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Realität und Phantasie in der Ethnologie

Title: Realität und Phantasie in der Ethnologie

Essay , 2002 , 5 Pages , Grade: 2

Autor:in: Kristin Müller-Wenzel (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Die Authentizität spielte in der Ethnologie schon immer eine große Rolle, denn wie weit die Eindrücke eines Einzelnen mit der Realität übereinstimmen oder von seinen Erwartungen beeinflusst werden, ist schwer nach zu vollziehen, so kann es passieren, dass man bei einer
weiteren Feldforschung mit einem anderen theoretischen Ansatz oder durch Kontakt zu anderen Menschen ein anderes Ergebnis bekommen kann. Das bekannteste Beispiel für dieses Problem in der Ethnologie ist die Mead - Freeman - Debatte, die auch außerhalb des ethnologischen Fachkreises auf große Aufmerksamkeit stieß.

In ihrem Buch „Coming of Age in Samoa" von 1928 beschreibt Margaret Mead das Verhalten junger Mädchen auf Samoa. Im Vordergrund stehen die Harmonie und die Freizügigkeit unter den Jugendlichen. Mit diesem Buch bewies Mead auch, dass das Verhalten des Menschen nicht biologisch vorbestimmt ist, sondern von der jeweiligen Kultur beeinflusst wird,
wodurch sie auch außerhalb des Fachkreises zu großer Berühmtheit gelang. Circa 15 Jahre später forschte Derek Freeman in Samoa und kam er zu einem ganz anderen Ergebnis als Mead vor ihm. Für ihn waren die Samoaner gewalttätig und prüde. Doch wodurch kam es zu diesen unterschiedlichen Ergebnissen?

Dieser Essay beschäftigt sich mit der Objektivität von Feldforschungen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Authentizität in der Ethnologie

2. Die Mead - Freeman - Debatte

3. Gründe für abweichende Forschungsergebnisse

4. Subjektivität in der ethnologischen Feldforschung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Authentizität in der ethnologischen Forschung und analysiert, warum unterschiedliche Feldforschungen zu derselben Ethnie häufig zu abweichenden Ergebnissen führen. Dabei wird insbesondere der Einfluss von Forscherpersönlichkeit, Zeitabstand und Methodik auf die Objektivität ethnographischer Berichte beleuchtet.

  • Die historische Kontroverse zwischen Margaret Mead und Derek Freeman über Samoa.
  • Die Rolle der Forscheridentität und die Schwierigkeit der Identifikation mit dem Forschungssubjekt.
  • Einflüsse von Zeitabständen und kulturellem Wandel auf die Feldforschungsergebnisse.
  • Die subjektive Selektion von Daten durch den Ethnologen während der Datenerhebung.
  • Der Umgang mit verschiedenen Informanten und deren Einfluss auf die Ethnographie.

Auszug aus dem Buch

Die Mead - Freeman - Debatte

In ihrem Buch „Coming of Age in Samoa" von 1928 beschreibt Margaret Mead das Verhalten junger Mädchen auf Samoa. Im Vordergrund stehen die Harmonie und die Freizügigkeit unter den Jugendlichen. Mit diesem Buch bewies Mead auch, dass das Verhalten des Menschen nicht biologisch vorbestimmt ist, sondern von der jeweiligen Kultur beeinflusst wird, wodurch sie auch außerhalb des Fachkreises zu großer Berühmtheit gelang. Circa 15 Jahre später forschte Derek Freeman in Samoa und kam er zu einem ganz anderen Ergebnis als Mead vor ihm. Für ihn waren die Samoaner gewalttätig und prüde. Doch wodurch kam es zu diesen unterschiedlichen Ergebnissen?

