Kann Migration wirklich als Hauptkriterium für sprachliche Defizite herangezogen werden? Welche Rolle spielen Sprachdefizite in Bezug auf schulische (Miss-)Erfolge und Übergangschancen? Wie gestaltet sich die Forschungslage zu den genannten Bereichen? Diesen Fragen wird in dieser Arbeit nachgegangen.
Die Funktionen von Sprache sind vielfältig. Sprache ist ein Instrument zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, das wichtigste menschliche Kommunikationsmittel und in der Schule zudem Erwerbsgegenstand sowie Verständigungsmedium. Dementsprechend ist das Verstehen und Beherrschen einer Sprache für eine erfolgreiche Teilhabe im Bildungssystem unerlässlich.
Diverse Studien belegen, dass viele Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund aufgrund unzureichender Deutschkenntnisse im deutschen Bildungssystem benachteiligt sind und auch deutschsprachige Kinder weisen offenbar vermehrt sprachliche Defizite auf. Gerade in Familien mit Zuwanderungsgeschichte, haben Kinder häufig Schwierigkeiten, die deutsche Sprache in der Schule korrekt anzuwenden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Migration und Chancen(un)gleichheit im deutsch. Bildungssystem
2.1 Migrationshintergrund
2.2 Schnittstellen der Bildung – schulische Übergänge
3. Sprache als wichtiger Aspekt für den Bildungserfolg
3.1 Der Zusammenhang von Sprache, Migration und Bildungschancen
3.2 Möglichkeiten der Sprachförderung
4. Schlussüberlegung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle von sprachlichen Defiziten bei Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund und deren Einfluss auf den schulischen Erfolg sowie die Übergangschancen im deutschen Bildungssystem. Dabei wird kritisch hinterfragt, inwiefern Migration als Hauptursache für diese Defizite fungieren kann oder ob die soziale Herkunft eine zentralere Rolle spielt.
- Definition des Begriffs Migrationshintergrund und Abgrenzung zur Migration
- Analyse der primären und sekundären Herkunftseffekte nach Boudon
- Untersuchung schulischer Übergänge und ihrer Bedeutung für Bildungskarrieren
- Zusammenhang zwischen Sprachkompetenz, sozialem Status und Schulerfolg
- Diskussion über Ansätze der Sprachförderung und systemische Lösungsansätze
Auszug aus dem Buch
2.1 Migrationshintergrund
Um ein grundlegendes Verständnis dafür zu schaffen, was überhaupt unter dem Terminus des Migrationshintergrundes verstanden wird, soll der Begriff zunächst definiert werden. Dabei besteht ein Unterschied zwischen Migration und Migrationshintergrund. Von Migration wird gesprochen, wenn eine Person selber außerhalb von Deutschland geboren wurde und nach dessen Geburt nach Deutschland eingewandert ist. Ein Migrationshintergrund besteht dann, wenn die Person selbst in Deutschland geboren worden ist, mindestens ein Elternteil jedoch eingewandert ist (vgl. Heimken 2017: 30).
Der Soziologie BOUDON hat Mitte der 1970er Jahre die Unterscheidung von primären und sekundären Herkunftseffekten definiert und erklärt, diese Effekte würden sich unmittelbar auf den Bildungserfolg auswirken (vgl. Möller 2011: 2). Dabei werden als primäre Herkunftseffekte als „Einflüsse der sozialen Herkunft“ (vgl. ebd.) bezeichnet. Dies beinhaltet beispielsweise die im Elternhaus gesprochene Sprache sowie die Lernausgangsbedingungen der Familie, also z.B. die individuelle Förderung der Kinder durch die Eltern, der Ausstattung des Heimes durch Bücher, Lexika und andere Bildungsgüter, aber auch Merkmale wie beispielsweise eine Vorlesekultur im Elternhaus wird hierunter gefasst. Wichtig ist ebenfalls, dass die primären Herkunftseffekte nicht in den Bildungseinrichtungen, sondern im sozialen Umfeld entstehen, noch bevor das Kind eingeschult wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Sprache als Instrument der gesellschaftlichen Teilhabe und stellt die forschungsleitende Frage nach dem Zusammenhang zwischen sprachlichen Defiziten, Migration und schulischem Erfolg.
