Familienbilder in der Literatur am Beispiel "Ronja Räubertochter" von Astrid Lindgren


Hausarbeit, 2006
24 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Wer war Astrid Lindgren

Inhalt des Romans

Familienstruktur

Figurenanalyse
Ronja
Mattis
Lovis
Glatzen-Per

Familienkonflikt
Vater- Tocher- Konflikt
Mutter-Tochter-Konstellation
Ronja und Birk

1) Vorwort

In der Hausarbeit zu der Veranstaltung „Familienbilder in der deutschen Literatur“ befasse ich mich mit dem Kinder- und Jugendroman „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren. Dieses Buch erschien in Schweden erstmals im Jahre 1981 unter dem Titel „Ronja Röverdotter“ bei dem Stockholmer Verlag Rabén & Sjögren. 1982 wurde die deutsche Ausgabe herausgegeben, übersetzt von Anna-Liese Kornitzky beim Hamburger Friedrich Oettinger Verlag. Ronja Räubertochter ist Astrid Lindgrens letztes literarisch bedeutsames Werk.

Bei einer Präsentation 1981 erklärt Astrid Lindgren vor Journalisten:

„Ihr fragt immer soviel danach, was ich meine und was dahinter steckt.

Wisst ihr, ich werde euch mal was sagen. Ich denke überhaupt nicht

soviel. ich denke gar nicht. Ich schreibe einfach. Das Einzige, was ich mit meinen Büchern beabsichtige, ist, das Kind in mir selbst zufrieden zu stellen und den Kindern ein Leseerlebnis zu schenken. Ich schreibe Märchen, und der Mensch braucht Märchen, hat sie immer gebraucht. So ist das. Ich versuche nicht, die Kinder, die meine Bücher lesen, bewusst zu erziehen oder zu beeinflussen; das Einzige, worauf ich zu hoffen wage, ist, dass sie den Kindern vielleicht ein klein wenig zu einer menschenfreundlichen, lebensbejahenden und demokratischen Einstellung verhelfen.“[1]

Die Bücher dieser Schriftstellerin haben eine faszinierende Wirkung auf mich. Als Kind habe ich sie vorgelesen bekommen und lese sie als Erwachsene noch sehr gerne. Astrid Lindgren schafft in ihren Büchern eine ganz besondere Atmosphäre in der man ganz und gar versinken kann.

In dieser Arbeit möchte ich zum einen die Familienstrukturen in „Ronja Räubertochter“ aber auch die Entwicklung von Ronja genauer betrachten.

2) Wer war Astrid Lindgren?

Ihr Ziel sei es, erklärte sie einst, „Kindern ein paar schöne Augenblicke zu bereiten“.[2] Und das hat sie mit ihren Büchern sicherlich auch geschafft.

Nicht nur ihre Bücher sondern auch Verfilmungen wie „Pippi Langstrumpf“, „Karlsson vom Dach“, „Michel aus Lönneberga“ oder „Madita“ gehören zum Aufwachsen vieler

Kinder dazu. Doch wer war Astrid Lindgren?

Am 14.11.1907 wird Astrid Anna Ericsson in der Nähe von Vimmerby, Småland/ Schweden, geboren. Sie ist das zweite Kind von Samuel August Ericsson und seiner Frau Hanna. Ihre Geschwister, der ein Jahr ältere Gunnar und die 1911 geborene Schwester Stina, wachsen zusammen mit Astrid in einem sehr liebevollen Zuhause auf. Astrid beendet ihre Schullaufbahn 1923 mit dem Realschulabschluss und wird ein Jahr später bei einer Zeitung, der Wimmerby Tidning, angestellt um Korrektur zu lesen und kleine Reportagen über Feiertage und Einweihungen zu schreiben. 1926 zieht Astrid nach Stockholm und geht dort zur Sekretärinnenschule. Am 04.12.1926 bringt sie ihr erstes Kind, Sohn Lars, zur Welt, muss ihn aber zu einer Pflegefamilie nach Kopenhagen geben, wo sie ihn regelmäßig besucht.

1930 wird die Pflegemutter von Lars krank und Astrid holt ihn zu sich nach Stockholm. Im gleichen Jahr heiratet sie ihren ehemaligen Bürovorsteher Sture Lindgren und sie ziehen zusammen in eine Zweizimmerwohnung in der Vulcanusgatan. Astrid wird Hausfrau und genießt ihre Mutterrolle.

In einem Interview Lars Lindgrens über seine Mutter:

„ Sie war keine dieser Mütter, die still auf einer Parkbank sitzen und ihren Kindern beim spielen zuschauen. Sie wollte selbst spielen, und ich habe den Verdacht, dass es ihr mindestens so viel Spaß machte wie mir.“[3]

Am 21.05.1934 wird ihre zweite Tochter Karin geboren. Durch sie soll später auch die Figur Pippi Langstrumpf entstehen, denn als Karin eines Wintertages mit Lungenentzündung im Bett liegt, bittet sie ihre Mutter eine Geschichte von Pippi Langstrumpf zu erzählen. Astrid beginnt die Geschichte von einem Mädchen mit roten Zöpfen und Sommersprossen, das zusammen mit einem Affen und einem Pferd

in einem großen Haus wohnt.

