Unter der Fragestellung: „Welche Auswirkungen hat das Sprachschaffen Luthers im 16. Jahrhundert in Bezug auf die deutsche Lexik?“, soll Luthers Rolle in der von Gerhard Ising angesprochenen Vereinheitlichung im Wortschatz diskutiert werden. Da verschiedene Ansichten in der Forschung bereits erwiesen sind, stellt sich dieses Thema als besonders relevant heraus. Gerade der Teilaspekt des lutherischen Wortschatzes, auch die „Luthersprache“ genannt, weist in der Literatur verschiedene Standpunkte auf.
Luthers Sprachschaffen in Bezug auf die deutsche Lexik im Laufe des 16. Jahrhunderts eröffnet einen Blickwinkel auf das Wirken Luthers im deutschsprachigen Raum seiner Zeit bis hin zu den heutigen Auswirkungen. Ausgehend von dem durch Erwin Arndt geprägten Begriff des: „Sprachschaffens“ sollen in der Arbeit zum einen der Einfluss Luthers im 16. Und 17. Jahrhundert auf der regionalen und überregionalen Ebene der Lexik behandelt und zum anderen der Einfluss des lutherischen Wortschatzes bis heute thematisiert werden. Das Sprachschaffen nach Arndt ist die Hinwendung Luthers zu einem Sprachgebrauch, der bis heute eine lebendige Sprache hervorgerufen und den Wortschatz geprägt hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Luther und sein Sprachschaffen – Die Entwicklung einer überregionalen Sprache
2.1 Der Ausgleichprozess
3. Luther und sein Sprachschaffen bis heute – die Luthersprache
3.1 Luthersprache- Beispiele zur Verdeutlichung des Sprachschaffens
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss Martin Luthers auf die Entwicklung der deutschen Lexik im 16. und 17. Jahrhundert sowie die bis heute anhaltende Wirkung seines Sprachschaffens. Zentrale Forschungsfrage ist dabei, welche spezifischen Auswirkungen Luthers Sprachschaffen auf die deutsche Sprache hatte.
- Die Entstehung einer überregionalen deutschen Schriftsprache.
- Die Rolle Luthers als prägendes Bindeglied im sprachlichen Austausch.
- Die Analyse des Begriffs der "Luthersprache" in der germanistischen Forschung.
- Der Einfluss der Bibelübersetzung als maßgeblicher Faktor für den Wortschatz.
- Die Bedeutung von Ausgleichprozessen und Wortbildung bei der Vereinheitlichung.
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Ausgleichprozess, die Wortbildungskraft und die Wortgebundenheit
Als „Ausgleichprozess“ wird in der Forschung der Prozess beschrieben, welcher zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert stattfand und den Austausch der regionalen Sprachen und dem Grundwortschatz bezeichnet. Für diese Arbeit relevant ist die genaue Betrachtung, inwieweit Luthers Wortschatz des regionalen ostmitteldeutschen sich durch den Ausgleichprozess veränderte oder den generellen Gebrauch des deutschen Wortschatzes beeinflusste.
Das in der Einleitung bereits angeführte Zitat Luthers aus seinen Tischreden kennzeichnete laut der Forschung zum ersten Mal die Entwicklungstendenz hin zu einem Ausgleich innerhalb der deutschen Sprache, auch in Bezug auf die schriftsprachlichen Dialekte. Allgemein beschreibt die Forschung unter Anderem auch zwei größere Gegensätze, die in den Ausgleichprozess mit hineinspielen. So erwähnt nicht nur Ising in der Literatur den Nord- Süd sowie den West- Ost Gegensatz. Die Gegensätze beschreiben die regional konkurrierenden Worträume, die sich durch konkurrierende Bezeichnungen kennzeichnen ließen. Ising stellt beispielhaft für den Gegensatz zwischen Norden und Süden die Wörter ufer und gestade, norden und mitternacht, mittag und süden und pferd und roß gegenüber. Die allgemein herrschenden Gegensätze der regionalen Worträume gelten als Voraussetzung für den von Luther beeinflussten Ausgleichprozess.
