Diese Arbeit wird sich mit der Frage beschäftigen, inwieweit Otto von Bismarck, als der Zerstörer des Deutschen Bundes anzusehen ist. Hierzu gehen die Meinungen in der Forschung weit auseinander. So sieht Jürgen Müller in Bismarck definitiv den Zerstörer des Bundes. Jedoch nach der Auffassung Sebastian Haffners war es notwendig, um den Anforderungen der Zeit gerecht zu werden. Die unterschiedlichen Ansichten der Historiker machen das Thema Bismarck und den Deutschen Bund so spannend. Um eine Antwort auf die Eingangsfrage zu geben, wird vorweg etwas zum Deutschen Bund gesagt – seine Aufgabengebiete, Ziele, Stärken und Schwächen- damit später die Stellung Bismarcks besser verstanden werden kann. Daneben wird sich mit den Fragen auseinandergesetzt, ob Bismarck seit dem Beginn seiner politischen Laufbahn ein entschiedener Gegner des Deutschen Bundes war, inwiefern er seine Politik auf die Zerschlagung des Bundes ausrichtete, und ob der Deutsche Bund nicht schon vor Bismarcks Auftreten zum Scheitern verurteilt war. Dabei wird, vor allem die Zeit 1851-1859, in der Bismarck preußischer Bundestagsgesandter in Frankfurt war, betrachtet. Letztendlich soll unter Einbezug der Entwicklung des Deutschen Bundes und der Person Bismarcks entschieden werden, welche Gesichtspunkte für Bismarck, als den Zerstörer des Bundes, sprechen und welche dagegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Deutsche Bund in den Jahren 1815-1851
3. Die deutsche Frage und Reformverschläge
4. Bismarcks Stellung gegenüber Österreich
5. Bismarck - Der Zerstörer des Deutschen Bundes?
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Rolle Otto von Bismarcks bei der Auflösung des Deutschen Bundes. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit Bismarck als gezielter „Zerstörer“ des Bundes zu betrachten ist oder ob der Zusammenbruch des Systems durch strukturelle Mängel und den preußisch-österreichischen Dualismus ohnehin unvermeidbar war.
- Die strukturellen Schwächen und die Geschichte des Deutschen Bundes von 1815 bis 1851.
- Die Auswirkungen des Dualismus zwischen Preußen und Österreich auf die deutsche Politik.
- Bismarcks Wirken und seine gezielten Provokationen als preußischer Bundestagsgesandter.
- Die Bewertung historiographischer Kontroversen zur Person Bismarcks.
- Die Rolle der kleindeutschen Lösung im Kontext der nationalen Einigungsbestrebungen.
Auszug aus dem Buch
Bismarck - Der Zerstörer des Deutschen Bundes?
Wie im Vorhergehenden erwähnt, war Bismarck während seiner Tätigkeit, als preußischer Bundestagsgesandter 1851-1859, nicht gerade ein Freund Österreichs und er ließ auch keine Gelegenheit aus, dies zu zeigen. Doch kann aus dieser Tatsache geschlossen werden, dass er den Untergang des Deutschen Bundes zu verantworten hat? Nochmals lautet die Antwort „Nein“, da es viele Faktoren gab, die den Bund letztendlich zerstörten.
Faktor Eins war die Politik, die der Deutsche Bund, noch vor dem Eintreten Bismarcks geführt hatte. Ganz klar hat der Deutsche Bund die Versprechen, die er bei seiner Entstehung gab, im Nachhinein nicht eingehalten. Das dies die Verärgerung in der Bevölkerung zur Folge hatte und die Revolution von 1848/49 nach sich zog ist nachvollziehbar. Gründe weshalb der Deutsche Bund auf alle Nationalbewegungen mit Repression reagierte und nicht mit Verständnis sind nicht klar erkennbar. Eine Erklärungsmöglichkeit wäre, die Angst vor einer Revolution, so wie sie 1789 in Frankreich stattfand. Vielleicht fühlte sich der Deutsche Bund noch nicht gewachsen die Idee von einem Nationalstaat umzusetzen. Zudem wäre ein weiterer Grund, wenn auch ein etwas unschöner, der, dass viele ihre Position bzw. ihre Privilegien durch das Aufkommen der liberalen Kräfte gefährdet sahen und sich deshalb so stark gegen den gewünschten Nationalstaat wehrten. Trotz der ganzen gegebenen Möglichkeiten, die das Verhalten des Bundes auf jegliche Nationalbewegung hätten rechtfertigen können, bleiben sie rein spekulativ.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage und die konträren Historikermeinungen zu Bismarcks Rolle beim Untergang des Deutschen Bundes.
2. Der Deutsche Bund in den Jahren 1815-1851: Analyse der Entstehung, der Zielsetzungen und der strukturellen Schwächen des Bundes unter besonderer Berücksichtigung der Restaurationsphase.
3. Die deutsche Frage und Reformverschläge: Untersuchung der politischen Versuche nach 1848, die deutsche Frage zu lösen, und der Entstehung des Dualismus zwischen Preußen und Österreich.
4. Bismarcks Stellung gegenüber Österreich: Darstellung von Bismarcks Wirken als Bundestagsgesandter und seiner bewussten Konfrontationsstrategie gegenüber Österreich.
5. Bismarck - Der Zerstörer des Deutschen Bundes?: Kritische Auseinandersetzung mit der These, Bismarck sei allein für den Untergang des Bundes verantwortlich, unter Einbeziehung struktureller Faktoren.
6. Zusammenfassung: Fazit zur Rolle Bismarcks als Wegbereiter des Nationalstaats und Einordnung des Scheiterns des Deutschen Bundes.
Schlüsselwörter
Otto von Bismarck, Deutscher Bund, Preußen, Österreich, Dualismus, Nationalstaat, Bundesakte, Wiener Kongress, Bundestagsgesandter, Kleindeutsche Lösung, Revolution 1848/49, Restauration, Machtpolitik, Souveränität, Einigungsbestrebungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Verantwortung Otto von Bismarcks für das Ende des Deutschen Bundes im 19. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die Geschichte des Deutschen Bundes, der preußisch-österreichische Dualismus und die politische Entwicklung Preußens unter Bismarck.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Bismarck als „Zerstörer“ des Bundes anzusehen ist oder ob systemimmanente Schwächen den Zerfall unausweichlich machten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-analytische Methode angewandt, die auf der Auswertung relevanter Bismarck-Biografien und historischer Quellen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Struktur des Bundes, den Reformversuchen nach 1848, Bismarcks Auftreten in Frankfurt und den Gründen für den preußisch-österreichischen Konflikt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Dualismus, Präsidialmacht, föderatives Band, kleindeutsche Lösung und die Rolle der Bundesakte.
Warum war der Deutsche Bund laut Autor von Beginn an belastet?
Der Autor spricht von einem „Geburtenfehler“, da ein lockerer Staatenbund ohne klare Verfassung und Staatsoberhaupt den Konflikten zwischen den souveränen Einzelstaaten und der österreichischen Führung den Weg ebnete.
Wie bewertet die Arbeit Bismarcks Verhalten als Gesandter?
Das Verhalten wird als gezielte Provokationsstrategie gedeutet, um die Dominanz Österreichs infrage zu stellen und die preußische Gleichberechtigung einzufordern.
- Quote paper
- Jenny Dübner (Author), 2006, Bismarck - Der Zerstörer des Deutschen Bundes?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126553