Mit seinem Rücktritt wird der 35-jährige Sebastian Kurz als jüngster Bundeskanzler der zweiten Republik nun schon zum zweiten Mal der jüngste Altkanzler: Mit 641 Tagen ist Kurz' zweite Amtsperiode etwas länger als seine erste, die 526 Tage dauerte. Insgesamt kann er 1.167 Amtstage verzeichnen. Diese Arbeit analysiert anhand der medialen Aufarbeitung den Rückzug Kurz's aus der Politik.
Inhaltsverzeichnis
1 Kurz‘ Rücktritt
1.1 Kurz‘ Rücktritt als Bundeskanzler
1.1.1 Die Rolle der Grünen
1.1.2 Conclusio
1.1.3 Die Rolle des Bundespräsidenten
1.1.4 Die Rolle der Oppositionsparteien
1.1.5 Bundeskanzler Sebastian Kurz´ Reaktion
1.1.6 Zum zweiten Mal jüngster Altkanzler
1.2 Fehlender Rückhalt
1.2.1 Conclusio
1.3 Kurz‘ Rücktritt als Parteiobmann und Klubobmann
1.4 Reaktionen auf Kurz‘ Rückzug
1.4.1 Das Privatleben als Strategie der Selbstdarstellung
1.4.2 Conclusio
2 „Message Control“ außer Kontrolle
2.1 Fragwürdige Äußerungen
2.2 Konzentration auf Banalitäten
2.3 Grenzen der Litigation-PR überschritten
2.4 Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert den Rücktritt von Sebastian Kurz aus der österreichischen Politik, wobei ein besonderer Fokus auf der Rolle der medienwirksamen Selbstinszenierung und der Strategie der sogenannten "Message Control" unter dem Druck strafrechtlicher Ermittlungen liegt.
- Analyse der Rücktrittsprozesse als Bundeskanzler sowie als Parteiobmann.
- Untersuchung der Rolle politischer Akteure wie Koalitionspartner und Opposition.
- Evaluation der Kommunikationsstrategie "Message Control" in der Mediendemokratie.
- Betrachtung von Litigation-PR als prozessbegleitende Öffentlichkeitsarbeit.
- Einfluss von Meinungsumfragen und öffentlichem Druck auf politische Stabilität.
Auszug aus dem Buch
1.4.1 Das Privatleben als Strategie der Selbstdarstellung
Mit der Aussage, er wolle sich um seine Familie kümmern, begründete Sebastian Kurz sein Ausscheiden aus der Politik. Überraschend ist, dass er, der immer versuchte, sein Familienleben privat zu halten, nun den Blick auf seine Privatsphäre freigab.
Aus Sicht der Politiker erfüllt die Privatisierung der Politikdarstellung die Funktionen der Vermenschlichung, der Vereinfachung und Ablenkung, der Emotionalisierung und dem Prominenzgewinn.
Die Strategie der Vermenschlichung ist eine klassische Vorgangsweise zur Imagepflege. Sie bezweckt, den Politiker als „Mensch wie du und ich“ erscheinen zu lassen und macht ihn den Wählerinnen und Wählern vertraut. So soll Nähe zur Bevölkerung demonstriert werden, um der Politikverdrossenheit zu begegnen.
Die Strategie der Vereinfachung und der Ablenkung durch Privatisierung stellt die Antwort auf die Komplexität der Politik dar. Mit Personalisierung erleichtert das politische System die Darstellung der Politik für sich und reagiert damit auch auf die Bedürfnisse der Medien und des Publikums.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Kurz‘ Rücktritt: Dieses Kapitel detailliert die Etappen des Rückzugs von Sebastian Kurz, angefangen vom Rücktritt als Bundeskanzler bis hin zum vollständigen Rückzug aus allen politischen Funktionen, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen parteipolitischen und institutionellen Reaktionen.
2 „Message Control“ außer Kontrolle: Hier wird analysiert, wie die Kommunikationsstrategie der ÖVP unter Kurz einerseits mediale Aufmerksamkeit steuerte, aber bei zunehmendem Druck durch strafrechtliche Vorwürfe zunehmend erratisch und wirkungslos wurde.
Schlüsselwörter
Sebastian Kurz, Rücktritt, Politik, Message Control, Mediendemokratie, Koalition, Litigation-PR, Korruption, Ermittlungsverfahren, Privatisierung, Imagepflege, Österreich, Öffentlichkeitsarbeit, politische Kommunikation, Vertrauensverlust
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Hintergründe und die mediale Aufarbeitung des politischen Rückzugs von Sebastian Kurz und fokussiert dabei auf die Rolle seiner Kommunikationsstrategien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Dynamik der Koalitionsarbeit, die Medialisierung politischer Prozesse sowie der Einsatz von "Message Control" und Litigation-PR.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Ziel ist es zu ergründen, inwieweit die mediale Selbstinszenierung einerseits zum Erfolg beitrug, andererseits aber in einer Krisensituation durch den Verlust der Deutungshoheit zum Scheitern der politischen Karriere führte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse, gestützt auf aktuelle Literatur zur Mediendemokratie sowie eine Auswertung politischer Dokumente und Medienberichte zur Ära Kurz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Analyse der Rücktrittsschritte, die Rolle von Akteuren wie dem Bundespräsidenten und der Justiz sowie die theoretische Aufarbeitung der "Message Control".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind neben dem Namen Sebastian Kurz vor allem Message Control, Mediendemokratie, politische Kommunikation und politische Krisenkommunikation.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Grünen in der Koalition?
Die Autorin hebt hervor, dass es überraschend war, mit welcher Entschlossenheit die Grünen angesichts der Korruptionsvorwürfe den Rücktritt des Koalitionspartners forderten, um ihre eigene Handlungsfähigkeit zu wahren.
Warum wird Litigation-PR als zweischneidiges Schwert betrachtet?
Litigation-PR wird zwar als legitimes Mittel zur Vermeidung von Vorverurteilungen angesehen, kann aber bei einer erratischen Umsetzung das Gegenteil bewirken und die Glaubwürdigkeit weiter untergraben.
- Arbeit zitieren
- Mag. Dr. BEd Martina Wendl (Autor:in), 2022, Der Rückzug von Sebastian Kurz aus der Politik. Eine Analyse der medialen Aufarbeitung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1266921