Die koordinative Schulung von Rückschlagspielen mit Schläger und Ball

Möglichkeiten und Grenzen von Tennis im Schulsport


Examensarbeit, 2008

82 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition von Rückschlagspielen mit Schläger und Ball

3. Historische Entwicklung von Rückschlagspielen

4. Ausgewählte Rückschlagspiele mit Schläger und Ball
4.1 Einfeldspiele
4.1.1 Squash
4.1.2 Racquetball
4.2 Zweifeldspiele
4.2.1 Tennis
4.2.2 Tischtennis
4.2.3 Badminton
4.2.4 Speedminton

5. Koordination als Grundlage von Training
5.1 Theoretischer Hintergrund
5.1.1 Veränderung der Bewegungskoordination im Zusammenhang mit Verletzungen und Erkrankungen des Bewegungssystems
5.1.2 Bewegungskoordination als Gesundheitsressource bzw. als Schutzfaktor des Bewegungssystems
5.2 Messbarkeit von Koordination
5.3 Koordinationsschwächen
5.4 Methoden zur Koordinationsverbesserung
5.5 Koordination in der Jugend
5.6 Koordination im Alter

6. Definition und Differenzierung von koordinativen Fähigkeiten
6.1 Definition von koordinativen Fähigkeiten
6.2 Differenzierung allgemeiner und spezieller koordinativer Fähigkeiten
6.3 Koordinative Leistungsvoraussetzungen
6.4 Koordinative Schulung von Rückschlagspielen am Modell der allgemeinen koordinativen Fähigkeiten
6.4.1 Koordinationstraining zu den allgemeinen koordinativen Fähigkeiten
6.5 Schulung der koordinativen Fähigkeiten am Modell der koordinativen Anforderungskategorien
6.5.1 Theoretischer Hintergrund
6.5.2 Übungen für das Modell des koordinativen Anforderungsprofils

7. Koordinative Schulung im Tennis
7.1 Theoretischer Hintergrund
7.2 Ballkontrolle
7.3 Distanzregulation
7.4 Timing
7.5 Transfertraining

8. Mögliche Erscheinungsformen von Tennis in der Schule

9. Kooperation von Schule und Verein

10. Grenzen von Tennis im Schulsport

11. Diskussion

12. Fazit

13. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Altes Ballspiel

Abbildung 2: Tennis im Mittelalter

Abbildung 3: Bezeichnung der Linien und Maße eines Squash Courts

Abbildung 4: Racquetballschläger und Ball

Abbildung 5: Altes Tennisspiel

Abbildung 6: Maße und Bezeichnungen des Tennisplatzes

Abbildung 7: Tischtennistisch

Abbildung 8: Beschreibung von Badmintonfeld, Schläger und Ball

Abbildung 9: Blackminton

Abbildung 10: Speeder

Abbildung 11: Motorische Lernfähigkeit der koordinativen Fähigkeiten bei Jungen

Abbildung 12: Motorische Lernfähigkeit der koordinativen Fähigkeiten bei Mädchen

Abbildung 13: Koordinativen Fähigkeiten nach Blume

Abbildung 14: Technik-Koordination

Abbildung 15: Allgemeine und spezielle Fähigkeiten und Fertigkeiten im Tennis

Abbildung 16: Einflussgrößen und Bestandteile der koordinativen Leistungsvoraussetzungen

Abbildung 17: Koordinatives Anforderungsprofil

Abbildung 18: Aspekte des Situationsdrucks

Abbildung 19: Allgemeines Koordinationstraining mit Schwerpunktlegung auf der elementaren Bewegungsfertigkeit Laufen bei Variation unterschiedlicher Anforderungen in den Druckbedingungen

Abbildung 20: Übungsmodell für das koordinative Anforderungsprofil am Beispiel des Vorhand-Topspins in Anlehnung an Neumaier

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Klassifikation der Rückschlagspiele

Tabelle 2: Gründe für die Kooperation von Schule und Verein

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Ideale Übungen sind diejenigen die sowohl den Körper als auch den Geist einbeziehen und stärken. Nur solche Übungen können den Menschen gesund erhalten.“
(Mahatma Gandhi, *1869 - †1948)

Mahatma Gandhi erkannte bereits im 19. Jahrhundert, welche Bedeutung die Ausübung von ‘idealen Übungen‘ für den menschlichen Organismus hat. Es bleibt jedoch ungeklärt, was unter einer ‘idealen Übung‘ zu verstehen ist. Eine Übung, die den Geist, aber auch den Körper einbezieht, folglich nach Gandhi als ideal anzusehen ist, wird heutzutage in der Regel mit Sport in Verbindung gebracht.

