Martin Luther - Ermahnung zum Frieden auf die 12 Artikel der Bauernschaft


Referat / Aufsatz (Schule), 2009
5 Seiten, Note: 14 Punkte

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Mirko Kruse

Klausurersatzleistung

Geschichte

Die mir vorliegende Quelle, eine Flugschrift, die Martin Luther im April 1525 publizierte, trägt den Titel “Ermahnung zum Frieden auf die 12 Artikel der Bauernschaft”. Diese Quelle ist eine direkte Reaktion auf die, kurz vorher von aufständischen Bauern verfassten, 12 Artikel. Allgemein forderten diese bessere Lebensumstände für die ländliche Bevölkerung, die im damaligen Ständesystem zwar zahlenmäßig fast 90 % ausmachte, aber praktisch keinerlei Rechte besaß. Luther, der durch seine “95 Thesen “ einer der Urheber der Bauernerhebung war, rechtfertigt sich in dieser Flugschrift und ruft zur Besonnenheit auf. Anfangs kritisiert er die “Fürsten und Herren” (s. Z.1) scharf: “Erstlich mögen wir niemand anderem auf Erden solches Unglück und solchen Aufruhr verdanken als euch Fürsten und Herren, vor allem euch blinden Bischöfen und tollen Pfaffen und Mönchen” (s. Z. 2 f.) und wirft ihnen vor im “weltlichen Regiment” (s. Z. 7) nicht mehr zu tun, als zu schinden und zu schätzen um ihre Pracht und ihren Hochmut immer noch weiter zu steigern, ohne Rücksicht darauf, dass der “arme, gemeine Mann dies nicht länger ertragen kann noch mag” (s. Z. 8 f.). Letztlich droht er ihnen sogar, ihre Vermessenheit würden ihnen den Hals brechen “das werdet ihr sehen” (s. Z. 12), paradoxerweise jedoch kritisiert er direkt danach die Bauern, die sich gegen ihre Herren gewandt haben und nun Veränderungen fordern. Er entschuldigt sich, dass seine Äußerung “dass die Fürsten und Herren […] es wert sind und es wohlverdient haben, dass sie Gott vom Stuhl stürze” (s. Z. 15 ff.) falsch aufgefasst worden seien und dass Gott allein die Macht und das Recht habe, bestehende Zustände zu ändern, da eine Rebellion gegen das System eine Sünde darstelle.

Die 12 Artikel kommentiert er ebenfalls sehr unterschiedlich: Den ersten Artikel, der jeder Gemeinde das Recht zugestehen möchte, ihren eigenen Pfarrherren zu wählen, billigt er (Diese Forderung stammt schließlich aus seiner Feder), den zweiten Artikel, der die gerechte Verteilung des Zehnten (ein Zehntel der Ernte musste an die Obrigkeit entrichtet werden) fordert, widerlegt er mit der Feststellung, dass dieses Raub wäre, da der Zehnte Eigentum der Obrigkeit sei. Den dritten Artikel kritisiert er mit harschen Worten, denn die Anschaffung der Leibeigenschaft stellte einen direkten Eingriff in das von Gott geschaffene Ständesystem dar. Die Bauern berufen sich auf Luthers Feststellung, jeder Christ sei frei im Glauben und nicht von der Kirche oder dem Papst abhängig, aber Luther stellt hier klar, dass sich diese Forderung nicht auf das weltliche Reich beziehe, da dieses ohne Ungleichheit nicht existent sein könne. Die übrigen acht Artikel lässt Luther unkommentiert, da es ihm als Evangelisten nicht gebühre über Dinge zu urteilen, von denen ein Rechtsgelehrter viel mehr Ahnung hat als ein einfacher Mönch.

Abschließend ruft er beide Parteien zur Besonnenheit auf, da beide Seiten nicht konform mit Gottes Willen handeln und daher niemandem das Recht zu Gewalt und Blutvergießen geben. Luthers letzter Satz gebührt jedoch den Herren, die er auffordert, “ein wenig von eurer Tyrannei und Unterdrückung” (s. Z. 75) aufzugeben, “damit auch der arme Mann Luft und Raum gewänne zum Leben” (s. Z. 75 f.).

