Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Machtverständnis von Niklas Luhmann und stellt sich dabei die Frage: Wie lässt sich Niklas Luhmanns Verständnis von Macht fassen und wie versucht er sich von der "klassischen Theorie der Macht" abzusetzen? Dabei wird die These vertreten, dass Luhmann, obwohl er sich von der "klassischen Theorie der Macht" lösen will und sich klar gegen die Konfliktorientierung stellt, dies zwar in einigen Punkten glaubhaft schafft, sich jedoch in den Grundstrukturen nicht von den von ihm selbst ausgemachten Problematiken der klassischen Theorie lösen kann. Als analytische Grundlage für die Arbeit dienen folgende Texte Luhmanns: das Kapitel 2 "Macht als Medium" aus Luhmanns Buch "Die Politik der Gesellschaft", der Artikel "Klassische Theorie der Macht, Kritik ihrer Prämissen" sowie Luhmanns Buch "Macht im System".
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Luhmanns Kritik an der “klassischen Theorie der Macht”
2 Luhmanns Machtbegriff
2.1 Systembegriff
2.2 Das Medium (Macht)
2.3 Macht, ein symbolisch generalisierte Kommunikationsmedium
2.4 Sanktionierender Einfluss und physische Gewalt
3 Schlussbetrachtung:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Machtverständnis von Niklas Luhmann, um zu klären, wie er sich von der sogenannten „klassischen Theorie der Macht“ abgrenzt und inwieweit ihm diese Abgrenzung in seiner systemtheoretischen Konzeption konsequent gelingt.
- Kritik an der klassischen Machttheorie und Kausalitätsannahmen
- Macht als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium
- Systemtheoretische Grundlagen und Komplexitätsreduktion
- Die Rolle von Sanktionen und physischer Gewalt
- Analyse der „power-to“ versus „power-over“ Ambivalenz
Auszug aus dem Buch
Macht, ein symbolisch generalisierte Kommunikationsmedium
Bei der Analyse von Macht hat man es laut Luhmann mit einem “symbolisch generalisierten Kommunikationsmedium” zu tun, Macht reiht sich somit in die Reihe von Wahrheit, Liebe, Geld, Wissenschaft etc. ein. Diese Form von bestimmten Medien entsteht aufgrund einer Zweiteilung, welche bei Kommunikation immer auftritt. Eine Kommunikation kann, wenn sie verstanden wurde, angenommen oder abgelehnt werden. Eine angenommene Kommunikation ist die Voraussetzung für weitere Kommunikation, da Luhmann jeder Kommunikation doppelte Kontingenz, also Unsicherheit über die Handlungen und Gedanken des Gegenübers, voraussetzt, kann bei einer erfolgreich angenommenen Kommunikation von einer Unsicherheitsabsorption gesprochen werden. Eine Kommunikation, welche abgelehnt wird, hinterlässt Spuren im System. Wird eine Kommunikation abgelehnt, kann das System nicht mehr in den vorherigen Zustand zurück, in den, wie Luhmann es nennt, “Zustand kommunikativer Unschuld”.
Für Luhmann ist die Ablehnung von Kommunikation deutlich wahrscheinlicher als die Annahme dieser, da Kommunikation wie bereits erwähnt immer unter der Voraussetzung doppelter Kontingenz stattfindet, also immer eine Unsicherheit darüber herrscht, wie das Gegenüber Kommunikation aufnimmt. Kommunikationsmedien setzen folglich immer soziale Situationen voraus, mit Wahlmöglichkeiten auf beiden Seiten. Ihre Funktion ist nun, unter Voraussetzung doppelter Kontingenz, die Übertragung einer unendlichen Zahl möglicher Selektionen von A auf B zu steuern. Die Ausgangsproblematik aller Kommunikationsmedien ist es also, dass sich die einflussnehmende Kommunikation auf einen Partner bezieht, welcher in seiner Selektivität dirigiert werden soll, dieser jedoch eigentlich eigene Interessen verfolgt. Macht übernimmt in der Funktion als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium die Aufgabe der Übertragung von Selektionsleistung in einer Kommunikation unter der Voraussetzung doppelter Kontingenz. Die Funktion eines Kommunikationsmediums liegt demnach in der Übertragung reduzierter Komplexität.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Phänomen Macht, die theoretische Zweiteilung in „power-over“ und „power-to“ sowie Darlegung der Fragestellung und These zur Kritik an Luhmanns Machtverständnis.
