Der dribbelnde Clown. Eine Lehrmethode im Fußballnachwuchs


Fachbuch, 2009

131 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Straßenfußball

Pelé

Schulfußball

David Beckham

Kombination von beiden

Kurzer Blick auf die Theorie des Fußballs

Dynamischer Fußball

Statischer Fußball

Kombination von beiden

Antifußball

Allgemeine Anmerkungen über Technik und Taktik
Technik
Phase A
Phase B
Phase C
Taktik
Offensive
Defensive

Unser Vorschlag für Nachwuchslehrmethoden

Phase A
Stoppen
1. Training
Zusammenfassung der 1. Übungszeit
Übungszeit 2
Zusammenfassung der 2. Übungszeit
3. Übungszeit
Zusammenfassung der 3. Übungszeit
2. Training
Übungszeit 1
Zusammenfassung der 1. Übungszeit
Übungszeit 2
Zusammenfassung der 2. Übungszeit
Übungszeit 3
Zusammenfassung der 3. Übungszeit

Phase B, Passgeben
3.Training
Übungszeit 1
Zusammenfassung der 1. Übungszeit
Übungszeit 2
Zusammenfassung der 2. Übungszeit
Übungszeit 3
Zusammenfassung der 3. Übungszeit

Phase B, Umschauen
4. Training,
Übungszeit 1
Zusammenfassung der 1. Übungszeit
Übungszeit 2
Zusammenfassung der 2. Übungszeit
Übungszeit 3
Zusammenfassung der 3. Übungszeit

Phase C
5. Training
Übungszeit 1
Zusammenfassung der 1. Übungszeit
Übungszeit 2
Zusammenfassung der 2. Übungszeit
Übungszeit 3
Zusammenfassung der 3. Übungszeit

Einige Anmerkungen

Schlusswort

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Vorwort

Fußball ist ein kollektives, attraktives Spiel, hat sehr viele Anhänger, ist enorm offen und global verbreitet. Abgesehen vom sportlichen Standpunkt ist er ein wirtschaftlicher und politischer und vor allem eine kultureller Beitrag für die Botschaft von Freude und Frieden. Menschen aus verschiedensten Ländern, mit unterschiedlichen Sprachen und politischen Systemen, nicht nur als Sportler selbst, sondern hauptsächlich die Zuschauer bereisen die Länder, nehmen die Sprachen und Kulturen wahr, hören die verschiedenen Hymnen, sehen verschiedene Verhaltensweisen, und bilden somit einen gemeinsamen Nenner bei einem schönen Spiel. Dieses Miteinander bei internationalen Meisterschaften in Frieden, mit Lachen trotz Konkurrenz, wird als Erfahrung in die Heimatländer zurückgetragen, und so ein globales Gefühl, bzw. Sprache entwickelt. Beim derzeitigen Entwicklungsstand kann man sagen, dass Rassismus oder extremer Nationalismus und religiöse Diskriminierung zumindest in den Medien nicht vorhanden sind, und damit die Entstehung gemeinsamer Werte bewiesen wird. In der über 100 Jahre alten Geschichte des Fußballs hat er sich trotz Beibehaltung der nationalen Identitäten, zu einem internationalen Thema gestaltet. Einige Nationen, die früher Fußballgrößen gewesen waren, stehen heutzutage kleineren Nationen gegenüber, die aufgrund innovativer Theorien von kreativen Trainern, wie z. B. Ernst Happel, keine sogenannten „Fußballzwerge“ mehr sind, und sogar auch schon mit einem Weltmeistertitel spekulieren. In diesem Sport wird neben der Arbeitsplatzbeschaffung durch die Anlockung des Kapitals, Aufbau der Stadien und der gesamten Infrastruktur (Straßen, Hotels, Verkehrsbetriebe, Ausdehnung der Satellitenkommunikation etc.) auch das klare Fundament auf politischer Ebene für Zusammenarbeit zwischen Regierungen und Körperschaften zustande gebracht. Dieser schöne Sport hat derart viele emotionale und materielle Ressourcen geschaffen, sodass aus der Sicht des Fußballbeobachters innovative Theorien und Organisationen nötig sind. Mit einem generellen Blick auf die gesamte Geschichte und Theorie des Fußballs erkennt man, dass wir einerseits am Anfang der Theorien stehen, andererseits der Weg des Fußballs offen ist.

Individualismus und Kollektivismus vereinigen sich im Fußball. Die Schwächung oder die Stärkung des einen oder anderen reduziert die Schönheit des Fußballs und behindert die Strukturen und Funktionalität. Im Fußball verbinden sich Physis und Psyche, Experiment und Beweis, soziales und individuelles Denken, Theorie und Praxis, Mittel und Ziel, Technik und Taktik, Unabhängigkeit und Abhängigkeit, Stillstand und Bewegung, Chaos und Disziplin, Wissenschaft und Kunst, Ausnahme und Regel, Quantität und Qualität, Zufall und Plan, Idee und Erfahrung, Leiden und Freude, Arroganz und Demut, Höflichkeit und Aggression, Angst und Mut etc., sodass eine vollkommene Gesellschaft mit allen Besonderheiten entsteht. Es gibt aber auch Erscheinungen im Fußball, die unerwünscht sind, wie z. B. da und dort rassistische Äußerungen und blutige Krawalle im Umfeld dieses Sports, sowie zu hohes Aggressionspotential unter manchen Spielern. Nicht unerwähnt möchten wir lassen die Betrügereien im Weltbereich und nicht nachvollziehbare Einflüsse außerhalb des Fußballs, wo wir eigentlich nicht näher darauf eingehen wollen, außer dem Zusammenhang mit der Nachwuchsarbeit, wo es leider so ist, dass Talente nicht oder zu wenig gefördert werden, bzw. weniger Talentierte ihren Weg im Fußball machen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Wenn man die Möglichkeiten, Investitionen und die Menge an Personal im Profifußball in Betracht zieht, im Vergleich zum Nachwuchs, kommt man auf ein unverhältnismäßiges, unvernünftiges Ungleichgewicht. Das hat zur Folge, dass den Nachwuchsbetreuern nur die Liebe zum Fußball und zu den Kindern als Motivation übrigbleibt. Mit relativ mehr Investition in Lehrtheorie und Personal in diesem Bereich gelangt man sehr schnell zu positiven Resultaten, sodass man nach wenigen Jahren nicht nur Stars zur Verfügung hat, sondern, auch ein großes Reservoir an guten Fußballern, die wiederum als Muster für die nächste Nachwuchsgeneration zur Verfügung stehen werden, und diese Dynamik entwickelt sich von selbst weiter. Der jetzige, streitsüchtige Fußballer war einst der vernachlässigte Nachwuchsfußballer, dessen Muster ebenfalls ein Vernachlässigter gewesen war. Nicht aber z. B. Pele, der gesagt hat:

“Ein guter Fußballer ist der, der geschlagen (gefoult) wird, und ein schlechter Fußballer ist der, der schlagen (foulen) muß, weil er nicht gut spielen kann.“

Viele Fußballer vergessen im Spiel das Geübte und kehren zurück zu ihrer Spielweise vor den Übungen, als ob die Übung nichts gebracht hätte. Darüber gibt es bei den Trainern große Verwunderung und vor allem Ärger, Enttäuschung und Zweifel. Solche Trainer sagen gewöhnlich: „Wenn er mehr denken würde, wäre er ein guter Fußballer.“ Aber schauen wir, was wirklich passiert ist. Zuerst halten wir fest; der Fußballer kommt mit seinen Vorkenntnissen, die Gewohnheit geworden sind, in die Übung. Neue Übungen verwirren den Spieler, weil seine alten Gewohnheiten bedroht werden. Er verliert seinen Rhythmus und sein harmonisches Gefühl und sagt still für sich: „ Lass mich in Ruhe, ich kann das auf meine Art besser.“ Bei diesen Fußballern ist die Zuneigung zu den alten Gewohnheiten sehr groß. Das bedeutet, dass neue Übungen, die noch keine Gewohnheiten bzw. ein harmonisches Gefühl geschaffen haben, zwecklos scheinen. Hier steht vor uns eine schwere Arbeit. Wir können nicht nur sagen, dass der Fußballer denken muss, sondern er muss auch seine alten Gewohnheiten zur Seite legen, nämlich etwas tun, und etwas nicht tun, um damit seine alten Gewohnheiten durch neue zu ersetzen. Das ist die richtige Methode. Die Übungen müssen exakt ausgeführt und beobachtet werden. Bevor wir dem Spieler richtiges Stoppen und Passen beibringen, müssen wir die Ursachen des falschen Stoppens und Passens finden, und sie bekämpfen.

Die neuen Gewohnheiten ermöglichen sich auf 2 Weisen:

1. Durch Veränderung der alten Gewohnheiten
2. Durch Veränderung des Teamgeistes in eine richtige Form, in der der Fußballer gezwungen wird, seine alten Gewohnheiten abzulegen

Und all das wird passieren durch eine richtige Theorie und zwar beim Nachwuchs! Richtige Nachwuchslehrmethoden sind derart wichtig, dass Fehler oder Versäumnisse nicht nur oben Genanntes verursachen, sondern auch bewirken, dass viele Talente sich nicht weiter entwickeln können und sogar verloren gehen. Im Gegensatz dazu führte eine logische und ausgereifte Lehrmethode dahin, wo nicht nur die fußballerische Qualität gesteigert wird, sondern auch die Beziehung zwischen den Kindern und Eltern vertieft und verbessert wird, und hilft den Eltern durch Freude und Begeisterung in der Erziehung. Die Beziehung zwischen Eltern und Mannschaft wird qualitativer und dauerhaft, wodurch sich wiederum die Beziehung der Mannschaft zu den Fans verbessert. Unsere Lehrmethode macht die Beziehung zwischen Trainern und Kindern kreativer, in der Form z. B., dass es von einem einseitigen zu einem 2- oder mehrseitigen Training kommt. Das heißt, auch das Verhalten unter den Kindern verändert sich.

Was Lehrmethoden betrifft, wird eigentlich schon jahrzehntelang die mangelhafte Nachwuchsarbeit kritisiert und auch Vorschläge gemacht, die ab und zu auch effizient und erfolgreich umgesetzt wurden, aber nach wie vor kann man sagen , dass die Summe im Vergleich zum Profifußball gering ist. Wir Autoren dieses Buches waren jahrelang als Fußballer tätig, und obwohl wir aus unterschiedlichen Kulturen stammen, sind wir durch genaues Studium dieses Bereiches und gemeinsamen Erfahrungen auf eine neue Lehrmethode gestoßen.

In dieser Methode arbeiten wir hauptsächlich mit dem Unterbewusstsein der Kinder, worauf die Übungen unserer Methode gerichtet sind. Diese Übungen werden nur weitergeführt, wenn die vorigen beherrscht werden.

Selbstsucht und Eitelkeit vermischen sich mit Teamgeist. Schüchternheit verwandelt sich in Kreativität. Statt der Verkrampfung und Rechtfertigungsposition: Selbstvertrauen und neue Wege finden. Keine Idole und Götter aus Fußballern machen, sondern von ihnen lernen. Nicht nur Dribbeln lernen, sondern neues Dribbeln erfinden. Enttäuschungen werden vermieden, Hoffnung erweckt, emotionelle und körperliche Faulheit verdrängt, Energie wird frei und dadurch wiederum Motivation gestärkt. In unserer Methode wird, nach der Erkennung der Talente der Kinder, der Weg zum Können geebnet. Das Kind macht Fortschritte, und weil es ihm nicht bewusst ist wodurch, kommt es zu mehr Selbstvertrauen, und nicht zu künstlicher Arroganz. Das Kind verlangt sogar mehr und schneller Fortschritte. Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass mit dieser Methode die Kinder mit Freude und Begeisterung sogar selbst Vorschläge unterbreiten. Wie vorher schon erwähnt, ändert sich die Beziehung zwischen Kindern und Trainer wesentlich, wobei das Kind nicht nur vom Trainer lernt, sondern selbst aktiv den Lernprozess mitgestaltet. Die Stärkeren lehren die Schwächeren, ohne Überheblichkeit. Die Distanz zwischen sehr Guten und Schlechteren vermindert sich, und wir haben automatisch eine höhere Anzahl an guten Spielern. Eine Gefahr, die auch den Eltern Sorgen macht, ist Eindimensionalität und Oberflächlichkeit. Wir berücksichtigen auch das. Die Neugier der Kinder beschränkt sich nicht nur auf Fußball, sondern auch auf Kunst und Denken lernen. Die Kinder lernen nicht nur Fußball, sondern beteiligen sich aktiv an dem, was wir Theater nennen und erleben sowohl Zweifel als auch Überzeugung. Der Trainer kann im Ernst als auch in Komik wahrgenommen werden. Das Kind kann sich zugleich als Spieler und Trainer vorstellen. Es kann entsprechend seiner Vorstellungskraft die Rollen oder Charaktere von Personen von einem Raum in den anderen bringen. Das Kind erlebt verschiedene Rollen und merkt, dass die Menschen nicht immer das sind, was sie vorgeben. Mit anderen Worten, das Kind sieht, dass die Erwachsenen nicht allmächtig sind, dass es selbst nicht minderwertig ist, und gelangt somit zu sich selbst, fängt von sich selbst an. Statt Angst. Respekt, statt Spotten: Kritik, und vor allem statt Kritiklos annehmen: Fragen, bis es die Übung verinnerlicht hat. Diese Methode nimmt auch im Alltagsleben des Kindes ihren Platz ein, hilft ihm bei seiner Harmonisierung und beim Verstehen, dass in dieser bizarren Welt, wo Wissen und Nichtwissen, können und Nichtkönnen, Angst und Furchtlosigkeit, Niederlage und Sieg ineinandergreifen und sich wieder trennen, letztendlich die Kreativität das Wichtigste ist!

