Integration im Elementarbereich


Seminararbeit, 2003

17 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Integration im Elementarbereich
2.1 Aufgaben des Kindergartens
2.2 Rahmenbedingungen
2.3 Organisationsformen integrativer Betreuung
2.4 Tätigkeiten der Erzieher
2.5 Tätigkeiten der Eltern
2.6 Vor- und Nachteile der Integration

3. Integration im Kindergarten Bad Endbach
3.1 Rahmenbedingungen/Organisation
3.2 Tätigkeiten der Erzieher/der Eltern
3.3 Vor- und Nachteile der Integration

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Integration im Elementarbereich konnte in den letzten Jahren große Fortschritte verzeichnen, so dass in Deutschland heute bereits 43% aller behinderten Kinder in Regelkindergärten gemeinsam mit Nichtbehinderten betreut werden können (vgl. Cloerkes 2001 S.37).

Mit den damit einhergehenden Vor- und Nachteilen, der Tätigkeit der Erzieher, sowie der Rolle der Eltern, möchte ich mich in dieser Arbeit näher beschäftigen und einen Einblick in den Alltag der integrativen Regelkindergärten geben.

2. Integration im Elementarbereich

Die Anfänge der Integration behinderter Kinder liegen in den 70er Jahren. Betroffene Eltern kritisierten die Aussonderung ihrer Töchter und Söhne in Sonderschulkindergärten und konnten mit ihren Protesten erstaunliches veranlassen: Bereits 1980 gab es in Deutschland 60 Einrichtungen, die auf dem Konzept der Integration beruhten, jedoch über keine konkreten Rahmenbedingungen verfügten, so dass deren damalige Situation schlechter war als die der Sondereinrichtungen (vgl. Cloerkes 2001 S.222/223). Die Zahl der integrativen Kindergärten konnte jedoch trotzdem weiter ansteigen und im Laufe der Zeit bildeten sich vier grundlegende pädagogische Konzeptionen der integrativen Erziehung im Elementarbereich heraus:

- Der Aneignungstheoretische Ansatz:

Feuser, der Begründer dieses Ansatzes, definiert Integration folgendermaßen: „die gemeinsame Tätigkeit (spielen/lernen/arbeiten) am gemeinsamen Gegenstand/Produkt in Kooperation von behinderten und nichtbehinderten Menschen“ (Heimlich 1995 S.58). Die Integrationsmaßnahme steht also nicht im Mittelpunkt des Geschehens, sondern die Struktur der Integration wird als Ziel und Mittel der pädagogischen Förderung gesehen. Feuser hält eine Trennung von physischer, psychischer und sozialer Beeinträchtigung im Sinne der Behinderung nicht für relevant; er sieht Behinderung als eine Beeinträchtigung des menschlichen Aneignungsprozesses.

Als Theoriegrundlage seines Ansatzes führt Feuser das Adaptionsmodell von Piaget an, in dem die menschliche Entwicklung als Stufenfolge unterschiedlicher Fähigkeitsformen gesehen wird, die vom Ausführen einfacher Handlungsabläufe bis hin zu komplexen Tätigkeitsformen reicht.

- Der Psychoanalytisch-prozessorientierte Ansatz:

Reiser und eine von ihm ins Leben gerufene Projektgruppe entwickelte anhand von Modellversuchen zu integrativen Prozessen eine pädagogische Konzeption auf der Basis psychoanalytischer Theorieansätze. Eine genaue Definition des Begriffs Behinderung lehnt dieser ab: „Wir halten es im Zusammenhang mit pädagogischen Fragen für sinnvoller, von Kindern zu sprechen, die eine intensive Betreuung benötigen“ (Heimlich 1995 S.61).

Integration sieht Reiser als „Weg und Ziel der Bildung und Erziehung von Kindern mit Behinderungen“ (Heimlich 1995 S.62).

Als Erziehungsziel des psychoanalytisch-prozessorientierten Ansatzes nennt Heimlich die „Selbstwerdung“ und die Ausbildung einer „Ich-Identität“ des Heranwachsenden; alle Kinder sollen sich trotz ihrer Verschiedenheiten gegenseitig akzeptieren.

- Der Ökosystemische Ansatz:

Meister, der Begründer dieses Ansatzes, sieht eine Schädigung oder Leistungsminderung nicht zwangsläufig als Behinderung. Erst wenn man diese in Relation zur Umwelt stellt, wird sie zur Behinderung.

Unter Integration stellt Meister sich vor, dass auch Kinder mit unterschiedlichen Fähigkeiten miteinander leben, lernen und spielen können. Auch er stützt sich zusätzlich auf vorangegangene integrative Modellversuche und ist der Meinung, dass eine effektive Integration trotzdem nur mit zusätzlicher Förderung und Therapie durch Stützpädagogen möglich ist.

