Hellenismus – eine ganze Epoche wurde mit dem Regierungsantritt von Alexander III. von Makedonien (Alexander der Große) im Jahre 336 eingeleitet. Hauslehrer des großen Feldherren Alexander, der 331 in der Schlacht bei Gaugamela (heutiger Nordirak) den Perser-König Dareios besiegte, war 343 bis 340 der griechische Staatsphilosoph Aristoteles (384 – 322). König Philipp II. von Makedonien berief Aristoteles im Jahre 343 nach Mieza (heutiges Nordgriechenland), um dort seinen Sohn Alexander III. von Makedonien zu unterrichten. Die Staats- und Demokratiephilosophie des Aristoteles beruht vor allem auf den Erkenntnissen seiner Lehrer Platon und dessen Lehrer Sokrates. Nach der Sokratischen (Sokrates, 469 – 399) Lehre entsteht Demokratie, wenn die Armen den Sieg davon tragen, dann von dem anderen Teil einige hinrichten, andere vertreiben, den übrigen aber gleichen Anteil geben am Bürgerrecht und an der Verwaltung, so dass die Obrigkeiten im Staat großenteils durch das Los bestimmt werden. Platon (427 - 347), ein Schüler des Sokrates, wollte einen gerechten Staat entwerfen. Platon erkannte an allen damaligen Staaten (poleis), dass sie insgesamt eine schlechte Verfassung (politeia) haben. Er prägte innerhalb der Staatslehre den Begriff des „Philosophenkönigs“. Der Philosoph, der das Wirkliche (das „Gute“) erkannt hat, soll den Staat regieren. Diese Lehre des Platon griff sein Schüler Aristoteles kritisch auf. Aristoteles konzipiert seinen Staat nicht im Idealen mit Philosophenkönigen als Herrschern, sondern im Möglichen. Nicht nur der beste Staat, sondern auch der mögliche Staat muss nach Aristoteles verwirklicht werden. Anders als sein Lehrer Platon wertet Aristoteles die Bildung einer Gemeinschaft nicht als natürliche Schwäche des Individuums (Mensch), sondern als natürliche Neigung des Menschen. Der Mensch sei demnach von Natur aus ein staatenbildendes Wesen . Aufgabe des Staates ist die sittliche Vervollkommnung seiner Bürger. Erst innerhalb des Staates kann sich die Tugend des Einzelnen vollkommen entwickeln, weil erst im Staat die Autarkie (Selbstgenügsamkeit) der Gemeinschaft garantiert ist.
Gliederung
I. Einleitung
II. Besonderheiten der Attischen Demokratie in der Antike
III. Das politische Menschenbild des Aristoteles in der Antike
IV. Die Staats- und Verfassungslehre des Aristoteles
1. Demokratiebegriff der Aristotelischen Staatslehre
2. Verfassung und Staat bei Platon
3. Verfassung und Staat bei Aristoteles
4. Die antike Polis
5. Der Gerechtigkeitsbegriff bei Aristoteles
V. Die Würdigung der Staatslehre des Aristoteles
VI. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aristotelische Staatslehre mit einem besonderen Fokus auf die Attische Demokratie, um zu klären, welche Auffassung Aristoteles von der Demokratie vertrat und wie sein Demokratiebegriff systematisch einzuordnen ist.
- Vergleich der Attischen Demokratie mit modernen Repräsentativsystemen
- Analyse des aristotelischen Menschenbildes als "zoon politikon"
- Kritische Auseinandersetzung mit der aristotelischen Staats- und Verfassungslehre
- Untersuchung der Bedeutung der antiken Polis für die Entfaltung des menschlichen Lebens
- Reflektion des aristotelischen Gerechtigkeitsbegriffs in Bezug auf politische Ordnungen
Auszug aus dem Buch
4. Die antike Polis
Die Staatsphilosophie des Aristoteles richtet sich nicht direkt auf die Idee einer idealen Polisordnung, sondern vielmehr auf die antike Polis seiner Zeit. Aristoteles versucht die Polis auf ihren Grund zurückzuführen, er fragt nach ihrem telos (Ziel), analysiert ihre Erscheinungsformen und erörtert das Problem ihrer besten Einrichtung. Art und Charakter der Polis sind nach Aristoteles danach bestimmt, dass die Polis eine in der menschlichen Natur begründete Gemeinschaft ist. Die Polis ist eine Gemeinschaft der Freien. Sie stellt eine auf die Gemeinschaft der Bürger gegründete und zusammengesetzte Einheit dar, die ein bestimmtes Ziel (telos) verfolgt und den Charakter einer umfassenden Gemeinschaftsordnung hat.
