Der erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich zum einen mit einer genauen Betrachtung sowie Definition der Begriffe Angst und Frühgeburt. Dieser theoretische Teil liefert zum anderen einen Einblick in das Thema Angst als Emotion und der einhergehenden Mehrdimensionalität des Konstruktes. Darauffolgend werden allgemeine Grundlagen der Angstdiagnostik dargestellt. Neben einer Beschreibung verschiedener Methoden und standardisierter Verfahren, wird zentral auf die Herausforderungen im Diagnoseprozess eingegangen. Bei der Definition und Begriffsbestimmung des Themas Frühgeburt im zweiten Abschnitt des theoretischen Teils, geht es in Ergänzung zur grundsätzlichen Bestimmung einer Frühgeburt um die Unterscheidung zwischen einer Frühgeburt, einer frühen Frühgeburt und einer extrem frühen Frühgeburt. Danach folgt ein Kapitel zu den epidemiologischen Daten und dem Stand der bisherigen ätiologischen Betrachtungsweise einer Frühgeburt. Der letzte Abschnitt des theoretischen Teils beschäftigt sich mit den Indikatoren, die auf eine Frühgeburt hinweisen. Ergänzend werden die einhergehenden somatischen und psychologischen Folgen einer Frühgeburt beleuchtet.
Welche weiteren Variablen beziehungsweise, welche Variablen in Gänze in dieser Arbeit herangezogen werden, ist der thematische Schwerpunkt des ersten Abschnitts des empirischen Teils. Hier erfolgt zunächst ein Kapitel mit der Herleitung der Hypothesen, der expliziten Benennung der Hypothesen und einer Einordnung im Rahmen des bisherigen Forschungsstandes. Im darauffolgenden Kapitel wird die Methode zur Untersuchung der benannten Hypothesen beschrieben. Unterschieden wird eine explizite Darstellung der Erhebungs- und der Auswertungsmethode dieser Studie. Als Erhebungsmethode wird eine Online-Befragung eingesetzt. Die Darstellung der Ergebnisse dieser Umfrage ist ein weiterer zentraler Aspekt des empirischen Teils. Dabei werden die erfassten demografischen Daten zur Stichprobe dargestellt und ausgewertet sowie die Ergebnisse zu den Variablen deskriptiv analysiert. Des Weiteren wird eine inferenzstatistische Überprüfung zu den Hypothesen erfolgen. Zum Abschluss erfolgt eine Diskussion zur vorläufigen Annahme oder Zurückweisung der Hypothesen. Auch werden verschiedene Einflüsse auf die Objektivität, Reliabilität und Validität diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Teil
2.1 Angst
2.1.1 Die Emotion Angst – ein mehrdimensionales Konstrukt
2.1.2 Grundlagen der Angstdiagnostik
2.2 Frühgeburt
2.2.1 Epidemiologie und Ätiologie
2.2.2 Indikatoren einer drohenden Frühgeburt
2.2.3 Somatische und psychologische Folgen
3. Empirischer Teil
3.1 Hypothesen und Forschungsstand
3.1.1 Herleitung der Hypothesen
3.1.2 Forschungsstand
3.2 Methode
3.2.1 Erhebungsmethode
3.2.1.1 State-Trait Angstinventar (STAI).
3.2.1.2 Pregnancy Related Anxiety Questionnaire-Revised (PRAQ-R).
3.2.1.3 Fragebogenaufbau
3.2.2 Auswertungsmethode
3.3 Ergebnisse
3.3.1 Demografische Daten der Stichprobe
3.3.2 Deskriptive Auswertung mit Variablen- und Hypothesenbezug
3.3.3 Inferenzstatistische Analyse der Hypothesen
4. Diskussion und Fazit
4.1 Überprüfung der Hypothesen
4.2 Mögliche Einflüsse auf die Gütekriterien
4.3 Fazit und Verweis auf weitere Untersuchungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den potenziellen Einfluss mütterlicher Angst auf die Entstehung einer Frühgeburt unter Berücksichtigung von Ängstlichkeit als Persönlichkeitsdisposition sowie schwangerschaftsspezifischen Ängsten, um einen Beitrag zur Klärung der widersprüchlichen Studienlage zu leisten.
- Mütterliche Ängstlichkeit als Eigenschaftsangst nach Spielberger
- Schwangerschaftsspezifische Ängste und deren Einfluss
- Genese einer Frühgeburt bei der ersten Entbindung
- Somatische Indikatoren einer drohenden Frühgeburt (Wehentätigkeit, Zervixinsuffizienz, Blasensprung)
- Biopsychosoziales Modell und hormonelle Zusammenhänge
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Die Emotion Angst – ein mehrdimensionales Konstrukt
„Emotionen sind mehrdimensionale Konstrukte, die aus affektiven, physiologischen, kognitiven, expressiven und motivationalen Komponenten bestehen“ (Wild & Möller, 2014, S. 202). Entlang der Dimension der Valenz lassen sich Emotionen in der Regel recht eindeutig in positiv oder negativ einordnen. Sie haben einen wertenden Charakter und dienen als Signalgeber, ob eine Situation als angenehm oder unangenehm bewertet werden kann (Wild & Möller, 2014).