Als Ziel sieht er für die Behinderten eine selbständige Bewältigung ihrer Beeinträchtigungen.

- Der Situationsorientierte Ansatz:

Ein Projekt des Sozialpädagogischen Instituts (SPI) in Nordrhein-Westfalen versuchte die Integration von Behinderten mehr in den wirklichen Erziehungszusammenhang zu stellen und bezeichnete Integration als gemeinsame Erziehung und Bildung Behinderter und Nichtbehinderter. Auch hier wird als Ziel die Herausbildung eines Selbstwertgefühls genannt.

Dichans, einer der Vertreter dieses Ansatzes sieht das Hauptproblem der integrativen Kindergartengruppen in der großen Bandbreite der vorhandenen Kompetenzen der Kinder und hält es für notwendig, die Strukturierung der Gruppe sehr flexibel zu gestalten um jedem Kind gerecht werden zu können; in dieser Hinsicht muss eine Fort- und Weiterbildung gewährleistet sein. (vgl. Heimlich 1995 S.56-72)

Heute ist die vorschulische Erziehung von Behinderten in Regelkindergärten eine Selbstverständlichkeit und man kann davon ausgehen, dass jedes behinderte Kind im Kindergarten an seinem Wohnort betreut und gefördert werden kann und trotzdem in die regulären Lern- und Lebenszusammenhänge einbezogen ist, sofern dies von den Eltern gewünscht wird. (vgl. Cloerkes S.223)

2.1 Aufgaben des Kindergartens

Um ein Kind auf sein späteres Leben und den Schulalltag vorzubereiten, kommen auf die Erzieher eine Reihe von Aufgaben zu. Diese sollten sich in erster Linie der persönlichen Entwicklung des Kindes widmen, damit es, wenn es den Kindergarten verlässt, fähig ist eigene Entscheidungen zu treffen. Es sollte im Laufe der Zeit lernen Verantwortung zu übernehmen und zur Selbständigkeit erzogen werden, sowie seinen Mitmenschen Hilfsbereitschaft und Toleranz entgegenbringen. Auch die Förderung des Denkvermögens, der motorischen Fähigkeiten und des sprachlichen Ausdrucks stehen auf dem „Bildungsplan“ des Kindergartens, wobei die Phantasie und Kreativität nicht auf der Strecke bleiben sollte (vgl. Sander/Raidt S. 88).

Damit sich ein Kind optimal entwickeln kann, muss es sich aktiv mit seiner Umwelt auseinandersetzen. In spielerischer Form lassen sich Motorik und Sinne folgendermaßen ausbilden:

Mit Bauklötzen, Puzzlespielen, Einfädelperlen, Bällen usw. wird die Motorik gefördert. Töne, Geräusche und Klänge (Musikinstrumente) dienen der auditiven Anregung; Farbkontraste, Durchsichtigkeit und Formen der visuellen Auffassung. Auch Fühlen (Noppenbälle, Oberflächen- und Materialunterschiede), Riechen („Duftlotto“) und Schmecken („Blinde Kuh“) sollten trainiert werden. Das Balancieren auf Geräten und Balken oder Schaukeln, Wippen und Rutschen bildet den Gleichgewichtssinn. Die Raumauffassung wird weiterhin durch schräge Flächen, Abstände und Höhenunterschiede gefördert.

Auch die Kommunikation nimmt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung ein, welche zum Beispiel durch Rollenspiele/Theaterspiel gefördert wird.

Durch die emotionale Zuwendung zum Kind wird das aktive Tätigwerden erst ermöglicht und unterstützt. Es gibt ihm zusätzlich Sicherheit und Selbstvertrauen.

Es ist wichtig, dass nicht nur die Schwächen des Kindes gefördert werden, sondern auf alles gleichermaßen Wert gelegt wird. Zusätzlich können dann Wahrnehmungsprogramme, Krankengymnastik, Sprachtraining usw. durchgeführt werden, jedoch nach Möglichkeit nicht als Einzelförderung, sondern im sozialen Zusammenhang des Kindes. Es sollte außerdem darauf geachtet werden, dass sich dieses dadurch nicht überfordert fühlt.

(vgl. Meister 1991 S.130-133; Heimlich 1995 S. 275-282)

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Integration im Elementarbereich
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V12619
ISBN (eBook)
9783638184595
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Integration, Elementarbereich
Arbeit zitieren
Marlis-Sabine Richardt (Autor), 2003, Integration im Elementarbereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12619

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