An dieser Stelle rechnen wir mit 2 logischen Fragen; OK, das ist alles schön und gut, aber ist darüber nicht schon genug gesprochen worden, und: wie geht es konkret?

Unsere Antwort ist; bringen wir den Kindern Denken bei! Sie machen dann aus sich selbst einen guten Fußballer. Wir dürfen die Kinder nicht als Glücksspieler sehen. Wenn wir jedem Kind die Gelegenheit geben und einen Raum schaffen, in dem Angst, Schrecken und Vorurteile sich nicht befinden, kann es sich selbst entwickeln. Unser Methode behauptet nicht, dass alle diese Ziele erreicht werden, sondern wir sagen nur, dass wir ihnen helfen beim Denken, und dadurch lernen. Die Kinder ahmen meistens nach, aber zugleich experimentieren sie auch mit ihrer eigenen Intelligenz und Schlauheit. Wir loben sie dafür, dass sie sich selbst mehr finden, anstatt zu kopieren.

Um unsere Methode noch näher zu beschreiben, halten wir es für erforderlich,

1. Dass wir einen kurzen Blick darauf werfen, wie ein Kind Fußballer wird, bzw. was wir dafür heutzutage in der Hand haben, und
2. Sagen wir, welcher Fußball in unserer Methode angestrebt wird.

Zum Schluss präsentieren wir unsere Methode und beschreiben unsere Übungen im Detail.

Manche Experten sind der Ansicht, dass die Qualität eines Fußballers zu 10% genetisch bedingt ist, und die restlichen 90% das Resultat aus nachhaltiger Arbeit. Damit meinen sie, dass die Rolle der Übung und des Plans mit Konsequenz die Hauptrolle darstellt, damit behaupten sie, dass ein Fußballer gemacht worden ist. Andere meinen im Gegensatz dazu, dass die genetischen Voraussetzungen die Hauptsache sind und sagen, dass die Übungen, Pläne und Konsequenzen nicht ausreichen. Um Pele, Beckenbauer oder Beckham zu werden, braucht man natürliche Begabung, und zwar nicht nur 10 %. Zweifellos sind die Trainer diesen beiden Meinungen begegnet. Ob es natürliche Begabung oder hauptsächlich Übung und Plan sind, ist nicht vorwiegend unser Thema. Sondern unsere Methode stellt sich die Frage, wie es funktioniert. Ein guter Fußballer wird nicht als solcher geboren, sondern er wird es, und die Frage ist hier, unter welchen Umständen es passiert ist und woher die gesamten theoretischen und praktischen Informationen kamen. Oder um es ein bisschen poetisch auszudrücken, wo und wie haben der Fuß des Kindes und der Ball sich kennen gelernt? Einfach gesagt, nach welcher Methode?

Unserer Ansicht nach müsste dieses Kind in 3 Formen zu dieser Profifußballwelt gekommen sein:

1. Straßenfußball
2. Schulfußball
3. Kombination von beiden

Mit Hilfe einiger Beispiele beschreiben wir kurz diese dreiförmige Methode.

Straßenfußball

Wie der Name schon sagt, spielen die Kinder auf den Straßen, in den Parks, auf dem Strand und auf vielen anderen Plätzen, sogar in der Wüste. Dort lernen sie Fußball alleine, werden aber auch manchmal trainiert. Charakteristisch dabei ist, dass hier die Kinder entweder sogenannte Vorbilder aus dem Fernsehen nachahmen, oder selbsternannte gute Mitspieler, oder manchmal auch Erwachsene, die auch dort mitspielen. Die Entdeckung und Orientierung solcher Kinder geschieht meistens durch weißbärtige, ältere Erwachsene, die früher Fußballer waren, und jetzt Beziehungen zu Vereinen haben. Selbständigkeit, Nachmachung, Verwendung der Intelligenz und Begabung wird bei sich entdeckt. Das Kind macht viele Übungen für sich alleine, bis es das Geübte beherrscht, und versucht sich bei Stadtviertelturnieren und anderen lokalen Turnieren durch Paraden, Dribbeln und Tricks einen Namen zu machen. Diese kleinen, namhaften Spieler erreichen allmählich den offiziellen Fußball, und so verfügen manche von ihnen zum 1. Mal über eine ordentliche Kleidung, Schuhe und Ball. Für diese Kinder ist Fußball alles. Für die Eltern aber oft ein Unglück, weil sich die Kinder manchmal verletzen und zerrissene Kleider nach Hause bringen. Keine Rede oft von Warmwasser, Hygiene und noch problematischer gesunder Ernährung. Was für die Kinder übrigbleibt, ist das Lob von den Weißbärtigen und Zuschauern.

Diese Art von Fußball ist eher in Südamerika, Asien und Afrika zu beobachten. Die meisten namhaften Fußballer sind aus diesem Bereich gekommen und sind nun im hochklassigen, professionellen Fußball angelangt. Sie kehren manchmal zurück zu ihrer Vergangenheit und repräsentieren für die Kinder das Beispiel des Straßenfußballers, der zum erfolgreichen Profifußballer geworden ist. So geht die Funktionalität des Überganges von Straßenfußball zum Profifußball. Zuletzt noch ein Beispiel für Straßenfußball

Pelé

Pele wurde am 23. 10. 1940 in Três Corações (das bedeutet übersetzt „ 3 Herzen“) in Brasilien, nahe Rio de Janeiro, als Edson Arantes do Nascimento“ geboren. Als er zwei Jahre alt ist, zieht er mit seiner Familie nach Bauru (Bundesstaat Sao Paolo). Seine ersten Berührungen mit dem Ball waren nicht mit einem solchen, wie man es heute gewöhnt ist. Seine ersten Bälle, und auch von den meisten anderen Kindern in seiner Umgebung, waren aus Socken und anderen Kleidungsstücken mit Wäscheleinen zusammengebunden. Als kleiner Bub verbrachte er die meiste Zeit mit seinen Freunden zu Hause im Hof oder auf der Straße beim Fußballspielen. Sein Vater, der ein regional bekannter und guter Fußballer war, spielte eine große Rolle für ihn.

