Der Aufsatz „Die Schulklasse als soziales System“ von Talcott Parsons, ein sozialisationstheoretischer
Klassiker, ist bereits fast 50 Jahre alt und beschäftigt sich mit
dem amerikanischen Schulsystem eben jener Zeit. Im folgenden habe ich mich damit
beschäftigt, ob einige Aspekte von Parsons Theorie auch heute noch auf unser
deutsches Schulsystem anwendbar sind und dabei einen besonderes Augenmerk auf
den Aspekt der Chancengleichheit gelegt. Es ist zu erwähnen, dass es sich hierbei lediglich
um die Grundschulzeit handelt.
Ich werde einige zentrale Thesen Parsons kurz darlegen und sie auf ihre aktuelle Gültigkeit
überprüfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Sozialisationsinstanz Schule
3. Die Selektion in der Grundschule
4. Die Bedeutung der Peer-Group
5. Gemeinsame Werte von Eltern und Schule
6. Fazit und aktuelle Gültigkeit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Anwendbarkeit der sozialisationstheoretischen Thesen von Talcott Parsons, insbesondere seines Aufsatzes „Die Schulklasse als soziales System“, auf das moderne deutsche Grundschulwesen unter besonderer Berücksichtigung der Chancengleichheit.
- Analyse der Schule als zentrale Sozialisationsinstanz
- Untersuchung des Selektionsprozesses in der Grundschule
- Bewertung des Einflusses des sozio-ökonomischen Status auf den Schulerfolg
- Kritische Betrachtung der peer-group-Bildung und ihrer Exklusionsmechanismen
- Rolle der Wertevermittlung durch Elternhaus und Schule
Auszug aus dem Buch
Die Schulklasse als soziales System
Talcott Parsons geht davon aus, dass die Schule neben der Familie, den peer-groups und diversen freiwilligen Organisationen, denen Kinder und Jugendliche beitreten, als Sozialisationsinstanz betrachtet werden kann. Er stellt sie sogar für den Zeitraum zwischen Einschulung und Abschluss als die zentrale Instanz der Sozialisation heraus. (Vgl. Parsons 1987, S. 99)
In diesem Punkt ist Parsons auch heute noch nicht zu widersprechen. Kinder verbringen im Laufe ihrer Schullaufbahn sehr viel Zeit in der Schule und denkt man an die neue G8-Reform, wird die Schulzeit der Gymnasiasten zwar um ein Jahr verkürzt, die Zeit, die jedoch täglich in der Schule verbracht wird und nicht der Freizeit zur Verfügung steht, erheblich erhöht.
In der Schulklasse würden die verschiedenen Komponenten von Bereitschaft (zur Verwirklichung der allgemeinen Werte einer Gesellschaft und zur Erfüllung eine spezifischen Rollentyps) sowie von Fähigkeit (die mit der individuellen Rolle verbundenen Aufgaben zu erfüllen und den Erwartungen anderer zu entsprechen) entwickelt. Eine weitere Aufgabe kommt ihr nach Parsons allerdings mit der Verteilung von Arbeitskraft zu. Dabei stellt er für den amerikanischen Raum fest, dass der soziale Status und das Ausbildungsniveau mit dem erreichten Berufsstatus korrelieren. (ebd. S. 100)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Anwendung von Parsons' Theorie auf das deutsche Grundschulsystem unter Fokus auf Chancengleichheit.
2. Die Sozialisationsinstanz Schule: Diskussion der Schule als zentrale Instanz für Kinder zwischen Einschulung und Abschluss.
3. Die Selektion in der Grundschule: Untersuchung, wie Schulleistungen und sozio-ökonomischer Status den zukünftigen gesellschaftlichen Status beeinflussen.
4. Die Bedeutung der Peer-Group: Kritische Analyse des Einflusses von Freundesgruppen und die zunehmende materielle Abgrenzung unter Kindern.
5. Gemeinsame Werte von Eltern und Schule: Bedeutung der Werteübereinstimmung für den schulischen Erfolg und die Problematik familiärer Defizite.
6. Fazit und aktuelle Gültigkeit: Zusammenfassung der Theorie-Aktualität und Hinweis auf die persistente Bedeutung der frühkindlichen Selektion.
Schlüsselwörter
Talcott Parsons, Sozialisation, Schulsystem, Grundschule, Chancengleichheit, Selektion, sozio-ökonomischer Status, peer-group, Wertevermittlung, Bildungsaufstieg, soziale Ungleichheit, Leistungsgesellschaft, Schule, Sozialisationstheorie, Bildungschancen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, inwieweit die vor fast 50 Jahren formulierten Thesen von Talcott Parsons zum amerikanischen Schulsystem heute noch auf das deutsche Grundschulsystem übertragbar sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Rolle der Schule als Sozialisationsinstanz, den Prozess der schulischen Selektion, den Einfluss der peer-groups sowie die Kooperation zwischen Elternhaus und Schule bei der Wertevermittlung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine kritische Überprüfung der aktuellen Gültigkeit von Parsons' Theorie mit einem besonderen Augenmerk auf die Problematik der Chancengleichheit innerhalb des deutschen Grundschulwesens.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine theoriegeleitete Reflexion durch, indem er zentrale Thesen von Parsons mit aktuellen Beobachtungen und sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen zum deutschen Bildungssystem konfrontiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Selektionsmechanismen, die Bedeutung des sozio-ökonomischen Status für den Schulerfolg und die Rolle von peer-groups als „Übungsfeld der Unabhängigkeit“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen: Talcott Parsons, Sozialisation, Chancengleichheit, Selektion, sozio-ökonomischer Status und Leistungsbewertung.
Warum spielt der sozio-ökonomische Status laut Autor heute eine größere Rolle als bei Parsons?
Der Autor argumentiert, dass das Selbstkonzept und die Förderung eines Kindes stark vom Elternhaus abhängen und Lehrer familiäre Defizite oft nicht auffangen können, was den Status des Elternhauses im heutigen System prägender macht.
Welche Kritik übt der Autor an der heutigen Entwicklung von peer-groups?
Der Autor kritisiert, dass Peer-Groups bereits im Grundschulalter nicht mehr durchlässig sind, sondern durch materielle Merkmale wie Handys oder Spielekonsolen frühzeitig zur sozialen Abgrenzung führen.
- Quote paper
- Anne Mey (Author), 2009, "Die Schulklasse als soziales System" von Talcott Parsons in Bezug zur Chancengleichheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126609