Kunst in der Sonderpädagogik

Über Notwendigkeit und Nutzen


Hausarbeit, 2009

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kunst und Pädagogik

3 Funktionen künstlerischen Schaffens

4 Künstlerisches Schaffen in der Sonderpädagogik

5 Therapie versus Pädagogik

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Kunst in der Sonderpädagogik – wie fruchtbar ist diese Verbindung? Was kann aus ihr resultieren? Was kann die Kunst in der Sonderpädagogik bewirken und wie kann sie hier zum Einsatz kommen? All diese Fragen waren Ausgangspunkt dieser Hausarbeit. Um mich dem Thema behutsam zu nähern stelle ich im ersten Kapitel Kunst und Pädagogik einander gegenüber und mache mich auf die Suche nach etwaigen Schnittstellen. Im zweiten Kapitel widme ich mich den verschiedensten Funktionen des künstlerischen Schaffens um im folgenden Kapitel darauf eingehen zu können, wie eben diese Funktionen im Nutzen der Sonderpädagogik stehen können. Im vierten Kapitel beleuchte ich die Diskussion um die Nähe von Therapie zu Pädagogik, um dann im darauf folgenden, fünften Kapitel mein Fazit zu ziehen.

2 Kunst und Pädagogik

Der Kunsthistoriker Gottfried Boehm hält die Idee einer Annäherung von Kunst und Pädagogik für ein fragwürdiges Unterfangen (vgl. Boehm, 1990, S. 471). Bei Georg Peez heißt es: „Systemisch gedacht können Kunst und Pädagogik jedoch nie aufgehen, weil sie nach unterschiedlichen gesellschaftlichen Regeln und völlig differenten Zielen ausgerichtet sind. Ganzheitlich gedacht können Kunst und Pädagogik durchaus zueinander finden, vielleicht sogar punktuell miteinander verschmelzen.“ (2005, S. 33). Weiterhin meint er: „Pädagogik und Kunst sind vielfältig miteinander verwoben. Sie gehen in sehr verschiedenen Zusammenhängen komplexe Beziehungen ein. Pädagogik und Kunst ergänzen sich, stoßen sich jedoch auch ab.“ (2005, S.11). Desweiteren erklärt er: „Kunst verbleibt nicht nur in Atelier und Museum, sie wirkt in vielen sozialen, gesellschaftlichen und alltäglichen Bereichen, sie diffundiert häufig mit diesen.“ (2005, S. 11). Für Otto sind die Gemeinsamkeiten von Kunst und Pädagogik die Elemente Experiment, Überraschung und Zufall. Denn ästhetische und pädagogische Prozesse zeichnen sich gleichermaßen durch ein hohes Maß an Nichtvorhersehbarkeit, durch nicht festgelegte Verlaufsfiguren und durch Unbestimmtheit hinsichtlich ihrer Ergebnisse aus (vgl. 1995, S. 18). Buschkühle stellt fest, dass der Mensch „die entscheidende Gelenkstelle für den Übergang von der Kunst zum Leben“ ist (2003, S. 24). Dies führt uns zu den Funktionen künstlerischen Schaffens, die im nächsten Kapitel genauer beleuchtet werden sollen.