„Dondinho (Vater) war ein guter Mensch und ein wunderbarer Vater. Ich verehre ihn sehr. Und obwohl sein Fußballspiel nie genug Geld einbrachte, war es sein Spiel, er ging darin auf, und ich denke, das war es, was mich faszinierte. Es lag in den Genen. Außerdem lebte ich in Brasilien, und als ich aufwuchs, war Fußball einfach überall präsent. Wenn ich mit Freunden im Hof oder auf der Straße spielte, wurde um uns herum immer Fußball gespielt.“[1]

Weitere Zitate:

„Mein Vater war ein einfacher Mann, aber besaß Würde und Weitsicht.“

„Er gab mir Technikunterricht und hielt meine Mutter bei Laune. Er war mein erster Coach. Er brachte mir nicht nur Technik bei, sondern auch das Verhalten auf dem Spielfeld.“

„Träumende Kinder ahmen immer das Verhalten ihrer Idole nach.“

„ Kinder, die auf der Straße spielen können, sind glückliche Kinder.“

„Wir wissen, dass nichts mehr Freude macht als ein Kind.“

„Dem Fußball verdanke ich alles, was ich habe. Am liebsten würde ich mich Edson Arantes do Nascimento Bola nennen (das heißt: Edson Arantes do Nascimento Fußball)!“

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Pele gründete mit seinen Freunden den Straßenclub „ 7. September“ in Bauru. Er spielte gleichzeitig in mehreren Straßenmannschaften, und ohne Ausrüstung. Der Bürgermeister von Bauru veranstaltete ein Straßenturnier. Ein Geschäftsmann, dessen 3 Söhne auch mitspielten, finanzierte Kleidung und Schuhe, und motivierte die Kinder auch dazu, Standardsituationen zu trainieren. Die Mannschaft nannte sich „Ameriquinha“ und war erfolgreich. Darauf kam Pele zur Jugendmannschaft „Baquinho“, und wurde dort zum ersten Mal für Fußball bezahlt, wenn auch gering: Die Entscheidung für Baquinho fiel deshalb, weil dort ein von Pele’s Vater bekannter und sehr geschätzter Trainer tätig war: Waldemar de Brito.

Pele: „Er behandelte uns wie Erwachsene, im Gegenzug erwartete er, dass wir hm den gleichen Respekt zollten. Was wir taten. Er forderte Disziplin, und bekam sie. Wir trainierten sehr fleißig, und er brachte uns sehr viel bei.“

Die Baquinho- Ära dauerte nicht lange. De Brito wollte nach Sao Paolo Erwachsene trainieren. Er fädelte für Pele den Wechsel zu Santos ein, zudem auch Pele’s besorgte Mutter einwilligte. Pele war zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt. Ein Jahr später, als 16-jähriger, wurde Pele in das brasilianische Nationalteam berufen (am 7.7.1957). Eine beispiellose Karriere folgte.

Schulfußball

Diese Form befindet sich überwiegend in fortgeschrittenen Industriestaaten (Europa). Die Kinder werden in Vereinen oder Akademien, die dafür eingerichtet werden, gelehrt. Sie werden hauptsächlich von den Eltern zu den Vereinen gebracht, um gegen Bezahlung darauf zu hoffen, aus ihnen erfolgreiche Fußballer zu machen. Abgesehen davon ist die Motivation der Eltern auch noch, dass die Kinder sich bewegen und gesund bleiben oder werden. Selbstverständlich sind die Vereine hier nicht neutral und suchen Talente, indem sie z. B. Scouts beauftragen.

Die Trainer, je nachdem in welcher Mannschaft oder Liga sie sich befinden, teilen sich auf in Profis und Amateure. Bei Spitzenvereinen arbeiten die Nachwuchstrainer konzentriert und nachhaltig und abgesehen von der Liebe zum Fußball verdienen sie damit ihren Lebensunterhalt. In den unteren Qualitätsklassen wird diese Arbeit als Nebenjob praktiziert, und mehr oder weniger aus Liebe zum Fußball gemacht. Die Anzahl der Begeisterten in solchen Vereinen, im Vergleich zu den Spitzenvereinen, ist größer. Die qualitative Ausbildung bei den kleineren Vereinen ist schwach im Vergleich zu den größeren Vereinen.

Abgesehen von der Qualität der Trainer ist die Lehre in dieser Methode überwiegend aus dem Lehrbuch. Sie besteht aus Anweisungen, die von den Trainern in verschiedenen Ausbildungsphasen übernommen werden. Diese Lehrmethoden sind ab und zu sehr gut, und ab und zu oberflächlich. Sie vermitteln dem Kind, was (und wie) es machen muss, kann aber nicht verstehen, warum es das Kind nicht kann. Da sehen wir einen Mangel in der Methodik der Lehre. Sie weiß, was sie dem Kind mitteilen soll, aber weiß nicht wie.

Schulfußball hat, je nachdem in welchem Land wir uns befinden, verschiedene Ergebnisse (Teils hochklassigen Fußball, teils Mittelmaß). Wenn Schulfußball in einem Land nicht exakt und sorgfältig und vor allem innovativ ausgeführt wird, ist es schwer oder kaum möglich, die Qualität der Ergebnisse vom Straßenfußball zu erreichen.

Nun zeigen wir ein Beispiel für Schulfußball.

David Beckham

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David Robert Joseph Beckham wurde am 2. Mai 1975 in Leytonstone, England, geboren. Sobald er laufen konnte, legte ihm sein Vater einen Ball vor die Füße. Weil so manches Blumenbeet zerstört wurde, spielte David mit seinem Vater und dessen Kumpeln, oder auch manchmal mit älteren Buben, im nahegelegenen Park Fußball, so oft und solange es ging. In dieser Zeit lernte David sehr viel von seinem Vater:

„Ich hatte großes Glück einen Vater zu haben, der mir so bereitwillig half. Er spielte selbst bei Kingfisher, einer ortsansässigen Mannschaft der Forest und District League, und ich sah ihm unheimlich gerne dabei zu. Alles, was mit Fußball zu tun hatte, faszinierte mich, und ich konnte sehen, wie viel Vater dieses Spiel bedeutete. Als ich 8 oder 9 war, gab er das regelmäßige Spielen auf, um sich ganz auf das Training mit mir zu konzentrieren.“[2]

David besuchte jeden Fußballkurs, der angeboten wurde. Der erste war in der Roger Morgan Soccer School. Er spielte in der District League für Waltham Forest, und in der County League für Essex. Er gewann das 5 gegen 5 Turnier in Fyfield. Im Alter von 11 Jahren gewann er die Bobby Charlton Soccer School Competition. Die Belohnung war ein Wochen- Trainingskurs in Barcelona. Bei den Ridgeway- Rovers wurden David Beckham und seine Mannschaftskollegen von 3 Trainern betreut. Darunter sein Vater und Stuart Underwood.

