Ästhetische Gestaltungsmittel in "Sunset Boulevard" von Billy Wilder

Sequenzanalyse


Zwischenprüfungsarbeit, 2008

44 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Sunset Boulevard von Billy Wilder
2.1. Filmdaten
2.2. Inhaltsangabe

3. Kompositionsanalyse
3.1. Szenenauswahl
3.2. Ästhetik und Gestaltung
3.2.1. Schnitt und Montage
3.2.1.1. Einstellungslängen
3.2.1.2. Unsichtbare und sichtbare Schnitte
3.2.1.3. Montagestil und Schärfentiefe
3.2.2. Kamera
3.2.2.1. Einstellungsgröße
3.2.2.2. Kameraperspektive
3.2.2.3. Kamerabewegung
3.2.3. Ton
3.2.3.1. Musik
3.2.3.2. Geräusche
3.2.3.3. Sprache
3.2.4. Ausstattung

4. Kontextuale Analyse des Films in Bezug auf das Hollywood der fünfziger Jahre
4.1. Bezüge zur Stummfilmära
4.2. Vergessene Hollywood Stars
4.3. Bezüge zur Realität

5. Zusammenfassung und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einführung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Fragen, welche ästhetischen Gestaltungsmittel Billy Wilder in seinem Film Sunset Boulevard verwendet, welche Funktionen sie hinsichtlich der Filmsemiotik haben und wie diese im kontextualen Bezug auf das Hollywood der fünfziger Jahre stehen.

Der Film Sunset Boulevard aus dem Jahre 1950 gehört zu den berühmtesten Klassikern der amerikanischen Filmgeschichte. Als einer der ersten Regisseure überhaupt, übte Billy Wilder durch seinen Film öffentlich Kritik an der Traumfabrik Hollywood. Gegen alle Erwartungen sprach der Film ein enorm großes Publikum an und wurde in zahlreichen Kategorien ausgezeichnet. Nicht nur die Brisanz der dargebotenen Themen, sondern auch die komplexe Komposition der ästhetischen Gestaltung, übt bis heute auf Filmwissenschaftler eine gewisse Faszination aus.

Zum besseren Verständnis der nachfolgenden filmischen Analyse werden zunächst Hintergrundinformation, in Form von generellen Filmdaten und einer Inhaltsangabe gegeben. Anhand einer ausgewählten Szene folgt eine Kompositionsanalyse, in der die jeweiligen ästhetischen Gestaltungsmittel aufgeführt und hinsichtlich ihrer Funktion bearbeitet werden. In diesem Zusammenhang werden zunächst die Einstellungslängen, die Schnitttechnik, die Verwendung der Schärfentiefe, Einstellungsgrößen, die Perspektivenwahl und die Kamerabewegung untersucht. Im weiteren Verlauf erfolgt eine Analyse des Tons in Bezug auf Musik, Geräusche und Sprache. Als letztes Gestaltungselement wird die kompositorische Ausstattung untersucht. Zuletzt werden die herausgearbeiteten Gestaltungsmittel im kontextualen Bezug auf das Hollywood der fünfziger Jahre betrachtet. An dieser Stelle wird das Filmmaterial besonders im Hinblick auf die Stummfilmära, die Problematik des vergessenen Hollywoodstars und auf realitätsbezogene Anspielungen analysiert.

2. Sunset Boulevard von Billy Wilder

2.1. Filmdaten

Einer der berühmtesten Filme des Regisseurs Billy Wilder ist unumstritten sein Meisterwerk Sunset Boulevard. Billy Wilder führte nicht nur Regie, sondern schrieb zusammen mit Charles Brackett und D.M. Marshman, Jr. an dem Drehbuch. In Zusammenarbeit mit der Paramount Pictures Corporation wurde von April bis August 1949 in den Paramount Studios und an verschiedenen Lokalitäten innerhalb Hollywoods gedreht. Der aus heutiger Sicht unübertroffene Klassiker wurde am 10. August 1950 in der Radio City Music Hall in New York in englischer Originalsprache uraufgeführt und erschien am 6. April 1951 in Deutschland unter dem Titel Boulevard der Dämmerung. Es handelt sich um einen Tonfilm in Schwarz-Weiß, der auf 35 mm- Zelluloid gedreht wurde. Die Länge des Filmes beträgt 110 Minuten. Auch der erstklassigen Wahl der Darsteller, mit Gloria Swanson (Norma Desmond), William Holden (Joe Gilles), Erich von Stroheim (Max von Mayerling), Nancy Olson (Betty Schäfer), Fred Clark (Sheldrake), Jack Webb (Artie Green) und Lloyd Gough (Morino), ist der große Erfolg des Filmes zuzuschreiben. In weiteren Rollen sind außerdem Cecil B. DeMille, Buster Keaton, Anna Q. Nilson, H.B. Warner, Hedda Hopper, Ray Evans und Jay Livingston in persona zu sehen. Anfänglich begann der Film mit einer Sequenz im Leichenschauhaus, die jedoch nach der Preview herausgeschnitten wurde. 1951 erhielt Sunset Boulevard den Oscar für das beste Originaldrehbuch des Jahres.[1]

