„Auctoritas, non veritas facit legem.“ – „Autorität, nicht Wahrheit schafft das Recht.”
Durchaus im Sinne dieses Ausspruchs von Hobbes, erarbeitete Carl Schmitt politische Theorien und Rechtsvorstellungen mit Fokus auf einen starken, souveränen Staat.
Die Aktualität seiner Theorien bestätigt ein Blick in die Presselandschaft, in der seit dem Beginn der Finanzkrise nahezu täglich die Forderung nach größerer Staatsmacht gestellt und der Wirtschaftsliberalismus kritisiert wird.
Für Schmitt setzt dieser „Begriff des Staates […] den Begriff des Politischen voraus“ und damit nicht eine simple Autorität in ökonomischen Fragen, sondern per se die Unterscheidung zwischen Freund und Feind, die alles Politische prägt.
Diese scheinbar archaische Definition von Politik findet sich jedoch nicht nur in nationalsozialistischer Ideologie, sondern auch in der Gegenwartspolitik wieder.
Die damit verbundenen Gefahren liegen auf der Hand und finden in den abschließenden Schlussfolgerungen ihren Platz. Zuvor ist es Aufgabe dieser Hausarbeit, die Ideologie des Nationalsozialismus und die Politik der US-Regierung von George W. Bush im „Krieg gegen den Terror“ auf Denkmuster aus Carl Schmitts „Begriff des Politischen“ zu untersuchen. Durch diese Nebeneinanderstellungen soll keinesfalls eine Gleichstellung politischer Motive versucht werden, auch wenn in der Argumentation Jennifer Van Bergen zitiert wird, die die USA unter Bush „on the road to fascism“ sieht. Vielmehr verdeutlicht dies das Problem, zu einem noch immer sehr aktuellen und emotionalen Thema objektive Sekundärliteratur zu wählen. Daher wurden die Angaben von fünf politisch unterschiedlichen Autoren zu diesem Themengebiet abgeglichen.
Auf dieser Grundlage sollen bestehende und vergangene ideologische Muster sachlich und ohne die von Schmitt geschätzte Polemik untersucht werden, um zu erkennen, ob das Freund-Feind-Denken noch heute als eine Gefahr für die bürgerliche Freiheit oder sogar als Vorbote des Endes der Demokratie betrachtet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Freund-Feind-Unterscheidung nach Carl Schmitt
2.1. Zur Person Carl Schmitt
2.2. Die Freund-Feind-Unterscheidung im „Begriff des Politischen“
3. Das Freund-Feind-Bild im Nationalsozialismus
4. Das Freund-Feind-Bild im US-amerikanischen „Krieg gegen den Terror“
5. Die Gefährdung bürgerlicher Freiheit durch das Freund-Feind-Denken
6. Das Freund-Feind-Denken – Anfang vom Ende der Demokratie?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz der politischen Theorie Carl Schmitts, insbesondere dessen Konzept der Freund-Feind-Unterscheidung, durch eine Analyse historischer und zeitgenössischer politischer Phänomene, um die Gefahren dieses Denkmusters für bürgerliche Freiheiten und demokratische Prozesse aufzuzeigen.
- Biografische und theoretische Einordnung von Carl Schmitt
- Analyse des Freund-Feind-Konzepts im Nationalsozialismus
- Untersuchung der ideologischen Grundlagen des US-amerikanischen "Krieges gegen den Terror"
- Diskussion der Auswirkungen von Freund-Feind-Dichotomien auf die bürgerliche Freiheit
- Kritische Reflexion über das Potenzial von Feindbildern zur Aushöhlung demokratischer Strukturen
Auszug aus dem Buch
2.2. Die Freund-Feind-Unterscheidung im „Begriff des Politischen“
„Der Begriff des Politischen“ war ursprünglich ein Vortrag Schmitts, den er im Mai 1927 in Berlin hielt. Nach zwei Abdrucken 1927 und 1928 erschien 1932 eine erweiterte Fassung mit einem Nachwort von 1931. 1934 veröffentlichte er eine erneut überarbeitete Version, in der sein Versuch sehr deutlich wird, in der Gunst des NS-Regimes weiter aufzusteigen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er in der aktuellen Fassung von 1963 stattdessen auf den 32er Text zurückgreift und ihn um drei „Corollarien“ erweitert. Den hier aufgeführten Analysen liegt folglich auch diese Textversion zu Grunde, da sie vermutlich Schmitts Intentionen am genauesten widerspiegelt.
