"Die Schulklasse als soziales System" von Talcott Parsons in Bezug zur Chancengleichheit


Essay, 2009

5 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Der Aufsatz „Die Schulklasse als soziales System“ von Talcott Parsons, ein soziali­sationstheoretischer Klassiker, ist bereits fast 50 Jahre alt und beschäftigt sich mit dem amerikanischen Schulsystem eben jener Zeit. Im folgenden habe ich mich da­mit beschäftigt, ob einige Aspekte von Parsons Theorie auch heute noch auf unser deutsches Schulsystem anwendbar sind und dabei einen besonderes Augenmerk auf den Aspekt der Chancengleichheit gelegt. Es ist zu erwähnen, dass es sich hierbei le­diglich um die Grundschulzeit handelt.

Ich werde einige zentrale Thesen Parsons kurz darlegen und sie auf ihre aktuelle Gül­tigkeit überprüfen.

Talcott Parsons geht davon aus, dass die Schule neben der Familie, den peer-groups und diversen freiwilligen Organisationen, denen Kinder und Jugendliche beitreten, als Sozialisationsinstanz betrachtet werden kann. Er stellt sie sogar für den Zeitraum zwischen Einschulung und Abschluss als die zentrale Instanz der Sozialisation he­raus. (Vgl. Parsons 1987, S. 99)

In diesem Punkt ist Parsons auch heute noch nicht zu widersprechen. Kinder verbrin­gen im Laufe ihrer Schullaufbahn sehr viel Zeit in der Schule und denkt man an die neue G8-Reform, wird die Schulzeit der Gymnasiasten zwar um ein Jahr verkürzt, die Zeit, die jedoch täglich in der Schule verbracht wird und nicht der Freizeit zur Verfügung steht, erheblich erhöht.

In der Schulklasse würden die verschiedenen Komponenten von Bereitschaft (zur Verwirklichung der allgemeinen Werte einer Gesellschaft und zur Erfüllung eine spezifischen Rollentyps) sowie von Fähigkeit (die mit der individuellen Rolle ver­bundenen Aufgaben zu erfüllen und den Erwartungen anderer zu entsprechen) entwi­ckelt. Eine weitere Aufgabe kommt ihr nach Parsons allerdings mit der Verteilung von Arbeitskraft zu. Dabei stellt er für den amerikanischen Raum fest, dass der soziale Status und das Ausbildungsniveau mit dem erreichten Berufsstatus korrelieren. (ebd. S. 100)

Der primäre Selektionsprozess fände bereits in der Grundschule aufgrund von unter­schiedlichen Schulleistungen statt, die durch den sozio-ökonomischen Status der Fa­milie sowie der individuellen Befähigung des Kindes beeinflusst würden. Aus Sicht der Schule seien diese Bewertungen „die Selektionsbasis“ für den zukünftigen gesellschaftlichen Status. (Vgl. ebd. S.101ff.)

Auch heute noch werden die Schüler am Ende der Grundschule selektiert, was immer wieder zu hitzigen Diskussionen darüber führt, ob dies nicht zu früh sei und die Chancengleichheit dadurch vernachlässigt werde. Parsons führt an, dass die Schullei­stung des Kindes durch sein Talent und durch den Status der Eltern beeinflusst wür­den. Ich würde dies jedoch nicht so getrennt sehen, denn der Status der Eltern be­stimmt das Selbstbewusstsein und das Selbstkonzept eines Kindes häufig in großem Maße. Kinder, die gefördert werden und denen ein positives Bild von sich selbst ver­mittelt wird, sind durchschnittlich auch zu besseren Leistungen fähig. Ich würde des­halb dem Status in unserem derzeitigen Schulsystem eine höhere Präferenz zuordnen. Denn selbst wenn die Schulleistungen eines Kindes nicht unbedingt dem entspre­chen, was für das Gymnasium notwendig wäre, so schicken Eltern aus der Ober­schicht1 tendentiell ihre Kinder immer noch bei einem Schnitt von 4,0 dorthin, während Kinder aus der Unterschicht bereits bei einem Schnitt von 2,3 „nur“ noch auf die Real- bzw. Hauptschule geschickt werden. Auch Bourdieu stellte in seiner Kapitaltheorie fest, dass kulturelles Kapital vererbt werden kann. Haben die Eltern also viel kulturelles Kapital, so gilt das auch für die Kinder. Auch ist es heute nicht mehr zutreffend, dass die Kinder in der Grundschule aus einer homogenen Nachbarschaft stammen. Innerhalb einer Klasse kann es ganz erhebliche soziale Unterschiede geben. Viele Migrantenkinder mit unzureichenden Sprachkenntnissen, die neben Kindern sitzen, die bereits am Anfang der ersten Klasse lesen können, lassen ungeahnte Spannungen aufkommen, wo von Gleichheit oder Homogenität in der Klasse keine Rede mehr sein kann.

[...]


1 Ich verwende diesen Begriff, genauso wie den der Unterschicht, undefiniert. Sie dienen lediglich zu Anschauungszwecken.

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
"Die Schulklasse als soziales System" von Talcott Parsons in Bezug zur Chancengleichheit
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Einführung in die Erziehungswissenschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
5
Katalognummer
V126609
ISBN (eBook)
9783640324804
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schulklasse, System, Talcott, Parsons, Bezug, Chancengleichheit
Arbeit zitieren
Anne Mey (Autor), 2009, "Die Schulklasse als soziales System" von Talcott Parsons in Bezug zur Chancengleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126609

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