„Stuart Underwood verhätschelte niemanden und war immer ehrlich. Er war mitverantwortlich, daß ich in diesem Sport Zukunft haben wollte. Wir hatten 3 Trainer und daher viel Aufmerksamkeit und damit Erfolg, z. B. bei Wettkämpfen in Holland und Deutschland. Profivereine begannen uns zu beobachten.“

Teilnahme an Meisterkursen bei den Tottenham Hotspurs.

1991 Beginn der Ausbildung bei Manchester United

(Scout von MANU kontaktierte die Familie Beckham)

1992 Gewinn des FA- Jugendpokals

9.1992 Debüt in der A- Mannschaft

2.1.1993 Abschluss des Profivertrages

Eine großartige Karriere folgte.

Noch 2 Zitate:

„Die Maßstäbe, nach denen ich lebe, sind immer noch die, die mir Mutter und Vater vermittelt haben!“

„Es ist eine Schande, daß es im Park, wo ich als Kind Fußball gespielt habe, keine Spielmöglichkeit mehr gibt. Es haben sich die Zeiten leider geändert!“

Kombination von beiden

Diese Form befindet sich hauptsächlich in den Entwicklungsländern, in denen Tradition und Modernität sich vermischen. Die Kinder, je nachdem ob aus dem Dorf oder aus der Stadt, ob aus dem Armenviertel oder dem Wohlstandsviertel, schwanken zwischen Straßenfußball und Schulfußball. Der Schulfußball ist nicht so ausgeprägt und verbreitet, wie in den Industriestaaten. Die Kinder befinden sich unter diesen Umständen in beiden Ausbildungssystemen. Diese Vermischung ist positiv, kann aber auch negativ sein, indem sich beide Faktoren gegenseitig stören.

Diese Fußballer (aus der Kombination stammend) sind nicht vollkommen, nämlich z. B. technisch sehr stark, aber taktisch sehr schwach, oder sind gut beim Kopfball, aber schlecht beim Stoppen im Lauf usw.

Hier arrangieren sich die Amateurtrainer in beiden Formen, die manchmal ausgebildet und manchmal nicht ausgebildet sind. Ihre Beziehung zum Umfeld des Fußballs ist sowohl inoffiziell als auch offiziell. Ihre Lehrmethode ist mehr abhängig von Praxis als von Theorie und sehr unterschiedlich. Die Beziehung zwischen Trainer und Schüler schaut eher aus wie die Beziehung zwischen Erzieher und Zögling, wobei eine Art von traditionellem und ethischem Verhalten entsteht, was ein bisschen Religion beinhaltet, sodass der junge Fußballer später religiöse Rituale verwendet. Nach einer gelungenen Aktion streckt er seine Hände oder Gesicht gegen den Himmel; beim Betreten des Fußballfeldes küsst er den Boden, macht ein Kreuzzeichen usw. Das kann bis zum Aberglauben führen, wie z. B. der Überzeugung einiger Fußballer, indem sie sagen: „Wir haben gewonnen oder verloren, weil Gott uns geholfen oder nicht geholfen hat, es war Zufall, Glück oder Unglück, oder in extremer Form → wir oder der Gegner sind verhext.“

Aber man sieht auch die Resultate aus guter fußballerischer Arbeit. Beispiele für solche Fußballer, die wir in den europäischen Ligen sehen, kommen meistens aus Asien und nordafrikanischen Ländern.

Schließlich kann man nicht ganz von Schulfußball oder ganz von Straßenfußball sprechen, sondern eben von einer Kombination beider.

Kurzer Blick auf die Theorie des Fußballs

Unserer Ansicht nach sind vier Arten des Fußballs bekannt

1.Dynamischer Fußball
2.Statischer Fußball
3.Kombination von beiden
4. Antifußball

Was wir vor allem den Kindern vermitteln wollen, ist dynamischer Fußball.

Zugleich behandeln wir auch statischen Fußball und glauben, dass auch das beherrscht werden muss. Wir legen keinen Wert auf Antifußball, aber ignorieren ihn nicht.

Dynamischer Fußball

Dynamischer Fußball hat sich aus dem statischen Fußball entwickelt, und kehrt ab und zu zu ihm zurück. In durchschnittlichen Mannschaften wird der Wechsel von Dynamik zu Statik, oder umgekehrt, oft gesehen. In fortgeschrittenen Mannschaften wird der dynamische Fußball überwiegend gespielt.

Wie sein Name schon sagt, ist er ein Fußball, der über mehr Bewegung und höhere Geschwindigkeit verfügt, ist flexibler, beinhaltet ein direktes Spiel und viel mehr Druck auf den Gegner.

Körperliche Standhaftigkeit, Robustheit und Plan sind markant. In diesem Fußball ist nicht der Spieler auf den Ball angewiesen, sondern der Ball auf den Spieler. Die Zeit, wo der Ball zwischen den Spielern sich befindet, ist länger als die, wo er sich unter den Füßen eines Spielers befindet.

Raumeroberung und Raumschaffung wird ohne Ball gespielt.

Ballannahme passiert hauptsächlich in der Bewegung.

Die Zeitabschnitte des Laufens erhöhen sich und auch die Streckenlänge der Pässe.

Das Stoppen des Balles passiert mehr im Lauf.

Der Spieler, der den Pass gegeben hat, bewegt sich mehr, und erhält den Ball wieder im Lauf.

Im Idealfall wird der Ball direkt, also mit nur einer Berührung gespielt, aber im Zwangfall mehrmalig.

Die Ballberührungszeit ist kurz aber häufig.

Die Bälle befinden sich vorwiegend im Angriffs- und Verteidigungsdrittel, und deswegen erhöht sich statistisch die Anzahl der Torschüsse und Flanken. In weiterer Folge vermehren sich die Möglichkeiten, den Gefahrenraum vor dem Tor zu erobern.

Aufgrund des Spieles ohne Ball erhöht sich die Zeit, wo der Spieler sich umschauen und orientieren kann. Wegen der höheren Geschwindigkeit und Beschleunigung können so spielende Mannschaften ganz leicht und schnell von der kompakten Defensive durch eine richtige Raumaufteilung in die Offensive umschalten. Sie können immer wieder zum statischen Fußball zurückkehren, um das Spiel zu lokalisieren, und den Ball in der Mannschaft zu halten. Mit der Lokalisierung und der Geschwindigkeit dabei, wird das Spiel auf eine Seite des Feldes verlagert, sodass der Gegner dort müde und schwach wird, oder durch eine rasche Abwechslung vom flachen Spiel zum Spiel mit hohen Bällen auf eine Seite des Gegners Druck ausüben, und schnell wieder zum dynamischen Fußball zurückkehren kann. Und somit hat die Mannschaft einen Gegner mit einer schwachen Seite vor sich.