Das Buch beginnt mit der „abstrakt formulierte[n] These“ „Der Begriff des Staates setzt den Begriff des Politischen voraus.“ Schmitt verwehrt sich darin gegen eine Gleichsetzung der beiden Begriffe. Für ihn ist der Staat „ein besonders gearteter Zustand eines Volkes, und zwar der im entscheidenden Fall maßgebende Zustand und deshalb […] der Status schlecht hin.“
Wie eng dieser Begriff mit dem Politischen verwandt ist, zeigt jedoch Schmitts Definition: „Politisch ist jedenfalls immer die Gruppierung, die sich an dem Ernstfall orientiert. Sie ist deshalb immer die maßgebende Gruppierung, die politische Einheit infolgedessen immer […] die maßgebende Einheit.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Freund-Feind-Unterscheidung als zentrales politisches Kriterium bei Carl Schmitt und deren Relevanz für aktuelle sowie historische politische Diskurse.
2. Die Freund-Feind-Unterscheidung nach Carl Schmitt: Detaillierte Betrachtung der Biografie Carl Schmitts und der theoretischen Herleitung seines Konzepts vom Politischen als Unterscheidung zwischen Freund und Feind.
3. Das Freund-Feind-Bild im Nationalsozialismus: Untersuchung, wie die nationalsozialistische Ideologie das jüdische Feindbild instrumentalisierte, um politische Ziele zu legitimieren und den Staat auf eine rassenideologische Grundlage zu stellen.
4. Das Freund-Feind-Bild im US-amerikanischen „Krieg gegen den Terror“: Analyse der ideologischen Begründungen der US-Regierung unter Bush, welche die terroristische Bedrohung durch eine absolute Freund-Feind-Polarisierung rahmt.
5. Die Gefährdung bürgerlicher Freiheit durch das Freund-Feind-Denken: Untersuchung der negativen Konsequenzen von Feindbildern auf demokratische Rechte, illustriert am Beispiel der legislativen Einschränkungen durch den Patriot Act.
6. Das Freund-Feind-Denken – Anfang vom Ende der Demokratie?: Zusammenfassende kritische Reflexion darüber, ob und wie die Polarisierung der Politik durch Feindbilder die Basis für demokratische Debatten und den Erhalt freiheitlicher Werte untergräbt.
Schlüsselwörter
Carl Schmitt, Freund-Feind-Unterscheidung, Politischer Begriff, Nationalsozialismus, Krieg gegen den Terror, Bürgerliche Freiheit, Patriot Act, Politische Theorie, Totalitarismus, Demokratie, Feindbild, Ideologie, Staatlichkeit, Radikalisierung, Politische Polarisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das theoretische Konzept der Freund-Feind-Unterscheidung von Carl Schmitt und analysiert dessen Anwendung in historischen (Nationalsozialismus) sowie modernen (Krieg gegen den Terror) politischen Kontexten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen politische Philosophie, totalitäre Herrschaftsstrukturen, die Einschränkung bürgerlicher Freiheiten durch staatliche Maßnahmen sowie die Wirkungsweise von Feindbildern in der Ideologiebildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie das Freund-Feind-Denken als Instrument der Polarisierung fungiert und inwiefern es demokratische Grundwerte und den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse und theoretische Untersuchung, die bestehende Konzepte Schmitts mit politischen Realitäten und Handlungen abgleicht und diese kritisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch Schmitts „Begriff des Politischen“ sowie zwei Fallstudien zur Anwendung dieses Denkens im Nationalsozialismus und in der US-Politik nach 2001.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Carl Schmitt, Freund-Feind-Unterscheidung, Demokratiegefährdung, Patriot Act, Ideologieanalyse und politischer Radikalismus zusammenfassen.
Wie bewertet der Autor die Rolle des "inneren Feindes" in der Staatsführung?
Der Autor argumentiert, dass die Bestimmung eines inneren Feindes staatlicherseits häufig instrumentalisiert wird, um interne Konflikte zu unterdrücken und die bürgerliche Freiheit zugunsten eines erhöhten Sicherheitsbedürfnisses einzuschränken.
Gibt es einen klaren Vergleich zwischen den untersuchten historischen Epochen?
Ja, der Autor zieht Parallelen in der Wirkungsweise der Feindbilder, betont jedoch gleichzeitig, dass die Konsequenzen und das Ausmaß – etwa im Hinblick auf den Holocaust – nicht in einem direkten historischen Gleichsetzungskontext stehen.
- Citation du texte
- Peer Klüßendorf (Auteur), 2009, Das Freund-Feind-Denken nach Carl Schmitt – Anfang vom Ende der Demokratie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126254