Fernsehnutzung blinder Menschen

Ergebnisse einer quantitativen Studie zur Fernsehnutzung blinder Kinder und Jugendlicher


Bachelorarbeit, 2009

50 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Zahlen
2.1 Definition Blindheit
2.2 Die Qualen der Zahlen
2.3 Festlegung der Zielgruppe

3. Forschungsstand
3.1 Fernsehnutzung 12 bis 19-Jähriger. Ergebnisse der JIM-Studie
3.1.1 Fernsehbesitz
3.1.2 Medienbeschäftigung und Medienbindung
3.1.3 Fernsehnutzung nach Sendern und Genres
3.1.4 Medienfunktionen
3.2 Erhebung von Fernseh-Nutzungsdaten bei blinden und sehbehinderten Fernsehrezipienten (Dosch 1999/2004)
3.3 Medien-Nutzungs-Studie von Nathalie Huber (2004)

4. Motive und Gründe der Fernsehnutzung
4.1 Der Uses-And-Gratifications-Approach
4.1.1 Aussagen über das Publikum
4.1.2 Motive der Mediennutzung
4.1.3 Kritik
4.2 Mediennutzung als soziales Handeln
4.2.1 Aussagen über das Publikum
4.2.2 Kritik

5. Methode und Durchführung
5.1 Festlegung der Grundgesamtheit und der Stichprobe
5.2 Auswahl des Untersuchungsinstruments
5.3 Konzeption des Fragebogens
5.4 Verbreitung des Fragebogens

6. Ergebnisse der Befragung
6.1 Altersstruktur, Schul- bzw. Berufsausbildung und Geschlecht der Befragten
6.2 Fernsehzugang
6.3 Fernsehdauer
6.4 Bevorzugte Sendungen, Sender und Inhalte
6.4.1 Sendungen
6.4.2 Genres und Formate
6.4.3 Bevorzugte Sender
6.5 Einschaltverhalten und Nutzungsmotive
6.6 Umgang und Bewertung
6.6.1 Verhalten bei Werbeunterbrechungen
6.6.2 Fernsehsendungen als Gesprächsthema
6.6.3 Fernsehrezeption in Gruppen
6.6.4 Fernsehverzicht?
6.7 Nutzung anderer Medien
6.8 Fernsehnutzung: ein kurzer Vergleich

7. Schlussbetrachtungen und Fazit

8. Literatur

Anhang 1 Fragebogen „Blind Fernsehen“

Anhang 2 Weitere Nutzungstabellen

1. Einleitung

Dass Menschen mit einer hochgradigen Sehbehinderung in manchen Situationen ihres Alltags eingeschränkt sind, manche Dinge dadurch ohne Hilfe Sehender vielleicht überhaupt nicht bewältigen können, ist unbestritten. Jedoch wird Seitens sehender Menschen die Situation der Alltagsgestaltung und –Bewältigung von Blinden mit all ihren Facetten und Möglichkeiten oft auch unterschätzt. Gründe hierfür sind zum einen schlichtweg die fehlenden Erfahrungen mit Menschen aus diesem Personenkreis und das mangelnde Wissen, wobei Wissen eigentlich etwas ist, das ohne weiteres vermittelt werden könnte. Hieraus resultieren Ansichten und Meinungen über Tatsachen, wie Blinde ihren Alltag meistern und ihre Freizeit gestalten, die vielleicht etwas abseits der Realität sein könnten, aber wie sollen Sehende auch ohne jegliche Erfahrung ein stimmiges Bild der Realität bekommen?

Wenn ich als selbst Betroffener mich mit Sehenden unterhalte, ihnen erzähle, dass ich (als Blinder) einen Fernseher besitze und den Tatort am vergangenen Sonntag auch „gesehen“ habe, so stößt dies meist auf verwunderte und erstaunte Blicke. Wieso nutze ich das visuell ausgelegte Medium Fernsehen, wo es doch sicherlich Medienangebote gäbe, die ich besser (blind) nutzen könnte? Meine Antwort zu dieser Frage fällt meist kurz aus: „Wieso sollte ich nicht auch den Fernseher einschalten?“.