In diesem Zusammenhang lassen sich viele Sportarten wie Handball, Fußball oder Basketball nennen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf dem Tennisspiel, welches hohe Voraussetzungen an die geistigen und körperlichen Befähigungen eines Menschen stellt. Hierbei haben die koordinativen Fähigkeiten eine besondere Bedeutung. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Bewegungsschulung von Kindern und Jugendlichen, da sich die Koordination in jungen Jahren besonders gut schulen lässt.

Noch vor wenigen Jahren erfreuten sich Tennistrainer über qualifizierten Nachwuchs. Bedingt durch den Tennisboom Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre kam es zu einem Anstieg an jugendlichen Vereinsspielern. Der Mangel an fehlenden Vorbildern, internationalen Erfolgen im Spitzensport, sowie die geringe Förderung dieses Rückschlagspiels im Jugendbereich verursachten in den Folgejahren einen Rückgang der jungen Vereinsmitglieder. Seit einigen Jahren wird deshalb nach neuen Konzepten und Ideen gesucht, welche den Tennissport wieder populärer machen sollen. Der Deutsche Tennis Bund hat sich zum Ziel gesetzt, Tennis in den Schulsport zu integrieren, um somit das Interesse der Schüler an dieser Sportart zu wecken.

Da im Schulsport große Differenzen bezüglich der Leistungsfähigkeit sowie der Koordinationsfähigkeit der Schüler auftreten, stellt sich diese wissenschaftliche Arbeit der Frage, ob sich die koordinativen Fähigkeiten durch Tennis im Schulsport fördern lassen. Um diese Frage beantworten zu können, wird in Kapitel 2 zunächst eine Definition von Rückschlagspielen gegeben, auf die in Abschnitt 3 ein historischer Rückblick folgt. In Kapitel 4 werden Rückschlagspiele vorgestellt, die mit Schläger und Ball gespielt werden, um einen Überblick zu bekommen, welche Spielidee diesen Sportarten zu Grunde liegt. Kapitel 5 beschäftigt sich mit der Definition von Koordination sowie deren Messbarkeit. Darüber hinaus werden Koordinationsschwächen, Verbesserungsmöglichkeiten sowie die Bedeutung von Koordination in verschiedenen Altersklassen näher erläutert. Die Grundlage der Arbeit bilden Kapitel 6 und 7, in denen zunächst eine Definition der koordinativen Fähigkeiten gegeben wird, auf die anschließend die Differenzierung jener Fähigkeiten folgt. In diesen Passagen werden Übungen für das Training von Tennis bzw. den Schulsport vorgestellt.

In Abschnitt 8 wird der Bezug zum Unterrichtsfach Sport hergestellt. Hier wird erörtert in welchen Formen Tennis in der Schule vorkommen kann und was dabei beachtet werden muss. Im folgenden Kapitel wird aufgezeigt, wie eine Zusammenarbeit zwischen Schule und Verein gestaltet werden kann und welche Vorteile daraus entstehen können. Anschließend werden die Grenzen diskutiert, die wichtig sind bei einer Entscheidung für oder gegen Tennis im Schulsport.

In der Abschlussanalyse soll die Frage beantwortet werden, ob sich die Förderung der koordinativen Fähigkeiten durch Tennis für den Schulsport umsetzen lässt.

Des Weiteren soll angemerkt werden, dass aus Gründen des flüssigeren Lesens und Verstehens des Textes, ausschließlich die maskuline Form verwendet wird. Die männliche Form soll beide Geschlechter mit einschließen.

