Die populare Methode von den Gracchen bis zu Sulla

Was waren die Kennzeichen der popularen Politik und welche Ziele verfolgten ihre Vertreter?


Hausarbeit, 2008
19 Seiten, Note: 1,75

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.) Die politische Situation der römischen Republik 133 v.Chr

2.) Die populare Politik der Gracchen
2.1.) Die Reformversuche und ihre Ziele
2.2.) Das politische Vorgehen der Gracchen

3.) Die Politik des Marius und des Saturninus
3.1.) Die politischen Ziele des Marius
3.2.) Marius’ populares Vorgehen

4.) Ziele und Vorgehen bei Livius Drusus, Cinna und Sulla
4.1.) Der „populare Optimat“ Livius Drusus
4.2.) Das Konsulat Cinnas
4.3.) Die Wiederherstellung der republikanischen Ordnung durch Sulla

5.) Der populare-optimatische Antagonismus der späten Republik
5.1.) Die Sachfragen der spätrepublikanischen Politik
5.2.) Die politischen Methoden der spätrepublikanischen Zeit

Abschließende Betrachtung

Quellenverzeichnis (Primärquellen)

Literaturverzeichnis (Sekundärquellen)

Einleitung

Das letzte Jahrhundert der römischen Republik war durch verschiedene Krisenmomente geprägt, die schließlich im Untergang der Republik und in der Transformation in das augusteiische Prinzipat kumulierten.

Freilich begannen die innerpolitischen Probleme, die die Zerstörung der republikanischen Ordnung (mit)verursachten, schön früher. KLAUS BRINGMANN weist diesbezüglich ja auf den Problemzusammenhang zwischen dem Untergang der Republik und dem Erringen der Weltherrschaft hin und schließt sich hiermit einer langen Tradition der antiken Geschichtsschreibung an, da schon SALLUST in seinem Dekadenzmodell betonte, dass der Wegfall der äußeren Bedrohung durch die Ausweitung der römischen Herrschaft über die Grenzen Italiens hinaus dazu führte, dass die Römer im Inneren nicht mehr zusammenhielten.[1]

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der ersten Hälfte des letzten republikanischen Jahrhunderts. Sie setzt bei den Reformversuchen der Gracchen ein und gibt einen historischen Überblick bis zur Diktatur Sullas und der daraus resultierenden (vorläufigen) Wiederherstellung der republikanischen Ordnung.

Kennzeichnend für diese Periode war der Antagonismus der beiden führenden politischen Gruppen der späten Republik, der Popularen und der Optimaten.

Doch wodurch war die so genannte populare Methode gekennzeichnet? Wer waren die wichtigsten Vertreter der Popularen und welche Ziele verfolgten sie?

Mit diesen Fragen will sich die vorliegende Hausarbeit auseinandersetzen.

Diesbezüglich wird im ersten Kapitel zum besseren Verständnis die politische Situation der römischen Republik im Jahre 134 v. Chr. erörtert.

Der darauf folgende Abschnitt setzt sich dann mit den Reformversuchen der Gracchen, die sich als erste der popularen Methode bedienten, auseinander.

Die politischen Ziele des Marius, sowie sein populares Vorgehen sind Gegenstand des dritten Teils dieser Arbeit.

Während sich der vierte Passus dann mit Livius Drusus, dem Konsulat Cinnas und Lucius Cornelius Sulla beschäftigt, wird im fünften Kapitel schließlich auf die politischen Methoden und Sachfragen der spätrepublikanischen Zeit eingegangen.

Im Schlussteil dieser Hausarbeit werden dann unter Berücksichtigung der Fragestellung die Ergebnisse über die populare Methode zusammengefasst und resümiert.

1.) Die politische Situation der römischen Republik 133 v.Chr.

Im Jahre 134 v. Chr. konnte Rom als unbestrittene Führungsmacht im Mittelmeerraum bezeichnet werden. Es war zudem zur Weltmacht aufgestiegen.

In einer fast zweihundertjährigen Erfolgsgeschichte hatten die Römer zunächst die italischen Stämme unterworfen und dann durch Ausschaltung der umliegenden Mächte die Vorherrschaft im westlichen und östlichen Mittelmeer errungen. In teils langwierigen Kämpfen konnten die hellenistischen Diadochenreiche der Seleukiden (188 v.Chr. Sieg über Antiochos III.) und der Antigoniden (im ersten und zweiten Makedonischen Krieg) bezwungen und in den drei Punischen Kriegen das mächtige Karthago besiegt werden.

Trotz der massiven territorialen Ausdehnung des römischen Einflussbereiches wurden die stadtstaatlichen Strukturen der römischen Republik beibehalten, Rom war als Gemeinwesen ein Stadtstaat geblieben, nur dass eben die Gesetze, die von den Beamten des Senats erarbeitet und von den Volksversammlungen abgesegnet wurden, jetzt im ganzen Mittelmeerraum Geltung besaßen und nicht mehr nur in der Stadt auf den sieben Hügeln.

