Seit 2003 steht die Chinesische Regierung, insbesondere von US-amerikanischer Seite, in der Kritik ihre Währung den Renminbi (Yuan) künstlich niedrig zu halten, um die heimischen Exporte zu begünstigen bzw. Importe zu erschweren. Die US-Regierung führt die in den letzten Jahren stark gewachsenen Leistungsbilanz-defizite zumindest teilweise auf diesen Zustand zurück.
In dieser Arbeit wird untersucht, ob und inwieweit der reale Wechselkurs des chinesischen Renminbi gegenüber einem Währungskorb sowie dem US-Dollar unterbewertet ist. Zu diesem Zweck wird ein gleichgewichtiger Wechselkurs mit Hilfe eines ökonometrischen Modells (BEER) berechnet. Darauf aufbauend werden die Beziehungen zwischen den in dem Modell enthaltenen Variablen analysiert und die Dauer ermittelt bis eine Abweichung von dem errechneten Gleichgewicht eliminiert wurde. Die Arbeit gelangt zu dem Ergebnis, dass der Renminbi (RMB) gegenüber dem Währungskorb mit 4-8% Ende 2007 moderat unterbewertet war. Innerhalb eines halben Jahres werden knapp zwei Drittel dieser Abweichung beseitigt.
Die Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut: In Kapitel 2 wird die Entwicklung des chinesischen Wechselkurssystems dargestellt und der Wert des Renminbi anhand einiger makroökonomischer Indikatoren diskutiert. In Kapitel 3 werden die wichtigsten Theorien zur Ermittlung von gleichgewichtigen Wechselkursen erklärt und diskutiert. Im vierten Kapitel wird auf den aktuellen Stand der Forschung eingegangen und die zur Verfügung stehenden Theorien mit Bezug auf China evaluiert. In Kapitel 5 sollen diejenigen statistischen Kenntnisse vermittelt werden, die zur Wechselkursanalyse nach der in Kapitel 4 ausgewählten BEER Methode notwendig sind. In Kapitel 6 werden diese zur Anwendung gebracht und die Ergebnisse analysiert. Im Schlusskapitel werden die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammengefasst sowie ein Ausblick in die Zukunft gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der chinesische Renminbi
2.1 Historische Entwicklung des chinesischen Wechselkurssystems
2.2 Indikatoren einer Unterbewertung
3 Theorien gleichgewichtiger Wechselkurse
3.1 Arbitragegleichgewichte
3.1.1 Die Kaufkraftparitätentheorie (PPP)
3.1.2 Die ungedeckte Zinsparität (UIP)
3.2 Zahlungsbilanz und realer Wechselkurs
3.3 Gleichgewicht und Abweichung des realen Wechselkurses
3.4 Modelle gleichgewichtiger Wechselkurse
3.4.1 Das monetäre Modell
3.4.2 Der Balassa-Samuelson Effekt
3.4.3 Eingleichungsschätzansätze
3.4.3.1 Die Kombination von PPP und UIP
3.4.3.2 Equilibrium Real Exchange Rate (ERER)
3.4.3.3 Behavioral Equilibrium Exchange Rate (BEER)
3.4.3.4 Permanent Equilibrium Exchange Rate (PEER)
3.4.4 Ansätze des Makroökonomischen Gleichgewichts (Underlying Balance Approach)
3.4.4.1 Fundamental Equilibrium Exchange Rate (FEER)
3.4.4.2 Die Natural Real Exchange Rate (NATREX)
4 Der gleichgewichtige Renminbi
4.1 Stand der Forschung
4.2 Evaluation der Modelle
5 Methodische Grundlagen
5.1 Stochastische Prozesse
5.1.1 Stationarität und Nichtstationarität
5.1.2 Differenzenstationarität und Trendstationarität
5.1.3 Einheitswurzeltests
5.2 Vektorautoregressive Modelle (VAR)
5.3 Kointegration
5.3.1 Definition und Eigenschaften
5.3.2 Fehlerkorrekturmodell
5.3.3 Test und Schätzung
5.3.3.1 Engle-Granger
5.3.3.2 Johansen
5.4 Spezifikationstests
5.4.1 Informationskriterien
5.4.2 Test auf Autokorrelation
5.4.3 Test auf Normalverteilung
5.4.4 Test auf Heteroskedastizität
6 Schätzung der BEER
6.1 Daten und Quellen
6.2 Vorgehen und Ergebnisse
6.2.1 Modell 1
6.2.2 Die effektive BEER
6.2.2.1 Modell 2
6.2.2.2 Modell 3
6.2.2.3 Kontrafaktische Simulation
6.2.3 Die bilaterale BEER
7 Schluss
Anhang
A Kapitel 2
A.1 Zahlungsbilanz, Volkseinkommen, Nettoauslandsvermögen
B Kapitel 3
B.1 Nominale und reale UIP
B.2 Marshall-Learner Bedingung
B.3 Herleitung der Gesamtabweichung des RWK
B.4 Der Balassa-Samuelson Effekt
C Kapitel 4
C.1 Studien zum chinesischen Renminbi seit 2000
D Kapitel 5
D.1 Arten von nichtstationären Prozessen
D.2 Kointegration und stochastische Trends
D.3 Vom VAR zum VECM
D.4 Vektoren und Matrizen
E Kapitel 6
E.1 Graphische Darstellung der Variablen
E.2 CPI, PPI und BIP Deflator
E.3 Modell 1
E.4 Modell 2
E.5 Modell 3
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, den realen Wechselkurs des chinesischen Renminbi (RMB) quantitativ zu untersuchen und festzustellen, ob dieser gegenüber einem Währungskorb sowie dem US-Dollar unterbewertet ist. Dabei wird mittels eines ökonometrischen Modells (BEER) der gleichgewichtige Wechselkurs berechnet, die Dauer von Abweichungen analysiert und die Stabilität des Wechselkurssystems bewertet.