Denn auch blinde Menschen nutzen das Medium Fernsehen und sie tun dies sogar in einem größeren Umfang, als der Sehende es sich vielleicht vorstellen würde. Einen Fernsehfilm kann man schließlich auch hören (im Radio gibt es auch Hörspiele ohne Erzähler), man kann den Spätnachrichten oder einer Reportage lauschen oder, man greift auf ein spezielles Hörfilmangebot zurück, bei dem der Film über den zweiten Tonkanal des Fernsehers akustisch beschrieben wird. Da diese Bildbeschreibung (Audiodeskription) aber ausschließlich auf den Kanälen des öffentlich rechtlichen Rundfunks ausgestrahlt wird und die Anzahl der sog. Hörfilme gering ist, nutzt man natürlich auch Angebote ohne Audiodeskription sowie die Programme privater Sendeanstalten.

Der Frage, in wieweit blinde Menschen das Medium Fernsehen nutzen, wurde bislang in der Medien- und Kommunikationswissenschaft in Deutschland nur unzureichend nachgegangen. Ein Grund mag die kleine Gruppe der Betroffenen sein, für die die Ergebnisse relevant und interessant wären. Aber gerade für Filmproduzenten, Fernsehmachern und Filmbeschreibern sowie für Eltern oder Lehrer könnte so eine Studie Aufschluss über die Präferenzen blinder Fernsehrezipienten geben. Schalten sie den Fernseher aus denselben Gründen ein und nutzen dann die gleichen bevorzugten Sendungen, wie sehende Rezipienten auch? Dient Fernsehen bei blinden Kindern und Jugendlichen, trotz neuer Medien wie dem Internet oder dem Handy, auch als Leitmedium, so wie es bei Sehenden in diesem Alter noch der Fall ist? Was sind die Motive und Gründe der Fernsehnutzung blinder Menschen? In wieweit unterscheidet sich der zeitliche Rahmen der Fernsehnutzung von Blinden und Sehenden?

In dieser Arbeit wird versucht, dieser Frage, wie blinde Menschen das Fernsehen nutzen und ob es Unterschiede bei der Fernsehnutzung und den Programmpräferenzen zwischen Blinden und Sehenden gibt, anhand einer quantitativen Studie auf den Grund zu gehen. Gerade bei blinden Kindern und Jugendlichen interessierte mich die Frage nach dem Fernsehverhalten, da das Fernsehen bei sehenden Jugendlichen, trotz neuer Medien wie dem Internet, noch eine bedeutende Rolle spielt.

Zu diesem Zweck wurde im Zeitraum vom 20.12.2008 bis zum 10.02.2009 eine Online-Befragung bei 12 bis 19-jährigen blinden Kindern und Jugendlichen durchgeführt, deren Ergebnisse in dieser Arbeit vorgestellt und diskutiert werden sollen.

Zunächst sollen jedoch Blindheit und damit zusammenhängend die Zielgruppe dieser Studie definiert werden. Darauf folgt ein kurzer Überblick über den Forschungsstand, was die Fernsehnutzung blinder und sehender Menschen anbelangt. In Kapitel vier wird generell der Frage nachgegangen, welche Nutzungsmotive es für die Mediennutzung allgemein geben könnte, anhand des Nutzen-Belohnungs-Ansatzes und dem Modell „Mediennutzung als soziales Handeln“. Da das Hauptaugenmerk in dieser Arbeit auf der Befragung und die daraus resultierenden Ergebnisse liegen, wird dieser theoretische Teil der Arbeit recht kurz abgehandelt werden. Im folgenden Kapitel sollen die Herangehensweise bei der Befragung sowie die Durchführung erläutert werden. Im sechsten Kapitel werden die Ergebnisse vorgestellt, um im Fazit noch einmal abschließend eine Bewertung der Endergebnisse vorzunehmen.

Wenn in dieser Arbeit von Rezipienten und Nutzern die Rede ist, so sind sowohl männliche als auch weibliche Personen gemeint.

Wenn in dieser Arbeit zudem davon die Rede ist, dass blinde Menschen fern sehen, so ist dies kein sachlicher oder grammatikalischer Fehler, denn Blinde nutzen das Wort „Sehen“ ebenso, wie ein Sehender; das Wort ist nun einmal Bestandteil unserer Sprache und durch sämtliche Redewendungen in unseren Alltag integriert, so dass eine eigene Blinden-Sprache entstehen würde, wenn man das Wörtchen „Sehen“ komplett aus dem Wortschatz Blinder streicht und es durch Synonyme ersetzt.