Angst wird als Basisemotion angesehen. Basisemotionen charakterisieren sich durch interkulturelle Gleichheit im Hinblick auf Gesichtsausdruck, Auslösebedingungen sowie Handlungstendenzen (Wild & Möller, 2014). Der affektive Kern der Emotion Angst ergibt sich aus dem inneren Erleben, welches als ein Gefühl der Enge, Beengtheit oder der Bedrängnis charakterisiert werden kann. Die physiologische Komponente der Angst als Emotion, in ihrer Komplexität an dieser Stelle verkürzt dargestellt, führt zu einer Veränderung der Herzrate, der Hautleitfähigkeit und des Muskeltonus (Kossak & Scholz, 2021). Auch findet die Angst als Emotion in kortikalen und subkortikalen Arealen (u. a. im präfrontalen Kortex und der Amygdala) die entsprechenden Korrelate (Wild & Möller, 2014).
Kognitiv wird beim Empfinden von Angst die Wahrnehmung und das Denken auf die relevanten Reize der Gefahr(en) eingeengt. Die kognitive Ebene beinhaltete zudem Erwartungen bezüglich der realen oder der vorgestellten Situation. Die expressive Komponente geht mit entsprechendem verbalen oder nonverbalen Ausdrucksverhalten einher. Typischerweise werden die Augenbrauen nach oben gezogen, der Mund wird geöffnet und der wird Blick auf die Gefahr gerichtet, sofern diese von einer objektbezogenen Angst handelt. Dabei kann meist ein Zittern der Stimme, der Hände sowie eine veränderte Stimmlage festgestellt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die hohe Relevanz des Frühgeburtsthemas im medizinischen und gesellschaftlichen Kontext dar und formuliert die zentrale Fragestellung nach dem Einfluss mütterlicher Angst.
2. Theoretischer Teil: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Angst und Frühgeburt, erläutert die Angstdiagnostik sowie die ätiologischen Faktoren von Frühgeburten im biopsychosozialen Kontext.
3. Empirischer Teil: Hier werden die Hypothesen hergeleitet, die methodische Vorgehensweise einer Online-Befragung beschrieben und die Ergebnisse deskriptiv sowie inferenzstatistisch dargestellt.
4. Diskussion und Fazit: Die Ergebnisse werden interpretiert, hinsichtlich der Hypothesen geprüft, kritisch reflektiert und in ein Fazit für zukünftige Forschung überführt.
Schlüsselwörter
Angst, Ängstlichkeit, Eigenschaftsangst, Frühgeburt, Schwangerschaft, Schwangerschaftsverlauf, Angstdiagnostik, STAI, PRAQ-R, Zervixinsuffizienz, vorzeitige Wehen, Blasensprung, biopsychosoziales Modell, psychische Belastung, Geburtsmedizin
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der mütterlichen Angst – sowohl als Persönlichkeitsmerkmal als auch in Bezug auf die Schwangerschaft – und dem Risiko für eine Frühgeburt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die psychologische Angstdiagnostik, die medizinischen Grundlagen der Frühgeburtlichkeit sowie die Wechselwirkungen zwischen emotionalem Stress und körperlichen Schwangerschaftskomplikationen.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, ob mütterliche Angst einen prädiktiven Einfluss auf die Entstehung einer Frühgeburt sowie auf spezifische Indikatoren wie Zervixinsuffizienz besitzt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein quantitatives retrospektives Studiendesign gewählt, bei dem 196 Personen mittels eines Online-Fragebogens befragt, deskriptiv ausgewertet und inferenzstatistisch mittels binär logistischer Regression analysiert wurden.
Was wird im empirischen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Operationalisierung der Variablen (STAI und PRAQ-R), der Beschreibung der Stichprobe, der deskriptiven Darstellung der Ergebnisse und der Prüfung der vier aufgestellten Hypothesen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Angst, Eigenschaftsangst, Frühgeburt, Schwangerschaftsverlauf, Angstdiagnostik und biopsychosoziales Modell charakterisieren.
Warum wurde eine retrospektive Befragung gewählt?
Das retrospektive Studiendesign bietet die Möglichkeit, Zusammenhänge bei Frauen zu untersuchen, die bereits eine Geburt erlebt haben, und ForschungsLücken in einer ansonsten spärlichen prospektiven Studienlage zu ergänzen.
Welche Rolle spielt die Eigenschaftsangst nach Spielberger?
Die Eigenschaftsangst (Trait-Angst) dient als unabhängige Variable, um zu prüfen, ob Frauen mit einer höheren generellen Angstbereitschaft ein statistisch signifikant höheres Risiko für Frühgeburtlichkeit aufweisen.
Was bedeutet das Studienergebnis für die Zervixinsuffizienz?
In der Studie zeigte sich ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der mütterlichen Eigenschaftsangst und dem Risiko für eine Zervixinsuffizienz, was als wichtiger Hinweis für psychosomatische Einflüsse in der Gynäkologie gewertet wird.
- Citar trabajo
- Kathrin Wulf-Schmidt (Autor), 2022, Einfluss mütterlicher Angst auf die Genese einer Frühgeburt, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1257883