- Analyse der historischen Entwicklung des chinesischen Wechselkurssystems
- Theoretische Fundierung gleichgewichtiger Wechselkurse und deren Modelle
- Methodische Grundlagen der Zeitreihenanalyse (Kointegration, VECM)
- Empirische Schätzung der BEER für den RMB
- Kontrafaktische Simulationen zur Bewertung der Währungsunterbewertung
Auszug aus dem Buch
3.4.3. Eingleichungsschätzansätze
Eingleichungsmodelle haben im Gegensatz zu den bisher behandelten Konzepten eher einen ökonometrischen Schwerpunkt als eine breite theoretische Fundierung. Das allgemeine Vorgehen kann in den folgenden drei Schritten zusammengefasst werden (Edwards & Savastano 1999: 42-45):
1. Es wird ein Gleichgewicht zwischen dem realen Wechselkurs und ausgewählten Fundamentaldaten in Form einer Gleichung in reduzierter Form wie (3.8) bzw. (3.9) identifiziert. Die Auswahl der Fundamentaldaten richtet sich nach allgemeinen theoretischen Überlegungen sowie länderspezifischen Eigenschaften.
2. Die Parameter dieser Gleichung werden mit den geeigneten statistischen Methoden geschätzt.
3. Mit Hilfe der Parameter werden der gleichgewichtige Wechselkurs und die dazugehörige Abweichung vom aktuellen Wert ermittelt (Gleichungen 3.10 und 3.11).
Aufgrund der schwachen theoretischen Fundierung der Modelle variieren die verwendeten Fundamentalfaktoren und statistischen Verfahren von Studie zu Studie (Edwards & Savastano 1999: 46-60). Die folgenden Ansätze lassen sich dennoch voneinander abgrenzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Fragestellung zur Unterbewertung des chinesischen Renminbi und den methodischen Aufbau der quantitativen Untersuchung.
2. Der chinesische Renminbi: Dieses Kapitel liefert den historischen Hintergrund des chinesischen Wechselkurssystems und diskutiert makroökonomische Indikatoren, die auf eine Unterbewertung hinweisen könnten.
3. Theorien gleichgewichtiger Wechselkurse: Hier werden theoretische Grundlagen sowie verschiedene Modelle wie das monetäre Modell, der Balassa-Samuelson-Effekt und diverse Schätzansätze zur Bestimmung eines Gleichgewichtswechselkurses erörtert.
4. Der gleichgewichtige Renminbi: Dieses Kapitel evaluiert den Stand der Forschung zu China und prüft die Eignung der zuvor behandelten Modelle für eine Anwendung auf den chinesischen Kontext.
5. Methodische Grundlagen: Hier werden die statistischen Werkzeuge erläutert, insbesondere stochastische Prozesse, VAR-Modelle und Kointegration, die zur Durchführung der ökonometrischen Schätzung notwendig sind.
6. Schätzung der BEER: Das Kernkapitel beinhaltet die praktische Datenaufbereitung, die Modellbildung (Modell 1, 2 und 3) sowie die Schätzung und Interpretation der Ergebnisse zur Bewertung des Renminbi.
7. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des Renminbi unter Berücksichtigung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.
Schlüsselwörter
Renminbi, Wechselkurs, Unterbewertung, BEER, Kointegration, Zahlungsbilanz, Balassa-Samuelson-Effekt, Ökonometrie, Zeitreihenanalyse, VECM, China, Wirtschaftspolitik, Wechselkurssystem, Leistungsbilanz, Kapitalbilanz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der quantitativen Analyse des realen Wechselkurses des chinesischen Renminbi, um eine potenzielle Unterbewertung gegenüber dem US-Dollar und einem Währungskorb wissenschaftlich zu prüfen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Wechselkurstheorie, ökonometrische Methoden zur Zeitreihenanalyse, die spezifische Analyse des chinesischen Währungssystems sowie den empirischen Vergleich verschiedener Bewertungsmodelle.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Ermittlung des gleichgewichtigen Wechselkurses des Renminbi mittels eines BEER-Modells, um den Grad der Unterbewertung objektiv zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt ökonometrische Verfahren, insbesondere Vektorautoregressive Modelle (VAR), Kointegrationstests nach Johansen sowie Fehlerkorrekturmodelle (VECM) zur Analyse der Zeitreihendaten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden nach einer theoretischen Einleitung die Datengrundlage erläutert, mehrere BEER-Modelle geschätzt, deren Ergebnisse evaluiert und kontrafaktische Simulationen zur Bewertung der Währung durchgeführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Renminbi, Wechselkursunterbewertung, Kointegration, BEER-Modell, Balassa-Samuelson-Effekt und Zeitreihenanalyse.
Wie unterscheidet sich das Modell 2 vom Modell 3?
Modell 2 nutzt das Nettoauslandsvermögen (NAV) als zentrale Variable, während Modell 3 den Handelsbilanzsaldo für die Schätzung heranzieht, um die Robustheit der Ergebnisse zu kontrollieren.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Unterbewertung?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass der Renminbi Ende 2007 zwar moderat unterbewertet war, schätzt den Grad der Unterbewertung jedoch geringer ein als viele andere Studien, da er einen Handelsbilanzüberschuss für China als schwellenland-typisch und angemessen betrachtet.
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- Clemens Wörner (Author), 2009, Analyse des gleichgewichtigen realen Wechselkurses des chinesischen Renminbi, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126315