2. Definition von Rückschlagspielen mit Schläger und Ball

„Die Gemeinsamkeit der Rückschlagspiele werden durch die beiden Wortsilben „Rück“ und „Schlag“ zum Ausdruck gebracht. Die erste Silbe verweist darauf, dass ein bestimmtes Spielobjekt (Ball, Federball, Indiaca…) zwischen zwei Parteien hin und her gespielt wird. Die zweite Silbe verdeutlicht, dass es zu keinem eigentlichen „Besitz“ des Spielobjektes kommt. Charakteristisch ist vielmehr eine nur kurzzeitige Berührung mit der Hand oder einem Schlaggerät. Das Ziel besteht darin, das Spielobjekt so in das gegenüberliegende Feld oder über eine Wand wieder in das eigene Feld zu schlagen, dass kein regelgerechter Rückschlag des Gegners möglich ist“ (Roth, Kröger & Memmert, 2002, S. 42).

Zu den Rückschlagspielen zählen Tennis, Badminton, Squash, Racquetball, Volley- und Beachvolleyball, Indiaca oder Tischtennis. Roth, Kröger und Memmert unterteilen diese in Einfeld- und Zweifeldspiele bzw. Einkontakt- oder Mehrkontaktspiele (s. Tab. 1). Wie man den Informationen der untenstehenden Tabelle weiterhin entnehmen kann, werden solche Spiele entweder mit den Händen oder mit Schlägern gespielt.

Tabelle1: Klassifikation der Rückschlagspiele (S = Schläger, H = Hand) (Roth et. al., 2002, S. 43)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Folgenden wird zunächst ein historischer Überblick der Entwicklung gegeben. Im Anschluss werden einige ausgewählte Rückschlagspiele vorgestellt.

3. Historische Entwicklung von Rückschlagspielen

Rückschlagspiele haben nicht nur in Deutschland, sondern weltweit eine lange Tradition. Bereits vor 2000 Jahren wurde in Indien eine Abwandlung des heutigen Federballs gespielt, bei dem sich die Menschen mit abgeflachten Hölzern kleine, mit Hühnerfedern gespickte Holzbälle zugeschlagen haben. Wie Federball hat auch Tischtennis hat seine Wurzeln im asiatischen Raum. Eines der ältesten Rückschlagspiele in Europa ist Tennis, welches seinen Ursprung in Frankreich und Italien hat. Bereits im 14. und 15. Jahrhundert wurden dort ‘Pallone‘ (s. Abb. 1) und ‘Jeu de Paume‘ gespielt, die Vorläufer des heutigen Tennis (vgl. Birkner, 1991, S. 9).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Europa wurden die ersten Formen von Rückschlagspielen von Mönchen und Adeligen praktiziert. In dieser Zeit spielten die Abmessungen der Spielflächen noch keine große Rolle. Das jeweilige Spiel wurde den äußeren Bedingungen angepasst. Mauern wurden zum Beispiel als Hindernis anstelle von Netzen benutzt. Die Spielgeräte und Bälle entsprachen selten der Form, die in den heutigen, modernen Rückschlagspielen gebraucht werden. Bälle wurden früher aus Stoff gefertigt, der mit Federn, Sand, Haaren, allerlei Abfällen, Wolle und schließlich, nach Erfindung des Gummis, mit Luft gefüllt waren. Im Laufe der Zeit entwickelte sich bei den Zweifeldspielen ein netzähnliches Hindernis, das aus Fäden mit Stoff-Fransen bestand. Das Netz diente der Spielerschwerung und konnte in der Höhe, je nach Spielform, zwischen ein und zwei Metern variieren (vgl. Clerici zitiert nach Blömeke-Rumpf, S. 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei den Vorläufern des Tennis (s. Abb. 2) wurde zunächst mit den Handinnenflächen und einem sehr harten Lederball gespielt. Zum Schutz der Hand entwickelte sich zunächst ein manschettenartiger Handschuh, später ein Kurzschläger. Aus diesem entstand dann das heutige Spielgerät. Historische Quellen belegen, dass es durchaus üblich war, wenn ein Spieler mit der Hand, der andere mit einem Schläger gespielt hat. Dem Spieler, der mit der Hand schlug, wurde ein Handicap-Vorteil eingeräumt (vgl. Clerici zitiert nach Blömeke-Rumpf, S. 4).

