich. Und somit auch das Ausnützen des Cost-Average-Effekts. Damit öffnet sich die Tür, ein über verschiedenste Länder, Branchen und Assets hinweg breit diversifiziertes Wunschportfolio kosteneffizent, transparent und flexibel aufzubauen. Z.B. können Anleger im Rahmen der Core-/Satellite-Strategie ihre Coreposition allein mit ETF’s bestreiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Passives Portfoliomanagement
2.2 Möglichkeiten der Indexanlage
2.3 Marktüberblick für Indexprodukte
3. Exchange Traded Fund's
3.1 Geschichtliche Entwicklung
3.1.1 Der Weg zum ETF
3.1.2 Die Etablierung in Europa
3.2 Handel
3.2.1 Der Börsenhandel
3.2.2 Der indikative Nettoinventarwert
3.2.3 Designated Sponsors und der Creation-/Redemption-Prozess
3.3 Produktausgestaltungen
3.3.1 Die Ertragsausschüttung
3.3.2 Die Kosten
3.3.3 Die Weiterentwicklungen des klassischen ETF’s
3.4 Risiken
3.4.1 Das unsystematische- und systematische Risiko
3.4.2 Das Indexrisiko
3.5 Gesetzliche Rahmenbedingungen
3.5.1 Der steuerliche Rahmen
3.5.2 Der rechtliche Rahmen
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Grundlagen und Vorteile von Exchange Traded Funds (ETFs) darzustellen, um insbesondere bei Privatanlegern bestehende Hemmschwellen gegenüber dieser Anlageform abzubauen. Dabei wird die theoretische Basis der Indexanlage erläutert und die Funktionsweise sowie die Rahmenbedingungen von ETFs detailliert analysiert.
- Grundlagen des passiven Portfoliomanagements und der Indexnachbildung
- Geschichtliche Entwicklung und aktuelle Marktsituation von ETFs in Europa
- Technische Funktionsweise des Börsenhandels, der Designated Sponsors und des Creation-/Redemption-Prozesses
- Analyse der Kostenstrukturen, Produktausgestaltungen und Risikofaktoren
- Betrachtung der steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen für Privatanleger
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Designated Sponsors und der Creation-/Redemption-Prozess
Durch Arbitrageprozesse entwickelt sich der Marktpreis der Fondsanteile stetig in Richtung des iNAV. Diese werden durch den Creation-/Redemption-Prozess im Zusammenspiel des Designated Sponsors (DS) mit den Kapitalanlagegesellschaften (KAG) auf dem Primärmarkt sowie der Schnittstellenfunktion der DS auf dem Sekundärmarkt zwischen den Investoren/Anlegern und der KAG gesteuert. Veranschaulichung durch folgende Abbildung.
Designated Sponsors sind hauptsächlich verpflichtet, auf dem Sekundärmarkt kontinuierlich für ein Mindestquotierungsvolumen verbindliche Kauf- und Verkaufskurse zu stellen und somit einen liquiden Handel der ETF’s an der Börse zu gewährleisten. Es werden maximale Spreads und das Mindestquotierungsvolumen von der KAG und den beteiligten Börsen vorgegeben. DS sind i.d.R. Banken oder spezielle Wertpapierhandelshäuser, die sich zur Betreuung eines ETF’s vertraglich festlegen. In der Praxis wird ein Fonds von mehreren DS betreut, die sich wiederum untereinander Konkurrenz machen. Die Produktgestaltung des ETF sowie dessen Anpassung auf durchgeführte Kapitalmaßnahmen einzelner Aktien obliegt dem ETF-Emittenten/Management und ist nur durch ständigem Informationsfluss unter den beteiligten Kontrahenten durchführbar.
Institutionelle Anleger können neben dem Erwerb von ETF-Anteilen über eine Börse, wie dies auch private Anleger können, zusätzlich gegen die Sacheinlage in Form von kongruenten Aktienkörben ETF-Anteile zu vorher verhandelten Kursen vom DS erwerben. Zudem können höhere Abweichungen der Geld- und Briefkurse vom iNAV durch Arbitrageure genutzt werden.
Die DS können wiederum im Rahmen des Creation-Prozesses Aktienkörbe an die ETF-Anbieter verkaufen und erhalten in diesem Wert ETF-Anteile. Im umgekehrter Form wird dies als Redemption-Prozess bezeichnet. Der wesentliche Vorteil aus dieser Erwerbs-/Rückgabemöglichkeit von ETF-Anteilen ist, dass keine Transaktionskosten entstehen und zudem der Kassenbestand auf ein Minimum reduziert werden kann. Dies fördert das oberste Ziel eines ETF’s: Eine möglichst genaue Abbildung des Referenzindizes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Diversifikation und stellt den ETF als kostengünstiges sowie transparentes Instrument zur passiven Indexnachbildung gegenüber klassischen aktiv gemanagten Fonds vor.
2. Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert das passive Portfoliomanagement, definiert die Methoden der physischen und synthetischen Replikation und gibt einen Überblick über verschiedene Indexprodukte wie Indexfonds und Zertifikate.
3. Exchange Traded Fund's: Dieser Hauptteil analysiert die Entstehung, den Börsenhandel, die Produktausgestaltung, die Risiken sowie die steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen von ETFs im Detail.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Vorteile von ETFs hinsichtlich Kosten, Transparenz und Flexibilität zusammen und wagt einen Ausblick auf die weitere Entwicklung und die Herausforderungen der passiven Anlageform.
Schlüsselwörter
Exchange Traded Funds, ETF, Indexnachbildung, Passives Portfoliomanagement, Tracking Error, Designated Sponsors, Creation-Prozess, Redemption-Prozess, iNAV, Diversifikation, Sondervermögen, Kostenstruktur, Börsenhandel, Finanzkrise, Abgeltungssteuer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Funktionsweise, den Einsatzmöglichkeiten und den Rahmenbedingungen von Exchange Traded Funds (ETFs) als Instrument der passiven Vermögensanlage.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen den Vergleich zu aktiven Fonds, die Handelsmechanismen an der Börse, die Kostenstrukturen (TER) und die Abgrenzung zu anderen Indexprodukten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, Privatanlegern die Vorteile von ETFs näherzubringen und bestehende Wissenslücken bzw. Hemmschwellen abzubauen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung von Marktdaten sowie gesetzlichen Rahmenbedingungen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die technische Umsetzung (Handel und Arbitrage), die Produktausgestaltung, die Risikoanalyse und die rechtlich-steuerliche Einordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Kernbegriffe sind ETF, Passives Portfoliomanagement, Indexnachbildung, Transparenz, Diversifikation und Sondervermögen.
Wie unterscheidet sich ein ETF in der Insolvenzfrage von einem Indexzertifikat?
Während ein ETF als Sondervermögen vom Vermögen der Kapitalanlagegesellschaft getrennt ist, stellt ein Indexzertifikat eine Schuldverschreibung der emittierenden Bank dar und ist somit von deren Solvenz abhängig.
Welche Bedeutung kommt dem iNAV im Handelsprozess zu?
Der indikative Nettoinventarwert (iNAV) dient als fairer Referenzwert, der es institutionellen Anlegern ermöglicht, Arbitrage zu betreiben, und Privatanlegern hilft, die Preisqualität an der Börse zu beurteilen.
- Citation du texte
- Stefan Kuhlmey (Auteur), 2009, Exchange Traded Funds. Darstellung und Grundlagen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125536