Erst in der Polis kommen die eigenordneten Gemeinschaften zur vollen Entfaltung und Wirklichkeit. Die Zielrichtung der menschlichen Natur hinsichtlich eines vollendeten und guten Lebens ist das telos, welches jedoch nur in der Polis erreicht werden kann. In der Polis erreicht für den Freien das Sosein des Menschen seine konkrete Gestalt im Dasein. Das ist der Kontext des Satzes, dass die Polis in die von Natur aus bestehenden Dinge einzureihen ist und dass der Mensch von Natur aus ein auf die Polis bezogenes Lebewesen ist. Hierfür werden von Aristoteles auch zwei Argumente aufgeführt, nämlich ein genetisches und ein systematisches. Die Polis baut sich auf anderen Gemeinschaften - dem oikos (Haus) und den Dorfschaften - auf, die aus biologischen Gegebenheiten und Befriedigung von Bedürfnissen, die über den Tag hinausreichen, entstehen. Sie selbst bildet dann die Vollendung des gemeinschaftlichen Lebens, weil er ihn der Polis die eigentümlichen Anlagen und Fähigkeiten der Menschen volle Entfaltung erlangen, gerichtet auf ein gutes und selbstzufriedenes Leben.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung bettet die aristotelische Staatsphilosophie in den historischen Kontext des Hellenismus ein und stellt die Forschungsfrage nach dem aristotelischen Demokratieverständnis.
II. Besonderheiten der Attischen Demokratie in der Antike: Dieses Kapitel arbeitet die fundamentale Differenz zwischen der antiken direkten Volksherrschaft und modernen repräsentativen Systemen heraus.
III. Das politische Menschenbild des Aristoteles in der Antike: Hier wird der Mensch als sprachbegabtes, politisches Wesen definiert, dessen Selbstverwirklichung untrennbar mit der aktiven Teilhabe an der Polis verbunden ist.
IV. Die Staats- und Verfassungslehre des Aristoteles: Dieses Hauptkapitel analysiert Aristoteles' Kategorisierung von Staatsformen, seine Abgrenzung zu Platons Idealstaat und seine theoretische Fundierung des antiken Polis-Begriffs sowie der Gerechtigkeit.
V. Die Würdigung der Staatslehre des Aristoteles: Dieser Abschnitt kontrastiert die aristotelische Demokratiekritik mit den Argumenten zeitgenössischer Befürworter der radikalen Demokratie.
VI. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Demokratie aus aristotelischer Sicht eine fehlerhafte Staatsform darstellt, da sie das Ziel eines tugendhaften Lebens zugunsten partikularer Interessen der Armen verfehlt.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Attische Demokratie, Polis, Staatslehre, Politie, Zoon politikon, Gerechtigkeit, Verfassung, Herrschaft der Vielen, Tugend, Autarkie, Demagogen, Gemeinwohl, Eudaimonia, Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die politische Theorie des Aristoteles mit einem Fokus auf seine Analyse der Attischen Demokratie und ihre Verfassungsprinzipien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen das aristotelische Menschenbild, die Systematik der verschiedenen Verfassungstypen und die Frage nach dem Sinn der antiken Polis als Lebensform.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das aristotelische Demokratieverständnis präzise zu definieren und aufzuzeigen, warum Aristoteles die Demokratie in ihrer extremen Form als fehlerhaft bewertet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine ideengeschichtliche Analyse, die Aristoteles' Texte in den historischen Kontext der antiken griechischen Philosophie stellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Aristoteles' Demokratiebegriff, seine kritische Auseinandersetzung mit Platons Staatslehre und seine Definition der Polis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Aristoteles, Staatslehre, Polis, Demokratie, Gerechtigkeit und Politie charakterisieren.
Was unterscheidet den aristotelischen Bürger von heutigen Einwohnern?
Nach Aristoteles zeichnet sich der Bürger durch die aktive Teilhabe an Rechtsprechung und Herrschaft aus, wohingegen moderne Konzepte oft einen weiteren Einwohnerstatus definieren.
Warum hält Aristoteles die Politie für die stabilste Verfassung?
Die Politie gilt als gemischte Verfassung, die als Mittelweg zwischen extremen Ausprägungen wie Oligarchie und extremer Demokratie ein Umschlagen in despotische Zustände am besten verhindern kann.
Welche Bedeutung hat das "zoon politikon" für die Staatslehre?
Dieser Begriff begründet die Notwendigkeit des Staates, da der Mensch seine Bestimmung und moralische Vervollkommnung nur innerhalb einer Gemeinschaft erreichen kann.
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- Ludwig Späte (Author), 2009, Die Attische Demokratie unter der Einwirkung der Staatslehre Aristoteles, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126379