Ursprünglich wurden die Rückschlagspiele zum bloßen Zeitvertreib betrieben. Der Dialog mit dem Partner und dem Spielgeräten stand hierbei im Vordergrund. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wandelte sich der Spielgedanke. Der Wettkampfcharakter rückte immer stärker in den Vordergrund. Aus dem Miteinander wurde ein Gegeneinander mit dem Ziel den Gegner zu bezwingen. Voraussetzung hierfür war allerdings ein allgemeingültiges Regelwerk für die jeweilige Sportart. Dieses beinhaltete nicht nur die Abmessungen der jeweiligen Spielfläche, sondern auch die Beschaffenheit des Spielgerätes oder die Zählweise. Ein vorläufiges Ende der Entwicklung von Rückschlagspielen stellte die internationale Normierung der Spielregeln durch die Weltverbände dar (vgl. Blömeke-Rumpf, S. 5).

4. Ausgewählte Rückschlagspiele mit Schläger und Ball

Wegen der Ähnlichkeiten der koordinativen Anforderungen sollen in diesem Abschnitt einige Rückschlagspiele näher erklärt werden, in denen Schläger und Ball Verwendung finden. Die Einteilung in Einfeld- und Zweifeldspiele wird hier beibehalten. Zu jeder Sportart wird eine kurze historische Zusammenfassung, Informationen zur Spielidee sowie Beschaffenheit und Maße des Spielfeldes und den Spielgeräten gegeben.

4.1 Einfeldspiele

4.1.1 Squash

Historische Entwicklung

Squash stammt vom englischen Wandspiel Fives ab. Als ursprünglichen Spielort dieser Sportart gelten Mönchs- und Gefängniszellen. Der Court (Spielfeld), des damaligen Rugby-Fives, ähnelte mit den abfallenden Seitenwänden schon zu dieser Zeit sehr dem heutigen Squash-Court. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde dann das ‘Open-Court Racket’ gespielt, für das sich die Spieler mit einem weichen Ball an einer Wand warmgespielt haben. Dies wird allgemein als die Geburtsstunde des Squash-Spiels angesehen. Der Name Squash (engl. zusammendrücken) ist auf den weichen Ball zurückzuführen, der vom Sport Brockhaus (1989) mit dem Wort ‘Squash’ übersetzt wurde. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahmen zwei amerikanische Studenten die Spielidee des Squash mit über den Atlantik. Jedoch setzte sich dort eher die Variante mit einem harten Ball -das sogenannte Racquetball- durch (vgl. [INT1][2] ).

Spielidee

Squash ist ein Rückschlagspiel für zwei Spieler, die sich in einem räumlich begrenzten Court befinden und sich den Ball zuspielen bzw. versuchen ihn dort zu platzieren, wo der Gegner ihn nicht mehr erreichen kann. Der Ball kann geradlinig, sowie auch mit Einbeziehung der Seitenwände und der Rückwand gespielt werden. Dabei darf jedoch nicht über die begrenzenden Markierungen geschlagen werden. Dadurch unterscheidet sich Squash grundsätzlich von anderen Rückschlagspielen. Der Ball wird abwechselnd geschlagen und darf nach dem Berühren der Stirnwand nur einmal auf dem Boden aufkommen, bevor er wieder gespielt werden muss.

Die Zählweise beim Squash wurde, wie bei vielen anderen Rückschlagspielen auch, auf das Rally-Prinzip umgestellt. Das bedeutet, dass jeder Punkt gezählt wird. Das Aufschlagrecht wechselt nach Punktverlust. Zu Beginn des Spiels wird das Recht für den ersten Aufschlag ausgespielt. Bei jedem neuen Satz darf der Verlierer des vorhergehenden Satzes beginnen. Eine Grundregel des Squash ist seinen Kontrahenten nicht zu gefährden. Dementsprechend müssen die Spieler darauf achten, dem Gegner nicht im Weg zu stehen. Des Weiteren muss beim Schlagen in Erwägung gezogen werden, ob der andere Spieler durch die Schlagbewegung gefährdet wird. Sollte ein Spieler merken, dass er den Gegner mit Ball oder Racket treffen würde, kann durch die let -Regelung[3] der Schlag wiederholt werden (vgl. [INT2]).

Spielfeld

Ein Squash-Court (s. Abb. 3) ist 9,75 Meter lang und 6,40 Meter breit. Die Wände sind aus Beton mit einer speziellen Beschichtung während der Boden aus Parkett besteht.

