Ziel dieser Arbeit ist es anhand ausgewählter Literatur den wettbewerbsfördernden Effekt eines grenzüberschreitenden Stromhandels aufzuzeigen, den hierfür am besten geeigneten Auktionsmechanismus durch einen Vergleich möglicher Alternativen
darzulegen und auf mögliche Risiken einzugehen, die ein internationaler Handel mit sich bringt. Zum besseren Verständnis sollen in Kapitel 2 mögliche Mechanismen der Marktmachtausübung durch Stromproduzenten beschrieben werden. In Kapitel 3
wird anhand diverser quantitativer Arbeiten gezeigt, dass Marktmacht auf verschiedenen Strommärkten tatsächlich ausgeübt wird. Kapitel 4 stellt den Hauptteil dieser Arbeit dar. Kapitel 4.1 beschreibt den wettbewerbsfördernden Effekt einer Zusammenlegung von zwei benachbarten Strommärkten. Das hierfür zugrunde gelegte Modell setzt den Preissetzungsmechanismus des sogenannten Nodal-Pricings voraus. Dieser stellt eine implizite Auktion dar, was bedeutet, dass Strom und Durchleitungsrechte
zusammen versteigert werden. In Kapitel 4.2 werden die Vorteile einer impliziten Auktion gegenüber der aktuell in Zentraleuropa angewandten expliziten Auktion verdeutlicht. Weiter werden verschiedene Abwandlungen des Nodal-Pricings auf deren Anwendbarkeit auf die zentraleuropäischen Strommärkte verglichen. In Zentraleuropa wird sich voraussichtlich der Mechanismus des sogenannten Market-Couplings durchsetzen. Beim Market-Coupling werden langfristig Strom und Durchleitungsrechte explizit durch Forward-Kontrakte (physische Rechte) versteigert, wohingegen
kurzfristig eine implizite Auktion finanzieller Rechte an der Strombörse stattfindet. In Kapitel 4.3 soll gezeigt werden, dass sowohl finanzielle als auch physische Rechte von Stromproduzenten zur Ausweitung ihrer Marktmacht ausgenutzt werden können. Die Ergebnisse der Arbeit werden in Kapitel 5 zusammengefasst.
Abschließend wird im Ausblick auf aktuelle Entwicklungen eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung, Ziel der Arbeit und Methodik
2 Marktmachtmechanismen auf dem Strommarkt
2.1 Marktmachtausübung in der kurzen Frist (Kapazitätszurückhaltung)
2.2 Marktmachtausübung in der langen Frist
3 Marktmachtmessung
3.1 Inputfaktoren und die Rolle von Emissionszertifikaten
3.2 Empirische Evidenz
4 Grenzüberschreitender Handel
4.1 Die Bedeutung von Kuppelstellen zwischen Strommärkten
4.1.1 Der symmetrische Fall
4.1.2 Der asymmetrische Fall
4.2 Auktionsmechanismen für einen grenzüberschreitenden Stromhandel
4.2.1 Ineffizienzen des Preissetzungsmechanismus an zentraleuropäischen Grenzen
4.2.1.1 Integrierter Markt als Referenzfall (Nodal-Pricing)
4.2.1.2 Getrennte Strom- und Durchleitungsmärkte (Explizite Auktion)
4.2.2 Ein möglicher Preissetzungsmechanismus für Zentraleuropa
4.2.2.1 Zonal-Pricing / Market-Splitting
4.2.2.2 Market-Coupling
4.3 Marktmachtausübung bei Versteigerung von Kuppelstellenkapazitäten
4.3.1 Marktmachtausübung bei Versteigerung finanzieller Rechte
4.3.2 Marktmachtausübung bei Versteigerung physischer Rechte
5 Zusammenfassung
6 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, den wettbewerbsfördernden Effekt des grenzüberschreitenden Stromhandels unter Anwendung von Literaturanalysen und Modellen zu untersuchen. Dabei wird der am besten geeignete Auktionsmechanismus evaluiert und auf die mit internationalem Handel verbundenen Risiken sowie Strategien zur Marktmachtausübung durch Stromproduzenten eingegangen.
- Analyse von Marktmachtmechanismen auf kurz- und langfristigen Strommärkten
- Vergleich von Nodal-Pricing, expliziten Auktionen und Market-Coupling
- Untersuchung der Kapazitätszurückhaltung und deren Auswirkungen auf den Strompreis
- Bewertung von Investitionsanreizen für grenzüberschreitende Infrastruktur (Kuppelstellen)
Auszug aus dem Buch
2 Marktmachtmechanismen auf dem Strommarkt
Bei der Untersuchung von Marktmachtausübung ist es wichtig, zwischen kurzer und langer Frist zu unterscheiden, da sich die jeweils zu beobachtenden Mechanismen bedingt durch die besonderen Gegebenheiten auf dem Strommarkt unterscheiden.