2.2. Inhaltsangabe

Der Film Sunset Boulevard von Billy Wilder wirft einen zynischen Blick auf die Unbarmherzigkeit und die Kehrseiten der Traumfabrik Hollywood. Während der erfolglose Drehbuchautor Joe Gilles tot in einem Swimmingpool treibt, erzählt er rückblickend seine Geschichte. Auf der Flucht vor seinen Gläubigern gelangt der völlig verschuldete Joe durch Zufall auf das Anwesen am Sunset Boulevard 10086 am Rande Hollywoods. Dort findet er nicht nur eine verwahrloste und ruinöse Villa, sondern auch die wohlhabende Stummfilmdiva Norma Desmond vor. Norma wittert eine Chance für ihr bislang vergebliches Comeback und überredet Joe ihr eigen verfasstes Drehbuch namens Salomé zu überarbeiten. Mit dem Beginn des Tonfilms verlor die Filmindustrie zusehend ihr Interesse an Normas Schauspiel. Vergessen und vollkommen isoliert zur Außenwelt lebt die alternde Hausherrin mit der Illusion, sie wäre immer noch ein großer und begehrter Filmstar. Gestützt durch ihren Butler und gleichzeitig ehemaligen Ehemann und Regisseur Max von Mayerling, vermischt sich Normas Wirklichkeit zunehmend mit ihrer selbst erschaffenen Traumwelt. Trotz großen Unbehagens und obwohl er weder Gefallen am Drehbuch noch an Stummfilmen findet, nimmt er ihr Angebot an und zieht zugleich auf ihr Anwesen. Norma verlangt permanente Anwesenheit ihres Autors und beäugelt kritisch seine Arbeit an ihrem selbsternannten Meisterwerk. Einmal die Woche führt sie ihm voller Nostalgie und Ehrfurcht ihre größten Filmerfolge im heimischen Privatkino vor. Immer mehr wird Joe selbst ein Teil von Normas narzisstischen und bizarren Phantasiewelt. Widerwillig wird er zu ihrem Liebhaber und gerät immer tiefer in die Abhängigkeit seiner Wohltäterin. Selbst nach Beendigung seiner Arbeit schafft er es nicht, sich aus seinem goldenen Käfig zu befreien. Erst als sich Joe in die aufstrebende Jungautorin Betty Schaefer verliebt, versucht er Normas irrsinniger Phantasiewelt zu entkommen. Joe konfrontiert Norma mit der erbarmungslosen Wirklichkeit, woraufhin sie völlig dem Wahn verfällt. Aus Eitelkeit und Angst verlassen zu werden erschießt sie Joe, der darauf in den Swimmingpool stürzt. Auf bizarre Weise nimmt Normas Wahnsinn und Verwirrtheit am Ende restlos von ihr Besitz. Umgeben von Reportern, Polizisten und Fernsehkameras der Wochenschau glaubt sie, dies seien die Dreharbeiten zu ihren neuen Hollywood Film Salomé.

3. Kompositionsanalyse

Die nachfolgende Analyse konzentriert sich auf die Frage welche ästhetischen Gestaltungsmittel Billy Wilder in seinem Film Sunset Boulevard einsetzt und welche Funktion sie hinsichtlich der Filmsemiotik haben. Diese Merkmale werden anhand einer selektierten Szene stellvertretend für den gesamten Film exemplifiziert und belegt. Die im Anhang aufgeführte Sequenzliste aus dem Originaldrehbuch vom 19. März 1949 soll der Orientierung und kontextualen Einordnung der ausgewählten Szene dienen (vgl. 7.1.).