2. Definitionen und Zahlen

2.1 Definition Blindheit

Nach deutschem Recht gilt ein Mensch als hochgradig sehbehindert, wenn er auf dem besseren Auge einen Sehrest von nicht mehr als 5% besitzt.

Als blind gelten Personen, deren das Augenlicht komplett fehlt oder „deren Sehschärfe auf keinem Auge und auch nicht bei beidäugiger Prüfung mehr als 1/50 (2%) beträgt. Zudem wird als blind anerkannt, wenn andere Störungen des Sehvermögens von einem solchen Schweregrad vorliegen, dass diese Beeinträchtigung der Sehschärfe, nach den Richtlinien der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, einer Blindheit gleich zu achten ist.“ (Landschaftsverband Westfalen – Lippe LWL - Integrationsamt 2008)

Ein Sehrest von weniger als 5% kann beispielsweise bedeuten, „dass ein Mensch einen Gegenstand erst aus 5 m Entfernung erkennt, den ein normal sehender Mensch bereits aus 100 m Abstand erkennt“. Es kann aber auch bedeuten, „dass ein Mensch (wie durch einen Tunnel) nur 5 % des normalen Gesichtsfeldes sieht“. (DBSV Infothek: www.dbsv.org)

Dies bedeutet also, dass es selbst einem als blind eingestuften Menschen möglich sein kann, noch Bilder auf dem Fernsehschirm zu erkennen und zuzuordnen, wenn die betreffende Person nahe genug an den Bildschirm heran gehen würde.

Daraus folgt, dass die Fernsehnutzung von Blinden sehr unterschiedlich ausfallen kann, je nach vorhandenem und genutztem Sehrest. Es mussten vor Beginn der Studie also Überlegungen angestellt werden, wie mit diesem Phänomen umgegangen werden soll (siehe 2.3).

2.2 Die Qualen der Zahlen

Ein Aufsatz des Historikers Hartmut Mehls trägt den voll zutreffenden Titel: „Doch die nicht sehen, zählt man nicht! Die Notwendigkeit einer zuverlässigen Statistik über Blinde und Sehbehinderte“. Dieser Titel lässt schon vermuten, wie es um die statistischen Angaben bei blinden Menschen bestellt ist. Es gibt zwar Zahlen, doch sind sie alles andere als zuverlässig. So gibt der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) an, dass ca. 150.000 bis 165.000 blinde Menschen in Deutschland leben, wobei der Löwenanteil auf im Alter erblindete Menschen entfällt. Das Interesse einer statistischen Erhebung blinder Menschen seitens des Bundes ist anscheinend sehr gering, obwohl es letztendlich hilfreiche Auskünfte für die Haushaltsplanung, für Schulen oder für solche Studien wie diese liefern würde. Zuverlässiges Zahlenmaterial gibt es bislang aus Bayern, dort wurden die Empfänger des sog. Landesblindengeldes (Summe, die monatlich vom Bundesland ausgezahlt wird und als Nachteilsausgleich dient) gezählt.

Tabelle 1 Blindengeldempfänger in Bayern (Stand: 12/2007)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: www.dbsv.org)

Zwar gelten diese Zahlen für Bayern, doch muss man davon ausgehen, „dass Blindheit bundesweit normal verteilt ist“ (Rudi Ullrich, Pressesprecher des Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf [DBSV], E-Mail von 02.12.2008)

Würde man die bayerischen Zahlen nehmen und versuchen, eine für diese Arbeit notwendige Grundgesamtheit zu errechnen, so ergeben sich zunächst folgende Zahlen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hieraus entfallen sowohl die 6-11- als auch die 20-40-jährigen, die bei dieser Studie nicht berücksichtigt werden.