1944 rutscht Astrid auf Glatteis aus und verstaucht sich den Fuß. Sie muss eine Woche im Bett liegen und beginnt die Geschichten von Pippi Langstrumpf aufzuschreiben. Sie möchte sie Karin zu ihrem zehnten Geburtstag schenken, schickt aber eine Kopie des Manuskripts an den Bonnier Verlag. Mit der Hoffnung, man werde davon absehen, das Jugendamt zu benachrichtigen fügt sie hinzu:

„…sicherheitshalber sollte ich vielleicht darauf hinweisen, dass meine eigenen unglaublich wohlerzogenen, engelgleichen Kinder keinerlei Schaden durch Pippis Verhalten genommen haben. Sie haben verstanden, dass Pippi ein Einzelfall ist, der normalen Kindern kein Vorbild sein kann.“[4]

Das Jugendamt wird nicht benachrichtigt, das Manuskript kommt aber bald mit einem höflichen, jedoch ablehnenden Begleitbrief zurück. 1945 schreibt der Verlag Rabén & Sjögren einen Wettbewerb für Kinderbücher aus, Astrid Lindgren reicht eine überarbeitete Version von Pippi Langstrumpf ein und gewinnt den ersten Preis.

1947 Astrid Lindgren beginnt als Verlagslektorin bei Rabén & Sjögren zu arbeiten. In den Folgejahren erscheinen Bücher wie „Wir Kinder aus Bullerbü“, „Nils Karlsson-Däumling“, "Kati in Amerika", „Die Kinder aus der Krachmacherstraße“, „Mio, mein Mio“, „Karlsson vom Dach“, „Madita“, „Michel in der Suppenschüssel“ und „Ferien auf Saltkrokan“.

1958 bekommt Astrid Lindgren die Hans-Christian-Andersen-Medaille verliehen, der bedeutendste Kinderbuchpreis der Welt.

1978 wird Astrid Lindgren mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in der Paulskirche in Frankfurt am Main ausgezeichnet. In der Begründung der Jury heißt es, dass Astrid mit ihrem gesamten Werk beispielhaft ist "für alle, die mit ihren Büchern Kindern in aller Welt als unverlierbaren Schatz die Fantasie schenken und ihr Vertrauen zum Leben bestärken".[5]

Astrid schreibt vor der Entgegennahme des Preises die Rede „Niemals Gewalt!“ die von Gewalt gegen Kinder und Gewalt auf der Welt handelt. Die Veranstalter bitten Astrid, diese Rede nicht zuhalten, doch als Lindgren damit droht dann gar nicht erst zu erscheinen, geben die sie nach.

1994 erhält Astrid Lindgren den Alternativen Nobelpreis „The Right Livelihood

Honorary Award“ für ihren lebenslänglichen Einsatz für das Recht der Kinder und für

die Natur. Im Jahre 1997 feiert sie ihren 90. Geburtstag und wird zur populärsten Schwedin des Jahres sowie zur beliebtesten Schwedin des Jahrhunderts gewählt. Sie lebt von nun an zurückgezogen in der Stockholmer Wohnung und nimmt kaum noch offizielle Termine wahr.

Am 28.01.2002 stirbt sie im Alter von 94 Jahren in ihrer Wohnung.

Von der schwedischen Regierung wird ein jährlich ausgeschriebener Literaturpreis zum Andenken an Astrid Lindgren gestiftet. Der Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis ist mit 540.000 Euro der höchstdotierte Preis für Kinder- und Jugendliteratur.

3) Inhalt des Romans

Das Buch beginnt mit der Einführung des Lebens in Form von Ronjas Geburt. Das Mädchen wird in einer grausamem Gewitternacht geboren. Vor der Burg schreien die Grausedruden. Lovis singt während sie Ronja zur Welt bringt.

Plötzlich schlägt ein Blitz in die Burg ein und teilt sie in zwei Hälften. Dazwischen bleibt ein tiefer Abgrund, der Höllenschlund, zurück.

Das Mädchen wächst in einer liebevollen Umgebung, mit ihren Eltern Mattis und Lovis und den zwölf Räubern, auf. Die ersten Jahre ihres Lebens verbringt sie in der Steinhalle, die sie für die ganze Welt hält bis sie eines Tages die Erlaubnis bekommt in den Mattiswald zu gehen.