3.1. Szenenauswahl

Im Zentrum der Analyse steht die Szene B 8 bis einschließlich B 15. Der Drehbuchautor Joe Gilles sitzt an einem Schreibtisch und arbeitet am Skript Salomé der längst vergessenen Stummfilmdiva Norma Desmond. Norma beobachtet ihn kritisch aus einiger Entfernung und signiert Autogrammkarten (E 1). Joe streicht eine Passage aus dem Skript und legt diese beiseite. Sofort eilt Norma zum Schreibtisch und stellt ihn zur Rede, woraufhin eine Diskussion über die gekürzte Szene folgt. Besessen von der Vorstellung ein großer Star zu sein, weigert sie sich, dass eine Szene von ihr gestrichen wird. Joe ist zwar anderer Meinung, gibt aber nach und fügt die Szene wieder ein (E 2). Norma kehrt zurück zu ihrem Tisch, um weitere Autogramme zu signieren (E 3). Mitleidig wendet Joe seinen Blick von Norma ab und arbeitet weiter am Skript (E 4). Joe erzählt von Normas Narzissmus und ihrer selbst erschaffenen Phantasiewelt, während ihre zahlreichen Eigenportraits aus vergangenen Tagen des Rums gezeigt werden (E 5-7). Mittlerweile ist es Abend geworden und man kann ein bizarres Ritual beobachten. Normas Butler Max von Mayerling zieht ein Ölgemälde hoch, hinter dem sich eine Kinoleinwand verbirgt (E 8). Norma und Joe betreten das Wohnzimmer, setzen sich, und kurz darauf erlischt das Licht (E 9). Nur noch der Lichtstrahl des Vorführapparates erhellt den Raum. Max bedient den Vorführapparat (E 10). Zusammen sehen sie sich einen Stummfilm im hauseigenen Kino an (E 11-13). Es handelt sich um einen Film mit Norma in der Hauptrolle. Wie gebannt und vollkommen entzückt himmelt sie ihr eigenes Ebenbild an und schwärmt von dem Können der damaligen Stummfilmstars. In Rage und mit dramatischer Geste erhebt sie sich und beschwört ihr baldiges Comeback (E 14).

Es handelt sich um eine der markantesten Szenen des gesamten Films, da schon frühzeitig auf die Entwicklung zum tragischen Schicksal der Personen hingewiesen wird. Diese Szene spiegelt nicht nur die zentrale Atmosphäre des Filmes wieder, sondern charakterisiert außerdem die Protagonisten Norma Desmond und Joe Gilles in ihrem Handlungsrahmen. Kaum eine andere Szene bildet Normas Narzissmus und Besessenheit, sowie Joes wachsende Abhängigkeit so greifbar ab. Weiterhin lassen sich viele kontextuale Bezüge, zum Beispiel im Hinblick auf das Hollywood der fünfziger Jahre herstellen.

3.2. Ästhetik und Gestaltung

In der nachfolgenden Beobachtung werden verschiedene Elemente der Filmästhetik aufgegriffen und in Bezug auf ihre Komposition analysiert. Aus welchen Mitteln setzt sich das kinematographische Bild zusammen und was tragen diese zur Filmsemiotik bei? Durch die Analyse des ausgewählten Filmmaterials wird Wilders Stilistik im Bereich Regiearbeit anschaulich und greifbar gemacht. Im Fokus werden die Schnitttechnik, Kameraführung, der begleitende Ton und der Dekor hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Handlung, Dramaturgie, Atmosphäre und den filmischen Raum untersucht. Das im Anhang beigefügte Einstellungsprotokoll beinhaltet eine schriftlich-bildliche Fixierung der filmischen Struktur und dient als Orientierung und Hilfsmittel (vgl. 7.2.).

3.1.1. Schnitt und Montage

Zunächst einmal wird besonderes Augenmerk auf die Schnitttechnik gelegt. Hierbei werden im Näheren betrachtet: die verschieden Einstellungslängen, unsichtbare und sichtbare Schnitte, sowie der Montagestil und die Schärfentiefe.

3.1.1.1. Einstellungslängen

Die Szene beinhaltet insgesamt 14 Einstellungen und dauert 3.42 Minuten. Um einen Aufschluss über die Dynamik des Films zu bekommen, werden zuerst die Einstellungslängen genauer betrachtet. Die Rhythmisierung erschließt sich aus der Auswahl von kurzen oder langen Bildfolgen.