Trotzdem veränderte „Roms Aufstieg zur Weltmacht […] die Gesellschaft Italiens und machte die gesamte staatliche Ordnung reformbedürftig.“[2]

Zum einen bedurfte das Militärwesen dringend einer Reformierung, da die militärische Beanspruchung für die Beherrschung eines Weltreiches durch ein kleinbäuerliches Milizsystem nicht zu bewerkstelligen war. Für Rom bedeutete dies nämlich die langfristige Stationierung von Truppen in allen Teilen des Reiches, wozu eine professionelle Söldnerarmee wesentlich besser geeignet war als ein aus Bauern bestehendes Heer, da diese zeitlich gebunden waren. Die Krise des Militärwesens zeigte sich auch im über zehnjährigen, äußerst verlustreichen Krieg in Spanien, der erst durch die Erstürmung der Festung Numantia durch Cornelius Scipio Africanus Aemilianus im Jahre 133 v. Chr. beendet werden konnte.

Mit der militärischen Problematik eng verbunden war die sog. Agrarfrage. Viele Kleinbauern veramten aufgrund der ständigen Militäreinsätze, da sie ihre Höfe nicht mehr bewirtschaften konnten. Dadurch konnten sie sich militärisch nicht mehr selbst ausrüsten und waren damit als capiti censi nicht mehr wehrpflichtig. Gleichzeitig setzten sich auf dem ager publicus in den italischen Kolonien hauptsächlich Großgrundbesitzer fest.

Ungeklärt war auch die gespannte Lage mit den Bundesgenossen. Die völlige Überbeanspruchung der alten Ordnung zeigte sich schließlich in der inneren Zerstrittenheit der Nobilität, die in den folgenden Jahren deutlich zu Tage treten sollte.
Die Republik stand 133 v.Chr. also vor weitreichenden, zu klärenden Problemen.

2.) Die populare Politik der Gracchen

Die Brüder Tiberius und Gaius Sempronius Gracchus, die einer hoch angesehenen Familie der römischen Nobilität entstammten, versuchten als Volkstribunen durch weitgehende Reformen, die dringend zu klärenden Probleme der römischen Republik zu lösen.

2.1.) Die Reformversuche und ihre Ziele

Am 10. Dezember 134 v. Chr. trat Tiberius Sempronius Gracchus zusammen mit neun Amtskollegen das Amt des Volkstribunen an. Gleich zu Beginn seiner einjährigen Amtszeit legte er der Volksversammlung (concilium plebis) ein Agrargesetz, den lex Sempronia agraria zur Beratung und Verabschiedung vor.[3] Der Gesetzentwurf zielte drauf ab, den ager publicus gerechter zuzuteilen und ihn auch ärmeren Schichten zugänglich zu machen, da bisher vornehmlich Mitglieder der oberen Schichten (Senatoren und Ritter) Land okkupiert hatten, weswegen Gracchus nun eine Obergrenze für die Nutzung beschließen wollte. Diese sollte auf 500 iugera (125 Hektar) festgelegt werden, zudem sollte jeder Römer das Recht haben, für jedes seiner Kinder weitere 250 iugera zu bearbeiten.[4]

Großgrundbesitzern, die mehr als die festgeschriebene Obergrenze okkupiert hatten, sollte das überschüssige Land enteignet werden, um es besitzlosen Bevölkerungskreisen der römischen Bürgerschaft (zu einem geringen Pachtzins) zuzuweisen. Deren Höfe sollten eine Größe von zwanzig bis dreißig Joch haben.[5] Trotz der erbitterten Gegnerschaft des Senats konnte das Gesetz mit Hilfe der Volksversammlung in Kraft treten. Daraus resultierend nahm eine Landverteilungskommission ihre Arbeit auf, die für die rechtmäßige Umsetzung des Gesetzes sorgen sollte. Finanziert werden sollte diese durch das Erbe des Königs Attalos von Pergamon, der sein Reich den Römern vermacht hatte. Ziel des gracch’schen Reformversuches war es, die eng zusammenhängende Agrar- und Wehrproblematik zu lösen, indem durch die Landverteilung die veramten Massen, die in die Armenviertel Roms geströmt waren, aus der Besitzlosigkeit zu befreien, wodurch diese wieder als wehrfähig eingestuft werden konnten.[6] Als Tiberius sich im Sommer 133 v. Chr. für das folgende Jahr erneut zur Wahl aufstellen lassen wollte, wurden er und 300 Anhänger von den Gegnern seiner Reform erschlagen, die hiermit zunächst zum Scheitern verurteilt schien. Zwar setze eine neue Verteilungskommission ihre Arbeit bis 129 v. Chr. fort, verlor aber dann ihre Entscheidungsbefugnis.
Zehn Jahre nach dem Tod von Tiberius betrat sein Bruder Gaius Sempronius Gracchus die politische Bühne. Er ließ sich für das Jahr 123 v.Chr. zum Volkstribunen wählen, wodurch er „die Politik seines Bruders, allerdings mit ganz neuen Akzenten, fortsetzen“ konnte.[7]

