Vergleich quantitativer und qualitativer Forschungsmethodik


Seminararbeit, 2021

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung

2. Grundlagen der qualitativen und quantitativen Forschung
2.1 Definition qualitativer und quantitativer Forschung
2.2 Induktion und Deduktion
2.3 Gütekriterien der quantitativen Forschung
2.4 Aufstellung qualitativer Kriterien

3. Anwendung quantitativer und qualitativer Forschung
3.1 Erhebungsmethoden qualitativer Forschung
3.2 Erhebungsmethoden quantitativer Forschung
3.3 Praxis-Beispiel quantitativer Forschung
3.4 Praxis-Beispiel qualitativer Forschung

4.Fazit

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Qualitative Forschung und Quantitative Forschung sind beides empirische Forschungsmethoden, die für die Datenerhebung und Datenanalyse angewendet werden. Empirische Sozialforschung umfasst die Gesamtheit von Techniken und Methoden, die sich auf das richtige Durchführen von Untersuchungen im Rahmen von menschlichem Verhalten und sozialer Ereignisse konzentriert. Alle Forschungsmethoden, die sich der empirischen Sozialforschung unterordnen lassen, haben dasselbe Ziel, und zwar das Herausarbeiten von Erkenntnissen über die soziale Realität. Die Methoden der empirischen Sozialforschung sind sowohl qualitativ als auch quantitativ. Methoden beinhalten Handlungsweisen, Normen und Regeln, um an bestimmte Erkenntnisse oder an Informationen heranzukommen und sie haben dabei einen formalen Charakter. Allgemein gesagt bedeutet qualitative Forschung, das individuelle Verhalten oder Handeln einer Person mit allen Details zu analysieren, wobei die quantitative Forschung versucht, mittels standardisierter Daten verallgemeinerte Aussagen beziehungsweise Hypothesen zu generieren.1

Obwohl beide Methodiken sich der empirischen Sozialforschung unterordnen, haben sie jedoch andere Gütekriterien und Forschungsziele, weshalb sie sich auch stark unterscheiden. Bei der quantitativen Forschung stellen Neutralität und Objektivität zentrale Kriterien dar. Das heißt, es herrscht eine objektive Betrachtungsweise, wo der Umfang und die Merkmale der Grundgesamtheit beziehungsweise die Hypothese von Anfang an feststehen und eine hypothesengeleitete Untersuchung einer großen Stichprobe durchgeführt wird. Im Gegensatz dazu ist die qualitative Forschung viel offener und explorativer und untersucht Alltagssituationen oder subjektive Sichtweisen sowie Handlungsmuster von Menschen. Die qualitative Forschung entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als gesellschaftliche und soziale Situationen und Verhaltensmuster in sozialen Milieus untersucht wurden. Ziel war es dabei, offen und flexibel die Daten zu sammeln und diese auch auszuwerten, ohne dabei hypothesengeleitet zu agieren, wobei die Daten nicht-standardisiert waren. Grob gesagt sind hierfür schließlich keine Messinstrumente, keine statistischen Methoden, keine zuvor festgelegte Hypothese notwendig, wie es bei der quantitativen Forschung der Fall ist.2

1.2 Gang der Untersuchung

Die Seminararbeit beginnt zunächst mit der Definition der qualitativen und quantitativen Forschung, wo zunächst die groben Gemeinsamkeiten und Unterschiede dargestellt werden. Im nächsten Schritt folgen die Formen der Erkenntnisgewinnung, also die Erklärung der Induktion und Deduktion als Hauptunterschiede. Danach werden die Gütekriterien der quantitativen Forschung und die allgemeinen Kriterien der qualitativen Forschung dargestellt. Danach werden die Erhebungsmethoden der qualitativen Forschung mit den Erhebungsmethoden quantitativer Forschung verglichen.

Die Seminararbeit endet mit einem Anwendungsbeispiel für den Aufbau und Ablauf einer qualitativen und quantitativen Forschungsmethode, um die gelernten theoretischen Abläufe nachvollziehen zu können. Schließlich erfolgt ein Fazit am End

