Kunst in der Sonderpädagogik – wie fruchtbar ist diese Verbindung? Was kann aus ihr resultieren? Was kann die Kunst in der Sonderpädagogik bewirken und wie kann sie hier zum Einsatz kommen? All diese Fragen waren Ausgangspunkt dieser Hausarbeit. Um mich dem Thema behutsam zu nähern stelle ich im ersten Kapitel Kunst und Pädagogik einander gegenüber und mache mich auf die Suche nach etwaigen Schnittstellen. Im zweiten Kapitel widme ich mich den verschiedensten Funktionen des künstlerischen Schaffens um im folgenden Kapitel darauf eingehen zu können, wie eben diese Funktionen im Nutzen der Sonderpädagogik stehen können. Im vierten Kapitel beleuchte ich die Diskussion um die Nähe von Therapie zu Pädagogik, um dann im darauf folgenden, fünften Kapitel mein Fazit zu ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kunst und Pädagogik
3 Funktionen künstlerischen Schaffens
4 Künstlerisches Schaffen in der Sonderpädagogik
5 Therapie versus Pädagogik
6 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial und den Nutzen künstlerischer Tätigkeiten im sonderpädagogischen Kontext, um aufzuzeigen, wie kreative Prozesse als Ressourcen zur Persönlichkeitsentwicklung, Identitätsstärkung und Förderung genutzt werden können.
- Schnittstellen zwischen Kunst und Pädagogik
- Funktionen und psychologische Wirkweise künstlerischen Schaffens
- Künstlerische Förderung in der Sonderpädagogik
- Abgrenzung und Synergien zwischen Therapie und Pädagogik
Auszug aus dem Buch
3 Funktionen künstlerischen Schaffens
Als Erstes ist Kunst immer ein Appell an die Offenheit eines jeden, egal ob es sich um den Schaffenden oder einen Betrachtenden handelt. Kunst ist ein Appell an die Neugier eines jeden Menschen. Sie ist ein Genuss der Wahrnehmung weit über das Schaffen und Betrachten hinaus. Der Umgang mit Kunst regt die Fantasie an und lädt dazu ein Neues zu entdecken und Vergangenes zu bewältigen. Im Gestaltungsprozess werden innere Bilder, Empfindungen, Sehnsüchte, Bedürfnisse, Vorstellungen und Erfahrungen belebt, erlebt und durchlebt. Sie finden so ihren Ausdruck. Kunst kann somit als Spiegel der Identität des Schaffenden betrachtet werden. Durch sie können flüchtige, diffuse seelische Vorstellungen eine Gestalt bekommen (vgl. Wellendorf 1990, S. 309). Sie birgt, ob der „Künstler“ es beabsichtigt oder nicht Inhalte seiner Persönlichkeit. Demnach kann ein „Kunstwerk“ Aufschluss geben über innere Prozesse des Schaffenden. Salber sagt: „Werke zeigen, was gemacht, erfahren, erlitten wird [...] Die Beschreibung von Bildern ist eine Beschreibung seelischer Wirklichkeit“ (1986, S. 36 und S. 80).
Auch die psychoanalytische Kunsttherapie geht davon aus, dass die kreativen Produkte Material des Unbewussten sind. Reiter beschreibt dies so: „Vorher nicht Fassbares wird zu einem objektivierten Gegenüber. Ein psychischer Inhalt wird externalisiert, materialisiert. Er ist nun ein Stück von mir außen. Es wird dadurch zu einer Weise der Selbsterweiterung.“ (1983, S. 16). Im künstlerischen Schaffen kann es also zu spontaner Entlastung und Erleichterung kommen, da Aspekte innerer Bilder in Objekte überführt werden (vgl. Peez, 2005, S. 38). So ist Distanz möglich. Die aktive, aber auch die passive Auseinandersetzung mit Kunst kann ablenken oder hinlenken, verallgemeinern oder konkretisieren, zerstreuen oder dazu beitragen, einen Ausdruck für sich selbst und seine Gefühle zu finden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, wie Kunst im sonderpädagogischen Bereich fruchtbar gemacht werden kann und welche Funktionen sie dabei erfüllt.
2 Kunst und Pädagogik: Dieses Kapitel erörtert die theoretische Beziehung zwischen künstlerischen und pädagogischen Prozessen und sucht nach deren Schnittstellen.
3 Funktionen künstlerischen Schaffens: Hier werden die verschiedenen psychologischen Wirkweisen von Kunst beleuchtet, wie etwa Selbsterfahrung, Entlastung und Ausdruck innerer Bilder.
4 Künstlerisches Schaffen in der Sonderpädagogik: Das Kapitel überträgt die Funktionen der Kunst in den konkreten sonderpädagogischen Nutzen und die Förderpraxis.
5 Therapie versus Pädagogik: Eine kritische Auseinandersetzung mit den Unterschieden und den notwendigen Abgrenzungen zwischen pädagogischem Handeln und therapeutischer Förderung.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Kunst eine wertvolle Ressource in der Sonderpädagogik darstellt, sofern die pädagogische Zielsetzung von einer rein therapeutischen Intervention unterschieden bleibt.
Schlüsselwörter
Kunst, Sonderpädagogik, Pädagogik, Therapie, Kreativität, künstlerisches Schaffen, Identitätsfindung, Selbsterfahrung, Förderung, Wahrnehmungsförderung, Kommunikation, Ausdruck, Ressourcen, Persönlichkeitsentwicklung, Ästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der theoretischen Verortung und dem praktischen Nutzen von Kunst innerhalb der Sonderpädagogik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Schnittstellen zwischen Kunst und Pädagogik, die psychologischen Funktionen des kreativen Ausdrucks und die Abgrenzung zur Kunsttherapie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Nutzen künstlerischer Tätigkeiten für die sonderpädagogische Förderung zu begründen und gleichzeitig die Grenzen des pädagogischen Handelns gegenüber der Therapie zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die verschiedene fachwissenschaftliche Positionen zu Kunstpädagogik und Kunsttherapie analysiert und in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Funktionen der Kunst, die konkrete Anwendung im sonderpädagogischen Unterricht sowie die Differenzierung zwischen therapeutischen und erzieherischen Ansätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sonderpädagogik, künstlerisches Schaffen, Ressourcenförderung, Identitätsentwicklung und die professionelle Abgrenzung zwischen Pädagogik und Therapie.
Inwiefern kann das "Material" zur Förderung beitragen?
Die Arbeit betont, dass der Kontakt mit verschiedenen Materialien (z.B. Ton, Farbe, Holz) eine sensomotorische und polyästhetische Erfahrung ermöglicht, die für die Entwicklung der Wahrnehmung essenziell ist.
Warum ist die Abgrenzung zwischen Therapie und Pädagogik wichtig?
Die Abgrenzung ist notwendig, da beide Bereiche unterschiedliche Ziele verfolgen: Pädagogik auf Bildung und Entwicklung fokussiert, während Therapie auf die Heilung von Krankheiten oder die Linderung von Beeinträchtigungen zielt.
- Quote paper
- Stefanie Jahn (Author), 2009, Kunst in der Sonderpädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126544