„Die obere Begrenzungslinie der Stirnwand befindet sich 4,57 m über dem Boden, die Service-Linie (Aufschlaglinie) 1,78 m (Oberkante). Das “Tin-Board” erstreckt sich vom Boden bis 0,45 m in die Höhe. Die Rück- und Seitenwände haben nur nach oben Begrenzungslinien, die von der Stirnwand ausgehen. An der Rückwand befindet sich die Begrenzungslinie 2,13 m über dem Boden. Die seitlichen Auslinien ergeben sich als Verbindungslinie von vorderer und hinterer Begrenzungslinie und verlaufen demzufolge schräg nach hinten fallend“ ([INT3]).[1]Die let-Regelung besagt, dass wenn die Gefahr besteht, dass der Mitspieler durch den eigenen Schlag verletzt werden könnte, kann let gerufen werden und somit wird der Aufschlag wiederholt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Spielgerät

Squashschläger werden im Normalfall aus Kunstfasern gefertigt. Größe, Länge und Gewicht des Schlägers variieren, je nachdem ob sie für Männer, Frauen oder Jugendliche hergestellt sind. Die Größe des Schlägers unterliegt den Normen des Welt-Squash-Verbandes (WSF). Darüber hinaus ist von individueller Relevanz, dass der Schläger für den Spieler gut in der Hand liegt (vgl. [INT5]).

Der Squash-Ball ist hohl und besteht aus einer Kautschuk-Mischung. Die Bälle haben unterschiedliche Geschwindigkeitseigenschaften, die durch Punkte auf den Bällen ersichtlich sind. Durch Schlageinwirkung erwärmt sich der Ball, wodurch er seine charakteristischen Eigenschaften erhält. Dabei gilt: je langsamer der Ball, desto schneller ist das Spiel. Anfängern wird empfohlen, mit größeren Bällen zu spielen (vgl. [INT5]).

4.1.2 Racquetball

Historische Entwicklung

Racquetball entstand in den frühen 1920er Jahren in den Vereinigten Staaten von Amerika. In den Wintermonaten nutzten Tennisspieler amerikanische Handballcourts (ähnlich europäischer Squash-Courts), um auch in der kalten Jahreszeit ihren Sport ausüben zu können. Die Entwicklung in den 1930er Jahren hat dazu geführt, dass nicht länger Tennisschläger verwendet wurden, sondern durchlöcherten Holzschlägern mit kurzem Griff, die so genannte ‘paddleball paddles’. Dieser Sport wird heute von fast 30 Millionen Menschen weltweit ausgeübt (vgl. [INT6]).

Spielidee

Ähnlich wie Squash, ist Racquetball ein Rückschlagspiel, das in einem Court von zwei bis vier Spielern ausgeübt wird. Ziel ist es, den Ball so gegen die Wand zu schlagen, dass dieser mehrmals den Boden berührt bevor ihn der Gegner erreichen kann. Die Schlagtechnik ähnelt der des Tennisspiels, jedoch wird der Ball viel tiefer angenommen und nur flach und hart gegen die Wand geschlagen. Hierbei kann der Ball bei guten Spielern Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h erreichen. Für Anfänger ist Racquetball eine geeignete Sportart, da ihnen eine große Schlagerfläche nahe der Hand zur Verfügung steht. Des Weiteren ist der Ball relativ groß und daher für Anfänger leicht zu treffen. Für ungeübte Spieler besteht die Möglichkeit der Vereinfachung der Regel, sodass der Ball zum Beispiel auch nach mehrmaligem auftippen noch gespielt werden darf (vgl. [INT6]).

Spielfeld

Racquetball wird in einer Halle (Käfig) gespielt, die 12,20 Meter lang und 6,10 Meter hoch wie breit ist. Die Wände bestehen aus Beton, die mit einer Lackschicht überzogen sind. In der Mitte des Spielfeldes befindet sich die 1,52 Meter breite Aufschlagzone, aus welcher der Aufschlag ausgeführt wird. Die Stirnwand ist vollständig bespielbar und auch die Decke kann ins Spiel einbezogen werden (vgl. [INT6]).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Spielgeräte

Der Amerikaner Joe Sobek erkannte, dass ein Schläger mit verkürztem Griff einem Tennisschläger in vielen Spieleigenschaften überlegen ist. Jedoch darf der Schläger eine maximale Länge von 55,88 Zentimeter nicht überschreiten und muss aus einem festen Material bestehen. Die Schlaufe am Ende des Griffes wird genutzt, um den Schläger am Handgelenk zu befestigen.