2. Grundlagen der qualitativen und quantitativen Forschung

2.1 Definition qualitativer und quantitativer Forschung

Um die qualitative und quantitative Forschung definieren zu können, ist es zunächst notwendig, die Ziele und Aufgaben der empirischen Forschung zu erklären. Empirische Forschung hat die Aufgabe, das wissenschaftliche Vorgehen mit Informationen und Aspekten aus der erkundbaren beziehungsweise aus der erfahrbaren Welt zu versorgen und diese zu bündeln. Also wird Material beschafft, es werden dadurch neue Theorien entwickelt und diese werden schließlich zusammengesetzt und es kommt zu Erkenntnisgewinn. Es gibt verschiedene Erhebungsmethoden hierfür, wie beispielsweise die Durchführung einer Befragung, eines Interviews oder einer Beobachtung. Erhebungsmethoden sind Möglichkeiten oder Techniken, um neue Daten zu gewinnen, um diese später auswerten zu können.3 Die qualitative Forschung läuft in einem fallbasierten Verfahren ab, wo Individuen oder andere zu untersuchende Komplexe als ein ganzes System betrachtet werden und dabei erfolgt keine Beschränkung auf bloße Merkmale. Es wird untersucht, ob es Handlungen des Menschen oder der Lebensverlauf der zu untersuchenden Person Erkenntnisse bringt für die Forschung. Die Informationsgewinnung erfolgt demnach durch die Beobachtung und Analyse des Verhaltens der zu untersuchenden Person in ihrem sozialen Leben. Es ist dadurch schwierig, für Außenstehende das Verhalten einer Person zu verstehen und nachzuvollziehen, wobei bei der qualitativen Forschung hinzukommt, dass tieferliegende Motive und dahinterstehende Impulse im Verhalten einer Person zu erkennen und zu analysieren sind. Dies bedeutet schließlich, dass ein aktives Beobachten einer Person, Analyse des Verhaltens und schließlich auch die Analyse von Beweggründen aus Sicht einer dritten Person geschieht.4

Im Gegensatz dazu ist die quantitative Forschung nicht fallbasiert, sondern ein variablenzentriertes Verfahren. Die verschiedenen Eigenschaften und Merkmale einer Person, wie beispielsweise Alter, Geschlecht oder ethnische Eigenschaften, werden betrachtet und diese Merkmale befinden sich im Mittelpunkt der Beobachtung. Die Hauptaufgabe der quantitativen Forschung besteht schließlich darin, die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen gewonnenen Informationen und Merkmalen zu untersuchen und allgemeingültige Hypothesen zu bilden. Es kann beispielsweise eine Befragung stattfinden über die Berufswahl von Frauen und Männern, wobei eine Untersuchung Erkenntnisse liefern könnte, dass Frauen generell zufriedener mit Ihrer Berufswahl sind als Männer. Also werden nicht, wie bei der qualitativen Studie, tieferlegende Motive oder Strukturen untersucht, sondern allgemeingültige zahlenmäßige Regelmäßigkeiten oder Häufungen. Die Ergebnisse werden schließlich im letzten Schritt auf die Grundgesamtheit verallgemeinert, wobei dies bei einem qualitativen Vorgehen nicht passiert.5

Ein weiterer Unterschied zwischen der qualitativen und quantitativen Methode ist das subjektive Vorgehen der qualitativen Forschung und das objektive Vorgehen in der quantitativen Forschung. Die quantitative Forschung untersucht die Merkmale und bildet allgemeingültige Hypothesen, wobei die qualitative Forschung Zusammenhänge auf subjektiver Ebene untersucht und dadurch Erkenntnisse schafft. Optimal wäre hierbei die Kombination beider Methoden, da gewissermaßen eine qualitative Vorarbeit oder Untersuchung bei der Ermittlung von Merkmalen, wie beispielweise Kinderarmut oder Obdachlosigkeit, für eine quantitative Studie eine Voraussetzung sein kann. Die quantitative Forschung bestimmt ebenfalls von Anfang an die Messwerte oder welche Erhebungsinstrumente benutzt werden sollen, wobei ein Überblick über die Forschung bereits am Anfang vorhanden ist. Bei der qualitativen Forschung kann das Ende der Untersuchung nicht vorhergesagt werden. Das heißt, sie endet, wenn sie in der Breite geforscht hat und keine neuen Ergebnisse mehr gefunden werden können. Es sollte geachtet werden, welche Methode besser geeignet ist für ein bestimmtes Vorgehen.

Beispielsweise ist es nicht empfehlenswert, eine Bildbeschreibung auf quantitativer Ebene durchzuführen, hierbei würde sich das qualitative Vorgehen besser eignen, da Bildbeschreibungen auf einer subjektiven Ebene stattfinden.6

2.2 Induktion und Deduktion

Die quantitative Methode orientiert und richtet sich nach dem deduktiven Modell, wobei nur ein Überprüfen und Testen von Hypothesen stattfindet. Die qualitative Methode konzentriert sich dabei auf das Erstellen von Theorien, also auf deren Konstruktion. Also bedeutet Induktion, von der Beobachtung zur Theorie zu gelangen und die Deduktion ist dabei das Rückschließen von der Theorie zur Beobachtung. Hypothesenkonstruktion und damit die qualitative Methode ist genau aus diesem Grund ein induktives Vorgehen, da aus einer Beobachtung eine allgemeingültige Hypothese entwickelt wird. Die quantitativen Forscher gehen demnach anders vor, wobei eine bereits von Anfang an definierte Hypothese oder Theorie vorhanden ist. Es werden Beobachtungen an dieser Theorie durchgeführt, weshalb es auch als Testen der Nullhypothese bezeichnet wird.7