Nach Freeman lag es daran, dass Mead sich von den zwei Samoanerinnen Fa'apua'a und Fafoa in die Irre führen ließ und das somit „her study of adolescence in Samoa was an accident of history" (Freeman 1983: xiii). Derek Freeman sieht noch einen anderen Grund Mead' s abweichende Forschungsergebnisse, sie habe sich nämlich zu sehr von Boas Kulturanthropologie beeinflussen lassen, so dass "Mead was a ferent believer 'that human behavior is determined by cultur patterns´ (Freeman 1999:14) and this laid her open to all sorts of other influences leading up to the alleged hoaxing." (Cote 2000:617) Andererseits konnte Freeman Meads Theorie, dass menschliches Verhalten durch die Kultur bestimmt wird und nicht genetische vorbestimmt ist, trotz seiner gegensätzlichen Darstellung nicht widerlegen. Auch wenn er ihr zum Vorwurf macht mit der Einstellung in die Feldforschung gegangen zu sein die Kulturtheorie zu beweisen und somit auch Verfälschungen von Daten in Kauf genommen zu haben, denn "die Samoaner folgen nicht unmittelbar biologischen Impulsen, sondern fassen diese eben doch in ihr Kulturschema, nur weit ritualisierter bei Freeman als es Mead wahrhaben wollte".(Koepping 1987: 7)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Authentizität in der Ethnologie: Einleitung in die Problematik, inwieweit ethnologische Eindrücke objektiv sind oder durch die Erwartungen des Forschers beeinflusst werden.

2. Die Mead - Freeman - Debatte: Analyse des berühmtesten Beispiels für abweichende ethnologische Forschungsergebnisse am Fallbeispiel der pazifischen Insel Samoa.

3. Gründe für abweichende Forschungsergebnisse: Untersuchung weiterer Faktoren, wie zeitliche Abstände und unterschiedliche Schwerpunkte, die zu diskrepanten Studien über dieselben Gesellschaften führen können.

4. Subjektivität in der ethnologischen Feldforschung: Reflexion darüber, dass Ethnographien aufgrund der notwendigen Selektion von Daten und der Forscheridentität immer ein Stück weit subjektiv bleiben.

Schlüsselwörter

Ethnologie, Authentizität, Mead, Freeman, Feldforschung, Subjektivität, Samoa, Kulturtheorie, Identitätsfrage, Datenselektion, Ethnographie, Forschungsergebnisse, Objektivität, Kulturanthropologie, Informanten

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Herausforderung, wie authentisch ethnologische Forschungsergebnisse sind und welche Faktoren dazu führen, dass verschiedene Ethnologen bei der Untersuchung derselben Ethnie zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Problem der Objektivität in der Feldforschung, die historische Mead-Freeman-Debatte sowie die kritische Reflexion des Einflusses der Forscherpersönlichkeit auf das Forschungsergebnis.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, warum ethnographische Beschreibungen notwendigerweise subjektiv gefärbt sind und wie Forscher mit dem Spannungsfeld zwischen eigener Identität und dem Forschungssubjekt umgehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet eine literaturbasierte Analyse ethnologischer Debatten und vergleicht verschiedene Fallbeispiele, um die Mechanismen subjektiver Datenselektion offenzulegen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Debatte um die Samoa-Studien, die Rolle des zeitlichen Abstands bei Restudies und die Auswirkungen der Forscheridentität auf die Datenerhebung detailliert erörtert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie Ethnologie, Authentizität, Subjektivität, Feldforschung und Kulturanthropologie definieren.

Warum konnte Derek Freeman die Theorie von Margaret Mead nicht vollständig widerlegen?

Obwohl Freeman Meads Forschungsergebnisse stark kritisierte, bestätigte er selbst in wesentlichen Punkten, dass das menschliche Verhalten bei den Samoanern kulturell und nicht rein biologisch geformt ist.

Welche Rolle spielt die "multiple Identitätsfrage" für den Ethnologen?

Die Identitätsfrage beschreibt den Konflikt des Forschers: Er muss sich entscheiden, wie stark er sich mit seinem Forschungssubjekt identifiziert, da eine zu hohe Identifikation die Objektivität der Beobachtung gefährden kann.

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Details

Title
Realität und Phantasie in der Ethnologie
College
University of Münster
Grade
2
Author
Kristin Müller-Wenzel (Author)
Publication Year
2002
Pages
5
Catalog Number
V125960
ISBN (eBook)
9783640314171
ISBN (Book)
9783656562887
Language
German
Tags
Ethnologie Geschichte Mead Freeman
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kristin Müller-Wenzel (Author), 2002, Realität und Phantasie in der Ethnologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125960
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