Schließlich folgt die Dauer der Einstellungen nicht nur dem Gesetz der Selektion des Wichtigen oder dem Gesetz der visuellen Reitzerneuerung, sondern auch Absichten der Dynamisierung und Rhythmisierung des Geschehens.[2]

Insgesamt sind die Einstellungen relativ lang und pendeln zwischen 0.03 und 0.34 Minuten Länge. Obwohl es auch einige sehr kurze Einstellungen gibt, ist der Rhythmus der Schnitte im Allgemeinen langsam und ruhig. Von den 14 Einstellungen sind alleine 6 über 0.20 Minuten lang. Anstatt einer Schuss- Gegenschuss Aufnahme wird zum Beispiel der Dialog in Einstellung 2 durch eine 0.32 Minuten lange Einstellung dargeboten, in der das Verhalten beider Protagonisten im größeren Rahmen veranschaulicht wird. Der Zuschauer hat die Möglichkeit das Geschehen viel intensiver zu beobachten. Jedoch dient die Montage nicht nur zur Rhythmisierung. „Dessen Länge oder Kürze ist nicht nur eine Frage des visuellen Rhythmus. Denn die Dauer einer im Bild sichtbaren Szene beeinflußt auch ihren Sinn und Inhalt.“[3]

3.1.1.2. Unsichtbare und sichtbare Schnitte

Wilder benutzt unsichtbare und sichtbare Schnitte. Einerseits folgt die Handlung der Szene einer fortlaufenden Kontinuität. Der Zuschauer nimmt die Schnitte nur unbewusst wahr, wodurch diese quasi unsichtbar werden. Die „Illusion des ununterbrochenen Geschehensflusses […] [wird aufrechterhalten], so daß der Zuschauer den Eindruck des Dabeiseins gewinnt“[4]. Um den Illusionseindruck zu verstärken, erfolgt innerhalb der Szene kein Ortswechsel. Die gesamte Handlung spielt innerhalb eines Raumes. Schon zu Beginn der zweiten Einstellung lässt sich im Hintergrund der Szenerie ein riesiges

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Abb. 1

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Abb. 2

Ölgemälde beobachten (vgl. Abb. 1). Das gleiche Ölgemälde entpuppt sich in Einstellung 8 als Kinoleinwand, die im späteren Verlauf der Handlung im Fokus der Betrachtung steht (vgl. Abb. 2). Auch der Spiegel links vom Ölgemälde und die Tischlampen lassen sich deutlich wieder erkennen. Es handelt sich demnach um ein und denselben Raum, in dem sich die Akteure bewegen. Auch in der permanenten Präsents der Protagonisten Norma und Joe lässt sich eine Kontinuität erkennen. Selbst der Auftritt des Butlers Max in Einstellung 8 und 10 stört keineswegs den Handlungsverlauf, da seine Anwesenheit innerhalb des Hauses vom Zuschauer als selbstverständlich aufgenommen wird. Es werden weitgehend harte Schnitte benutzt, die in unmittelbarer Verbindung zum unsichtbaren Schnitt stehen. „Das Filmschauspiel wird als kontinuierliche Handlung aufgefaßt, obwohl die Abbildungen, die auf der Leinwand vorbeifliegen, scharf voneinander getrennt sind, sei es durch räumliche, sei es durch zeitliche Lücken.“[5] Die Einstellungen werden innerhalb

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Abb. 3

des konstanten Handlungsortes direkt hintereinander geschnitten und bleiben somit unsichtbar für den Zuschauer. Auf der anderen Seite kann man sichtbare Schnitte beobachten. Der Zuschauer soll den Wechsel der Einstellungen ganz bewusst wahrnehmen. Diese so genannten weichen Schnitte reißen den Zuschauer aus seiner Illusion heraus und machen ihn darauf aufmerksam, dass es sich um einen Film und nicht um die Wirklichkeit handelt. Diese sichtbaren Schnitte treten in der Form von Überblendungen auf. Die Überblendung ist ein Stilmittel, das zwei Einstellungen miteinander in Verbindung bringt. „Sie werden nicht in einfacher Montage hart aneinandergesetzt sondern während das erste Bild allmählich schwächer wird, erscheint schon undeutlich das neue, das sich nun verstärkt und nach und nach das erste überdeckt.“[6] Schon die erste Einstellung der Szene beginnt mit einer Überblendung (vgl. Abb. 3). Durch die Überblendung wird die vorige Szene beendet und in die neue langsam hineingeführt. „Auch das Überblenden dient, […] dazu, um die Zäsur zwischen zwei Szenen anzudeuten, denn dies Ineinander ist geeignet, die Illusion eines geschlossenen Zeitablaufs und eines konstanten Raums zu zerstören […].“[7] Der Zuschauer nimmt ganz bewusst wahr, dass es sich um eine neue Handlungseinheit in einem neuen Zeitkontinuum handelt. Joe erzählt aus dem voice-over, dass er wegen seiner Geldsorgen notgedrungen an Normas Drehbuch weiterarbeiten muss. Langsam wird Einstellung 1 eingeblendet, die Joe arbeitend am Schreibtisch zeigt. Beide

