Nach dem zweiten Weltkrieg hat das deutsche Volk eine solche Katastrophe zu verkraften gehabt wie sie in der Geschichte ohne Beispiel ist. An dem Begriff Katastrophe scheiden sich jedoch heutzutage die Geister, man spricht stattdessen von Befreiung. Im Jahre 1945 konnten die Deutschen ihre Niederlage allerdings nicht so recht als Befreiung begreifen. Die Städte waren zerbombt, viele hatten ihre Heimat verlassen müssen und im Gegensatz zu den im Kriege von der Reichsregierung streng und effektiv rationierten Lebensmittelzuteilungen gab es nun großen Mangel an Essbarem. Nichts desto trotz begann der Wiederaufbau. Mitte der 50er Jahre nahm die Not ein Ende und es kam im Westen zum viel beschworenen Wirtschaftswunder. Aber es hatten sich zwei deutsche Staaten herausgebildet, die sich unterschiedlichen gesellschaftlichen Modellen unterwarfen und dementsprechend die NS-Vergangenheit unterschiedlich behandelten. Diese doppelte Vergangenheitsbewältigung kristallisierte sich umso mehr heraus je weiter sich die ehemaligen Siegermächte voneinander entfernten. Ein Problem, mit dem man sich in Ost und West konfrontiert sah, war die Tatsache, dass viele der ehemaligen Eliten Deutschlands hohe Posten und Ämter unter der Nazi-Diktatur bekleidet hatten. Es musste nun wie ein Hohn wirken, dass Richter, die Unrechtsurteile sprachen jetzt wieder ihrem Beruf in einem zu entnazifizierenden Staat nachgehen sollten. Viele von ihnen waren aber auch sehr erfolgreich darin ihre Vergangenheit zu vertuschen.
Inhaltsverzeichnis
1. Der doppelte Ausstieg aus der Geschichte
1.1 Die Stunde Null – Ende und Neuanfang zugleich
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die unterschiedliche Bewältigung der NS-Vergangenheit in den beiden deutschen Nachkriegsstaaten sowie deren Einfluss auf die gesellschaftliche und politische Entwicklung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Frage, wie beide Staaten nach 1945 versuchten, sich als souveräne Einheiten neu zu definieren und dabei Kontinuitäten sowie Brüche zur nationalsozialistischen Zeit zu verarbeiten.
- Die doppelte Vergangenheitsbewältigung in Ost- und Westdeutschland.
- Die Suche nach historischer Identität und Anknüpfungspunkten jenseits des Nationalsozialismus.
- Einfluss internationaler Konflikte auf die Wiederbewaffnung in der BRD und DDR.
- Vergleich der Aufarbeitung von Kriegsverbrechen und Elitenkontinuität im internationalen Kontext.
- Wandel des deutschen Nationalbewusstseins im europäischen Kontext nach 1945.
Auszug aus dem Buch
Die Stunde Null – Ende und Neuanfang zugleich
Nach dem zweiten Weltkrieg hat das deutsche Volk eine solche Katastrophe zu verkraften gehabt wie sie in der Geschichte ohne Beispiel ist. An dem Begriff Katastrophe scheiden sich jedoch heutzutage die Geister, man spricht stattdessen von Befreiung. Im Jahre 1945 konnten die Deutschen ihre Niederlage allerdings nicht so recht als Befreiung begreifen. Die Städte waren zerbombt, viele hatten ihre Heimat verlassen müssen und im Gegensatz zu den im Kriege von der Reichsregierung streng und effektiv rationierten Lebensmittelzuteilungen gab es nun großen Mangel an Essbarem.
Nichts desto trotz begann der Wiederaufbau. Mitte der 50er Jahre nahm die Not ein Ende und es kam im Westen zum viel beschworenen Wirtschaftswunder. Aber es hatten sich zwei deutsche Staaten herausgebildet, die sich unterschiedlichen gesellschaftlichen Modellen unterwarfen und dementsprechend die NS-Vergangenheit unterschiedlich behandelten. Diese doppelte Vergangenheitsbewältigung kristallisierte sich umso mehr heraus je weiter sich die ehemaligen Siegermächte voneinander entfernten. Ein Problem, mit dem man sich in Ost und West konfrontiert sah, war die Tatsache, dass viele der ehemaligen Eliten Deutschlands hohe Posten und Ämter unter der Nazi-Diktatur bekleidet hatten.
