In dieser Hausarbeit soll untersucht werden, inwiefern das Unterbrechen des Rezeptionsprozesses beim Vorlesen von Bilderbüchern sinnvoll sein kann und inwieweit an die Vorlesegewohnheiten der Kinder angeknüpft werden sollte. Dabei werden zunächst Ziele der Bilderbuchdidaktik allgemein und das Vorlesegespräch als didaktische Konzeption vorgestellt. Daraufhin gibt es einen Überblick über das Bilderbuch in der Grundschule und die Chancen und Grenzen bei der Unterbrechung des Rezeptionsprozesses.
Im Anschluss wird die Unterrichtsreihe zum Bilderbuch "Der Blätterdieb" vorgestellt und die gewonnen Kenntnisse aus der Theorie auf das Vorgehen im Unterricht übertragen. Zum Schluss werden die Erkenntnisse für den Professionalisierungsprozess reflektiert, bevor das abschließende Fazit die Chancen und Grenzen und die methodisch-didaktischen Konsequenzen zusammenfasst
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Bilderbuch und seine Didaktik
2.1 Didaktische Konzeptionen
2.2 Das Bilderbuch im Anfangsunterricht der Grundschule
2.3 Chancen und Grenzen bei der Unterbrechung des Rezeptionsprozesses
3 Unterrichtsreihe
4 Synthese und Reflexion der fachdidaktischen Erkenntnisse und der Unterrichtssituation
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Unterbrechung des Rezeptionsprozesses beim Vorlesen von Bilderbüchern im Anfangsunterricht der Grundschule sinnvoll ist und welche Chancen und Grenzen dieses methodische Vorgehen bietet.
- Bilderbuchdidaktik und schulische Vorlesegespräche
- Visual Literacy im Kontext der Bilderbuchrezeption
- Methodische Gestaltung von Vorlesesituationen
- Förderung literarischer Teilkompetenzen
- Reflexion der Unterrichtspraxis am Beispiel "Der Blätterdieb"
Auszug aus dem Buch
2.3 Chancen und Grenzen bei der Unterbrechung des Rezeptionsprozesses
Wenn die Rezeption des Bilderbuchs an geeigneten Stellen unterbrochen oder verzögert wird, bekommen die Kinder die Möglichkeit einer intensiveren Auseinandersetzung. Das „Ziel der vorlesebegleitenden Impulse“ (Fuhrmann/Merklinger 2015, 258) ist die gegenseitige Anregung der persönlichen Auffassung und Wahrnehmung einerseits und das genaue Verständnis von Text und Bild andererseits. Die Impulse sollen den Schüler*innen somit das Verstehen des Textes ermöglichen und zum Entdecken am Text bewegen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten für Gesprächsimpulse, die diese Auseinandersetzung anregen können.
Bei der Nutzung dieser Gesprächsimpulse ist ausreichend Zeit zum Nachdenken zentral, damit solide Antworten auf die jeweiligen Impulse gefunden werden können. Von dieser Übergangszeit im Gespräch profitieren nicht nur die Schüler*innen, sondern auch die Lehrkräfte: Sie bekommen die Chance, über einzelne Aussagen genauer nachzudenken, eigenen Ideen nachzugehen oder die Bedeutung einer einzelnen Aussage hervorzuheben und für das Plenum zum Gegenstand der Diskussion zu machen (vgl. Fuhrmann/Merklinger 2015, 258).
Im Bereich des Bilderbuchs ist zudem der Begriff Visual Literacy zentral. Der Aufbau der Visual Literacy beginnt bereits mit wenigen Monaten (vgl. Krichel 2020, 27ff.). Der Begriff bezeichnet die Fähigkeit, Informationen, die in Form eines Bildes dargestellt werden, zu lesen, zu verstehen und zu interpretieren (vgl. Stokes 2002, 12). Diese Rezeptionskompetenz ist nicht trivial, kann aber erlernt werden und vor allem die Bedeutung der Alphabetisierung erweitern. Das Lesen von Bild (und Text) führt durch das aktive Handeln mit unbekannten Themen zu einer mentalen Erweiterung des Wissens. Weiterhin wird der/die Betrachter/in durch die Perspektivübernahme für irrationale und impulsive Aspekte sensibilisiert und die sprachbezogene Ausdrucksweise und die Erzählkompetenz durch den Austausch mit den Mitschüler*innen und der Lehrkraft gefördert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Beobachtung der Reaktionen von Kindern auf unterbrochene Vorleseprozesse und formuliert die Forschungsfrage zur Sinnhaftigkeit dieser Unterbrechungen.
