Um sich der Frage nach der Materialen Religion anzunähern, muss zu Beginn die Hinwendung der Religionswissenschaft zur Kulturwissenschaft erwähnt werden, was eine Trennung von der Theologie beinhaltete. In den Mittelpunkt traten Mitte des 20. Jhd. eine Reihe von cultural turns, die neue Sichtweisen zum Vorschein brachten und tendenziell von der Textlastigkeit abließen. Diese Richtungswechsel (turns) nahmen unter anderem die Selbstauslegung und Inszenierung, Körperlichkeit und Handlungsmacht in den Blick - sogar darüber hinaus Bildwahrnehmungen und schließlich gar die Materialität von Erfahrungen.
Inhaltsverzeichnis der Arbeit
1. Einleitung und kulturwissenschaftliche Wende
2. Begriff und theoretische Grundlagen der Materialen Religion
2.1 Materialisierung des Religiösen und das Erfahrbarmachen
2.2 Wechselwirkung zwischen Akteuren und Materialität
3. Sinn, Sinne und die Erforschung religiöser Praktiken
3.1 Sensorische Dimensionen religiöser Diskurse
3.2 Fallbeispiel: Die hawaiianische Reliquie des Kriegsgottes Kūkā’ilimoku
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den multidimensionalen Ansatz der „Materialen Religion“ und beleuchtet, wie Religion durch materielle Artefakte, mediale Vermittlung und körperliche Interaktion für Gläubige erfahrbar gemacht wird.
- Der Wandel der Religionswissenschaft zur Kulturwissenschaft
- Das Konzept des „Erfahrbarmachens“ von Transzendenz
- Die Rolle der menschlichen Sinne und Körperlichkeit in religiösen Ritualen
- Wechselwirkungen zwischen Objekten, Akteuren und religiösen Diskursen
- Die Bedeutung von Materialität in unterschiedlichen kulturellen Kontexten
Auszug aus dem Buch
Ansätze der Materialen Religion
Der Ansatz der Materialen Religion unterteilt sich in zwei große Themengebiete. Zum einen in den Umgang mit Materialitäten zum Zweiten in den Bezug auf die Diskurse. In der Grundannahme steht die Materialisierung des Religiösen also das „Erfahrbarmachen“, da Religionen neben ihrer kommunikativen Seite auch stets material verfasst sind. Eine von Akteuren angenommene unzugängliche Transzendenz, kann durch mediale Vermittlung zugänglich gemacht werden und materialisiert sich somit stetig. Die Existenz des Unzugänglichen ist hier von nebensächlicher Bedeutung. Es geht darum wie Religion erfahrbar gemacht wird. Über das Berühren von und das Handeln mit Materialitäten werden Diskurse vermittelt. Akteure interagieren mit der materiellen Kultur, weitere Objekte werden produziert, andere ausgeschlossen und gleichzeitig entstehen neue Zuschreibungen, weshalb diese Prozesse keinesfalls statisch sind und sich in einem stetigen, dynamischen Transformationsvorgang befinden. Im Mittelpunkt des Ansatzes stehen der Akteur sowie die Bindungen mit ihm und den transzendenten Mächten. Untersucht wird wie in Religionen, mittels verbaler und nonverbaler Bedeutungsträger, ein angenommenes Transzendentes anschaulich gemacht wird. Es geht um die Wechselwirkung, dass Akteure mit den Materialitäten schaffen und zum anderen dann wiederum durch sie beeinflusst werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und kulturwissenschaftliche Wende: Dieses Kapitel skizziert die methodische Neuausrichtung der Religionswissenschaft hin zu kulturwissenschaftlichen Ansätzen, die sich von reiner Textlastigkeit lösen.
2. Begriff und theoretische Grundlagen der Materialen Religion: Hier werden die Kerntheorien erläutert, insbesondere die Materialisierung des Religiösen als Prozess der Erfahrbarmachung von Transzendenz durch materielle Medien.
3. Sinn, Sinne und die Erforschung religiöser Praktiken: Das Kapitel analysiert das Zusammenspiel von menschlicher Sinneswahrnehmung und religiösen Ritualen sowie die praktische Wirksamkeit materieller Objekte anhand eines konkreten Götterbild-Beispiels.
Schlüsselwörter
Materiale Religion, Religionsästhetik, Materialität, Transzendenz, Kulturwissenschaft, Sinneswahrnehmung, Ritualforschung, Objektkultur, Reliquien, Transformation, Körperlichkeit, Medialität, Heilige Lanze, Kūkā’ilimoku, religiöse Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem theoretischen Ansatz der „Materialen Religion“, welcher untersucht, wie religiöse Traditionen und Transzendenz durch materielle Objekte und sinnliche Erfahrungen in der Welt präsent werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abkehr von der Textfixierung in der Religionswissenschaft, die Bedeutung der Materialität für religiöse Akteure sowie das Zusammenspiel von Sinneseindrücken und ritueller Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Religion durch materielle Medien, Objekte und Körperlichkeit fortlaufend konstruiert und erfahrbar gemacht wird, anstatt sie bloß als Sammlung abstrakter Gedanken zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf kulturwissenschaftliche Ansätze der Religionswissenschaft, die rituelle Handlungen, materielle Kultur und diskursive Prozesse integriert betrachten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretische Basis der Materialisierung des Religiösen, die Rolle der menschlichen Sinne bei der Wahrnehmung von Transzendenz und die Dynamik zwischen Akteuren und materiellen Objekten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Materialität, Erfahrbarmachung, Sensorik (Sinneswahrnehmung), Ritual, Transformation und die Wechselwirkung zwischen Mensch und Objektwelt.
Welche Rolle spielt die „Heilige Lanze“ im Text?
Die Lanze dient als exemplarisches Zeugnis dafür, dass Religionen nicht nur aus Theorien bestehen, sondern durch spezifische Artefakte und ihre Inszenierung im Kult erst ihre religiöse Wirksamkeit entfalten.
Warum wird das hawaiianische Götterbild Kūkā’ilimoku als Beispiel angeführt?
Es dient dazu zu verdeutlichen, wie ein materielles Objekt durch Rituale zum „sichtbaren Zeichen des Göttlichen“ wird und welche Rolle es in soziokulturellen Prozessen der Bedeutungszuschreibung spielt.
- Arbeit zitieren
- Selina Pröhl (Autor:in), 2017, Ansätze der Materialen Religion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1263345