3 Funktionen künstlerischen Schaffens

Als Erstes ist Kunst immer ein Appell an die Offenheit eines jeden, egal ob es sich um den Schaffenden oder einen Betrachtenden handelt. Kunst ist ein Appell an die Neugier eines jeden Menschen. Sie ist ein Genuss der Wahrnehmung weit über das Schaffen und Betrachten hinaus. Der Umgang mit Kunst regt die Fantasie an und lädt dazu ein Neues zu entdecken und Vergangenes zu bewältigen. Im Gestaltungsprozess werden innere Bilder, Empfindungen, Sehnsüchte, Bedürfnisse, Vorstellungen und Erfahrungen belebt, erlebt und durchlebt. Sie finden so ihren Ausdruck. Kunst kann somit als Spiegel der Identität des Schaffenden betrachtet werden. Durch sie können flüchtige, diffuse seelische Vorstellungen eine Gestalt bekommen (vgl. Wellendorf 1990, S. 309). Sie birgt, ob der „Künstler“ es beabsichtigt oder nicht Inhalte seiner Persönlichkeit. Demnach kann ein „Kunstwerk“ Aufschluss geben über innere Prozesse des Schaffenden. Salber sagt: „Werke zeigen, was gemacht, erfahren, erlitten wird [...] Die Beschreibung von Bildern ist eine Beschreibung seelischer Wirklichkeit“ (1986, S. 36 und S. 80). Auch die psychoanalytische Kunsttherapie geht davon aus, dass die kreativen Produkte Material des Unbewussten sind. Reiter beschreibt dies so: „Vorher nicht Fassbares wird zu einem objektivierten Gegenüber. Ein psychischer Inhalt wird externalisiert, materialisiert. Er ist nun ein Stück von mir außen. Es wird dadurch zu einer Weise der Selbsterweiterung.“ (1983, S. 16). Im künstlerischen Schaffen kann es also zu spontaner Entlastung und Erleichterung kommen, da Aspekte innerer Bilder in Objekte überführt werden (vgl. Peez, 2005, S. 38). So ist Distanz möglich. Die aktive, aber auch die passive Auseinandersetzung mit Kunst kann ablenken oder hinlenken, verallgemeinern oder konkretisieren, zerstreuen oder dazu beitragen, einen Ausdruck für sich selbst und seine Gefühle zu finden. Jeder Mensch beeinflusst künstlerisches Gestalten nach seinen individuellen Erfahrungen und Interessen. Herkunft, Geschlecht, Bildung, Intelligenz und Gefühle machen jeden Gestaltungsprozess und jedes „Kunstwerk“ einzigartig. Oft ermöglicht der schöpferische Prozess einen Blick- und Perspektivenwechsel. Durch das kreative Gestalten können Identitätsgefühl, Autonomie und Selbstwert gesteigert, Ressourcen und Selbstheilungskräfte aktiviert und Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt und gefördert werden. Die Kunstpädagogin und Kunsttherapeutin Barbara Wichelhaus spricht hier von einer Selbstthematisierung: „Über die ästhetische Darstellung soll eine spezifische Form des >Ich – Erlebens< vermittelt, ein Selbstkonzept aufgebaut werden, das zur Identitätsfindung und – entwicklung führt“ (1995, S. 36). Künstlerisches Schaffen ermöglicht ebenso Kommunikation ohne Sprache und kann auch Hilfsmittel zur Selbstreflektion und zur Erkenntnis sein. Ebenso kann die Kunst der Persönlichkeitsentwicklung dienen, auch hat sie kompensatorische Bedeutung. Sie ist eine kreative Form der Selbstverwirklichung, des „Sich-Spürens“, sie löst also auch einen Selbsterfahrungsprozess aus. In ihr kann man seine kreativen Bedürfnisse nahezu grenzenlos ausleben, die künstlerischen Fähigkeiten werden geschult. Ähnlich wie kindliches Spielen bietet künstlerisches Schaffen die Möglichkeit, sich besser kennen und verstehen zu lernen, sich auszuprobieren und sich auszudrücken. Ebenso stellt die Kunst immer einen Bezug zur Kultur her, und zur Gesellschaft in der der Schaffende lebt, denn Kunst, Kultur und Gesellschaft sind untrennbar miteinander verbunden. Im freien Gestaltungsprozess ist es möglich, dass emotionale und psychische Spannungen sich lösen, denn im Augenblick des Schaffens kommt es zu einem völligen Versunkensein, zu einem emotionalen Involviertsein in dem Augenblick. Ebenso kann sich eine Verarbeitung der eigenen Biografie ergeben. Laut Myschker kann im kreativen Prozess eine „magische Bewältigung“ schwer belastender Inhalte stattfinden (vgl. 1991, S. 343). Durch eine Kooperation von Unbewusstem und Bewusstem können Verdrängtes und innere Konflikte schöpferisch ausgedrückt werden, auch kann das Selbstwertgefühl gesteigert werden durch den Erwerb neuer Fähigkeiten. Bedient man sich ihrer, so erweitert man seine Möglichkeiten, sich auszudrücken. Da mit ihrer Hilfe nonverbale Kommunikation möglich ist kann das künstlerische Schaffen also auch soziale Kompetenzen fördern und die individuelle Ausdruckskraft steigern. Ebenso kann durch Bestätigung und die Möglichkeit sich entfalten zu können insgesamt die Persönlichkeit gestärkt und das soziale Verhalten wie auch die sozialen Beziehungen verbessert werden. Eine andere Funktion Künstlerischen Schaffens ist das Sublimieren, welches Freud folgendermaßen beschreibt: „In der Kunst allein kommt es noch vor, daß < sic > ein von Wünschen verzehrter Mensch etwas der Befriedigung Ähnliches macht, und daß < sic > dieses Spielen - dank der künstlerischen Illusion - Affektwirkungen hervorruft, als wäre es etwas Reales.“ (Freud 1912, S. 111 zitiert nach Rech 1990,S. 26). Das heißt, Kunst bietet die Möglichkeit Wünsche künstlerisch auszuleben, dadurch wird eine Befriedigung erfahren, die bereits Affekte hervorruft. Auch Aristoteles war schon der Ansicht, dass Kunst Gefühle beruhigt oder erweckt und dass sich dadurch „die Seele von innen reinigt“. Er nannte diesen Prozess „Katharsis“ (vgl. Rech 1990, S. 31). Bereits seit der griechisch – römischen Antike besteht die Einsicht, dass gestalterisches Tun eine heilsame Wirkung hat. Die „alten Ärzte“ forderten auf zu malen und zu zeichnen, Musik zu hören, zu tanzen, zu spielen und zu reisen (vgl. Myschker 1993, S. 658). Wollen wir im folgenden Kapitel nun betrachten wie all diese Funktionen künstlerischen Schaffens in der Sonderpädagogik zur Geltung kommen.

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Details

Titel
Kunst in der Sonderpädagogik
Untertitel
Über Notwendigkeit und Nutzen
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V126544
ISBN (eBook)
9783640324415
ISBN (Buch)
9783640326174
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunst, Sonderpädagogik, Notwendigkeit, Nutzen
Arbeit zitieren
Stefanie Jahn (Autor), 2009, Kunst in der Sonderpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126544

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