Zunächst gelang es ihm, in der Volksversammlung ein Agrargesetz (lex agraria) durchzusetzen, wodurch die Landverteilung zugunsten der mittellosen Bevölkerungsschicht wiederaufgenommen wurde. Darüber hinaus trieb er die Anlage neuer Kolonien in Italien voran. Da trotzdem der verfügbare Boden in Italien immer knapper wurde, ließ er von der Volksversammlung den lex Rubria beschließen, wodurch zum ersten Mal eine Kolonie in einer römischen Provinz gegründet werden konnte: Iunoia in der Region von Karthago, das 23 Jahre zuvor endgültig besiegt worden war.[8]

Weitere Gesetzesvorhaben des Gaius Gracchus waren das „Getreidegesetz“ (lex frumentaria), durch welches der Getreidepreis für die hauptstädtischen Plebs stark gesenkt wurde und der lex iudiciaria, welcher den Rittern die Geschworenbänke für die quaestiones de repetundis, also für die Gerichte, die über Erpressungsfälle abzuurteilen hatten, gab. Weiterhin setzte sich Gaius für die Verbesserung des römischen Straßennetzes und die Errichtung von Getreidelagern ein und erweiterte die Steuerpacht der Provinz Asia.[9]

Sein lex de provocatione verbot die Hinrichtung römischer Bürger ohne Gerichtsverfahren.[10]

Schließendlich „nahm Gaius auch das Italikerproblem in Angriff […] [wodurch] alle Latiner das römische Bürgerrecht, die Bundesgenossen zumindest das Stimmrecht in den römischen Volksversammlungen erhalten“ sollten.[11]

Gaius Gracchus versuchte also mit Hilfe seiner Reformvorhaben, die wichtigsten Probleme der Römischen Republik, die eng miteinander verflochten waren, zu lösen. Es gelang ihm zwar, sich für das folgende Jahr erneut zum Volkstribunen wählen zu lassen, beim Versuch eine dritte Amtszeit durchzusetzen, scheiterte jedoch kläglich.

[...]


[1] Bringmann, Klaus; Die Entstehung der römischen Weltherrschaft und der Untergang der Republik (280-42 v.

Chr.), in: Erdmann/ Uffelmann (Hgg.), Das Altertum. Vom Alten Orient zur Spätantike, Idstein 2001, S. 165f.

[2] Bringmann, Klaus; Römische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Spätantike, München 20069, S. 39.

[3] für eine detaillierte Betrachtung des Agrargesetzes vgl. Bringmann, Klaus; Die Agrarreform des Tiberius

Gracchus. Legende und Wirklichkeit, Stuttgart 1985.

[4] Linke, Bernhard; Die römische Republik von den Gracchen bis zu Sulla, Darmstadt 2005, S. 24f.

Vgl. auch Bleicken, Jochen; Geschichte der römischen Republik, OGG 2, München 20046, S. 62-64.

[5] Linke, S. 24.

[6] Ebenda, S. 24-33.

[7] Bleicken, S. 64.

[8] Linke, S. 52f.

[9] Bleicken, S. 65.

[10] Linke, S. 51.

[11] Ebenda.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die populare Methode von den Gracchen bis zu Sulla
Untertitel
Was waren die Kennzeichen der popularen Politik und welche Ziele verfolgten ihre Vertreter?
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Abteilung für Alte Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar "Popularen und Optimaten zu Beginn der Bürgerkriege"
Note
1,75
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V126581
ISBN (eBook)
9783640324613
ISBN (Buch)
9783640326273
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
populare Methode, populare Politik, Reformversuche Gracchen, Popularen + Optimaten, römische Bürgerkriege, popularer Optimat, Popularen, Optimaten, Livius Drusus, Cinna, Sulla, Saturninus, Marius, Wiederherstellung der republikanischen Ordnung, Joachim Graf, Gracchen, Reformen+Gracchen, spätrepublikanische Zeit, popularer+optimatischer+Antagonismus, populare Vertreter, populares Vorgehen, Sachfragen+der+spätrepublikanischen+Zeit, popularen+sulla, Popularen+Cinna, Popularen+Marius, Agrargesetze, Nobilität, Bundesgenossen, Volksversammlung + Senatsaristokratie
Arbeit zitieren
Joachim Graf (Autor), 2008, Die populare Methode von den Gracchen bis zu Sulla, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126581

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