Durch das Entfernen der Filzschicht wurde in den 50er Jahren der Ball springfreudiger und schneller gemacht. Durch neue Materialentwicklung änderte sich die Beschaffenheit des Balles bis hin zum heutigen Hohlgummiball (vgl. [INT6]).

4.2 Zweifeldspiele

4.2.1 Tennis

„Von der ständig wachsenden Zahl seiner Anhänger wird das Tennisspiel für ein wahrhaft himmlisches Vergnügen gehalten. Dennoch hat es, wenn nicht alles täuscht, seinen Ursprung in der Hölle. Der erste Tennis-Report kommt jedenfalls geradewegs von diesem finsteren Ort“ (Gillmeister, 1990, S. 9).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Laut Gillmeister (1990, S. 11) überlieferte der Mönch Cäsarius von Heisterbach einen „authentischen Bericht aus dem Inferno, in dem zwei teuflische Tennisteams eine Menschenseele zu ihrem Spielball machten“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Historischer Hintergrund

„Die Ursprünge des Tennisspiels liegen weitgehend im Nebel grauer Vorzeit. Außerdem waren in viele Kulturen, verteilt über die ganze Erde, Spiele ausgeübt worden, die in irgendeiner Weise in ihrer Spielidee oder mit ihren Spielgeräten auf spätere Schlagsportarten hinweisen“ (Birkner, 1991, S. 9)

Tennis wurde bis Mitte des 16. Jahrhunderts mit der flachen Hand gespielt, bis die Verwendung eines Schlägers und eines Netzes zur Regel wurde (s. Abb. 5). Aufgrund der Ersten ausgetragenen Meisterschaften In Wimbledon wurde ein offizieller Regekatalog erstellt. Im Jahre 1877 kam es auch in Deutschland zur Einführung dieser Regeln. Fünfundzwanzig Jahre später erfolgte die Gründung des Deutsche Tennis Bund (DTB), der damals noch DLTB (L = Lawn = Rasen) hieß (vgl. Sport Brockhaus, S. 539f).

Spielidee

„Tennis ist ein Spiel, bei dem im Einzelspiel (einer gegen einen) oder im Doppelspiel (zwei gegen zwei) auf einem relativ großen Spielfeld ein filzbezogener Ball mit Hilfe von Schlägern über ein Netz hin- und hergeschlagen wird. […] Ziel eines Ballwechsels ist es, den Gegner den Regeln entsprechend so an- oder auszuspielen, dass er den Ball nicht mehr oder nur fehlerhaft retournieren kann. Das kann durch harte, trickreiche oder auch konstante Spielweise geschehen“ (Birkner, 1991, S. 11).

In nicht-wettkampforientierten Spielen können alternative Vereinbarungen getroffen werden, sodass zum Beispiel der Hauptaugenmerk darauf liegt, den Ball so lange wie möglich im Spiel zu halten (vgl. Deutscher Tennis Bund, 1990, S. 10).

Spielfeld

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Beschaffenheit von Tennisplätzen wird grundsätzlich in die Kategorien Sand-, Rasen- und Hartplatz unterschieden. Der Sandplatz besteht aus einem roten Sandgemisch und gilt allgemein als relativ langsamer Boden. Der Rasenplatz ist vor allem durch das wohl berühmteste Tennisturnier, die „All England Championships“ (Wimbledon) bekannt. Rasenplätze gelten als relativ schnell. Hart- bzw. Kunststoffplätze liegen, was die Spielgeschwindigkeit betrifft, in der Mitte zwischen Rasen- und Sandplatz. Wie aus Abbildung 6 deutlich wird, ist der Tennisplatz 23,77 Meter lang, und im Einzelspiel 8,23 Meter und im Doppelspiel 10,97 Meter breit. Die waagerechte T-Linie teilt das Spielfeld in Halb- und Rückfeld auf und dient ebenfalls als Begrenzung der Aufschlagfelder. Von der Mitte der Seitenlinie ist ein 91,5 Zentimeter hohes Netz über das Spielfeld gespannt. Das Netz ist an einem Seil oder Metallkabel aufgehängt und an zwei 1,06 Meter hohen Pfosten befestigt (vgl. Sport Brockhaus, 1989, S. 537).