Mit direktem und schnellem Fußball sinkt das Durchschnittsalter einer Mannschaft, womit mehr Zeit für Erfahrungen zur Verfügung steht. Mannschaften mit höherem Durchschnittsalter können nicht widerstehen.

Die Rolle des Plans und der Taktik ist sehr wichtig, sodass man mit Recht sagen kann, dass in solchen Spielen der Kampf ein Kampf der Pläne ist und ein Kampf der Trainer gegeneinander. Die Rolle des technisch versierten Fußballers durch kreatives Dribbling ist wichtig.

Durch Dynamischen Fußball wird der statisch spielende Gegner gezwungen, ebenfalls dynamisch zu spielen, und wenn dieser diese Form nicht beherrscht, ist er in großen Schwierigkeiten.

Üben und Lernen ist also im dynamischen Fußball sehr wichtig.

Kollektives Spiel überholt individuelles Spiel.

Das Potential des Teams wird genützt, indem z. B. nicht nur einer Torschütze ist, sondern alle anderen Mitspieler ebenfalls in Frage kommen.

Aufgrund der hochklassigen Ausbildung der Spieler in diesem Fußball, verfügen die Trainer einerseits über eine große Kapazität, und haben andererseits wegen der Vertiefung und Vervielfältigung eine umfangreiche Arbeit vor sich.

Holland, England und Deutschland sind typische Beispiele für dynamischen Fußball.

Statischer Fußball

Dieser Fußball hat eine längere Geschichte mit offiziellem Beginn am Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts, als Holland (Ajax Amsterdam) unter Ernst Happel mit dynamischem Fußball begann, und wird heute ausgehend von europäischen Ländern immer mehr verdrängt.

Dieser Fußball ist in nicht hochentwickelten Ländern zu sehen. In Mannschaften mit statischem Fußball steht Technik im Vordergrund, Schüsse und Kopfbälle sind wichtig, Dribbeln und Ballhalten sind eine Ehre. Es ist ein regloser Fußball, Tricks begeistern die Zuschauer, er ist still, formlos, langsam, lokalisiert und blind. Im Gegensatz dazu sind die Spieler laut, sie schreien, rufen, um auf sich aufmerksam zu machen, oder kritisieren ständig Mitspieler, warum sie nicht abspielen.

Der Spieler, nachdem er den Ball bekommen hat, kann oder will sich nicht mehr vom Ball trennen. Aber in einer Zwangslage schießt er, passt oder flankt, was meistens plan- und ziellos ausgeübt wird. Der Spieler (nachdem er abgespielt hat) schließt sich den Zuschauern auf der Tribüne an und schaut dem Schicksal des Balles nach. In solchen Mannschaften mangelt es an exakten Plänen und an der Umsetzung von taktischen Vorgaben. Die Tore fallen selten nach Plan. Zufall, Verteidigungsfehler und tote Bälle (Bälle, die durch Zufall in eine Position gelangen) vor dem Tor spielen eine große Rolle für das Ergebnis. Die Spiele finden meist im mittleren Drittel des Feldes statt. Die Bälle sind überwiegend unter den Füßen der Spieler. Die Pässe sind langsam und kurz, reduzieren sich sogar bis auf einen Meter. Die Laufzeiten sind kürzer als im dynamischen Fußball. Das Durchschnittsalter der Spieler ist höher.

Direktes Spiel ist schwach und Ballverlust ist sehr häufig, dadurch wechselt der Ballbesitz sehr oft zwischen beiden Mannschaften. Der Spieler, je nachdem, ob nach gelungener oder misslungener Aktion, belobigt oder kritisiert sich selbst und bringt sich damit aus dem Spiel, weil er nur mit sich selbst beschäftigt ist. Bei der misslungenen Offensive bleiben solche Fußballer oft im Abseits. Aufgrund des lokalisierten Spieles wird normalerweise eine Seite des Feldes befüllt und die andere frei. Dadurch verwandelt sich Überzahl oft in Unterzahl und umgekehrt.

Spiel ohne Ball gibt es nicht, und wenn schon, dann ganz lokalisiert auf einem kleinen Bereich des Feldes. Der Ball wird oft nur zwischen 2 oder 3 Spielern gerollt. Die Stehzeit ist hoch.

Die Rolle eines Spielers oder einiger Spieler ist markanter. Das Toreschießen beschränkt sich auf einen oder zwei Spieler.

Die Seele des Fußballers ist eine Mischung aus: „Ich weiß, was ich machen muss, und ich weiß nicht, was ich machen muss.“ Das heißt er spielt manchmal gut und manchmal ist er im Spiel verwirrt und orientierungslos, und das führt oft zu Situationen, wo dann 2 Spieler bei der Ballannahme sich ganz eng nebeneinander befinden, wo einer genug wäre, und das bringt die Mannschaft in Unterzahl.

Im Training ist in diesem statischen Fußball nur schießen, flanken Kopfbälle und körperlicher Aufbau vorgesehen. Die Rede des Trainers vor und während des Spieles wird kaum umgesetzt. Nach dem Spiel wird eher mit Torschützen gesprochen als mit den Trainern, als ob der Kampf nicht Kampf des Teams ist, sondern Kampf des Stars. Sogar eine Auswechslung des Trainers ändert den Charakter der Mannschaft nicht.

Dieser statische Fußball befindet sich momentan eher in Asien, aber auch noch in einigen europäischen Ländern. Die Entwicklung vom statischen zum dynamischen Fußball in diesen Ländern bräuchte viel Arbeit, und zwar beim Nachwuchs.

Kombination von beiden

Hier handelt es sich um eine Mischung aus statischem und dynamischem Fußball. Beherrschung der Balltechnik, Bereitschaft für enges und lokalisiertes Spiel, sowie Bereitschaft für schnelles, bewegliches und weiträumiges Spiel.

So spielende Mannschaften sind für eindimensionale (entweder nur dynamisch oder nur statisch) Teams sehr gefährlich. Dieser Fußball ist schön, attraktiv und kompliziert. Stars in solchen Mannschaften sind nicht einer oder zwei, sondern viele. Solche Fußballer spielen in vielen verschiedenen Ländern, sie können sich bei einem Wechsel zu einer anderen Mannschaft sehr schnell bei dieser einordnen (z. B. Einberufung in Nationalmannschaft oder Vereinswechsel). Solche Mannschaften sind vom Gegner kaum berechenbar. Sie beherrschen alle 3 Mannschaftsteile(Abwehr, Mittelfeld und Angriff). Je nachdem, wie der Gegner spielt, können sie sehr schnell vom dynamischen zum statischen Fußball und umgekehrt umschalten. Die Spieler können aus verschiedenen Positionen spielen. Sie zu kontrollieren in einem kollektiven oder individuellen Spiel ist eine große Herausforderung. Seit der Entstehung dieses Fußballes sehen wir eine beeindruckende Menge an neuer Technik und Taktik. Im Schatten der innovativen, kreativen Trainer nimmt Tag für Tag die Vielfalt der Übungen zu, sodass man sagen kann, dass jeder Trainer seine eigene Methode haben kann. In dieser Form ist es nicht dramatisch, wenn ein sehr starker Spieler die Mannschaft verlässt, sehr wohl aber, wenn der Trainer geht.