Der wichtigste Grund hierfür ist, dass die Produzenten im Gegensatz zur langen Frist in der kurzen Frist einer fast völlig unelastischen Nachfrage gegenüberstehen. Da der Strompreis an der Energiebörse ermittelt wird, haben Stromproduzenten keinen direkten Einfluss auf den Preis, dieser kann jedoch indirekt durch Mengenentscheidungen beeinflusst werden. In der kurzen Frist haben Stromproduzenten keine Möglichkeit Erzeugungskapazitäten abzubauen, können aber durch Zurückhalten von Erzeugungskapazitäten den Preis in die Höhe treiben, wobei sie vor allem von der starren Nachfrage profitieren. In der langen Frist ist die Nachfrage elastisch, weiter haben Produzenten die Möglichkeit ihre Kapazitäten durch einen Neubau bzw. Abbau / Verkauf von Kraftwerken zu variieren. Die Situation lässt sich somit gut anhand des Cournot-Modells darstellen. Allerdings muss dieses an bestimmte Eigenschaften des Strommarktes angepasst werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung, Ziel der Arbeit und Methodik: Es wird die besondere Bedeutung der Versorgungssicherheit auf Elektrizitätsmärkten erläutert und das Ziel der Arbeit, den Einfluss grenzüberschreitender Handelsmechanismen auf Marktmacht zu untersuchen, definiert.
2 Marktmachtmechanismen auf dem Strommarkt: Das Kapitel differenziert zwischen kurz- und langfristigen Marktmachtstrategien, wobei insbesondere die Kapazitätszurückhaltung als Mittel zur indirekten Preismanipulation bei unelastischer Nachfrage hervorgehoben wird.
3 Marktmachtmessung: Anhand quantitativer Ansätze wie der „Competitive Benchmark“-Analyse wird belegt, dass Marktmacht auf Strommärkten tatsächlich ausgeübt wird, unter Berücksichtigung von Faktoren wie Emissionszertifikaten.
4 Grenzüberschreitender Handel: Dieser Hauptteil analysiert theoretische Modelle für Kuppelstellen zwischen Strommärkten und vergleicht verschiedene Auktionsmechanismen (Nodal-Pricing vs. explizite Auktionen) hinsichtlich ihrer Effizienz.
5 Zusammenfassung: Die Ergebnisse zur Notwendigkeit des Ausbaus von Kuppelstellen und der Einführung effizienterer Auktionsmechanismen zur Wohlfahrtssteigerung werden rekapituliert.
6 Ausblick: Es werden zukünftige Herausforderungen diskutiert, insbesondere die Zerschlagung von Stromerzeugung und Netzbetrieb sowie die Bedeutung neuer Technologien wie Smart Metering für die Preiselastizität der Nachfrage.
Schlüsselwörter
Marktmacht, Elektrizitätsmarkt, Kuppelstellenkapazität, Nodal-Pricing, Kapazitätszurückhaltung, Versorgungssicherheit, Grenzüberschreitender Handel, Merit-Order, Strompreis, Market-Coupling, Externe Effekte, Economies of Scale, Auktionsmechanismen, Netzzugangsgebühren, Wettbewerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Problematik der Marktmachtausübung durch Stromproduzenten auf nationalen und grenzüberschreitenden Elektrizitätsmärkten und bewertet verschiedene Handelsmechanismen zur Steigerung des Wettbewerbs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen Mechanismen zur Kapazitätszurückhaltung, die Rolle von Kuppelstellenkapazitäten im grenzüberschreitenden Handel sowie ökonomische Modelle zur Preisfindung und Allokation.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie ein grenzüberschreitender Stromhandel den Wettbewerb fördern kann, und den effizientesten Auktionsmechanismus für diesen Handel zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen, die Anwendung ökonomischer Modelle (wie Cournot-Wettbewerb und SFE-Modell) sowie quantitative Analysen zur Marktmachtmessung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Ineffizienzen bestehender Auktionsmechanismen und untersucht, wie Stromproduzenten finanzielle oder physische Rechte strategisch nutzen können, um ihre Marktposition zu festigen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Marktmacht, Nodal-Pricing, Kuppelstellenkapazität, Kapazitätszurückhaltung und Market-Coupling.
Welchen Einfluss haben Emissionszertifikate auf das Marktmachtpotenzial?
Die Arbeit zeigt, dass die Einpreisung von Emissionszertifikaten als Opportunitätskosten den Strompreis treibt und bei bestimmten Zusammensetzungen des Kraftwerkparks das Marktmachtpotenzial der Anbieter durch die Merit-Order beeinflussen kann.
Warum ist der Ausbau von Kuppelstellen politisch so schwierig?
Stromproduzenten haben oft kein Interesse am Ausbau, da dadurch ihr Marktmachtpotenzial sinkt, und zudem sind die Kuppelstellen häufig Teil der nationalen Stromnetze, deren Zerschlagung auf politischen Widerstand stößt.
Was ist das „Freerider-Problem“ bei der Versteigerung von Kapazitätsrechten?
Es tritt auf, wenn Marktteilnehmer Rechte ersteigern, um den Monopolisten zu überbieten, was dazu führt, dass der Monopolist nicht die volle Kontrolle erhält, aber dennoch Marktmachtrisiken bestehen bleiben.
- Citation du texte
- Florian Kalbassi (Auteur), 2008, Ein Drahtseilakt - Markmacht auf dem Elektrizitätsmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125764