„Wie hatte sie nur glauben könne, dass die große Steinhalle die ganze Welt sei? Nicht einmal die gewaltige Mattisburg war die ganze Welt, nein, die Welt war viel größer. Sie war so, dass einem der Atem stockte.“[6]

Von nun an spielt sie am liebsten im Mattiswald, wo sie die Natur und die in ihr lebenden Wesen kennen und zum Teil auch fürchten lernt. Mit der Zeit lernt Ronja die Gefahren richtig einzuschätzen und ihre Angst zu überwinden. Dies beschreibt Lindgren auf eine sehr ironische Art und Weise. Mattis warnt Ronja vor den Gefahren im Mattiswald:

“...“ Und dann hütest du dich davor, in den Fluss zu plumpsen“, sagte Mattis. „Und was tue ich, wenn ich in den Fluss plumpse?“ frage Ronja. „Schwimmst“, sagte Mattis. „Na dann“, sagte Ronja.“[7]

Ronja nimmt es allerdings mit dem „sich davor hüten“ etwas zu genau.

„In den Fluss zu plumpsen, davor sollte sie sich hüten, hatte Mattis gesagt, und darum sprang sie am Ufer kühn und keck von einem glatten Stein zum anderen, dort wo das Wasser am wildesten tobte. Schließlich konnte sie sich ja nicht im Wald davor hüten, in den Fluss zu plumpsen. Sollte das Sich-Hüten überhaupt von Nutzen sein, dann musste sie es bei den Stromschnellen und Strudeln und nirgendwo sonst üben...“[8]

Eines Tages begegnet sie Birk, dem Sohn der verfeindetet Borkasippe, am Höllenschlund und erfährt, dass sich Borka und seine Räuber im abgespaltenen Teil der Mattisburg eingenistet haben. Als Mattis das hört ist er außer sich vor Wut und will die Borkasippe schnellst möglich vertreiben.

Da die Kinder von den Verfeindungen ihrer Familien wissen, können sie sich zunächst nicht ausstehen. Nachdem sie sich aber gegenseitig aus einer Reihe von Gefahren retten, werden sie Freunde. Sie treffen sich aber nur heimlich, um einem Konflikt mit den Eltern aus dem Weg zu gehen. Im Winter ist es dann aber so verschneit, dass die beiden sich nicht sehen können. Ronja gräbt in ihrer Verzweiflung einen Tunnel von ihrer Burghälfte zu Birks. Im Frühling können die beiden endlich wieder in ihren geliebten Wald, doch die Freude wahrt nicht lange, denn Birk wird von den Mattisräubern gefangen genommen. Mattis will Borka mit seinem Sohn erpressen und ihn so dazu bringen die Mattisburg zu verlassen. Ronja ist entsetzt und kann nicht verstehen wie ihr geliebter Vater nur so grausam sein kann?

Am Höllenschlund kommt es zu einem Treffen zwischen der Mattis- und der Borkasippe. Vor lauter Wut und Verzweiflung springt Ronja zu Borka auf die andere Seite der Schlucht. Mattis ist fassungslos und seine Welt bricht zusammen. Seine Tochter hat ihn verraten und sich auf die Seite des Feindes begeben.

„ ...Es war, als ginge ihn das alles nichts mehr an. Aber Borka sagte mit einem Grinsen: „Und im selben Augenblick kriegst auch du dein Kind zurück. Tauschhandel ist Tauschhandel. Aus so was verstehst du dich doch, du Hundsfott!“

„Ich habe kein Kind“, sagte Mattis...

„ Aber ich habe eins“, schrie Lovis mit einer Stimme, dass die Krähen von den Zinnen aufflogen.“[9]

[...]


[1] Ummo Becker 1986: S.124.

[2] Astrid Lindgren Homepage: Lebenslauf : www.astrid-lindgren.de

[3] Homepage Astrid Lindgren: Lebenslauf http://www.astrid-lindgren.de ,

(gesehen am 18/11/05)

[4] Aus Astrid Lindgrens Brief an den Bonniers Verlag

[5] Bialek, M. ; Weyershausen, K. ; Das Astrid Lindgren Lexikon. Alles über die beliebteste Kinderbuchautorin der Welt. Berlin 2004 S.174

[6] Lindgren, A. ; Ronja Räubertochter. Verlag Friedrich Oetinger. Hamburg 1982 S. 19

[7] Lindgren, Astrid: Ronja Räubertochter, Hamburg 1982 S. 18

[8] Ebd. S. 24f

[9] Ebd. S 133

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Familienbilder in der Literatur am Beispiel "Ronja Räubertochter" von Astrid Lindgren
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V126461
ISBN (eBook)
9783640323715
ISBN (Buch)
9783668093539
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familienbilder, Literatur, Beispiel, Ronja, Räubertochter, Astrid, Lindgren, Thema Ronja Räubertochter
Arbeit zitieren
Kathy Paira (Autor), 2006, Familienbilder in der Literatur am Beispiel "Ronja Räubertochter" von Astrid Lindgren , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126461

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