Die Frage ob ein Terrorist von einem normalen Bürger zu unterscheiden ist, ist vermutlich so alt, wie das Phänomen Terrorismus. Doch muss sich die Wissenschaft eingestehen, dass sie weit davon entfernt ist, den terroristischen Persönlichkeitstypus zu entdecken. Walter Laquer, einer der renommiertesten Terrorismus-Forscher selbst, gibt zu, dass die Suche nach einer terroristischen Persönlichkeit vergeblich ist (vgl. Der Weg in die Gewalt, 1978, S. 183). Auch Martha Crenshaw, die in den 50er Jahren die „National Liberation Front“ (FLN) in Algerien untersuchte, kam zu dem Schluss, dass die Mitglieder dieser Terrororganisation im Grunde nicht vom normalen Bürger zu unterscheiden seien (vgl. Origins of Terrorism, 1990, S.26). Gleiches stellte K. Heskin fest, der sich der IRA widmete. Keiner der Untersuchten sei „emotionally disturbed“ (vgl. Origins of Terrorism, 1990, S.26).
Auch in neueren Werken, anderer Herangehensweise hat sich an diesem Standpunkt wenig geändert, so liest man bei H. Shmuel Erlich: „I believe, that the attempt to depict „the Terrorist“ as a deranged, emotionally deprived and impoverished, mentally ill person is misleading and basically wrong“ (siehe: Volience or Dialogue, 2003, S. 148).
Die gesamte Literatur hindurch ist dieser Grundtenor zu vernehmen, an dem auch vereinzelte Untersuchungen aus dem Deutschland der Siebziger nicht viel ändern, die äußerst systematisch, mittels psychoanalytischen Methoden mit gefangenen RAF-Leuten arbeiten. An dieser Stelle sei lediglich auf die vom Bundesministerium für Inneres herausgegebene vier Bände umfassende Reihe „Analysen zum Terrorismus“ verwiesen, mit besonderem Augenmerk auf Band 2, „Lebenslaufanalysen“. Die größte Gemeinsamkeit sei, so viele Autoren, dass die Terroristen so unterschiedlich seien.
Inhaltsverzeichnis
1.0) Terrorismus – Eine kurze Definition
2.0) Terroristen – Die Täter
2.1) Was zeichnet einen Terroristen aus?
2.2) Methodische Probleme
2.3) Unterscheidungen nach Schneckener
3.0) Drei Arten des Terrorismus
3.1) RAF/ETA (Nationaler Terrorismus)
3.2) PLO/ palästinensische Terrororganisationen (Internationaler Terrorismus)
3.3) Al-Qaida (Transnationaler Terrorismus)
4.0) Die Attentäter des 11.September
5.0) Psychologische Erklärungsversuche
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen Terrorismus aus politisch-psychologischer Sicht, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Analyse der Ursachen und Strukturen liegt, die zu terroristischen Handlungen führen, sowie auf einer detaillierten Betrachtung der Täterbiographien des 11. September 2001.
- Definition und Gewaltstrategien des Terrorismus
- Die Suche nach dem terroristischen Persönlichkeitstypus
- Strukturelle Analyse von Terrornetzwerken nach Schneckener
- Differenzierung zwischen nationalem, internationalem und transnationalem Terrorismus
- Biographische Analyse der Attentäter des 11. September
Auszug aus dem Buch
2.1) Was zeichnet einen Terroristen aus ?
Die Frage ob ein Terrorist von einem normalen Bürger zu unterscheiden ist, ist vermutlich so alt, wie das Phänomen Terrorismus. Doch muss sich die Wissenschaft eingestehen, dass sie weit davon entfernt ist, den terroristischen Persönlichkeitstypus zu entdecken. Walter Laquer, einer der renommiertesten Terrorismus-Forscher selbst, gibt zu, dass die Suche nach einer terroristischen Persönlichkeit vergeblich ist (vgl. Der Weg in die Gewalt, 1978, S. 183). Auch Martha Crenshaw, die in den 50er Jahren die „National Liberation Front“ (FLN) in Algerien untersuchte, kam zu dem Schluss, dass die Mitglieder dieser Terrororganisation im Grunde nicht vom normalen Bürger zu unterscheiden seien (vgl. Origins of Terrorism, 1990, S.26). Gleiches stellte K. Heskin fest, der sich der IRA widmete. Keiner der Untersuchten sei „emotionally disturbed“ (vgl. Origins of Terrorism, 1990, S.26).