Die Bälle befinden sich in diesem System öfter im Strafraum. Aufgrund der Schnelligkeit und hohen Technik ergibt sich statistisch gesehen eine größere Anzahl an Torchancen und Situationen, die dazu führen.

Beispiele für diesen Fußball sind momentan Brasilien, Argentinien, was die Länder betrifft, und AC Milan, Real Madrid oder Barcelona, was die Clubs betrifft.

Antifußball

Alle Mannschaften geraten zwischendurch in diesen Fußball. Und viele von ihnen verwenden ihn, um die Harmonisierung, Kompaktheit und Geschwindigkeit des Gegners zu stören. Auch um einen knappen Vorsprung bis zum Schlusspfiff zu halten, und die dazu erforderliche Energie verbraucht ist, wird Antifußball gespielt. Das bedeutet alle Normen (Prinzipien) des Fußballes ablegen und alle Bälle ins Out schießen, hohe Bälle Richtung gegnerisches Tor schießen, viele Fouls begehen, mit dem Ball zum Corner laufen, um Zeit zu gewinnen, Verletzungen simulieren, Verzögerung des Abstoßes durch den Tormann, viele körperliche Kontakte, mit der emotionalen Aufheizung der Zuschauer und auch der gegnerischen Spieler spielen, etc., und damit das Spiel immer wieder unterbrechen.

Dieser Fußball wird weniger im statischen Fußball als im dynamischen und in der Kombinationsform geschehen.

Allgemeine Anmerkungen über Technik und Taktik

Technik

Alle körperlichen und geistigen Tätigkeiten vom Spieler in Bezug auf den Ball definieren sich unserer Meinung nach unter dem Begriff Technik. Wir unterteilen die Technik in 3 Phasen, A, B und C.

A, Die Kontrolle des Balles, sodass er nicht verloren geht, und in weiterer Folge Vorbereitung für Phase B.

B, Mit offenen Augen umschauend zum bestplatzierten Mitspieler abspielen. (Beststehenden Mitspieler heißt in der Abwehr mindestens 3 Meter Abstand vom Gegner, im Mittelfeld ab 2 Meter, im Angriff ab 1 Meter).

C: Nach dem Abspiel sich in einen freien Raum bringen oder ihn schaffen.

Phase A

Ein dynamischer Fußballer ist unmöglich ohne die 3 genannten Punkte zu beherrschen. Um diese zu beherrschen, brauchen wir weitere Maßnahmen, die wir durch folgende Zeichnungen veranschaulichen.

Für die Kontrolle des Balles ist der wichtigste Punkt das Stoppen und das wird in folgender Textzeichnung gezeigt:

Rist

Innenrist

Außenrist

Bein Oberschenkel

In der Luft Brust

Kopf

Stoppen In der Bewegung

Brust

Auf dem Boden Bauch

Kopf

Bein Rist

Innenrist

Außenrist

Oberschenkel

Rist

Innenrist

Außenrist

Bein Oberschenkel

In der Luft Brust

Kopf

Stoppen Im Stand

Brust

Auf dem Boden Bauch

Kopf

Bein Rist

Innenrist

Außenrist

Oberschenkel

Phase B

Ein richtiges, genaues Abspiel verlangt die Fähigkeit des Scharfsehens, Schnelldenkens und Beherrschung der Phase A. Die Technik dafür ist:

1. Ball treten 1. Kurze und lange Pässe

2. Schießen und Flanken a) bogenförmig b) scharf c) hohe Bälle

3. Scharfe, geschossene Pässe

2. Entscheidungsfähigkeit und Umschauen 1. vor der Ballannahme

2. nach dem Abspiel

3. Pässe 1. breit und lang

2. Luft und Boden

3. Pässe vorwärts, Pässe rückwärts

4. geradlinige und bogenförmige Pässe

5. komplizierte und leichte Pässe

6. Pass durch feien Raum

und Pass durch besetzten Raum

4. Ballführung mit erhobenem Kopf 1. geradeaus

2. Zick- Zack

3. beschleunigend und verlangsamend

4. Fußwechsel

5. Bremsung und plötzliches Stehen-

bleiben

6. abruptes Umkehren

5. Dribbeln 1. bekanntes Dribbling

2. selbst erfundenes Dribbling

6. Drehung (Johann Cruyff)

Phase C

Um in den freien Raum zu laufen, oder ihn zu schaffen, ist die Beherrschung von Phase A und B erforderlich. In dieser Phase hat der Spieler 2 Aufgaben vor sich:

1. Er kehrt in Phase A zurück, nämlich nachdem er sich gut positioniert hat, bekommt er wieder den Ball, oder

2. er befindet sich im letzten Abschnitt von Phase C, das heißt Eroberung des Gefahrenraumes vor dem gegnerischen Tor, und statt in Phase A zurückzukehren, die 3 Phasen mit Torschuss vollenden.

Um Phase C zu beherrschen sind folgende Fähigkeiten erforderlich:

1. geistige Reaktionsgeschwindigkeit (Auffassungsgeschwindigkeit)
2. Volley, Halbvolley und Fallrückzieher
3. Absolute Beherrschung der Drehungstechnik
4. flinke Augen (rasches Erkennen der Situation)
5. Vorstellungskraft
6. Beherrschung von mindestens 3 Arten von Dribblings
7. Kopfballspiel mit offenen Augen
8. Geschwindigkeit der Entscheidungskraft
9. körperliche Standhaftigkeit (Robustheit)
10. Beherrschung des Fußwechsels
11. Torinstinkt
12. Überraschungspotential

Taktik

Alle körperlichen und geistigen Tätigkeiten, ob von Spielern zu Mitspielern, oder zu den gegnerischen Spielern, sind unserer Meinung nach Inhalt der Taktik. Sie besteht somit aus allen Plänen, Systemen, Methoden und Vereinbarungen, wodurch in einer Mannschaft Form und Strategien erkannt werden.