Der Text ist typisch für die Zeit in der er geschrieben wurde: Viele kleinere Krisen und die Pest, die fast jeden Dritten Europäer das Leben kostete, erschütterten das Vertrauen der Menschen in die Allmacht der Kirche. Stimmen, die das geozentrische Weltbild anzweifelten, wurden lauter und obwohl sich die christliche Kirche mit aller Gewalt gegen Veränderungen stemmte, trieb sie unaufhörlich ihrer eigenen Spaltung entgegen. Es war eine Zeit der Veränderungen: Kolumbus entdeckte Amerika und Vorläufer des Humanismus entwickelten sich. Diese “revolutionäre” Stimmung ging auch an den Bauern nicht vorbei, deren Lebensverhältnisse und Rechte in keiner Relation zu ihrer Arbeit und Anzahl standen. Immer mehr Repressionen seitens der Kirche oder des Adels hatten bereits in der Vergangenheit zu kleineren Aufständen, die jedoch immer auf kleinere Regionen beschränkt waren und daher folgenlos blieben. Erste Erfolge feierten die “Bundschuh-Bewegung” von 1493 bis 1517 in Südwestdeutschland, oder die Bewegung “Armer Konrad” 1517 in Württemberg. Ihre Ziele, beispielsweise die Abschaffung der Leibeigenschaft erreichten die Aufständischen zwar nicht, aber ihnen waren Achtungserfolge gelungen, die schon bald Nachahmer finden sollten: Ab 1524 probten auch die Bauern in Süddeutschland und der Schweiz den Aufstand. Erstmals bündelten sie ihre Kräfte, indem sie sich zusammenschlossen. Die schon 7 Jahre vorher verfassten “95 Thesen” von Martin Luther, die sich, bedingt durch die Erfindung des Buchdruckes durch Johannes Gutenberg, schnell verbreitet hatten und für jedermann zugänglich waren, stellten die Grundlage der 12 Artikel der Bauernschaft dar. Sie übernahmen die Hauptforderung, das Evangelium hören und danach leben zu dürfen und begannen Luthers Thesen, wie beispielsweise die “Gott - Mensch Unmittelbarkeit”, die besagte, der einzelne Christ brauche weder Kirche noch Papst um mit Gott in Verbindung treten zu können, neu zu interpretieren: Die von Luther ursprünglich nur auf die geistliche Welt bezogenen Forderung, legten die Bauern so aus, dass auch auf weltlicher Ebene weder Fürsten noch Könige nötig waren, um mit dem Oberhaupt, in diesem Fall dem Kaiser, kommunizieren zu können. Ohne auf Luthers Beteuerungen, er habe es ganz anders gemeint zu hören, ohne seinen Aufforderungen und Bitten die Waffen ruhen zu lassen, seine sich häufenden Erklärungen, was sie taten sei unchristlich und stelle eine Sünde dar, ignorierend, begannen die aufständischen Bauern ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen und erste Burgen und Klöster wurden Opfer von Übergriffen. Luther stellt sich eindeutig gegen die Bauernbewegung, er lehnt sie ab und verurteilt ihre Taten als unchristlich, was die Aufständischen jedoch nicht davon abhält, zahllose Städte in ihre Gewalt zu bringen. Erst der Einsatz eines gewaltigen Söldnerheeres konnte den revoltierenden Horden Einhalt gebieten. Bis zum Juli 1525 hatte das Heer des “Schwäbischen Bundes”, einem Zusammenschluss verschiedener Reichsstädte Süddeutschlands, den Bauernaufstand im Süden mit äußerster Brutalität niedergeschlagen. Die schlacht bewaffneten Bauern hatten gegen die gut ausgebildeten und über einige Kampferfahrung verfügenden Berufssoldaten keine Chance. Die Schlacht bei Frankenhausen am 15. Mai 1525 wurde zu einem Mahnmal der gescheiterten Revolte. Die Anführer wurden hingerichtet und den beteiligten Städten, Dörfern, sowie einfachen Bauern wurden hohe Strafen und Schadensersatzforderungen aufgebürdet, die sie kaum bewältigen konnten. Am Ende verloren, Schätzungen zufolge, 100.000 bis 130.000 Bauern in diesen Auseinandersetzungen ihr Leben. Bekannt wurde diese Zeit als “Deutscher Bauernkrieg”.

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Details

Titel
Martin Luther - Ermahnung zum Frieden auf die 12 Artikel der Bauernschaft
Note
14 Punkte
Autor
Jahr
2009
Seiten
5
Katalognummer
V126341
Dateigröße
350 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Martin, Luther, Ermahnung, Bauernschaft, Frieden, 12 Artikel, Reformation
Arbeit zitieren
Mirko Kruse (Autor), 2009, Martin Luther - Ermahnung zum Frieden auf die 12 Artikel der Bauernschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126341

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