1 Luhmanns Kritik an der “klassischen Theorie der Macht”: Untersuchung von Luhmanns Einwänden gegen die Annahme von Kausalität, Konfliktorientierung und Macht als besitzbares Gut in klassischen Theorien.
2 Luhmanns Machtbegriff: Darstellung der systemtheoretischen Fundierung, der Funktion von Macht als symbolisch generalisiertem Medium zur Komplexitätsreduktion und die Analyse der Rolle von Sanktionen.
3 Schlussbetrachtung: Kritische Zusammenfassung der Ergebnisse und Reflexion über das Scheitern oder Gelingen von Luhmanns Abgrenzung zur klassischen Theorie.
Schlüsselwörter
Niklas Luhmann, Macht, Systemtheorie, soziale Systeme, Kommunikation, Macht als Medium, symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium, klassische Machttheorie, Kausalität, Doppelkontingenz, Sanktionen, Komplexitätsreduktion, Machtsummenkonstanz, Macht im System, politische Theorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Machtverständnis von Niklas Luhmann unter Rückgriff auf seine systemtheoretischen Schriften und vergleicht diese mit den Prämissen der klassischen Machttheorie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Kritik an kausalen Machtvorstellungen, das Verständnis von Macht als Kommunikationsmedium sowie die Funktion von Macht in funktional differenzierten sozialen Systemen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, wie sich Luhmanns Machtverständnis definieren lässt und ob er dabei tatsächlich eine konsistente Abgrenzung zur „klassischen Theorie der Macht“ erreicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und kritischen Textanalyse ausgewählter primärer Schriften von Niklas Luhmann sowie ergänzender Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Kritik Luhmanns an klassischen Machttheorien sowie eine systematische Darstellung seines eigenen Machtbegriffs, wobei insbesondere die Rolle von Medien und Sanktionen hervorgehoben wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit bewegt sich im Kontext der Soziologie und Politikwissenschaft, fokussiert auf Systemtheorie, Machtbegriffe, Kommunikation und die Frage nach der Geltung von Machtkonzeptionen.
Was versteht Luhmann unter Macht als Kommunikationsmedium?
Luhmann definiert Macht als ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium, das dazu dient, Komplexität zu reduzieren und die Wahrscheinlichkeit der Annahme von Kommunikation trotz doppelter Kontingenz zu steigern.
Wie bewertet der Autor Luhmanns Erfolg in der Abgrenzung zur klassischen Theorie?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Luhmann zwar abstrakte Grundlegungen schafft, jedoch bei der konkreten Anwendung – etwa bei der Rolle von physischer Gewalt und Sanktionen – hinter seine eigene Kritik zurückfällt und unbewusst in klassische Kausal- und Konfliktmuster verfällt.
Warum spielt die doppelte Kontingenz in Luhmanns Theorie eine so große Rolle?
Sie beschreibt die zentrale Unsicherheit in der Kommunikation, da jeder Kommunikationspartner eigene Interessen verfolgen kann; Macht hilft laut Luhmann dabei, diese Unsicherheit zu absorbieren.
Welche Bedeutung kommt dem Paradoxon der "Nichtbenutzung" von Machtmitteln zu?
Das Paradoxon besteht darin, dass Machtmittel (wie Sanktionen) vorhanden sein und kommuniziert werden müssen, um Wirkung zu entfalten, aber ihre tatsächliche Ausübung oft deren Scheitern oder den Verlust der Wirksamkeit als Medium markiert.
- Citation du texte
- Paul Hempfling (Auteur), 2022, Das Machtverständnis von Niklas Luhmann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1256800