Die Deduktion ist laut Jo Reichertz deshalb eine spezielle Form der Datenauswertung, wobei es ein Verfahren der Subsumtion sei. Hierbei steht das Ergebnis oder die Regel der Beobachtung von Anfang an fest. Diese Regel kann in den Einzelfällen, Beobachtungen und Daten erkannt werden. Die Deduktion stellt demnach keine neue Erkenntnis dar, da das Ergebnis der Beobachtung feststeht und es abgeleitet wird, um damit einen allgemeinen Zusammenhang zu erstellen. Deshalb wird ein bereits feststehender Fall einer bestimmten Regel untergeordnet. Also heißt dies, es findet ein Rückschluss von der Theorie beziehungsweise der Hypothese auf die Beobachtung statt.8

Die empirische Forschung widmet sich der Aufgabe, Theorien zu erstellen und diese schließlich zu überprüfen, indem Zusammenhänge erkannt werden. Es wird dabei davon ausgegangen, dass es Gesetzmäßigkeiten gibt. Dabei wird Deduktion als eine spezielle Form vom Generellen zum Speziellen bezeichnet. Daran wird auch deutlich, dass die Deduktion als eine Anwendung im kritischen Rationalismus stattfindet, wobei die Induktion vom Speziellen zum Generellen eine spezielle Form der qualitativen Sozialforschung ist.9

Kritisch kann die Induktion dennoch gesehen werden, da von den beobachteten Fällen eine allgemeingültige Hypothese oder Gesetzesmäßigkeit definiert wird, weil automatisch nicht aus allen Beobachtungen eine allgemeingültige Hypothese definiert werden kann. Als Beispiel hierfür nennt Horst Otto Meyer die Beobachtung, dass viele Menschen Eltern haben und dadurch nicht automatisch die Gesetzesmäßigkeit entwickelt werden kann, dass alle Menschen Eltern haben. Natürlich darf nicht vergessen werden, dass die Induktion und demnach das qualitative Vorgehen, näher an der Realität ist, da die Theorien direkt aus der Beobachtung stammen. Bei der Deduktion, also beim quantitativen Vorgehen und beim kritischen Rationalismus, fehlt die Beobachtung an sich, da die Erkenntnisse nicht unmittelbar aus dem beobachteten Gegenstand stammen, also nicht aus der realen sozialen Welt. Induktion und Deduktion haben trotzdem das gemeinsame Ziel, allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten zu aufzustellen.10

2.3 Gütekriterien der quantitativen Forschung

Die quantitative Methode benötigt Gütekriterien, die Kriterien zur Erkenntnisgewinnung herbeiführen und sogenannte Zielvorgaben für die Methode bilden. Die bekannten Gütekriterien von Messungen der quantitativen Forschung lauten Reliabilität, Validität und Objektivität. Die Objektivität garantiert, dass die Daten und die gewonnenen Schlussfolgerungen unabhängig betrachtet werden können von der Person, die die Daten erhoben hat. Die subjektive Meinung des Forschers dringt dabei nicht in den Forschungsprozess ein.11

Die Reliabilität zeigt dabei die Zuverlässigkeit einer Messung, wobei auch bei wiederholter Durchführung der Messung die gleichen Werte herauskommen müssen. Darüber hinaus verdeutlich die Reliabilität also die Replizierbarkeit der Messungen, wobei die Präzision, also die Genauigkeit, erfasst wird.12

[...]


1 Vgl. Häder, M., „Empirische Sozialforschung“, 2019, Seite 13-14.

2 Vgl. Kelle, U., Tempel, G.,, Methoden Qualitativ und Quantitativ“, 2020, Seite 1126-1127.

3 Vgl. Schaffer, H.,I., Schaffer, F., „Definition Qualitativer und Quantitativer Forschung“, 2019, Seite 43— 44.

4 Vgl. Schaffer, Schaffer, F., „Definition Qualitativer und Quantitativer Forschung“, 2019, Seite 44 .

5 Vgl. Schaffer, Schaffer, F., „Definition Qualitativer und Quantitativer Forschung“, 2019, Seite 44— 45.

6 Vgl. Schaffer, Schaffer, F., „Definition Qualitativer und Quantitativer Forschung“, 2019, Seite 45.

7 Vgl. Lamnek, S., Krell, C. „Qualitativ und Quantitativ“, 2016, Seite 235-237.

8 Vgl. Reichertz, Jo, „Deduktion“,2014, Seite 76.

9 Vgl. Mayer, H., O., „Unterschied Induktion Deduktion“,2012, Seite 76-82.

10 Vgl. Mayer, H., O., „Unterschied Induktion Deduktion“, 2012, Seite 76-82.

11 Vgl. Kiegelmann, M. „Gütekriterien Quantitativ“, 2010, Seite 236-237.

12 Vgl. Krebs, D. JMenold, N. „Gütekriterien Validität, Reliabilität“, 2014, Seite 42 6433.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Vergleich quantitativer und qualitativer Forschungsmethodik
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
19
Katalognummer
V1265436
ISBN (Buch)
9783346705013
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleich, forschungsmethodik
Arbeit zitieren
Dogan Kaya (Autor:in), 2021, Vergleich quantitativer und qualitativer Forschungsmethodik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1265436

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