Im Großen und Ganzen unterteilt sich Taktik in Defensive und Offensive. Diese unterteilen sich örtlich wiederum in schrittweises und nicht schrittweises Vorgehen, und zeitlich in allmähliches oder plötzliches Handeln. Schrittweises und allmähliches Vorgehen kann man als Ballhaltungstaktik bezeichnen(italienischer Fußball) und das direkte Spiel als eine plötzliche und überfallsartige Taktik (englischer Fußball). Die allmähliche Form braucht mehr Technikbeherrschung im Stand und die plötzliche Form mehr in der Bewegung.

Offensive

Alle angesammelten Kräfte einer Mannschaft konzentrieren sich geschlossen auf die Schwächen des Gegners. Eine offensive Mannschaft muss daher diese Schwächen erkennen, und die wären:

1. in der Abwehr 1. Schwäche bei hohen Bällen
2. Schwäche auf dem Boden
3. Schwäche bei Geschwindigkeit
4. Schwäche bei Konzentration und Harmonie
2. Mittelfeld 1. Schwäche bei Ballkontrolle
2. Schwäche bei Deckung
3. Schwäche bei Raumeroberung
4. Schwäche bei Pässen in die Breite und Tiefe
5. Schwäche bei Harmonisierung der Mittelfeldspieler
6. Schwäche bei körperlicher und geistiger Standhaftigkeit
7. Schwäche beim Umschauen und Entscheidungskraft
3. im Angriff 1. Planlosigkeit und Hektik
2. zu wenig Beweglichkeit im Strafraum
3. Schwäche im Abseitsspiel
4. Schwäche im Kopfball
5. Schwäche bei Nachhaltigkeit
6. Angst (vor dem Gegner) und Verwirrung
7. Schwäche bei Raumaufteilung
8. Schwäche beim Schießen (Volley)
9. Schwäche beim direkten Spiel
10. Schwäche beim Dribbling
11. Schwäche durch Unterzahl

Defensive

Alle angesammelten Kräfte einer Mannschaft konzentrieren sich auf die Stärken des Gegners. Im dynamischen Fußball sind bei Ballverlust alle verpflichtet zur Defensive. Sie kämpfen pausenlos, einerseits um den verlorenen Ball zurückzubekommen, andererseits um die Offensive des Gegners möglichst schnell zu stören oder zu unterbinden. Je nachdem, wo der Gegner seine Stärken hat (auf welcher Seite oder auf welchem Posten), wird die Defensive konstruiert. Die Mannschaften mit dynamischem Fußball wählen meistens die Defensive aus, die man rasch und leicht in Offensive umwandeln kann. Solche Defensivtaktiken, die überwiegend angewendet werden, sind 5-3-2, 4-3-3, 4-4-2 etc.

Wir wissen, dass Taktik sehr umfangreich ist und ein eigenes Buch füllen würde, worauf sich aber unser Buch nicht konzentrieren will. Dieses Thema beinhaltet vielmehr als die folgenden Hinweise, wie z. B.:

1. Kollektive Bewegung nach vorne oder hinten
2. Abstoß, Verteidigung und Angriff danach
3. Corner, Einwurf und Torwart
4. Simples und kompliziertes Spiel
5. Fußballer ersetzen (Austausch)
6. Psychologie vor und nach dem Spiel
7. Ein prinzipielles Spiel oder Ergebnis des Spieles
8. Elfmeter
9. Spielen in Überzahl und Unterzahl (rote Karte)
10. Abseits
11. Analyse

Etc.

Ziel von all dem, was bisher in Kürze beschrieben wurde, ist das Ergebnis, dass ohne Beherrschung der Technik keine Taktik möglich ist. Damit wollen wir darauf hinweisen, dass Technik in unserer Lehrmethode einen großen Stellenwert einnimmt.

Wir bereiten die Kinder vor für Phase A, B und C, und zwar im Alter von ca. 10- 15 Jahren durchgehend. (Erst danach werden sie in genereller und planmäßiger Taktik gelehrt.) Bis dahin bringen wir den Kindern aber auch die Spielregeln des Fußballs, nämlich Einwurf, Raumaufteilung, Abseits, Fouls, Tormannregeln etc., bei. Wir dürfen nicht vergessen:

Die heutigen Kinder sind morgen die erwachsenen Profis.

Unser Vorschlag für Nachwuchslehrmethoden

Um in den Übungen genau und planmäßig vorzugehen, brauchen wir vor allem folgende Vorraussetzungen:

1. Für diese Übungen sind 2 Trainer erforderlich (und nicht mehr).
2. Unser Ausgangspunkt ist, dass die Kinder geistig und körperlich gesund sind.
3. Anzahl der Kinder soll nicht weniger als ca. 15 und nicht mehr als ca. 20 sein.
4. Die Übungen sollen mindestens 1 ½ Stunden und maximal 2 Stunden dauern.
5. 2x Pause
6. Pünktlichkeit beim Beginn des Trainings
7. Jedes Kind muss einen Ball haben.
8. Spotten, sich über jemanden lustig machen, bzw. außerplanmäßige Spielchen und Späße sind verboten.
9. Vor allen Übungen diszipliniert aufwärmen
10. Paraden und Ballspielen außer Plan sind verboten
11. Bei Unterbrechungen (z.B. Wassertrinken, aufs WC gehen) werden die Übungen gestoppt. Das Kind sieht damit seine Beeinflussung auf das gesamte Team.
12. Nach 3 Trainings wird ein Match mit Clown gespielt. Nach 5 Trainings einmal gar kein Clown dabei.
13. Im Text ist der Trainer A ernsthaft und der Trainer B ernsthaft und auch als Clown
(Die Beschreibungen werden nach jeder Übung bei der Zusammenfassung erklärt.)
14. Nach 5x Training ein Gespräch mit den Eltern

Phase A

Stoppen

1. Training

Trainingseinheit 1:

Nachdem die Kinder sich versammelt haben (Trainer sind schon vorher da), finden die Begrüßung und das Kennenlernen statt (ein bisschen offiziell).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Zit. n. „Pele, mein Leben“. Die weiteren Zitate sind dieser Quelle entnommen.

[2] Dieses und folgende Zitate sind David Beckham: Mein Leben. entnommen.

Ende der Leseprobe aus 131 Seiten

Details

Titel
Der dribbelnde Clown. Eine Lehrmethode im Fußballnachwuchs
Veranstaltung
-
Autoren
Jahr
2009
Seiten
131
Katalognummer
V126666
ISBN (eBook)
9783640333639
ISBN (Buch)
9783640333301
Dateigröße
5561 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Clown, Eine, Lehrmethode, Fußballnachwuchs
Arbeit zitieren
Sadegh Ghanimat (Autor)Alfred Mayer (Autor), 2009, Der dribbelnde Clown. Eine Lehrmethode im Fußballnachwuchs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126666

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