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Der Fall Giardinelli - Die Funktion der Krimielemente und die Rolle der Schuld in Mempo Giardinellis „Qué solos se quedan los muertos“

Title: Der Fall Giardinelli - Die Funktion der Krimielemente und die Rolle der Schuld in Mempo Giardinellis  „Qué solos se quedan los muertos“

Term Paper , 2005 , 13 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Susanne Ziese (Author)

Romance Studies - Spanish Studies
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In Argentinien lobt man einen Kriminalroman folgendermaßen: “Es mucho más que una novela policial“ und unterstreicht damit zugleich das hartnäckigste Vorurteil gegenüber diesem Genre der sogenannten Trivialliteratur, nämlich seinen Mangel an literarischer Ästhetik. Dennoch ist dieser Ausspruch sehr treffend hinsichtlich Mempo Giardinellis (Kriminal-)Roman „Qué solos se quedan los muertos“ (1985), da jener durchaus mehr als die (formale) Klärung eines Verbrechens beinhaltet. Der argentinische Autor verbindet dabei eine „horizontale“ Handlungsebene mit einer „vertikalen“ Reflexionsebene (dies entspricht nach Jean-Pierre Colin im klassischen Kriminalroman den Elementen Action und Analysis), in der soziale, philosophische und politische Themen – besonders im Zusammenhang mit der argentinischen Diktatur – kritisch thematisiert werden.
Die nachfolgenden Betrachtungen folgen der Handlungsstruktur eines klassischen Kriminalromans mit den Elementen Verbrechen, Fahndung und Lösung. Sie basieren auf der Fragestellung, welche Funktionen den auftretenden Krimielementen zuzuschreiben sind und auf welche Art die Schuldthematik unter der kriminalistischen Folie behandelt wird. Abschließend werden die Ergebnisse knapp resümiert.

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Inhaltsverzeichnis

1. Der Krimi beginnt

2. Das Verbrechen – Mord und Totschlag

3. Die Fahndung – Räuber und Gendarm?

3.1. Besondere Verhältnisse

3.2. Das Milieu der Ermittlungen

4. Die Lösung – Die Schuldigen sind überall...

4.1. Jedem seine Schuld

4.2. Die Angeklagten

5. Abschlussbericht – Der Krimi als Alibi

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht den Roman „Qué solos se quedan los muertos“ von Mempo Giardinelli unter dem Aspekt, wie klassische Krimielemente genutzt werden, um soziale, philosophische und politische Diskurse – insbesondere im Kontext der argentinischen Diktatur – kritisch zu reflektieren und die Thematik der kollektiven und individuellen Schuld zu verarbeiten.

  • Analyse der Handlungsstruktur eines klassischen Kriminalromans.
  • Untersuchung der Funktion von Gewalt als individuelles und kollektives Phänomen.
  • Kritische Beleuchtung der gesellschaftlichen Verhältnisse und der Rolle der Polizei.
  • Verbindung von existentialistischer Philosophie mit der politischen Schuldthematik.
  • Deutung der Ermittlungsergebnisse als Metapher für das Scheitern einer Generation.

Auszug aus dem Buch

2. Das Verbrechen – Mord und Totschlag

Das wohl markanteste Krimielement tritt auch in „Qué solos se quedan los muertos“ gleich am Anfang zutage: das Verbrechen. Der Mord ist Ausgangpunkt der Handlung, da er im Kriminalroman für die Störung des sozialen Gleichgewichts steht und den Ermittlern Anlass gibt, sich um die Wiederherstellung der gesellschaftlichen Ordnung zu bemühen. Brutalität ist im Kriminalroman ein wesentlicher Bestandteil der Beschreibungen und auch in „Qué solos se quedan los muertos“ ist die Gewalt (und zugleich der Tod) ein zentraler Aspekt. Die Gewalt wird zum einen als individuelles und zum anderen als kollektives Phänomen betrachtet. Die individuelle Gewalt tritt neben den drei Morden im Rahmen der kriminalistischen Handlung auch als Teil der Gedankenwelt José Giustozzis zutage. Nachdem dieser sein eigenes Gewaltpotential „en uns mezcla de asombro y fascinación“ bei einem Zusammentreffen mit seinem Verfolger entdeckt hat, äußert er:

„[S]entí una horrorosa satisfacción, algo que jamás había sentido en mi vida. Era la consagración de mi propia violencia. (…) Yo (…) sentí que lo terrible era estar dispuesto a matar y no hacerlo, y en cambio sentirme fascinado con la sangre y el dolor de un tipo. Yo era bestial y violento como jamás había pensado; sencilla y brutalmente me descubría en los límites de Dios, si Dios existía: podía decidir la vida de otro.”

Giustozzis gespaltenes Verhältnis zur Gewalt wird zudem in seinen Reflexionen über die Gewalttaten in der Zeit der Diktatur deutlich. Victoria Cerrudo bemerkt: „The main plot is a pretext to plunge the detective/historian into a search for answers to the violence and authoritariarism that devasted Argentina during the last decades.” Damit überträgt Giustozzi sein individuelles Problem als ein kollektives auf seine gesamte Generation.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Der Krimi beginnt: Einführung in die Fragestellung und den theoretischen Rahmen, wobei der Roman als Verbindung von handlungsorientierten Krimielementen und tiefergehender Reflexionsebene positioniert wird.