Spielgerät

Tennisschläger und Filzbälle dienen als Spielgeräte. Besonders die Schläger haben sich durch Weiterentwicklung deutlich verändert. Hierbei ist besonders der Wechsel des Materials, von Holz zu Aluminium bzw. Stahl und dann hin zum Graphit zu erwähnen. Heutzutage gibt es sogar Rahmen mit eingebauten Computerchips, deren Effektivität bei Fachleuten jedoch umstritten ist. Für Kinder gibt es besondere Schläger, die leichter und kürzer sind, damit der Einstieg in das Tennisspiel erleichtert wird (vgl. [INT10]).

Die Bälle, die früher aus Leder oder Kork hergestellt wurden, erfüllten jedoch nicht die gewünschte Sprungeigenschaft. Aus diesem Grund wird heutzutage ein Hohlgummiball mit einer Filzschicht verwendet.

4.2.2 Tischtennis

Historische Entwicklung

Tischtennis stammt ursprünglich aus Indien und wurde Ende des 19. Jahrhunderts nach England importiert. Aufgrund des Geräusches bekam das Spiel zunächst den Namen ‘Ping-Pong‘ (in Frankreich ‘Whiff Whaff‘). Durch den Schutz dieses Markennamens im Jahre 1901 setzte sich der Name Tischtennis von da an mehr und mehr durch. Zunächst wurde Tischtennis mit einem geschnitzten Korken gespielt, der durch einen Gummiball abgelöst wurde. Entscheidend für die Entwicklung des Tischtennis war die Erfindung des Zelluloidballes im Jahre 1890, auf die bald die Konstruktion des Schlägers mit Gummibeschichtung folgte. In Anlehnung an das Tennisspiel hat die Zählweise 15, 30, 40, Spiel lange Verwendung gefunden. In Deutschland wurde der erste Tischtennisclub 1899 in Berlin gegründet. Die Gründung des Deutsche Tischtennisbundes erfolgte im Jahr 1925. Tischtennis wurde 1988 in das olympische Programm aufgenommen (vgl. [INT11]).

Spielidee

Beim Tischtennis stehen sich zwei Spieler im Einzel bzw. vier im Doppel an der ‘Platte’ (Tischtennistisch) gegenüber.

„Um einen Punktgewinn zu erzielen, versuchen die Spieler, einen ca. 2,5 Gramm schweren Zelluloidball von ca. 3,8 cm Durchmesser mit einem Schläger so über oder um das Netz auf die Tischhälfte des bzw. der Partner zu schlagen, dass der Ball nicht zurückgespielt werden kann“ (Bouvain, 1982, S. 196).

Die Partei, die zuerst elf Punkte erreicht hat, bei einem Vorsprung von mindestens zwei Punkten, gewinnt einen Satz. Das Spiel gewinnt derjenige Spieler, der drei Sätze für sich entscheiden kann. Im Doppel werden lediglich zwei Gewinnsätze gespielt. Seit dem Jahre 2001 wird ein Satz nicht mehr bis einundzwanzig gespielt, sondern nur noch bis elf. Das Aufschlagrecht wechselt jeweils nach zwei Punkten, außer in der Verlängerung, wo es nach jedem Punkt wechselt. (vgl. [INT12]).

[...]


[1] Deutsche Schreibweise. Im Folgenden wird jedoch die englische Schreibweise „Racquetball“ verwendet, da diese von den meisten der verwendeten Quellen gebraucht wird.

[2] Internetadressen werden aus Gründen der Übersichtlichkeit mit [INT] angegeben und durchnummeriert im Anhang aufgeführt.

Ende der Leseprobe aus 82 Seiten

Details

Titel
Die koordinative Schulung von Rückschlagspielen mit Schläger und Ball
Untertitel
Möglichkeiten und Grenzen von Tennis im Schulsport
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
82
Katalognummer
V126394
ISBN (eBook)
9783640323401
ISBN (Buch)
9783640321421
Dateigröße
1755 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schulung, Rückschlagspielen, Schläger, Ball, Möglichkeiten, Grenzen, Tennis, Schulsport
Arbeit zitieren
Sebastian Schrammeck (Autor), 2008, Die koordinative Schulung von Rückschlagspielen mit Schläger und Ball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126394

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