Als weiterer Anhaltspunkt diente die Zahl aller im Förderschwerpunkt „Sehen“ unterrichteten Schüler, welche sich auf schätzungsweise 14.000 beläuft, wobei hier auch keine Altersunterschiede gemacht wurden. Diese Zahl betrifft zudem blinde als auch sehbehinderte Schüler. (Vgl. Lenk 2008)

Anhand des vorhandenen Zahlenmaterials ist es mathematisch daher nicht möglich, eine genaue Zahl der 12 bis 19-jährigen Blinden zu bestimmen. Aber selbst wenn es möglich wäre, so scheitert die genaue Nennung einer Grundgesamtheit jedoch an der Tatsache, dass blind nicht gleich blind ist.

2.3 Festlegung der Zielgruppe

Dass Blindheit unterschiedlich ausfallen und man aufgrund des mageren Zahlenmaterials kaum Aussage über eine Grundgesamtheit treffen kann, wurde im vorigen Abschnitt bereits kurz erläutert. Um jedoch festzulegen, welche Schüler für diese Studie infrage kommen, mussten andere Auswahlkriterien gefunden werden.

Es ist logisch, dass ein Mensch mit zum fernsehen nutzbarem Sehrest selbigen auch gebrauchen wird, auch wenn dieser sehr gering (<2%) ausfällt. Also musste vor einer Befragung jeweils geklärt werden, ob es der befragten Person möglich ist, Bilder auf dem Fernsehschirm zu erkennen und zuzuordnen, da Fernsehnutzung bei Menschen mit Sehrest sicherlich anders ausfallen wird, als bei einem Blinden, dem es nicht mehr möglich ist, Bilder zu erkennen.

Die Tatsache, dass viele Menschen im Lauf ihres Lebens erblinden, wurde außenvor gelassen. Zwar liegt die Vermutung nahe, dass ein Blinder, der früher einmal sehen konnte, das Fernsehen vielleicht weniger nutzt, weil ihm die visuellen Reize fehlen. Man könnte aber auch anders herum begründen, dass er gerade aufgrund seiner ehemals vorhandenen Sehfähigkeit sich noch an Bilder und Farben erinnern kann und deswegen das Fernsehen nutzt. Jedoch tritt bei spät erblindeten Menschen häufig das Phänomen auf, dass im Lauf der Zeit ihre visuellen Erinnerungen verblassen. (Vgl. hierzu Sacks 2005)

In wieweit bei spät erblindeten Menschen das vorhandene Wissen von Bildern etc. einen Einfluss auf ihre Fernsehnutzung ausübt, wird bei der vorliegenden Studie nicht berücksichtigt und daher nicht genauer hinterfragt.

Die Frage, die also zunächst geklärt werden musste, bevor ein Teilnehmer an der Befragung teilnahm, war, ob er (oder sie) noch Bilder am Fernsehschirm erkennen und zuordnen kann. Nur so konnte davon ausgegangen werden, dass wirklich Personen am Ende den Fragebogen ausfüllten, die auch wirklich blind sind und deren eventuell vorhandener Sehrest keinen Einfluss auf ihr Fernsehverhalten ausübt, um das Endergebnis nicht zu verzerren.

3. Forschungsstand

Das Feld der Mediennutzung allgemein bei Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren wird jährlich vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest in ihrer JIM-Studie (Jugend, Information, (Multi-)Media) abgedeckt. Es ist nicht auszuschließen, dass an den telefonischen Befragungen auch blinde Kinder und Jugendliche teilgenommen haben (Thomas Rathgeb, Herausgeber der JIM-Studie, in einem Telefonat vom 03.11.2008). Die Studie zielt jedoch primär auf die Freizeitgestaltung und Mediennutzung Sehender ab, ohne Sonderfälle wie eine Behinderung zu berücksichtigen.

Was die Mediennutzung von Blinden anbelangt, so erschien 2004 eine auf dem Feld der Kommunikationswissenschaft bislang einzige Studie, die die genauen Motive der Mediennutzung bei blinden Menschen darzustellen versucht. Des weiteren erschien 1999 im Rahmen eines vom Bayerischen Rundfunk herausgegebenen Handbuchs für Filmbeschreiber ein Ergebnis einer Umfrage von blinden und sehbehinderten Fernsehnutzern.