2. Das Verbrechen – Mord und Totschlag: Analyse der Gewalt als zentrales Element, welches sowohl als individuelles psychologisches Phänomen als auch als Spiegel der kollektiven Gewalt während der argentinischen Diktatur fungiert.

3. Die Fahndung – Räuber und Gendarm?: Untersuchung der korrupten Ermittlungsstrukturen, die den klassischen Wettstreit zwischen Detektiv und Kriminellen in Frage stellen und den Roman von traditionellen Kriminalgeschichten abheben.

3.1. Besondere Verhältnisse: Analyse der problematischen Beziehung zwischen dem Detektiv und der Polizei, die durch Misstrauen und Korruption gekennzeichnet ist.

3.2. Das Milieu der Ermittlungen: Betrachtung des sozialen Umfelds, in dem das Verbrechen stattfindet und die Wiederherstellung der Ordnung unmöglich erscheint.

4. Die Lösung – Die Schuldigen sind überall...: Auseinandersetzung mit dem Begriff der Schuld, der hier existentialistisch gedeutet und auf die gesellschaftliche Verantwortung einer ganzen Generation übertragen wird.

4.1. Jedem seine Schuld: Diskussion der individuellen Eigenverantwortung und des Schuldgefühls des Protagonisten vor dem Hintergrund existentieller Freiheit.

4.2. Die Angeklagten: Untersuchung der Verbindung von individueller Schuld und politisch-kollektiver Verantwortung innerhalb des argentinischen Kontextes.

5. Abschlussbericht – Der Krimi als Alibi: Fazit zur Dekonstruktion des Kriminalromangenres, bei dem das Scheitern des Detektivs zur Metapher für das Scheitern der gesellschaftlichen Aufarbeitung wird.

Schlüsselwörter

Kriminalroman, Mempo Giardinelli, Schuldthematik, Argentinien, Diktatur, Gewalt, Existentialismus, Genre-Dekonstruktion, politische Literatur, soziale Korruption, gesellschaftliche Verantwortung, Detektivroman, Literaturkritik, Gewaltpotenzial, kollektive Schuld.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Roman „Qué solos se quedan los muertos“ von Mempo Giardinelli hinsichtlich der Funktion klassischer Krimielemente bei der Aufarbeitung politischer und sozialer Probleme.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind Gewalt, die Moral und Schuld des Individuums gegenüber der Gesellschaft sowie die politische Aufarbeitung der argentinischen Diktatur.

Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Giardinelli die „Krimifolie“ nutzt, um über eine bloße Kriminalgeschichte hinaus Fragen nach kollektiver und individueller Verantwortung zu stellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?

Die Arbeit folgt einer strukturellen Analyse des Kriminalromans, unter Einbeziehung literaturwissenschaftlicher Theorien zur Gattung und existentialistischer Ansätze zur Schuldfrage.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die drei klassischen Bestandteile des Krimis – Verbrechen, Fahndung und Lösung – auf ihre inhaltliche und symbolische Funktion im Roman hin untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Kriminalroman, Schuldthematik, argentinische Diktatur, Gewaltphänomen und Dekonstruktion des Genres.

Inwiefern unterscheidet sich der Roman vom klassischen Detektivroman?

Der Roman wird als „Antikriminalroman“ gedeutet, da am Ende keine heldenhafte Wiederherstellung der sozialen Ordnung erfolgt, sondern die Korruption und das organisierte Verbrechen unbestraft bleiben.

Wie interpretiert der Autor die „Schuld“ in Bezug auf die Generation des Protagonisten?

Die Arbeit zeigt auf, dass der Protagonist die Schuld seiner Generation thematisiert, die sich einer politischen Verantwortung durch Flucht in Ausreden oder „Unaufrichtigkeit“ zu entziehen versucht.

Welche symbolische Bedeutung hat die „Hotelrechnung“ am Ende des Romans?

Die Begleichung der Hotelrechnung dient als ironische Metapher für die einzige Schuld, die der Protagonist tatsächlich begleichen kann, während die großen politischen und moralischen „Rechnungen“ offen bleiben.

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Details

Title
Der Fall Giardinelli - Die Funktion der Krimielemente und die Rolle der Schuld in Mempo Giardinellis „Qué solos se quedan los muertos“
College
Humboldt-University of Berlin
Grade
1,7
Author
Susanne Ziese (Author)
Publication Year
2005
Pages
13
Catalog Number
V125638
ISBN (eBook)
9783640311491
ISBN (Book)
9783640310388
Language
German
Tags
Fall Giardinelli Funktion Krimielemente Rolle Schuld Mempo Giardinellis
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Susanne Ziese (Author), 2005, Der Fall Giardinelli - Die Funktion der Krimielemente und die Rolle der Schuld in Mempo Giardinellis „Qué solos se quedan los muertos“ , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125638
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