Diese Arbeit untersucht die Frage, inwieweit die gezeigten Körper in dem Comic "Die Verwerfung -Eine Geschichte aus dem Dreißigjährigen Krieg" von Lukas Kummer über ihre Grenzen hinausgetrieben werden. Dabei werden besonders die reinen körperlichen (physischen) Grenzen und die Geschlechtergrenzen, unter Berücksichtigung der körperlichen Voraussetzungen, sowie der erwarteten Geschlechterrollen, betrachtet. Es werden nicht nur die gezeigten Körper auf ihre dargestellten Merkmale untersucht, sondern auch Glaubwürdigkeit der Darstellung hinterfragt. Die graphische Erzählung zeigt ihre Welt in Graustufen, wodurch die Darstellbarkeit von Körpern und ihrer Umwelt auf der Farbebene stark eingeschränkt ist. Gleichzeitig gewährt dieser Umstand dem Rezipienten jedoch eine größere Offenheit bei der eigenen Interpretation der Abbildung.
Um die Merkmale und Besonderheiten von “Die Verwerfung” in Bezug auf die Untersuchungspunkte herausstellen zu können, werden Bezüge und Vergleiche zu zeitgenössischen als auch aktuellen Werken begutachtet. Bei der Untersuchung von Geschlechterrollen, -grenzen und deren Überschreitung werden in dieser Arbeit historische Vorstellungen von Mann und Frau genutzt. Körper unterliegen im Comic besonderen Regeln und sind in der Lage Begrenzungen der Realität zu sprengen. Durch ihre Darstellung als Symbole mit unterschiedlichen Abstraktionsgrad können sie Begrenzungen physischer Körper überschreiten. Gleichzeitig ermöglicht die Vereinfachung und Abstrahierung von Körpern für die Lesenden eine Konzentration auf bestimmte Details und bietet Ansatzpunkte für Identifizierung und Interpretation.
Verstärkt wird dies durch die Auswahl von bestimmten Perspektiven und Einstellungsgrößen, wodurch eine Führung des Rezipienten durch Autoren und Illustratoren erfolgt. Körper werden somit mehr, als nur die Darstellung von äußerlichen Merkmalen, welche optisch an realen Menschen ersichtlich sind. Sie sind nicht selten auch eine Verkörperung des Innenlebens und eine Metapher für tiefergehende Konflikte. In Lukas Kummers Comic befinden sich Körper im Ausnahmezustand des Kriegs. Durch das Geschwisterpaar Jakob und Johanna wird den LeserInnen die Welt des dreißigjährigen Krieges zugänglich gemacht.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Zwischen den Geschlechtern
- Der männliche und weibliche Körper im 17. Jahrhundert
- Scheitern in der männlichen Rolle
- Johanna, Johann und Harald
- Jakob
- Körper aus den Augen der Erzählerin
- Verwundbarkeit und Abscheu
- Aggressivität und Weiblichkeit
- Der auf Distanz gehaltene Leser
- Zerstörte Körper
- Sag- und Zeigbares
- Entmenschlichung durch Sprache und Bild
- Die Zerstörung von Körpern und ihre Konsequenzen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Masterarbeit untersucht die Darstellung von Körpern im Comic "Die Verwerfung" von Lukas Kummer vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, inwieweit die gezeigten Körper über ihre physischen und geschlechtsspezifischen Grenzen hinausgetrieben werden.
- Körper im Comic als Symbole mit unterschiedlichen Abstraktionsgraden
- Körper im Krieg als Ausdruck von Gewalt, Hunger und körperlicher Anstrengung
- Das Spannungsfeld zwischen Kind und Erwachsener im Kontext des Krieges
- Die Darstellung von Geschlechterrollen und deren Überschreitung
- Die Bedeutung von Körperlichkeit und deren Einfluss auf die Interpretation des Comics
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der Körperdarstellung im Comic ein und stellt den Fokus der Arbeit auf den Krieg als Kontext und die besondere Bedeutung von Körperlichkeit im 17. Jahrhundert dar.
Kapitel 2 untersucht das Spannungsfeld zwischen den Geschlechtern im Comic. Es analysiert die Darstellung des männlichen und weiblichen Körpers im 17. Jahrhundert und beleuchtet die Herausforderungen, die mit dem Scheitern in der männlichen Rolle verbunden sind.
Kapitel 3 widmet sich der Perspektive der Erzählerin und untersucht die Darstellung von Verwundbarkeit, Abscheu und Aggressivität in Bezug auf den Körper.
Kapitel 4 analysiert die Darstellung zerstörter Körper im Comic und untersucht die Folgen von Entmenschlichung durch Sprache und Bild.
Schlüsselwörter
Körperdarstellung, Comic, "Die Verwerfung", Lukas Kummer, Dreißigjähriger Krieg, Geschlecht, Geschlechterrollen, Gewalt, Kriegstrauma, Entmenschlichung, Körperliche Grenzen, Perspektiven, Interpretation, Abstraktion, Symbol.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dem Comic „Die Verwerfung“?
Der Comic von Lukas Kummer erzählt die Geschichte der Geschwister Jakob und Johanna während des Dreißigjährigen Krieges und thematisiert Gewalt, Hunger und körperliche Grenzen.
Wie werden Körper im Comic dargestellt?
Körper werden als Symbole mit unterschiedlichen Abstraktionsgraden gezeigt, die oft das Innenleben der Figuren oder die Grausamkeit des Krieges widerspiegeln.
Welche Rolle spielen Geschlechtergrenzen in der Geschichte?
Die Arbeit untersucht das Scheitern in männlichen Rollen und die Überschreitung historischer Vorstellungen von Mann und Frau im Ausnahmezustand des Krieges.
Warum ist der Comic in Graustufen gezeichnet?
Die Graustufen schränken die Farbenebene ein, gewähren dem Leser jedoch eine größere Offenheit bei der Interpretation der Abbildungen und der Atmosphäre.
Was bedeutet „Entmenschlichung durch Sprache und Bild“?
Es beschreibt, wie durch die visuelle und sprachliche Darstellung im Comic die Individualität der Opfer geraubt wird, um die Schrecken des Krieges zu verdeutlichen.
- Quote paper
- Anne Scholz (Author), 2022, Lukas Kummers Comic “Die Verwerfung. Eine Geschichte aus dem Dreißigjährigen Krieg”. Darstellung von Körper, Geschlecht und Krieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1263137