Auf die genannten Studien und ihre Ergebnisse hinsichtlich der Fernsehnutzung wird in den folgenden zwei Abschnitten dieser Arbeit eingegangen. Ich beziehe mich allerdings noch auf die JIM-Studie aus dem Jahr 2007, da die Ergebnisse der Studie aus 2008 zum Zeitpunkt der Materialaufbereitung noch nicht vorlagen.

3.1 Fernsehnutzung 12 bis 19-jähriger. Ergebnisse der JIM-Studie 2007

Die Studie Jugend, Information, (Multi-)Media befasst sich jährlich nicht nur mit dem Fernsehverhalten von Kindern und Jugendlichen, sie beschäftigt sich generell mit Nutzungstrends und Problematiken bei der Mediennutzung. Für diese Arbeit sind allerdings die Ergebnisse, welche sich mit der Fernsehrezeption und den Vorlieben beschäftigen, vorrangig. Auf die Nutzung von Radio, Zeitungen/Zeitschriften, Internet wird jedoch ebenfalls kurz eingegangen. (Quelle: Feierabend/Rathgeb 2008: JIM 2007. www.mpfs.de)

3.1.1 Fernsehbesitz

99% der insgesamt befragten Jugendlichen verfügen über ein Fernsehgerät (63% Mädchen, 71% Jungen), 95% der Jugendlichen verfügen über einen Internetanschluss. Diese Info ist in soweit relevant, da man Fernsehen in zwischen auch über das Internet nutzen kann (Beispiel www.RTLnow.de).

Die Verteilung lässt sich noch weiter in die verschiedenen Schulformen aufgliedern. So ergeben sich folgende Zahlen:

Tabelle 2 Gerätebesitz nach Schulform (JIM2007: 8-11)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1.2 Medienbeschäftigung und Medienbindung

Das Fernsehen lag bei den befragten Jugendlichen, was die mediale Freizeitgestaltung anbelangt, an der Spitze (Mädchen: 93%, Jungen: 92%). Geschlechtsspezifische Unterschiede sind hier sehr gering (1% Differenz). Beim Internet, Radio, Zeitungen/Zeitschriften etc. sind teils größere Differenzen zwischen Jungen und Mädchen zu beobachten.

Tabelle 3 Medienbeschäftigung in der Freizeit (JIM2007: 12)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Trotz der Tatsache, dass sich die meisten befragten Jugendlichen in ihrer Freizeit dem Fernsehen zuwenden, können nur 15% am wenigsten darauf verzichten. 22% der Befragten gaben an, am wenigsten auf das Internet verzichten zu können. Es gehört somit, zusammen mit dem Computer, zu den bei Jugendlichen begehrtesten Medien, auf die sie am wenigsten verzichten können/wollen. Radio oder Zeitungen spielen eine sehr untergeordnete Rolle (Radio: 6%, Zeitungen: 2%). (JIM2007: 16)

3.1.3 Fernsehnutzung nach Sendern und Genres

Das von den Befragten am häufigsten rezipierte Programm ist ProSieben, mit minimalen Abweichungen bei der geschlechtsspezifischen Nutzung (Mädchen: 36%, Jungen: 39%, gefolgt von RTL (Mädchen: 21%, Jungen: 7%). Interessant ist auch die Aufteilung und Nutzungspräferenzen der einzelnen Sender nach Schulen. So liegt ProSieben in der Gunst der Rezipienten, die ein Gymnasium besuchen mit 42% ganz vorne /Hauptschule 30%). Dreht man den Spieß einmal um, so schauen mehr Hauptschüler RTL II (10%) als Gymnasiasten (3%). (JIM 2007: 24-25)

Wirft man einen Blick auf die am häufigsten genutzten Genres, so stehen Comics/Zeichentrick (43%) an der Spitze, gefolgt von Krimis/Mystery (38%) und Daily Soaps (35%). An vierter Stelle folgen Nachrichten (32%). Casting- oder Talkshows, Serien oder Spielfilme rangieren mit niedrigeren Nutzungszahlen weiter unten in der Liste. Teilt man die Lieblingssendungen wieder nach Geschlecht auf, so liegt die Nutzung von Comics und Zeichentrick bei Jungen bei 63%, während Mädchen eher das Genre der Daily Soaps bevorzugen (64%). (Vgl. JIM2007: 26-27)

