Im Diskurs der Medienöffentlichkeit wird derzeit an Loriots Partnerin Evelyn Hamann gedacht. Dabei stieß ich auf einen Artikel, der mit folgenden Worten begann: „ Bei manchen Todesnachrichten muss man einfach kurz innehalten. Zu unerwartet kommen sie“.
Hinter diesen Worten verbergen sich meiner Meinung nach zwei Annahmen, nämlich erstens, dass das Thema Tod in unserer Medienlandschaft ständig präsent ist und zweitens, dass durch die Massenflut an Todesnachrichten eine Trivialisierung des Todes an sich in den Köpfen der Menschen einhergeht, die in ihren eigenen Lebenserfahrungen noch keinen Toten vor sich gesehen haben.
Dieses Phänomen trifft bis auf eine Teilnahme an einer Beerdigung in meiner frühen Kindheit auch auf mich zu. Durch den fehlenden Umgang mit Sterbenden und mit Toten wird mir in meiner Lebenserfahrung, so vermute ich, irgendwann ein entsprechendes Verhaltensmuster fehlen, auf das ich zum Beispiel im Sterbefall eines Angehörigen zurückgreifen könnte.
In dieser Untersuchung kann ich nicht auf alle Aspekte eingehen, die damit im Zusammenhang stehen, möchte aber erörtern, ob unsere Gesellschaft im Rückblick der Zeit durch ihren Umgang mit dem Tod einen Wandel erfahren hat. Hierbei will ich mich auf den europäischen Raum beschränken und dies unter einem soziologischen Blickwinkel betrachten.
Laut einem soziologischen Wörterbuch ist Soziologie eine „anerkannte Wissenschaft, die mit Theorien, Begriffen und Methoden die Struktur und Funktionsmerkmale einer Gesellschaft erklären möchte.“
Im Hinblick auf meine Fragestellung werde ich mich in der folgenden Arbeit in diesem Rahmen bewegen und dabei klären, ob es mikro - und makrosoziologische Zusammenhänge gibt und welche Befunde es dazu in der Literatur gibt.
Im Folgenden will ich zuerst aufzeigen,…
1. wie früher mit dem Tod umgegangen wurde und welche Umstände dabei zum tragen kamen
2. und wie heute mit der Sterbesituation umgegangen wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Mittelalter
2.2 Barockzeit
2.3 Aufklärung und Romantik
2.4 Kriege und Unruhen
2.5 Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
2.6 Umgang mit dem Tod heute
3 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht den gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit dem Tod innerhalb des europäischen Raums. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die soziologische Betrachtung, wie sich die Einstellung zum Sterben und zu Trauerritualen vom Mittelalter bis in die moderne Erlebnisgesellschaft verändert hat.
- Historische Entwicklung der Sterbekultur vom Mittelalter bis zur Moderne
- Einfluss von Religion, Säkularisierung und Industrialisierung auf Bestattungsrituale
- Die Rolle ökonomischer Faktoren und der "Erlebnisgesellschaft" bei der Veränderung der Trauerkultur
- Vergleich der Sterbekultur in verschiedenen politischen Systemen
- Die Privatisierung und Medialisierung des Todes in der Gegenwart
Auszug aus dem Buch
2.1 Mittelalter
Dadurch, dass im Mittelalter Friedhöfe und Wohngegenden in unmittelbarer Nachbarschaft lagen, war das Sterben eine öffentliche Zeremonie und der Tod durch seine Allgegenwärtigkeit nicht angsteinflößend, das heisst, das Sterben war ein Teil des Alltags. Darum umschreibt Ariès den damaligen Tod als gegenwärtig und vertraut. Der Pfarrer Ronald Uden wendet allerdings ein, dass Philippe Ariès wiederholt vorgeworfen wurde, seine Recherchen über den Tod im Mittelalter romantisierend und idealisierend dargestellt zu haben. Ronald Uden unterstützt jedoch Philippe Ariès Beweisführung und belegt dies auf Seite 124, wo er von einer eigenen Literaturgattung berichtet, die ab dem 15. Jahrhundert entstand und Gedichte, Traktate, Gebete und Fragenkataloge umfasste. Hier ging es laut Ronald Uden auch um den Verbleib des Menschen in Himmel und Hölle, aber umso mehr um die letzten Stunden im Leben eines Sterbenden. Auf Seite 125 bestätigt er, dass damit die guten Seiten des Sterbens betont wurden. Welche damaligen Umstände gingen mit der von Philippe Ariès beschriebenen Vertrautheit einher?