Es musste nun wie ein Hohn wirken, dass Richter, die Unrechtsurteile sprachen jetzt wieder ihrem Beruf in einem zu entnazifizierenden Staat nachgehen sollten. Viele von ihnen waren aber auch sehr erfolgreich darin ihre Vergangenheit zu vertuschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der doppelte Ausstieg aus der Geschichte: Untersuchung der historischen Ausgangslage nach 1945 und der unterschiedlichen Strategien der beiden deutschen Staaten bei der Bewältigung der NS-Erblast.
1.1 Die Stunde Null – Ende und Neuanfang zugleich: Analyse der sozio-politischen Neuausrichtung in West- und Ostdeutschland unter Berücksichtigung von Systemfragen, Wiederbewaffnung und dem Umgang mit historischen Traditionen.
Schlüsselwörter
Stunde Null, Vergangenheitsbewältigung, BRD, DDR, Nationalsozialismus, Wiederaufbau, Wiederbewaffnung, Kalter Krieg, Kontinuität, Identitätswahrnehmung, Souveränität, Eliten, NS-Vergangenheit, Besatzungszonen, politische Kultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik nach dem Zweiten Weltkrieg und deren Auswirkungen auf die politische Identität.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die unterschiedliche Vergangenheitsbewältigung, der Umgang mit ehemaligen NS-Eliten, der Prozess der Wiederbewaffnung im Kontext des Kalten Krieges und die Entwicklung eines neuen deutschen Selbstverständnisses.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die zwei deutschen Staaten nach 1945 unterschiedlich von ihrer Vergangenheit distanzierten und welche Anknüpfungspunkte sie für ihre Identitätsbildung suchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dem Text angewandt?
Der Autor wählt einen essayistischen Ansatz, der historische Ereignisse analysiert, sie in einen größeren europäischen Kontext einbettet und durch soziologische sowie politikwissenschaftliche Perspektiven interpretiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil analysiert die rechtlichen und gesellschaftlichen Unterschiede zwischen BRD und DDR, die Rolle der Alliierten bei der Elitenbeschäftigung und die Debatten um die Wiederbewaffnung in beiden Staaten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Vergangenheitsbewältigung, Stunde Null, Wiederbewaffnung, NS-Vergangenheit und die politische Kultur der Nachkriegszeit.
Wie unterscheidet sich der Umgang mit NS-Verbrechen in der DDR im Vergleich zur BRD?
Während die DDR den Nationalsozialismus primär als Herrschaftsform des Kapitalismus deutete und sich als Antifaschismus-Staat definierte, suchte die BRD nach Wegen, sich in das westliche demokratische System einzugliedern, bei gleichzeitiger Last der Rechtsnachfolge des Dritten Reiches.
Welche Rolle spielten internationale Konflikte bei der deutschen Wiederbewaffnung?
Der Kalte Krieg, die Berlin-Blockade und der Koreakrieg erhöhten den Druck auf beide deutschen Staaten, eigene Streitkräfte aufzubauen, um die jeweilige ideologische Position im Ost-West-Konflikt zu stärken.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der Fußballweltmeisterschaft 2006 auf das deutsche Nationalbewusstsein?
Der Autor sieht in dem Ereignis einen möglichen Wendepunkt im Umgang mit nationalen Symbolen wie der Flagge, wobei offen bleibt, ob dies den Beginn einer neuen Identitätswahrnehmung darstellt.
Welche Parallelen zieht der Autor zu Japan und Österreich?
Der Vergleich dient dazu, die Einzigartigkeit des deutschen Weges zu hinterfragen, indem er aufzeigt, dass auch andere Staaten ihre NS- bzw. Kriegsvergangenheit teilweise verdrängten oder politisch instrumentalisierten.
- Quote paper
- M.A. Markus Glatzel (Author), 2007, Deutsche Nachkriegsgeschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126123