Während des Ausgleichprozesses fanden verschiedene Arten des Ausgleiches nach Luther statt. Diese werden im Folgenden nach Gerhard Ising angeführt. Zum einen betont Gerhard Ising die Wörter, die Luther aus seiner Sprache übernommen hat. Anzuführen sind hier: Wehmutter, steupen, und glum. Dabei filterten sich bereist Wörter heraus, die auch in dem heutigen Wortgebrauch noch zu finden sind. Dazu zählen: Hügel anstelle von hövel. Luther hatte in der biblischen Übersetzung bereits mit hübel übersetzt, da es in der Gesamtsprache weit verbreitet war. Ising nennt als weitere Auswirkung den Gegensatz des Nordens und des Südens. Luthers geografische Lage, die bereits angesprochen wurde, fiel direkt in die allgemeine Beschäftigung mit gegensätzlichen Ausdrücken innerhalb des deutschen Gebiets.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in Luthers Sprachschaffen ein, erläutert die forschungsgeschichtliche Relevanz anhand von Begriffen wie „Sprachschaffen“ nach Erwin Arndt und formuliert die zentrale Forschungsfrage zur Auswirkung auf die deutsche Lexik.
2. Luther und sein Sprachschaffen – Die Entwicklung einer überregionalen Sprache: Hier wird der Einfluss Luthers auf die regionale und überregionale Lexik untersucht, wobei insbesondere seine geografische Herkunft und die Übersetzung der Bibel als Voraussetzungen analysiert werden.
2.1 Der Ausgleichprozess: Dieses Kapitel detailliert den Prozess des sprachlichen Ausgleichs zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert, bei dem Luther als Bindeglied zwischen regionalen Worträumen agierte und zur Wortbildung beitrug.
3. Luther und sein Sprachschaffen bis heute – die Luthersprache: Das Kapitel diskutiert den Begriff der „Luthersprache“, hinterfragt die kontroverse Forschungsposition Luthers als „Schöpfer“ der Sprache und beleuchtet die langfristige Wirkung seiner Syntax und Wortwahl.
3.1 Luthersprache- Beispiele zur Verdeutlichung des Sprachschaffens: Anhand konkreter Redewendungen und Beispiele wird verdeutlicht, wie Luthers Wortschatz sich über Jahrhunderte erhalten konnte und bis heute im deutschen Sprachgebrauch präsent ist.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Luther durch seinen Ausgleichprozess und seine übersetzerische Leistung maßgeblich zur Vereinheitlichung des Wortschatzes beitrug, ohne dass er dabei als alleiniger „Schöpfer“ der Sprache betrachtet werden sollte.
Schlüsselwörter
Luther, Sprachschaffen, Luthersprache, Lexik, Ausgleichprozess, Wortgeografie, Schriftsprache, Bibelübersetzung, Wortschatz, Wortbildung, Sprachgeschichte, Sprachmächtigkeit, Neuhochdeutsch, Regionaldialekt, Sprachgebrauch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Einfluss Martin Luthers auf die Entwicklung und Vereinheitlichung der deutschen Lexik während des 16. und 17. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind der durch Luther angestoßene sprachliche Ausgleichprozess, die Bedeutung seiner Bibelübersetzung für den Wortschatz sowie die wissenschaftliche Debatte um den Begriff der "Luthersprache".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Frage zu beantworten, welchen spezifischen Einfluss Luthers Sprachschaffen auf die Herausbildung einer einheitlichen deutschen Wortwahl hatte.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, die verschiedene germanistische Forschungspositionen und sprachwissenschaftliche Quellen vergleicht, um die Rolle Luthers zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entstehung einer überregionalen Sprache, die Prozesse der Wortbildung und Wortgebundenheit sowie die forschungsgeschichtliche Diskussion Luthers als "Kettenglied" versus "Schöpfer" der Schriftsprache.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen Luthersprache, Sprachschaffen, Ausgleichprozess, Lexik, Wortgeografie und Standardisierung der deutschen Sprache.
Welche Bedeutung kommt der geografischen Herkunft Luthers zu?
Seine Herkunft aus Thüringen wird als Übergangsgebiet betrachtet, das es ihm ermöglichte, verschiedene Sprachlandschaften zu beeinflussen und einen überregionalen Wirkungsradius zu entfalten.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Bibelübersetzung?
Die Übersetzung wird als ein entscheidender Faktor gesehen, der durch die Verwendung spezifischer Begriffe und ein „Prestige des Lutherdeutschen“ ein einheitliches Wortschatz-Vehikel für das deutsche Sprachgebiet schuf.
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- Anonym (Autor:in), 2020, Welche Auswirkungen hat das Sprachschaffen Luthers im 16. Jahrhundert in Bezug auf die deutsche Lexik?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1262653