Da damalige Zeitgenossen mit den unterschiedlichsten Krankheiten wie zum Beispiel Pest und Cholera zu kämpfen hatten und Kriege, Naturkatastrophen und Hunger ihr übriges taten, kamen auch im Gegensatz zu heute oft jüngere Generationen mit dem Tod oft in Kontakt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die mediale Präsenz des Todes und die damit einhergehende Trivialisierung sowie die persönliche Motivation des Autors, den soziologischen Wandel im Umgang mit dem Sterben zu untersuchen.
2 Hauptteil: Der Hauptteil analysiert chronologisch den Wandel der Sterbekultur, beginnend bei der Vertrautheit mit dem Tod im Mittelalter über die religiösen und gesellschaftlichen Veränderungen in Barock, Aufklärung und Romantik bis hin zur heutigen, von Ökonomisierung und Säkularisierung geprägten Erlebnisgesellschaft.
3 Schlussbemerkung: Das Fazit stellt den Rückgang traditioneller Rituale fest und regt an, bereits Kinder und Jugendliche frühzeitig mit den Themen Verlust und Trauer zu konfrontieren, um einen bewussten Umgang zu erlernen.
Schlüsselwörter
Sterbekultur, Tod, Soziologie, Mittelalter, Barockzeit, Aufklärung, Erlebnisgesellschaft, Säkularisierung, Bestattungsrituale, Trauer, Individualisierung, Friedhofskultur, Sterbehilfe, Medienöffentlichkeit, Sozialgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Wandel der Einstellung zum Tod und die damit verbundenen Bestattungs- und Trauerrituale in der europäischen Gesellschaft über mehrere Jahrhunderte hinweg.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Sterbekultur, die Auswirkungen der Säkularisierung, der Einfluss der Erlebnisgesellschaft auf den Tod sowie die soziale Ungleichheit und ökonomische Faktoren bei Bestattungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu erörtern, ob die europäische Gesellschaft durch ihren Umgang mit dem Tod einen soziologischen Wandel erfahren hat und welche mikro- und makrosoziologischen Zusammenhänge dabei eine Rolle spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturbasierte soziologische Untersuchung, die verschiedene kulturhistorische und soziologische Quellen auswertet, um den gesellschaftlichen Wandel zu begründen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte, die das Sterben im Mittelalter, der Barockzeit, der Aufklärung, während Kriegen und in der Zeit nach 1945 bis zur Gegenwart analysieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Sterbekultur, Soziologie, Erlebnisgesellschaft, Säkularisierung, Bestattungsrituale und historischer Wandel.
Warum wird das Mittelalter als "vertraut" gegenüber dem Tod beschrieben?
Da Friedhöfe und Wohnräume in direkter Nachbarschaft lagen und der Tod durch Krankheit und Hunger allgegenwärtig war, wurde er als öffentlicher, alltäglicher Bestandteil des Lebens wahrgenommen.
Welchen Einfluss hatte die DDR-Politik auf die Sterbekultur?
In der DDR war das Friedhofswesen aufgrund von Mangelwirtschaft und einer atheistisch geprägten Ideologie der Machthaber vernachlässigt; staatliche Ehrenfriedhöfe dominierten das öffentliche Gedenken.
Was versteht der Autor unter dem Begriff "Erlebnisgesellschaft" im Kontext des Todes?
Er beschreibt damit eine Gesellschaft, die sich auf das Erleben konzentriert, was zur Individualisierung, Säkularisierung und zum Verschwinden altgewohnter, kollektiver Trauerrituale führt.
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- Gunnar Berger (Autor), 2007, Die Bedeutung des Ereignisses Tod im Wandel der Gesellschaft, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126027