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Abb. 4

Einstellungen sind zwar in keinen zusammengehörigen Zeitablauf zu sehen, aber gehören dennoch auf semantischer Ebene zusammen und werden mittels des Tons miteinander verknüpft. Auch die Einstellungen 5, 6 und 7 sind durch Überblendungen verbunden (vgl. Abb. 4). An dieser Stelle dienen die Überblendungen nicht der Zäsur, sondern betonen die innere Zusammengehörigkeit der verschiedenen Bilder. „Wenn ich zwei Schauplätze ineinanderkopiere, dann wird die Gestalt, die sowohl hier wie auch dort zu sehen ist, zur visuellen Verknüpfung.“[8] In diesen Einstellungen erzählt Joe aus dem voice-over über Normas Selbstverliebtheit und Traumwelt, während im Haus ihre zahlreichen Eigenportraits und Fotos gezeigt werden. Normas Narzissmus, von dem Joe erzählt, wird durch die sinnbildhafte Flut von Normas Fotos unterstützt. Die Einstellungen, die ihre Bilder, Fotos und Zeichnungen zeigen, dauern nur wenige Sekunden, wodurch es zu einer ungewohnt schnellen Bildfolge kommt. Überspitzt könnte man sogar von einem Übereinanderkopieren der Einstellungen sprechen. Obwohl es sich um drei verschiedene Einstellungen handelt, scheinen sie miteinander zu verschwimmen. „Vom Überblenden ist nur ein Schritt dazu, mehrere Szenen gleichzeitig ineinander zu zeigen. […] Ein gutes Mittel, um Wirrwarr und Chaos darzustellen.“[9] Der Zuschauer verliert seine Orientierung, da die Bildaufnahmen von verschieden Standorten des Raumes stammen. Möglicherweise spiegelt dieser Effekt Normas Seelenzustand wieder, da die Grenzen zwischen Realität und Phantasiewelt immer mehr zu verschwimmen drohen. Die erzeugte Desorientierung ist ebenfalls ein Hinweis auf Normas wachsenden Wahnsinn. Auch die nachfolgende Einstellung 8 wird mittels einer Überblende sanft eingespielt. An dieser Stelle lässt sich wieder eine Zäsur innerhalb des Zeit- und Handlungsablaufes erkennen. Während man noch immer Normas Bilder betrachtet, wechselt das Bild langsam zu einem neuen Handlungsabschnitt der Szene. Auch die Tageszeit ändert sich von Tag auf Nacht, was

[...]


[1] vgl. Sinyard (1980: 462-463).

[2] Kuchenbuch (2005: 42).

[3] Balázs (1961: 130-131).

[4] Hickethier (1996: 142).

[5] Pudowkin (Anfang der vierziger Jahre: 77).

[6] Arnheim (2004:120).

[7] Arnheim (2004: 121).

[8] Balázs (1961: 149).

[9] Arnheim (2004: 121).

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Ästhetische Gestaltungsmittel in "Sunset Boulevard" von Billy Wilder
Untertitel
Sequenzanalyse
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Germanistik )
Veranstaltung
Einführung in die Filmwissenschaft
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
44
Katalognummer
V125656
ISBN (eBook)
9783640312832
Dateigröße
2612 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sunset Boulevard, Billy Wilder, Wilder, Norma Desmond, Film Noir, Sequenzanalyse, Einstellungsprotokoll, Hollywood, 1950s, Stummfilm, Gloria Swanson, Max von Mayerling
Arbeit zitieren
Katrin Appenzeller (Autor), 2008, Ästhetische Gestaltungsmittel in "Sunset Boulevard" von Billy Wilder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125656

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