3.1.4 Medienfunktionen

Die meisten nutzen das Fernsehen, wenn ihnen langweilig ist (27%), wenn sie sich alleine fühlen (21%), sie sich geärgert haben (19%), sie mit Freunden zusammen sind bzw. wenn sie traurig sind (jeweils 16%). Es sind daher zwei unterschiedliche Motive – eines in der Gemeinschaft und eines, wenn der jugendliche Rezipient eher alleine ist –gleichrangig genannt worden. (JIM2007: 64)

2007 gaben 17% an, lieber den Fernseher einzuschalten, anstatt sich mit dem Computer zu beschäftigen (Mädchen: 20%, Jungen: 14%). (JIM2007: 36)

Fernsehen spielt nach den Ergebnissen der hier vorgestellten Studie bei Kindern und Jugendlichen immer noch eine beträchtliche Rolle, auch wenn der Stellenwert im Vergleich zu früheren Studien zugunsten anderer, neuer Medien gesunken ist. Nichtsdestotrotz kann – aus meiner Sicht – das Fernsehen weiterhin noch als Leitmedien bei Jugendlichen bezeichnet werden.

3.2 Erhebung von Fernseh-Nutzungsdaten bei blinden und sehbehinderten Fernsehrezipienten (Dosch 1999/2004)

„Soll das Fernsehen blindenfreundlicher werden?“

Unter dieser Leitfrage fand 1999 eine Rezipientenbefragung bei 777 blinden und sehbehinderten Menschen statt (66,6% davon waren blind). Die Ergebnisse wurden 1999 und 2004 in einem für Filmbeschreiber veröffentlichten Handbuch publiziert, wobei in der neueren Auflage von 2004 keine neueren Umfrage-Ergebnisse vorlagen. (Vgl. hierzu Dosch 2004: 40)

97,3% der Befragten gaben an, über einen Fernseher (im häuslichen Bereich) zu verfügen, von denen 81,1% regelmäßig fern sahen.

Zu den beliebtesten Fernsehsendungen gehören Nachrichtensendungen, Fernsehfilme und mit Abstand Krimis, wobei bei der Abfrage nur eines der Genres genannt werden durfte. 89,5% der Befragten wünschten sich eine zusätzliche Bildbeschreibung, davon waren 93,6% zwischen 20 und 29 Jahre. Zu den Genres, für die sich die Befragten eine zusätzliche Audiodeskription gewünscht haben, zählen u. A. Krimis, Fernsehfilme sowie Sportübertragungen.

Ein Kritikpunkt sowohl an dieser als auch an der Studie von Nathalie Huber (3.3),

ist die Tatsache, dass die Fernseh- bzw. Mediennutzung ausschließlich bei Personen erfragt wurden, die das 18. Lebensjahr bereits überschritten haben. Sie können daher nur der Orientierung und nicht als Vergleichswerte für die in dieser Arbeit vorgestellten Ergebnisse dienen. Ein gutes Beispiel ist die hohe Nutzungsrate von Nachrichtensendungen. Ich möchte behaupten, dass Nachrichten und Informationen für Kinder und Jugendliche noch einen ganz anderen Stellenwert haben. Die hier vorgestellten Studien dienten mir bei der Konzeption des Fragebogens als Vorlage; ich habe mich teilweise an den Fragekategorien orientiert und sie meiner Studie angepasst (hierzu Kapitel 5).

[...]

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Fernsehnutzung blinder Menschen
Untertitel
Ergebnisse einer quantitativen Studie zur Fernsehnutzung blinder Kinder und Jugendlicher
Hochschule
Universität Hamburg  (Medien und Kommunikation)
Veranstaltung
-
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
50
Katalognummer
V126378
ISBN (eBook)
9783640347520
ISBN (Buch)
9783640347858
Dateigröße
815 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Studie im Rahmen einer wissenschaftlichen Hausarbeit zur Erlangung des akademischen Grades "Bachelor of Arts".
Schlagworte
Fernsehnutzung, Menschen, Ergebnisse, Studie, Fernsehnutzung, Kinder, Jugendlicher
Arbeit zitieren
Christian Ohrens (Autor:in), 2009, Fernsehnutzung blinder Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126378

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