Auch in neueren Werken, anderer Herangehensweise hat sich an diesem Standpunkt wenig geändert, so liest man bei H. Shmuel Erlich: „I believe, that the attempt to depict „the Terrorist“ as a deranged, emotionally deprived and impoverished, mentally ill person is misleading and basically wrong“ (siehe: Volience or Dialogue, 2003, S. 148).
Zusammenfassung der Kapitel
1.0) Terrorismus – Eine kurze Definition: Dieses Kapitel liefert einen grundlegenden Definitionsrahmen für Terrorismus als Gewaltstrategie nicht-staatlicher Akteure zur Durchsetzung politischer Ziele.
2.0) Terroristen – Die Täter: Hier wird der Frage nachgegangen, ob es ein spezifisches Täterprofil gibt, und es werden methodische Schwierigkeiten sowie die Strukturen von Terrororganisationen erörtert.
3.0) Drei Arten des Terrorismus: Dieses Kapitel unterteilt den Terrorismus in nationale, internationale und transnationale Formen, um die Entwicklung und Strategien der jeweiligen Gruppen besser einzuordnen.
4.0) Die Attentäter des 11.September: Eine stichpunktartige Vorstellung der 19 Attentäter des 11. September unter Berücksichtigung ihrer demographischen und biographischen Merkmale.
5.0) Psychologische Erklärungsversuche: Abschließender Überblick über psychologische Konzepte wie Reifungsprozesse, Persönlichkeitsmerkmale und Intra-Gruppen-Dynamiken als Faktoren der Radikalisierung.
Schlüsselwörter
Terrorismus, 11. September, Al-Qaida, Politische Psychologie, Radikalisierung, Terrororganisation, Gewaltstrategie, Attentäter, Persönlichkeitstypus, Schneckener, Gruppenrealität, Transnationaler Terrorismus, Ideologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der politischen und kulturellen Psychologie des Terrorismus, insbesondere den Ursachen und Täterstrukturen, illustriert am Beispiel der Anschläge vom 11. September 2001.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Terrorismus, der Analyse terroristischer Strukturen nach Ulrich Schneckener und der biographischen Untersuchung der Attentäter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Beweggründe und Strukturen hinter terroristischen Aktivitäten zu entwickeln und gängige Mythen über den "Terroristen" wissenschaftlich zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die theoretische Ansätze zur Terrorismusforschung mit einer empirischen Betrachtung von Täterdaten kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition von Terrorismus, die Suche nach Täterprofilen, die Einteilung von Terrorismus in drei Kategorien sowie die spezifischen Biographien der 19 Attentäter des 11. Septembers.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Radikalisierung, Ideologie, Terrornetzwerke, Gruppenrealität und Transnationaler Terrorismus sind zentral für das Verständnis des Inhalts.
Wie unterscheidet sich Al-Qaida von anderen Terrororganisationen?
Laut dem Text zeichnet sich Al-Qaida als transnationaler Terrorismus aus, da die Organisation kein begrenztes nationales Ziel verfolgt, sondern eine globale Umwälzung anstrebt.
Welche Bedeutung hat das Alter für die Radikalisierung?
Das Alter wird als kritische Phase des Erwachsenwerdens und Reifungsprozesses identifiziert, in der die Empfänglichkeit für radikale Gruppeneinflüsse besonders hoch sein kann.
Warum ist die Identifikation eines "terroristischen Persönlichkeitstypus" so schwierig?
Die Wissenschaft ist weit davon entfernt, einen solchen Typus zu finden, da die untersuchten Täter oft keine gemeinsamen psychischen Störungen aufweisen und aus sehr unterschiedlichen Hintergründen stammen.
- Quote paper
- Dipl.-Psych. Joachim Stöter (Author), 2004, Terroristen – Und die Täter des 11. September, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126350