2 Das Bilderbuch und seine Didaktik: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die theoretischen Grundlagen der Bilderbuchdidaktik, die Rolle des Vorlesegesprächs sowie die Bedeutung von Visual Literacy und Interdisziplinarität.
3 Unterrichtsreihe: Hier wird die Planung und Durchführung einer dreistündigen Unterrichtsreihe zum Bilderbuch „Der Blätterdieb“ im Anfangsunterricht detailliert beschrieben.
4 Synthese und Reflexion der fachdidaktischen Erkenntnisse und der Unterrichtssituation: Das Kapitel verknüpft die theoretischen Erkenntnisse mit den praktischen Erfahrungen aus der Unterrichtsreihe und reflektiert den Professionalisierungsprozess.
5 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und betont den Mehrwert der gezielten Unterbrechung des Rezeptionsprozesses für das literarische Lernen.
Schlüsselwörter
Bilderbuchdidaktik, Anfangsunterricht, Rezeptionsprozess, Vorlesegespräch, Visual Literacy, literarisches Lernen, Erzählkompetenz, Perspektivübernahme, Grundschule, Sprachliche Grundbildung, Der Blätterdieb, Didaktische Konzeptionen, Mediale Kompetenz, Unterrichtsreihe, Schulisches Vorlesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das didaktische Potenzial von Bilderbüchern im Anfangsunterricht der Grundschule, insbesondere unter dem Aspekt, wie durch gezielte Unterbrechungen des Vorleseprozesses Lernprozesse und Kompetenzen gefördert werden können.
Welche Themenfelder sind zentral?
Zentrale Themenfelder sind die Bilderbuchdidaktik, die Bedeutung von Vorlesegesprächen, das Konzept der Visual Literacy sowie die praktische Anwendung durch Unterrichtsreihen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu ergründen, inwiefern die Unterbrechung des Rezeptionsprozesses dazu beitragen kann, das Verständnis für Erzählstrukturen und komplexe literarische Prozesse bei Kindern zu vertiefen sowie deren Sprachkompetenz zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung fachdidaktischer Literatur sowie der Reflexion einer unterrichtspraktischen Erprobung und Anwendung theoretischer Ansätze.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die Vorstellung der konkreten Unterrichtsreihe zum Buch „Der Blätterdieb“ und die anschließende kritische Reflexion und Verknüpfung dieser Elemente.
Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch?
Typische Begriffe umfassen Bilderbuchdidaktik, Vorlesegespräch, Visual Literacy, Rezeptionsprozess und Anfangsunterricht.
Warum klagen Kinder bei Unterbrechungen des Vorlesens?
Oftmals sind solche Unterbrechungen ungewohnt, da sie nicht dem gewohnten Vorlesemodus von zu Hause entsprechen; das Klagen signalisiert jedoch auch ein hohes Interesse am weiteren Verlauf der Geschichte.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft bei Vorlesegesprächen?
Die Lehrkraft fungiert als Interaktionspartner, der den literarischen Input steuert, ohne den Kindern durch zu viele Impulse die eigene Imagination vorwegzunehmen oder den Rezeptionsprozess zu stören.
Was versteht man unter „Visual Literacy“ in diesem Kontext?
Es bezeichnet die Fähigkeit von Kindern, Informationen, die in Form von Bildern vorliegen, zu lesen, zu verstehen und zu interpretieren.
Wie trägt das Bilderbuch zum „Erzählerwerb“ bei?
Der Umgang mit Bilderbüchern hilft Kindern dabei, bezugnehmende Sinnzusammenhänge herzustellen und komplexe erzählerische Ereignisse besser zu durchdringen.
- Citar trabajo
- Lina Bürsken (Autor), 2022, Bilderbücher im Deutschunterricht in der Grundschule. Chancen und Grenzen am Beispiel des Buchs "Der Blätterdieb", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1263975