2. Migration und Chancen(un)gleichheit im deutsch. Bildungssystem: Dieses Kapitel definiert den Migrationshintergrund und erläutert anhand der Theorie primärer und sekundärer Herkunftseffekte die Grundlagen schulischer Ungleichheit.
2.1 Migrationshintergrund: Hier erfolgt eine präzise Definition des Begriffs Migrationshintergrund im Gegensatz zur direkten Migration sowie eine Einordnung soziologischer Herkunftseffekte.
2.2 Schnittstellen der Bildung – schulische Übergänge: Das Kapitel analysiert, wie Übergangsentscheidungen – etwa von der Grundschule auf weiterführende Schulen – soziale Ungleichheiten perpetuieren und wie Sprachbarrieren diese beeinflussen.
3. Sprache als wichtiger Aspekt für den Bildungserfolg: Dieser Teil befasst sich mit der empirischen Evidenz zur Bedeutung von Sprachkompetenz für eine erfolgreiche Schullaufbahn und thematisiert bildungsferne Haushalte unabhängig von einer Zuwanderungsgeschichte.
3.1 Der Zusammenhang von Sprache, Migration und Bildungschancen: Der Fokus liegt auf der Korrelation zwischen zu Hause gesprochener Sprache, der Generationenzugehörigkeit und dem erreichten Kompetenzniveau bei PISA-Studien.
3.2 Möglichkeiten der Sprachförderung: Es werden existierende Fördermaßnahmen, deren Grenzen und die Notwendigkeit einer systemischen, bildungsinstitutionellen Sprachförderung kritisch diskutiert.
4. Schlussüberlegung: Das Fazit fasst zusammen, dass soziale Herkunft und sozioökonomischer Status die entscheidenderen Faktoren als Migration allein sind und fordert unterrichtsübergreifende Förderkonzepte.
Schlüsselwörter
Sprachdefizite, Migrationshintergrund, Bildungserfolg, Chancengleichheit, soziale Herkunft, primäre Herkunftseffekte, sekundäre Herkunftseffekte, Schullaufbahn, Übergangsempfehlungen, Sprachförderung, Lesekompetenz, Bildungsintegration, Bildungsferne, Sozioökonomischer Status, Sprachbarrieren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Sprachdefizite mit schulischem Misserfolg korrelieren und welche Rolle der Migrationshintergrund sowie die soziale Herkunft bei diesem Prozess spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Sprachkompetenz als Schlüssel zum Schulerfolg, die Ungleichheit im Bildungssystem, der Einfluss von Zuwanderungsgeschichte und sozioökonomischen Bedingungen sowie Förderansätze.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu ergründen, ob Migration das Hauptkriterium für Sprachdefizite und schulischen Misserfolg ist oder ob andere soziale Faktoren eine tragende Rolle einnehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse soziologischer Konzepte und der Auswertung empirischer Studien (wie PISA) zur Bildungssituation von Jugendlichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Herkunftseffekte, die Bedeutung der Sprache im Elternhaus, die Hürden bei schulischen Übergängen sowie die Effektivität und Notwendigkeit von Sprachförderung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Bildungsungleichheit, Sprachbarrieren, sozioökonomischer Status, Migrationshintergrund und primäre bzw. sekundäre Herkunftseffekte.
Warum wird der sozioökonomische Status als entscheidender als die Migration hervorgehoben?
Die Auswertungen zeigen, dass auch einsprachig deutschsprachige Kinder aus bildungsfernen Schichten ähnliche Defizite aufweisen, was belegt, dass der Bildungsstatus des Elternhauses ein stärkerer Prädiktor für Spracherwerb ist als die bloße Herkunft.
Welchen Stellenwert nimmt die frühkindliche Förderung ein?
Die Arbeit unterstreicht, dass der Kindergarten eine zentrale Rolle als Zugangsort zur deutschen Sprache spielt, wobei eine qualitativ hochwertige, frühe Förderung besonders für Kinder aus bildungsfernen Schichten als essenziell erachtet wird.
Wie bewertet der Autor aktuelle Förderansätze?
Die bisherigen Maßnahmen werden kritisch als nicht einheitlich unter dem deutschen Bildungsföderalismus betrachtet; gefordert werden stattdessen sprachsensibler Unterricht und unterrichtsübergreifende Konzepte.
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- Anonym (Autor), 2021, Migration als Grund für Sprachdefizite? Schulische Chancen von SuS mit Migrationshintergrund, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1264501